HD-DVD: Interview mit Boris Schneider-Johne

Special Thomas Szedlak

Am 24. November erscheint das HD-DVD-Laufwerk für die Xbox360. Im Interview gibt uns Xbox Produkt Manager Boris Schneider-Johne u.a. Einblicke in die technischen Details des Laufwerks.

Spielt das externe HD-DVD-Laufwerk auch Standard-DVDs ab, oder müssen die im internen Laufwerk abgespielt werden? Kann das externe Laufwerk Standard-DVDs „hochrechnen“ (Upsampling auf 720p/1080i/1080p) und wenn ja, ist das wiederum abhängig vom verwendeten Anschlusskabel (YUV/VGA)?

Boris Schneider-Johne: Zwar spielt der HD-DVD-Player auch normale DVDs, aber das interne Laufwerk der Xbox360 kann das auch, in gleicher Qualität. Nach den Lizenzbestimmungen von Macrovision und dem DVD-Forum werden CCS-geschützte Inhalte auf Komponente maximal auf 576p, also Progressive PAL, skaliert. Eine höhere Auflösung ist technisch möglich, durch die Lizenzbestimmungen aber leider verboten. Beim VGA-Ausgang ist diese Einschränkung nicht gegeben, da dürfen wir die Technik der Xbox360 ausreizen und auch auf 1080p skalieren – in, wie ich persönlich finde, sehr guter Qualität – aber an echtes HD-DVD-Material kommt das Skalieren natürlich nicht heran.

Die Einlese-Zeit einer HD-DVD soll bei rund fünf Sekunden liegen, was deutlich schneller ist, als bei den ersten Standalone-Playern. Wie kommt das?

Boris Schneider-Johne: Sicherlich sind es auch mal mehr als fünf Sekunden, aber die Prozessoren der Xbox360 können mache Sachen etwas schneller als Konsumer-Hardware. Die hat dann wieder andere Vorteile, etwa die geringe Lautstärke.

Unterstützt das externe Laufwerk auch die interaktiven Funktionen (HDi) von HD-DVD z.B. „In Movie Experience“?

Boris Schneider-Johne: Natürlich! Das komplette Featureset wird unterstützt, wie man zum Beispiel an der bereits erwähnten „Tokyo Drift“-HD-DVD sehen kann. Das Laufwerk hat sogar eigenen Speicher für HD-DVD-Bookmarks, sofern der Titel diese unterstützt.

HD-DVD nutzt die modernere MPEG4-Komprimierung, während bei Blu-ray MPEG2 verwendet wird. Wieso eigentlich?

Boris Schneider-Johne: Meines Wissens sind die Blu-ray-Authoring-Systeme inzwischen auch auf die modernen Codecs umgestiegen. Das war eine Start-Schwierigkeit von Blu-ray, die aber dazu geführt hat, dass die ersten HD-DVDs deutlich besser aussahen als Blu-ray-Titel. Blu-ray zieht jetzt nach, aber nicht vorbei, die Bildqualität ist jetzt gleich.

Wie steht es um die Fähigkeit, die neuen Soundformate Dolby Digital Plus und Dolby True HD bzw. unkomprimierten PCM-Sound (mit bis zu 7.1 Kanälen) zu dekodieren?

Boris Schneider-Johne: Die Soundformate werden in der Konsole dekodiert und dann als Dolby-Digital-5.1-Downmix wieder ausgegeben. Direkte Ausgabe der neuen Formate ist zurzeit nicht möglich.

Der Format-Streit zwischen Blu-ray und HD-DVD ist in aller Munde. Worin sehen Sie die Stärken der HD-DVD?

HD-DVD: Interview mit Boris Schneider-Johne Boris Schneider-Johne: HD-DVD ist für Konsumenten und Hersteller ein deutlich besseres Format. In erster Linie liegt das an den Kosten: HD-DVDs sind einfach kostengünstiger herzustellen. Auch die Abspiel-Geräte sind deutlich preisgünstiger.
Beim Thema Kompatibilität sind die Vorgaben zum Beispiel bei Soundformaten eindeutiger: Jeder HD-DVD-Player unterstützt Dolby Digital Plus und Dolby True HD (auch Xbox 360) gegebenenfalls mit Downmixing auf normales 5.1 Dolby Digital und, wenn es sein muss, Stereo. Es kann mir also, anders als bei Blu-ray, nicht passieren, dass ich bestimmte Tonspuren auf meinem Equipment gar nicht hören kann.
Die ersten Blu-ray-Player haben keinen zweiten Videodecoder, der ist bei HD-DVD aber garantiert. Deswegen hat zum Beispiel der Film „Mission Impossible III“ auf HD-DVD ein paar Features wie einen „Bild im Bild Kommentar“, die der Blu-ray-Version fehlen. Würde Blu-ray diese Features nachrüsten, liefen die Discs nicht mehr auf allen Spielern.
Alle HD-DVD-Spieler haben Networking-Features, um neuen Content, zum Beispiel zusätzliche Audiokommentare, aus dem Internet zu laden oder zu streamen. Ja, auch Xbox360 kann das alles, wenn die Konsole über Xbox Live mit dem Internet verbunden ist.
Die interaktiven Features von HD-DVD können relativ einfach in HDi programmiert werden und der HDi Standard ist ausgereift und muss nicht mehr angepasst werden – und die Filmstudios wissen, dass alle Soundformate, zweiter Videodecoder und Networking, auf allen HD-DVD-Geräten garantiert vorhanden sind.
Blu-ray glänzt im Wesentlichen mit 50 GB Datenspeicher gegenüber 30 GB auf HD-DVD: Aber der USA-Release von „King Kong“, eines Drei-Stunden-Epos mit diversen Extras, passt bequem auf eine HD-DVD ohne Einschränkungen in der Bildqualität. Also vermissen die Studios diese 20 GB Speicher überhaupt nicht. Noch dazu gibt es auf HD-DVD „Flipper“-Disks, die man umdrehen kann und damit die Speicherkapazität verdoppelt. So bringt man auf der Rückseite eine normale DVD-Version des Films oder zusätzliches Bonus-Material unter.

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