World War Z im Test: Kalte Leichen treffen auf heiße Koop-Shooter-Action - jetzt mit Video
Test 26,99 €
Das Spiel zum Film zum Buch - das ist World War Z, das am 16. April für PC, PS4 und Xbox One erschienen ist. Wie in der cineastischen und literarischen Vorlage schnetzelt ihr euch dort durch gewaltige Massen von Zombies, schließt euch mit anderen Überlebenden zusammen und versucht, die Menschheit noch irgendwie vor dem Untergang zu bewahren. Wie sich das spielt, lest ihr im Test.
Wenn in der Hölle kein Platz mehr ist, kommen die Toten auf die Erde - so lautet wohl eines der bekanntesten Zitate aus George A. Romeros Filmklassiker Dawn of the Dead. Will man dem Urvater des Zombie-Genres Glauben schenken, so muss der Teufel das Tor zur Unterwelt wohl besonders dicht zugemacht haben. In World War Z (jetzt kaufen 25,00 € / 26,99 € ) wimmelt es auf der Oberfläche nämlich geradezu von verwesenden Gestalten, die drohen, auch den letzten Rest menschlichen Lebens von der Erde zu tilgen.
Das noch irgendwie zu verhindern und so den kleinen Funken Hoffnung doch noch am Leben zu erhalten - genau das ist nun euer Ziel. Dafür schlüpft ihr in die Rolle einer der insgesamt 16 spielbaren Figuren und tretet zusammen mit drei Kameraden der scheinbar übermächtigen Armee des Todes gegenüber. Euer Überlebenskampf wird dabei in insgesamt vier verschiedenen Folgen erzählt, die euch jeweils an einen anderen Winkel der Erde entführen. Ihr ballert euch etwa durch die U-Bahn-Schächte von New York, erforscht ein Labor im Moskauer Untergrund oder eskortiert einen Bus durch die Straßen Tokios.
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Kein Brad Pitt, keine Spannung
Die Entwickler von Saber Interactive sind dabei sichtlich um Abwechslung bemüht. Die Aufgaben, mit denen ihr betraut werdet, gestalten sich aber oft recht anspruchslos und auch den Levels fehlt ein wenig der Charme. Einzigartige Kulissen wie der Themenpark aus Left 4 Dead 2, die einem auch längerfristig im Gedächtnis bleiben, kann World War Z leider nicht vorweisen.
Quelle: PC Games
In der Charakter-Übersicht im Hauptmenü könnt ihr die Hintergrundgeschichten der Protagonisten nachlesen und kurze Story-Filmchen freischalten.
Auch in Sachen Story zeigt der Titel ein paar Defizite. Die jeweils drei (im Fall von Tokio sogar nur zwei) untergeordneten Episoden einer jeden Folge vermitteln zwar eine in sich geschlossene Geschichte, auf einen großen überspannenden Handlungsbogen müsst ihr aber verzichten. Das einzige, was die vier Szenarien miteinander verbindet, ist die Ausgangssituation: Die Welt geht gerade kollektiv den Bach hinunter. In der Erzählstruktur ähnelt World War Z also ein wenig der Buchvorlage. Deren primäres Ziel war es, zu zeigen, wie Menschen in den verschiedensten Teilen des Erdballs mit der Katastrophe und deren Konsequenzen umgehen.
Anders als der Roman von Max Brooks (Sohn des US-Schauspielers und Regisseurs Mel Brooks) mangelt es dem Zombie-Spiel aber leider an Tiefe - oder langanhaltender Spannung. Die vier Folgen unterhalten euch für jeweils ungefähr anderthalb Stunden. Die Informationen, die ihr währenddessen zu Lore und Spielwelt erhaltet, sind eher spärlich. So kratzen die Macher von Saber Interactive oftmals nur an der Oberfläche des vorhandenen Materials und lassen viel Potenzial der Vorlagen ungenutzt.
Der Schwarm ist der Star
Später gibt es immerhin noch die Möglichkeit, die Hintergrundgeschichte der spielbaren Charaktere freizuschalten. In einem kurzen Filmchen bekommt ihr dann deren persönliches Schicksal etwas nähergebracht. Da gibt es etwa Sergei Popov, ein geläutertes Oberhaupt der Russen-Mafia, das sich nun als Pater verdingt. Oder den Feuerwehrmann Tashaun Burnell, der während den Anschlägen des 11. Septembers im Einsatz war. Oder Kimiko Nomura, deren Begeisterung für Waffen ihr eine Karriere als Biathletin ermöglichte. Grundsätzlich hatten die Entwickler hier also durchaus interessante Ideen. Leider haben sie es aber verpasst, aus ihnen auch das Maximum herauszuholen. Die Figuren bleiben über den Spielverlauf hinweg flach und unpersönlich. Auch weil sich die Interaktion zwischen den Kameraden auf ein Minimum begrenzt .
Quelle: PC Games
Bei der Gewaltdarstellung zeigt sich World War Z alles andere als zimperlich.
Aber naja, für eine verzweigte Erzählung und mehrschichtige Charaktere werden sich wohl die wenigsten World War Z gekauft haben. Vielmehr geht es um den gnadenlosen Kampf gegen eine schiere Übermacht an Untoten, welchen Saber Interactive grandios in Szene setzt. Unangefochtener Star dieser Präsentation ist der sogenannte Schwarm, eine riesige Horde von Zombies, die sich wie ein Schwall toter Leiber über die Stadt ergießt. Zombies quellen aus Türen und Lüftungsschächten hervor, stürzen unbeeindruckt mehrere Meter tief auf euch herab oder rennen wie wild auf euch zu. Für die nötige Dynamik sorgt dabei die eigens entwickelte "Swarm Engine", die es schafft, Hunderte Zombies gleichzeitig auf den Schirm zu zaubern und sie zu einer lebensgefährlichen Einheit verschmelzen zu lassen.
Punkten eure Widersacher als Individuum nicht unbedingt durch Cleverness und reagieren lediglich auf laute Geräusche, entwickeln Zombies im Rudel nämlich eine Art Gruppenintelligenz. Um auch an Futter heranzukommen, das sich etwa auf einer höheren Ebene und damit außerhalb ihrer Reichweite aufhält, stapeln sie sich zu riesigen Haufen aufeinander und überwinden so auch meterhohe Hindernisse. Dadurch seid ihr eigentlich nirgends mehr sicher.
Quelle: PC Games
In der Gruppe entwickeln die Zombies eine Art Schwarmintelligenz und bauen menschliche Pyramiden, um hohe Mauern zu überwinden.
Ein ordentliche Prise Left 4 Dead
Zumal neben dem typischen 08/15-Zombie auch noch einige Sonderspezies auf euch warten, vor denen ihr euch wirklich in Acht nehmen solltet. Diese speziellen Infizierten punkten weniger mit ihrer zahlmäßigen Übermacht, sondern mehr mit ihren tödlichen Fähigkeiten - und sind unübersehbar von Left 4 Dead inspiriert. Da wäre etwa der Bulle, ein ehemaliger Polizist in schwerer Panzerung, der gnadenlos auf euch zu prescht und euch dann mit seinen kräftigen Armen gegen Wände und Böden schlägt. Klingt verdächtig nach einem Charger, oder? Beim Schleicher, der sich im Dunkeln versteckt, euch unvermittelt anspringt und dann den Körper aufschlitzt, mussten wir indes unvermeidlich an einen Hunter denken. Gut, immerhin haben sich Saber Interactive mit dem Schreier oder dem Gasbeutel noch zwei eigene Kreationen ausgedacht. Gerade einmal fünf unterschiedliche Gegnertypen fanden wir nichtsdestotrotz aber ein wenig mau.
Quelle: PC Games
Der Schleicher drückt euch zu Boden und setzt euch mit seinen Krallen ordentlich zu - kein unbekannter Anblick für Left 4 Dead-Spieler.
Am Ausschalten der Infizierten hatten wir dafür aber umso mehr Spaß. Die Gefechte in World War Z sind wunderbar rasant und blutig in Szene gesetzt. Anders als bei Left 4 Dead, das in Deutschland nur als gewaltgeminderte Version verfügbar ist, spart der Titel aus dem Hause Saber Interactive nicht an der nötigen Splatter-Action: Ihr könnt den Zombies einzelne Gliedmaßen abhacken, mit einer Schrotflinte das halbe Gesicht wegpusten oder mit einem Schuss aus dem Granatenwerfer für einen munteren Gedärme-Regen sorgen. Das sieht nicht nur fetzig aus, sondern fühlt sich dank des gelungenen Trefferfeedbacks auch noch richtig gut an.
Für den Kriegsfanatiker von Welt bietet World War Z zudem noch diverse stationäre Verteidigungsanlagen wie Geschütztürme, Stacheldraht oder Elektro-Zäune. So bekommen Konfrontationen mit dem Schwarm teils sogar eine taktische Note. Geplantes Vorgehen ist im Spielverlauf ohnehin von immer höheren Wert, schließlich wird der Titel mit seinen insgesamt fünf verschiedenen Schwierigkeitsgraden zunehmend herausfordernder.
Wer nicht kooperiert, wird liquidiert
Um da noch zu bestehen, gilt es natürlich, sich optimal mit seinen Koop-Kameraden abzustimmen. Denn auch, wenn ihr World War Z offline mit Bots spielen könnt, macht der Titel zusammen mit menschlichen Mitspielern natürlich immer noch am meisten Spaß. Im Quartett versorgt ihr euch gegenseitig mit Heilitems, gebt einander Feuerschutz oder stellt Nachschubkisten mit explosiver Munition auf. Um auf diese hinzuweisen, geben euch die Entwickler neben Text- und Voice-Chat auch eine Art Ping-System an die Hand. So könnt ihr mit einem Tastendruck Gegenstände oder Gegner für eure Koop-Partner markieren oder Wegpunkte setzen. Das vereinfacht die Kommunikation ungemein.
Quelle: PC Games
Spielt ihr mit einer der sechs Klassen, erhaltet ihr dafür Erfahrungspunkte. Mit steigendem Level schaltet ihr dann neue Perks frei.
Zusätzliche spielerische Tiefe erhält World War Z durch sein umfangreiches Klassen- und Upgrade-System. Revolverheld, Höllenfürst oder Schädlingsbekämpfer verfügen jeweils über individuelle Perks oder Ausrüstungen und spielen sich entsprechend alle anders. Über einen Fähigkeitenbaum lassen sich zudem neue Eigenschaften wie zusätzlicher Schadenswiderstand oder eine erhöhte Nahkampfdistanz freischalten. Das hält die Motivation auch auf Dauer hoch und gibt immer wieder aufs Neue Anreize, euch auch noch ein weiteres Mal ins Getümmel zu stürzen. Zudem bekommt so jeder die Chance, eine Klasse zu finden, die genau zu seinem Stil passt. Und Teams können sich etwa mit einem Medic, einem Support sowie je einem Nah- und einen Fernkämpfer breit aufstellen.
Obendrauf dürft ihr dann auch noch eure Waffen verbessern. Beim Spielen erhaltet ihr nämlich Erfahrungspunkte, mit denen eure Schießeisen dann im Level aufsteigen. Erreicht ihr eine neue Stufe, schaltet ihr damit zusätzliche Abwandlungen der einzelnen Knarren frei - etwa eine Version mit Schalldämpfer, Visier oder erweitertem Magazin.
PvP, Probleme, Post-Launch-Inhalte
Wem das alles noch nicht reicht, der kann sich nach Abschluss der Kampagne auch noch in den Multiplayermodus stürzen. Dort tretet ihr etwa in Deathmatches oder Capture-the-Flag-Partien gegen menschliche Gegenspieler an. Darüber hinaus gibt es in World War Z einige PvPvE-Spielvarianten, die beispielsweise den klassischen Herrschaftsmodus mit dem aus der Kampagne bekannten Zombie-Schwarm vermischen. Dann macht es euch eine Horde Untoter etwa zusätzlich kompliziert, die einzelnen Punkte auf der Karte zu erobern oder zu verteidigen.
Quelle: PC Games
Im Multiplayer-Modus messt ihr euch in Vier-gegen-Vier-Gefechten auf diversen story-unabhängigen Karten.
Die Infizierten dienen aber auch noch als dringend benötigtes Extra-Kanonenfutter. Ihr messt euch nämlich maximal in zwei Vierer-Teams miteinander. So kommt es, trotz entsprechend kleiner Karten, nicht dauerhaft zu hitzigen Feuergefechten zwischen den beiden Parteien. Weitere Wermutstropfen: Anders als etwa in Left 4 Dead gibt es unter den sechs derzeit verfügbaren Spielmodi keinen, in dem ihr euch auf die Seite der Zombies schlagen dürft. Zudem könnt ihr die einzelnen Multiplayer-Maps nicht gezielt auswählen. Und eure Klassen, die ihr noch einmal getrennt von der Kampagne aufleveln müsst, lassen sich während eines laufenden Spiels nicht wechseln. So wirkt der Mehrspieler-Modus momentan mehr wie eine nette Beigabe - aber leider nicht hundertprozentig ausgereift.
Nichtsdestotrotz bietet World War Z ein spaßiges Gesamtpaket. Ja, der Koop-Shooter überzeugt nicht unbedingt durch Innovation. Böse Zungen würden sogar sagen, er macht gar nichts neu macht und verwertet stattdessen nur erfolgreiche Spielelemente anderer Genrevertreter wieder. Das gelingt dem Spiel allerdings ziemlich gut. Das gilt auch für die Konsolenversion, wo ihr lediglich mit einer etwas unpräziseren Steuerung, etwas längeren Ladezeiten und teils schlechterer Grafik auskommen müsst. Das ist aber nichts, was den Spielspaß langanhaltend trüben würde. Wer unbedingt meckern will, der kann das bezüglich des mageren Umfangs tun. Es gibt etwa noch keine privaten Lobbys. Ein paar mehr Gegnertypen sowie einige zusätzliche Levels würden dem Spiel auch nicht schaden. Entwickler Saber Interactive hat diesbezüglich allerdings schon angekündigt, dass Spieler mit kostenlosen Content-Updates nach dem Launch rechnen dürfen.
Fazit und Wertung
Meinung
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