Wolcen: Lords of Mayhem im Test: Was vom Chaos übrig blieb
Test 31,49 €
Den Release von Wolcen chaotisch zu nennen, wäre noch geschmeichelt. Mittlerweile konnten wir das Action-RPG aber gute 50 Stunden spielen und in der Version 1.0.4 bewerten. Ist der schicke Monsterklopper eine ernste Konkurrenz für Path of Exile oder taugt er nur zur Überbrückung, bis Diablo 4 irgendwann aufschlägt? Im Test macht Wolcen erstaunlich viel Laune, zeigt aber auch viele Ecken und Kanten, an denen die Entwickler noch lange zu feilen haben.
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Etwas ungewohnt: Einen klassischen Rüstungswert gibt es nicht, stattdessen haben alle Klamotten entweder Boni auf Lebenskraft, Energieschild oder Resistenzen, von denen es stattliche neun Stück gibt. Auch euer Schadenswert (ungeschickt in einem Untermenü des Charakterbogens versteckt) errechnet sich aus Unterkategorien wie Gift- oder Blitzschaden, die sich wiederum auf eure aktiven Talente und passiven Skills auswirken. Das sorgt zwar für Spieltiefe beim Charakterbau, macht es aber auch nötig, viele Zahlenwerte im Detail abzugleichen, was auf Dauer mühsam werden kann. Schön dagegen: In einem kosmetischen Inventar dürfen wir jederzeit das Aussehen unserer Ausrüstung anpassen und uns so genau den Look verpassen, der uns am besten gefällt.
Von Diablo 3 hat sich das Spiel auch die Edelsteine abgeschaut, die ihr in gesockelte Items einsetzen könnt. Da aber auch hier viele Zahlen im Spiel sind, wäre es uns lieber gewesen, Steine zumindest kostenlos wieder aus einem Sockel entfernen zu können. Geht aber leider nicht, stattdessen müsst ihr dafür zu einer Händlerin in der Stadt marschieren und ordentlcih Gold hinblättern. Gegen eine geringe Gebühr könnt ihr euch hier sogar neue Sockelfassungen an einem Gegenstand anbringen lassen. Das klappt von Beginn an und wirkt etwas lustlos umgesetzt, da man so kinderleicht an die gewünschten die Fassungen kommt. Immerhin: Im Endgame kommen dann noch ein paar weitere Crafting-Optionen hinzu.
Quelle: PC Games
Champions und Elite-Gegner lockern genretypisch die Kämpfe auf.
Endgame mit Fragezeichen
Quelle: PC Games
Im Endgame bauen wir die Stadt Stormfall über dieses simple Menü wieder auf.
Nach dem (etwas unbefriedigenden) Story-Finale wird der Modus "Champion of Stormfall" freigeschaltet, der ist vergleichbar mit dem Abenteuermodus aus Diablo 3. Hier ist es unser Job, die Stadt Stormfall wieder aufzubauen. Eigentlich eine coole Idee, doch leider verbergen sich alle Bauoptionen nur in einem schlichten Menü; in der Spielgrafik selbst bekommen wir von unseren Gebäuden nix zu sehen. In den Menüs stecken aber immerhin zig Gebäude und Upgrades, für die wir zum Teil wahre Berge an Gold heranschleppen müssen. Der Grind lohnt sich: Durch Gebäude und Upgrades schalten wir nützliche Verbesserungen frei, etwa einen fünften Skill-Slot, der ganz neue Builds ermöglicht. Durch ein anderes Gebäude sind wir dagegen in der Lage, Items in hochwertigere Ausrüstung zu verwandeln. Außerdem erhalten wir mit der Zeit dauerhafte Boni auf Gold- und Beutesuche oder schalten die Möglichkeit frei, aktive Talente zweifach zu verdoppeln, um sie dann mehrmals ausrüsten zu können.
Quelle: PC Games
Unser Krieger bufft sich mit einem Kampfschrei und erhöht dabei seinen Wut-Vorrat.
Haben wir ein Bauvorhaben bezahlt, müssen wir uns anschließend auf eine zufällig generierte Mission begeben, damit das Gebäude derweil errichtet werden kann. Vor Beginn dieser Missionen legen wir noch den Level der Gegner fest und erhalten so höhere Dropchancen für Beute und Gold, außerdem können wir auf Wunsch noch weitere Modifikatoren hinzuschalten, durch die sich der Schwierigkeitsgrad erhöht. Leider kosten diese Modifikatoren aber eine ganze Stange Geld. Sollte die Serververbindung mal abreißen, landen wir nicht zurück in der laufenden Mission, sondern im Hauptmenü - und unsere investierten Moneten sind futsch.
Bugs und Serverprobleme
Solche Verbindungsabbrüche hatten wir während unseres Tests zum Glück nur selten. Kleinere Input-Lags traten dagegen häufiger auf, etwa beim Einsatz von Heiltränken. Wer im Offline-Modus spielt, ist davor natürlich gefeit, kann dann aber nicht am Gruppenspiel teilnehmen. Unpraktisch dagegen für Online-Spieler: Wer eine Partie mit der Einstellung "privat" startet, kann sie danach nicht einfach für andere Spieler öffnen, sondern muss erst ins Hauptmenü wechseln. Das hat schon das acht Jahre alte Diablo 3 besser gelöst.
Doch in welchem Modus man auch spielt, muss man sich noch auf einige Bugs gefasst machen. Hier eine Übersicht der Fehler, die uns im Test begegnet sind:
- Manchmal war die Bewegung unseres Charakters nach einem Levelübergang beeinträchtigt. Der Einsatz einer Bewegungsfähigkeit half hier allerdings schnell weiter.
- Gelegentlich verstummten manche Hintergrundgeräusche, da war dann ein Neustart fällig.
- Einige Soundeffekte schienen in der Story-Kampagne noch zu fehlen.
- Im ersten Akt kämpften wir gegen Fledermäuse mit falsch platzierten Hitboxen, mit AoE-Fähigkeiten ließen sich allerdings problemlos Treffer landen.
- Häufig reagierten Tooltipps im Inventar erst, nachdem wir etwas angeklickt hatten.
- Die deutschen Texte passten zum Teil nicht in die Anzeigefenster, wir spielten daher lieber komplett auf Englisch.
- In einer Situation hingen wir in einem eigentlich unzugänglichen Levelbereich fest und mussten uns in die Stadt teleportieren.
- An anderer Stelle landeten wir in einem Mini-Dungeon, in dem wir eine bestimmte Anzahl an Gegnern besiegen sollten, die aber gar nicht alle gespawnt waren.
- Einmal stand ein Zwischenboss wehrlos herum und ließ sich von uns vermöbeln.
- Kurz nach Release klagten einige Spieler außerdem über die Lagerkiste, deren Inhalte unvermittelt gelöscht wurden - ein übler Bug, von dem wir aber zum Glück verschont geblieben sind.
Kurzum: Wolcen ist zwar kein heilloses Bug-Debakel, hat für eine Release-Version aber einfach zu viele Kinderkrankheiten. Auch wenn sich alles davon noch mit Patches ausbessern lässt, bleibt ein bitterer Nachgeschmack: Nach vier Jahren im Early Access durfte man zu Recht ein ausgereifteres Spiel erwarten.
Bildergalerie
In eigener Sache: Warum hat der Test so lange gedauert?
Unser Test zu Wolcen lief leider anders als geplant. Die erste Testversion, die uns kurz vor Release erreichte, stellte sich unerwartet als nicht testfähige Preview-Fassung heraus, außerdem wurden alle Charaktere zum Release gewiped. Das machte einen seriösen Test zum Release schlichtweg unmöglich, wir konnten deshalb erst ab dem 13. Februar mit dem Spielen beginnen. Zu diesem Zeitpunkt machten allerdings schon die Server schlapp, so dass wir erst ab Sonntag Abend richtig online spielen konnten. Für einen fundierten Test nahmen wir uns dann die komplette Arbeitswoche Zeit, um mehr als 50 Spielstunden im Online-Modus zu absolvieren, verschiedene Builds zu testen und das Endgame ausreichend zu spielen. Danke für eure Geduld!
