Wargaming meets Megadeth: Dave Mustaine im Interview

Special Sascha Lohmüller
Wargaming meets Megadeth: Dave Mustaine im Interview
Quelle: Wargaming

Volle Packung Megadeth - heute Abend treten die Thrash-Metal-Legenden auf dem Summer Breeze auf und pünktlich dazu kündigte Wargaming nun eine Kooperation mit der Band an, die sich über gleich vier Spiele erstreckt. Wir hatten kürzlich die Chance, mit Frontmann & Gründer Dave Mustaine über die Kooperation, seine Band und Videospiele im Allgemeinen zu plaudern.

PCG: Blickt man ein wenig zurück auf die späten 70er und frühen 80er, darf man wohl behaupten, dass der Metal und die Videospiele etwa zur gleichen Zeit entstanden und anfingen zu wachsen und zu gedeihen. Denkst du, das ist der Grund, dass Teile der Gaming- und der Metal-Community so viele Gemeinsamkeiten haben? Oder woran liegt das deiner Meinung nach?

Mustaine: Das ist schwer zu sagen. Ich denke, dass es bei Games eine große Anspannung gibt, dass man sich sehr darin verliert, diese menschlichen Emotionen, die sie auslösen, und die Reaktionszeit, die Hand-Augen-Koordination ... es ist oft eine Sache von Nanosekunden, ob man in einem Spiel stirbt oder überlebt. Und das Tolle am Metal ist eben auch diese Intensität und Schnelligkeit. Könnte man die Emotionen, die diese Charaktere in Spielen durchleben, destillieren und in Musik umwandeln, würde sich das wahrscheinlich genau wie Metal anhören.

PCG: Ihr spielt heute Abend zum ersten Mal seit 2017 wieder beim Summer Breeze. Abgesehen davon: Welches Festival sollte jeder Metal-Fan zumindest einmal in seinem Leben besucht haben? Oder welches sollte er besuchen, wenn er das erste Mal auf ein Festival fährt?

Mustaine: Das ist auch schwer zu sagen, denn das hängt immer mit dem Land zusammen, in dem das Festival stattfindet. Die Gesetze eines Landes können den Spaß komplett aus einem Festival heraussaugen. Wir haben einmal - nur als Beispiel - ein Festival gespielt in einem südpazifischen Land. Ich werde nicht genau sagen wo, weil es nicht die Fans oder die Promoter dort widerspiegelt, sondern etwas mit dem Militär zu tun hatte. Wir haben in einem Fußballstadion gespielt als Headliner und das Militär stand vorne im Graben. Und als die Kids vorne gegen die Absperrung gedrückt wurden, haben die Soldaten sie mit ihren Gewehrkolben ins Gesicht geschlagen. Und das haben sie den ganzen Abend hindurch gemacht und ich bin fast verrückt geworden.

Ich war beim Verlassen der Bühne dermaßen wütend und außer mir, dass ich nie wieder an diesem Ort auftreten wollte. Ich habe seitdem meine Meinung revidiert, und wir hatten bessere Erfahrungen, denn je populärer wir wurden, desto mehr Forderungen konnten wir stellen, was den Umgang mit Fans anbelangt. Aber mit solchen Dingen umzugehen, ist echt schwierig. Wenn du siehst, wie deine Fans verletzt werden, das ist schwierig mitanzusehen.

Megadeth-Maskottchen Vic vor einem WoT-Panzer Quelle: Wargaming

PCG: Also definitiv nicht das Festival.

Mustaine: Nun, das ist ja der Punkt. Ist der Promoter Schuld? Ist der Promoter verantwortlich für das Handeln der Security? Im Endeffekt natürlich schon. Aber wenn wir hier in dieser Runde ein Festival veranstalten würden und ich käme hinterher an und sage "Einem Fan wurde die Schulter im Graben gebrochen", dann würdet ihr euch fragen: "Wie konnte das passieren? Warum gab es irgendwelche Umstände, dass einem Fan etwas gebrochen wurde, nur, weil irgendein Security-Typ auf Steroiden war" oder sowas in der Art. Es hat immer was mit dem Vibe des Festivals zu tun. Aus Donnington wurde Download und das ist ein echt spaßiges Festival.

Die haben es also gut hingekriegt. Hell Fest ist auch ein Festival, das die Franzosen wirklich gut organisiert haben. Das Hell Fest ist ja mittlerweile ... keine Ahnung ... 10 Tage lang [lacht], das ist fast ein nationaler Feiertag in Frankreich. In den Staaten haben wir keine wirklich guten Festivals. Wir hoffen natürlich, dass wir das ändern können. Aber viele Events, die die Metal-Bands in den Staaten machen, sind eher so ihr eigenes Ding, eigene Touren mit anderen Bands. Aber ich weiß auch nicht wirklich, woran das liegt. Das hat wahrscheinlich was mit der Mentalität der individuellen Promoter zu tun, aber schau dir auch die Fans an.

Fans reagieren so anders in einigen Ländern, wie sie im Moshpit Pogo tanzen, auf die Musik reagieren, wenn sie die Songs mitsingen - nicht mal die Lyrics, sondern tatsächlich die Musik. Wenn wir etwa in Südamerika sind, singen Fans den Rhythmus UND die Solos mit, das macht wirklich sehr viel Spaß. Aber in Südamerika haben sie auch wieder gute Festivals, das Monster of Rock und dergleichen. Rock in Rio. Es kommt also wirklich sehr auf die Nation an.

PCG: 2010 habt ihr die großartige "Big 4"-Tour gehabt, mit Megadeth, Metallica, Slayer und Anthrax. Im letzten November hast du in einem Interview erwähnt, dass du Slayer gern aus der Rente holen würdest und noch mal so eine Tour oder zumindest ein Einmalkonzert veranstalten würdest. Und Anfang 2023 hast du auch eine neuerliche Zusammenarbeit mit Ice-T erwähnt. Gibt es diesbezüglich Neuigkeiten?

Mustaine: Nein, zu Slayer gibt es nichts Neues. Ich habe das auch eher aus Spaß gesagt. Wir haben ein langes Verhältnis zu Slayer, mit einigen Höhen und Tiefen über die Jahre, und als sie in Rente gingen, hatte ich gehofft, dass es so wie bei all diesen anderen Gruppen ist, die in Rente gehen und es dann vermissen und zurückkehren. Bei einigen Bands mit ihren Retirement-Touren, No-more-tours-Touren, "Dies ist unsere letzte Tour"-Touren - manches davon ist ja mittlerweile mehr ein Running Gag, weil die Bands gar nicht verschwinden.

Ich weiß, dass Kiss in diesem Jahr in Rente gehen, aber ... das hab ich auch vorher schon mal gehört. Aber ich bin auch froh, dass sie noch da sind. Ich war ein Kiss-Fan, als ich aufgewachsen bin und dann kam die Zeit, als ich anfing, meine eigene Musik zu schreiben und nicht mehr unbedingt ein Fan der Musik anderer Leute war. Aber vor langer Zeit haben wir mit Kiss zusammen gespielt und das erinnerte mich einfach daran, wie sehr ich einige dieser Bands geliebt habe und wie sehr sie mich beeinflusst haben, als ich aufwuchs. Und wie wahrhaft traurig ich sein werde, wenn sie dann wirklich aufhören.

Megadeth-Maskottchen Vic in Uniform vor einer Explosion Quelle: Wargaming

PCG: Im letzten Jahr habt ihr euer aktuelles Album "The Sick, the Dying ... and the Dead" veröffentlicht. Arbeitet ihr bereits an neuer Musik oder was sind eure Pläne, wenn eure aktuellen Tour-Aktivitäten vorbei sind?

Mustaine: Ich denke, da müsste man etwas mehr darüber wissen, wie ich Musik schreibe, um darauf die richtige Antwort zu geben. Denn: Bei mir ist es so, dass ich da ein "mentales Problem" habe, wenn ich Musik schreibe bzw. spiele. Ich übe niemals, denn jedes Mal wenn ich eine Gitarre in die Hand nehme, dann schreibe ich auch etwas Neues. Und wenn ich dann nicht bereit bin, es direkt aufzunehmen, ist es für immer vergessen - und das macht mich traurig. Manchmal macht es mich auch wütend, weil ich mich nicht mehr an ein Riff erinnere.

Deswegen gibt es auch so viele Leute, die den ganzen Tag ein Tonaufnahmegerät laufen haben. Wenn ich also eine Gitarre anfasse, dann bin ich normalerweise auch bereit, etwas aufzunehmen oder niederzuschreiben. Und wenn ich dann etwas aufnehme, dann archivieren wir es. Wenn wir es nicht verwenden, dann sparen wir es uns für später auf. Der erste Song, den ich geschrieben habe, nachdem ich Metallica verlassen habe, hieß Megadeth und wir haben nur den Titel später geändert.

"Mechanix" [vom Megadeth-Debütalbum "Killing is my Business ... and business is good!"] habe ich vor Metallica geschrieben. "Jump in the Fire" [einer der ersten Metallica-Songs von 1982] wurde noch vor Metallica geschrieben. Viele dieser Songs waren also schon lange geschrieben und ich hatte einfach das Gefühl, es war noch nicht ihre Zeit. Die Songs waren noch nicht gereift, waren noch nicht "erwachsen" genug, um sie der Öffentlichkeit zu präsentieren. Also: Schreibe ich gerade etwas? Nein, das Archiv ist voll. Ich muss nur hineingehen, mir eine Idee herauspicken und darauf aufbauen. Wir haben auch noch viele Songs aus unseren Sessions auf der Halde, die noch nicht fertiggestellt sind.

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