Wolfenstein: Youngblood im Test - Zwei sind nicht zu bremsen
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Mit beinahe 40 Jahren hat die Wolfenstein-Reihe eine belebte Geschichte hinter sich. In den 90ern machte die Serie Ego-Shooter populär. In den frühen 2010ern erfand sich das Franchise dann komplett neu und brachte uns eine alternative Sicht auf die Weltgeschichte bei. 2019 folgt mit Youngblood nun der nächste Schritt: Koop-Action und ein offeneres Missionsdesign. Aber geht diese Rechnung überhaupt auf? Wir klären's im Test!
Brüder und Schwestern
Habt ihr auf den Straßen jedoch genug Erfahrung gesammelt, könnt ihr diese zur Charakter-Entwicklung nutzen. Mit Fertigkeitspunkten und Silbermünzen, die es für Nebenmissionen oder verstreut in der Spielwelt gibt, lassen sich für Jess und Soph Upgrades kaufen. Diese umfassen neue Funktionen für euren Anzug - wie den aus Wolfenstein 2 bekannten Rammbock - aber auch zusätzliche Gesundheit, Rüstung oder Ausweichmoves. Sogar sogenannte Schübe lassen sich ingame erwerben. Bei denen handelt es sich um temporäre Booster, die für zehn Minuten eure Fähigkeiten verbessern.
Auch eure Waffen dürft ihr nun nach Herzenslust modifizieren. Hattet ihr im Vorgänger nur die Wahl aus drei Aufsätzen je Schießprügel, stehen euch nun fünf verschiedene Kategorien mit je drei Verbesserungsoptionen zur Verfügung. Zudem levelt ihr die insgesamt neun Waffen (inklusive Beile und Messer) durch Abschüsse noch einmal separat auf, was euch zusätzliche Schadensboni und jede Menge Möglichkeiten zum Austoben bietet.
In diesem Artikel
Quelle: PC Games
Egal ob Fähigkeiten oder Aussehen - beinahe jeder Aspekt eurer Hauptfigur lässt sich individuell anpassen. Manchmal auch im Austausch gegen Echtgeld.
All diese Upgrades werden später auch bitter nötig, wenn ihr in den großen Story-Missionen Einrichtungen des Regimes - genannt "Brüder" - überfallt. Das geht auf zwei Arten: Entweder stur durch die Haustür oder subtil durch den Hintereingang - sofern ihr genug Vorarbeitet geleistet und beispielweise einen Geheimgang gefunden habt. Ganz gleich für welchen Ansatz ihr euch jedoch entscheidet, am Ende läuft es ohnehin so ziemlich auf das Gleiche hinaus: Ihr müsst einen Wächter erledigen und einen Computer hacken - gleich viermal. Da die großen Brocken einiges einstecken können - und beinahe schon an die Bullet-Sponges aus The Division erinnern - kommt spätestens hier der Punkt, an dem es euch mal zu Boden zwingt. Doch keine Sorge: Die Schwestern können einander wieder auf die Beine helfen und selbst wenn ihr verblutet, verliert ihr zunächst einmal eines von drei geteilten Leben. Erst wenn diese alle verbraucht sind, ist eure Mission gescheitert und ihr müsst von vorne beginnen.
Künstliche "Intelligenz"
Eure KI-Mitspieler stoßen bei großen Gegnern ebenfalls an ihre Grenzen, da taktische Manöver wie Flankieren mit ihnen einfach nicht möglich sind. Aber auch abseits der Bosse leistet sich euer computergesteuerter Koop-Partner mal den einen oder anderen Aussetzer. Etwa, wenn er euch vor seinen Füßen verbluten lässt und sich lieber alleine einem gewaltigen Panzerhund anlegt. Oder wenn ihr versucht, im Team eine Tür zu öffnen, aber erst darauf warten müsst, dass eure Schwester angedackelt kommt oder - noch besser - plötzlich wie teleportiert neben euch steht. Da kam bei uns die Frage auf, warum man nur Gegner markieren, der KI aber keine Befehle geben kann.
Auch im Online-Koop (für den ihr übrigens zwingend ein Bethesda-Konto braucht) seid ihr nicht vor solchen Problemen gefeit. Wenn ihr ein offenes Spiel hostet oder per Schnelleinstieg einer fremden Sitzung beitretet, kann es sein, dass ihr mit einem wenig kooperativen oder kommunikativen Zeitgenossen zusammengewürfelt werdet. Ansonsten funktioniert das Matchmaking aber gut, in der Regel bekommt ihr einen ähnlich starken Mitspieler zugeteilt. Zudem werden Charakter- und Waffen-Fortschritt der Sitzung gespeichert. Am meisten Spaß macht Wolfenstein: Youngblood aber immer noch mit einem Freund, den ihr als Besitzer der Deluxe Edition sogar per Buddy Pass zum Mitspielen einladen könnt - ohne jegliche Extrakosten.
Quelle: PC Games
Hallo, Hilfe?! Die KI eurer computergesteuerten Mitspieler lässt in manchen Momenten etwas zu wünschen übrig.
Die Qual der Wahl
Apropos Extrakosten: In Youngblood erwartet euch diesmal auch ein Ingame-Shop, in dem ihr für Echtgeld Goldbarren kaufen könnt. Mit diesem lassen sich dann beispielsweise neue Helme oder Lackierungen für eure Motorrüstung erwerben. Diese Mikrotransaktionen sind allerdings rein optischer Natur und werden einem nicht aufs Auge gedrückt. Es liegt also im eigenen Ermessen, ob man seine hart verdienten Euros in Vanity-Items investieren möchte oder nicht.
Ähnliches gilt für die Frage, zu welcher Version man denn nun am Ende greift. Schließlich wird Wolfenstein: Youngblood erstmals offiziell in zwei Ausführungen in Deutschland verfügbar sein. Neben der deutschen gibt es auch die internationale Fassung, in der ihr auf deutsche Sprachausgabe oder Untertitel verzichten müsst. Im Gegenzug wurde dafür jedoch auf eine Zensierung jeglicher Weltkriegssymbolik verzichtet.
Quelle: Bethesda / MachineGames
In der deutschen Version von Wolfenstein: Youngblood wurden unter anderem Hakenkreuze durch fiktive Symbole ersetzt.
Das Spielgefühl bleibt in beiden Fällen jedoch unverändert: Entwickler MachineGames liefert auch mit seinem neuesten Titel ein vollkommen verrücktes Action-Feuerwerk ab, das ihr nun sogar zu zweit erleben könnt. Die Geschichte bleibt während der nicht einmal zwölf Stunden zwar recht oberflächlich, stets linear und teils vorhersehbar. In Sachen Waffen oder Gegnern ist kaum ein Unterschied zum Vorgänger auszumachen und auch grafisch und technisch gibt es keinen Sprung nach vorne (die Ladezeiten bewegen sich auf dem PC etwa zwischen fünf und 20, auf der Konsole auch mal über 30 Sekunden). Das Abenteuer rund um die Blazkowicz-Schwestern ist aber dennoch ein ordentlicher Vertreter der Wolfenstein-Reihe, der zumindest bei uns die Lust auf den hoffentlich bald erscheinenden dritten Hauptteil geweckt hat.
Update zur Switch-Version
Inhaltlich und spielerisch unterscheidet sich die Switch-Version nicht von den Ablegern für PC, PS4 oder Xbox One. Im Großen und Ganzen macht Wolfenstein: Youngblood auch auf der Nintendo-Konsole ordentlich Laune. Einziger Wermutstropfen ist die etwas unpräzise Steuerung, die euch besonders im Handheld-Modus ein paar Probleme bereitet - trotz merklichem Auto-Aim. Im Bereich Technik und Grafik müssen Spieler zudem natürlich einige Abstriche hinnehmen. In Cutscenes bekommt ihr es mit vereinzeltem Tearing, nachladenden Texturen und genereller Detailarmut zu tun. Gerade im Handheld-Modus wirkt das Bild etwas grobkörnig und viele Oberflächen, besonders auf große Distanz, matschig unscharf. In Sachen Belichtung und Wassereffekte spielt die Switch verständlicherweise auch nicht auf demselben Niveau wie die anderen Plattformen. Und zu guter Letzt habt ihr es ständig mit einem lästigen Motion-Blur-Effekt zu tun.
Auch sonst wurde die Präsentation etwas eingedampft. Wolfenstein: Youngblood läuft im TV-Modus der Switch in maximal 720, im Handheld-Modus in 540p. Da die Entwickler jedoch mit einer dynamischen Auflösung arbeiten, kann es auch schon mal sein, dass das Bild etwas herunterskaliert wird, damit die Framerate nicht leidet. Diese ist auf der Switch übrigens bei 30 FPS gecapped. Bei hoher Belastung - etwa, wenn es auf dem Bildschirm ordentlich kracht und bummt - liegt sie auch mal etwas darunter. Heftige Einbrüche oder gar Ruckler haben wir während unseres Test aber nicht erlebt. Wer also nur eine Switch besitzt und Bock auf einen ordentlichen Koop-Shooter hat, kann hier ruhig mal zugreifen. Sollte dann aber wissen, dass selbst in Retail-Fassungen keine Cartridge, sondern nur ein Code für den knapp 20 Gigabyte großen Download enthalten ist.
Fazit und Wertung
Meinung
Bildergalerie
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