Wolfenstein: Youngblood im Test - Deftiges Geballer nach Familienrezept - Update mit Switch-Wertung
Test 17,99 €
Mit beinahe 40 Jahren hat die Wolfenstein-Reihe eine belebte Geschichte hinter sich. In den 90ern machte die Serie Ego-Shooter populär. In den frühen 2010ern erfand sich das Franchise dann komplett neu und brachte uns eine alternative Sicht auf die Weltgeschichte bei. 2019 folgt mit Youngblood nun der nächste Schritt: Koop-Action und ein offeneres Missionsdesign. Aber geht diese Rechnung überhaupt auf? Wir klären's im Test!
Wir kauern auf einem Hügel in der staubigen Wüste Texas' - inmitten von braunen Büscheln abgestorbenen Grases und den rostigen Überresten eines Kampfroboters. Unter dem immer dunkler werdenden Horizont haben wir unsere Augen starr auf das Ziel gerichtet. Unser Fadenkreuz hat den Kopf genau im Visier, unser Finger den Abzug fest im Griff. Wir atmen noch einmal tief ein und die Zeit scheint für eine Sekunde stehen zu bleiben. Dann erschüttert ein Schlag die gespenstige Stille. Wir haben gerade unseren ersten Abschuss in Wolfenstein: Youngblood (jetzt kaufen 29,95 € / 17,99 € ) verzeichnet.
Gut, bei unserem Opfer handelte es sich nur um ein einsames Dickhornschaf, das sich zu seinem Unglück in unser Jagdterritorium verirrt hatte. Dennoch fühlt sich dieser Moment nach einem echten Triumph an. Schließlich schlüpfen wir im neuesten Teil der Ego-Shooter-Reihe aus dem Hause Bethesda erstmals nicht mehr in die Haut des bekannten Serienhelden William Joseph "BJ" Blazkowicz. Stattdessen übernehmen wir die Kontrolle über seine eher weniger kriegserfahrenen Zwillingstöchter Jessie und Zofia. Oder besser gesagt - eine Tochter. Denn wie sich mittlerweile wohl herumgesprochen haben sollte, handelt es sich bei Wolfenstein: Youngblood um ein Koop-Abenteuer. Ihr zieht also zusammen mit einem Mitspieler (oder alternativ der KI) als tödliches Duo durch die Spielwelt und lasst es dabei ordentlich krachen - ganz nach väterlichem Vorbild.
In diesem Artikel
Prepare for trouble - make it double
Auf euren alten Herren müsst ihr allerdings nicht gänzlich verzichten. Der gute BJ spielt in der Geschichte nämlich immer noch eine zentrale Rolle: Zu Beginn der Achtzigerjahre verschwindet er aus mysteriösen Gründen im besetzten Paris. Und weder Frau Anya noch Freundin Grace Walker, mittlerweile zur FBI-Chefin des befreiten Amerikas aufgestiegen, haben auch nur den Hauch einer Spur. Entsprechend ergreift der eigene Nachwuchs die Initiative und stürzt sich zusammen mit BFF Abby in ein wagemutiges Abenteuer in der französischen Hauptstadt.
Bevor es losgeht, müsst ihr euch allerdings zunächst einmal für eine der beiden Schwestern entscheiden. Diese spielt ihr dann für den Rest des Abenteuers. Selbst im Solo-Modus könnt ihr nicht dynamisch zwischen den Jess und Soph hin- und herwechseln - was jedoch ernster klingt, als es tatsächlich ist. Anders als etwa noch in unserer Vorschau beschrieben hat die Wahl des Charakters nämlich keine spielerischen Auswirkungen. Darauf werdet ihr bereits explizit zu Spielbeginn hingewiesen. Beide Protagonistinnen können dieselben Fähigkeiten lernen und Waffen bei sich tragen. Der einzige Unterscheid liegt darin, dass ihr entweder mit einer Schrotflinte oder einem Sturmgewehr startet.
Quelle: PC Games
Zu Spielbeginn müsst ihr euch für eine der Blazkowicz-Schwestern und deren Ausrüstung entscheiden.
Mit denen geht es zum Auftakt der Story erst einmal auf einen Zeppelin, wo ihr im Auftrag der französischen Resistance einen deutschen General erledigen sollt. Ihr fangt also direkt mal an zu ballern und kommt so schnell in den Rhythmus des Vorgängers zurück: Ihr springt, rutscht und rennt durch die Gänge, während ihr aus allen Rohren feuert. Auch Youngblood zeigt sicher hier nur wenig zimperlich, was Gewaltdarstellung angeht. Mündungen rauchen, Blut spritzt und Körperteile fliegen - das ist Trefferfeedback wie wir es uns wünschen. Neu ist lediglich die zusätzliche Stealth-Funktion eurer Motorrüstung, mit der ihr für eine gewisse Zeit lang unsichtbar werdet. So ist es nun einfacher, Gegner mit Äxten und Messern leise auszuschalten. Das spart nicht nur Munition, sondern auch jede Menge Ärger.
Alarm! ALARM!!
Wie in den Vorgängern sind nämlich wieder Kommandanten auf dem Luftschiff verteilt, die bei Sichtkontakt Alarm auslösen sowie Verstärkung anfordern, und daher zuerst ausgeschaltet werden sollten. Das ist jedoch leichter gesagt als getan. Denn ihr Standpunkt wird nun nicht mehr durch eine Entfernung am oberen Bildschirmrand angezeigt, sondern nur noch durch ein oranges Rechteck auf eurer Minimap. So müsst ihr schon mal etwas suchen, bis ihr den Obermotz gefunden habt und lauft dabei durchaus Gefahr, entdeckt zu werden - auch wenn die KI hier und da noch immer ein paar Aussetzer hat. Ihr könnt etwa unbemerkt einen Gegner exekutieren, obwohl er nur zwei Meter entfernt von einem Kameraden steht.
Quelle: PC Games
Stärkere Gegner verfügen über eine sogenannte Barriere - eine Art Panzerung, die ihr nur mit einer bestimmten Munitionsart durchbrechen könnt.
Vorläufiger Höhepunkt des Intros ist natürlich der Bosskampf gegen den General an Bord. Dabei kommt eine neue Funktion von Wolfenstein: Youngblood zum Tragen. Neben Levels und Lebensleisten verfügen eure Gegner nun auch über sogenannte Barrieren - also eine Art Panzerung, die ihr nur mit einem bestimmten Munitionstypen durchlöchern könnt. Das macht die Kämpfe noch taktischer und anspruchsvoller, ihr solltet also stets auf eure Gesundheit und Rüstung zu achten. Die lässt sich übrigens nicht nur aufsammeln, sondern auch per Geste auffüllen. Gebt ihr eurer Schwester einen Daumen nach oben, sorgt das für einen ordentlichen Health-Schub - inklusive eines aufmunternden Spruchs.
Von luftigen Höhen geht es dann in finstere Tiefen. Da Paris wie der Rest Europas noch immer unter der Kontrolle des Regimes steht (zumindest in der deutschen Version - doch dazu später mehr), baut ihr eure Basis in den berühmten Katakomben der Stadt auf. Wie in "Evas Hammer" aus dem Vorgänger stockt ihr dort eure Munition auf, führt vereinzelte Gespräche und plant natürlich die nächsten Schritte. Wobei diese zu Beginn noch recht klein ausfallen. Um die Besatzer zu überwältigen, seid ihr noch lange nicht stark genug. Ihr müsst daher erst einmal "trainieren", wie es JuJu - die Anführerin des Pariser Untergrunds - möglichst schmeichelhaft formuliert.
Ici, c'est Paris
Im Klartext erwartet euch nämlich Folgendes: Wie eure Gegner haben auch eure Hauptfiguren ein Level, das durch erledigte Feinde und Aufgaben steigt. Die meisten Story-Missionen sind allerdings erst ab einem bestimmten Rang wirklich spielbar, da ihr sonst direkt den Löffel abgebt. Heißt: Es gilt also zunächst einmal die Stadt zu erkunden und Nebenmissionen zu erledigen - die euch Figuren innerhalb der Basis anvertrauen - und euch so stetig auf den großen Coup vorzubereiten. Das hat teilweise schon ein wenig Grind-Charakter.
Quelle: PC Games
Die Straßen von Paris sind durchaus hübsch anzuschauen, wirken allerdings menschenleer. Und sind ohne Karte schwer zu durchblicken.
Immerhin sind die vier verschiedenen Stadtteile von Paris, die ihr jeweils über die Metro erreicht und dann frei erkundet, schön anzuschauen. Und die Aufgaben, die ihr dort erledigt, recht anspruchsvoll. Mal sollt ihr bestimmte Zielpersonen beseitigen, mal Informationen beschaffen und mal eine Geisel retten - die dann wiederum einen Schießstand in den Katakomben freischaltet. Viel Tiefgang oder Abwechslung dürft ihr aber nicht erwarten. Eure Missionen laufen ab einem gewissen Punkt oft nur noch auf dasselbe hinaus. Zudem bekommt ihr durch die recht begrenzte Anzahl an Arealen häufig bereits besuchte Kulissen noch einmal zu Gesicht. Schade.
Besonders, da die französische Hauptstadt mit ihren charmanten Cafés und Alleen doch eigentlich zu überzeugen weiß. Und dank der Doppelsprung-Funktion eurer Motorrüstung sogar vertikal erkundet werden kann. Indem ihr über Dächer und Balkone klettert, geht ihr ideal Gegnern aus dem Weg. Müsst von oben dann allerdings auch feststellen, wie leer die Spielwelt eigentlich ist. Außer Regimesoldaten ist keine Menschenseele unterwegs. Abgesehen von Collectibles und Secrets gibt es kaum Gründe, die Stadt in ihrer Gänze zu erkunden. Zumal die Orientierung ohne eine wirkliche Karte schon etwas schwerfällt. Wenn ihr euch nur mithilfe eines Missionsmarkers zurechtfindet sollt, der nicht mehr als die grobe Richtung und Entfernung eures Ziels angibt, landet ihr öfters mal in einer Sackgasse.
Quelle: PC Games
Paris besteht aus insgesamt vier Stadtteilen, die ihr schnell und einfach per Metro bereisen könnt.
