Himmlisches Gunplay, irre Spieltiefe: Warum Witchfire ein Solo-Shooter-Traum ist

Special Stefan Wilhelm
Himmlisches Gunplay, irre Spieltiefe: Warum Witchfire ein Solo-Shooter-Traum ist
Quelle: The Astronauts

Shooter gibt es viele, aber mit Singleplayer-Fokus und derart hervorragendem Gunplay? Das ist eine Seltenheit - und nicht nur deswegen rockt Witchfire gerade meine Welt!

Ich muss mir eingestehen: Bei Shootern bin ich offenbar nicht sonderlich schwer zufriedenzustellen. Man kann mir eine Nonsens-Story erzählen, mich immer wieder denselben Content spielen lassen und mir die billigsten Motivationskarotten vor die Nase hängen, das ist alles zweitrangig.

Solange es sich richtig gut anfühlt, sich durch das Spiel zu bewegen und vor allem die Waffen abzufeuern, bin ich grundsätzlich dabei. Tausende Stunden bei Destiny und Call of Duty sprechen eine deutliche Sprache.

Nun wurde meine Shooter-Heimat Destiny 2 aber kürzlich in den Ruhestand geschickt und das aktuelle Call of Duty ist sogar mir zu beknackt, also musste der Hunger nach zünftigem Geballer mal wieder mit etwas Neuem gestillt werden. Fündig wurde ich, nicht zuletzt dank vieler Empfehlungen anderer Destiny-2-Fans, beim Indie-Shooter Witchfire- und das Gunplay ist hier noch nicht einmal der einzige Höhepunkt!

Ein Shooter mit allem und scharf

Witchfire ist das Langzeitprojekt eines kleinen Warschauer Studios namens The Astronauts, zuvor verantwortlich für The Vanishing of Ethan Carter sowie beim vorherigen Arbeitgeber People Can Fly für die Painkiller-Reihe und Bulletstorm.

Der neue Singleplayer-Shooter befindet sich seit 2023 im Early Access und steuert aktuell stramm auf seinen 1.0-Release zu, das jüngste große Update ist zum Zeitpunkt dieses Artikels erst ein paar Wochen alt. Bis auf die Story stehen die Säulen von Witchfire bereits sehr stabil, und das sind viel mehr, als man auf den ersten Blick vermuten würde.

Das Spiel kombiniert ein stark von Destiny inspiriertes Gunplay, Waffenarsenal und Build-Crafting mit cleveren Roguelite- und Extraction-Mechaniken. Dazu kommen ein tiefer Rollenspielunterbau mit vielen verschiedenen Stats, Schwierigkeitsstufen à la Diablo, harte Timing-Bosskämpfe und ein finster-religiöses Fantasy-Setting.

Der Clou an der Sache: Für sich genommen kennt man die Elemente bereits aus anderen Spielen, aber sie wurden so zahlreich und vor allem sinnvoll in Witchfire integriert, dass es sich dennoch frisch anfühlt.

Was spielen wir gerade?

Jeden Freitag berichten wir euch von einem Spiel, das uns aktuell einfach nicht loslässt. Mal ist es ein brandneuer Release, mal ein alter Lieblingsklassiker, ein übersehener Geheimtipp oder einfach ein Titel, der gerade überraschend viel Spaß macht.

Dabei geht es nicht nur darum, was gespielt wird, sondern vor allem warum: Was zieht uns gerade daran rein? Welche Momente bleiben hängen? Was macht das Spiel besonders, spannend, entspannend, nervig oder einfach richtig gut?

Wer regelmäßig vorbeischaut, findet hier jede Woche persönliche Spieleindrücke aus der Redaktion - von großen Blockbustern über Indie-Perlen bis hin zu Titeln, die man vielleicht längst vergessen hatte.

Schicksalhaftes Effektgewitter

Starten wir mit dem für mich wichtigsten Pluspunkt: Gunplay und Waffen sind hervorragend gelungen und das Nächste an der Bungie-Königsklasse, das man aktuell bekommen kann. Die vielen altmodischen Fantasy-Knarren haben ordentlich Dampf, massieren das Trommelfell mit kernigen Sounds und fühlen sich in bester Destiny-Manier auch allesamt exotisch an.

Jedes Schießeisen besitzt nämlich mehrere Perks, die nach und nach freigeschaltet werden müssen und der Waffe erst ihren speziellen Charakter verleihen. Ein Beispiel: Der Duelist-Revolver ist zunächst, wer hätte es gedacht, einfach ein Western-Revolver, der bevorzugt schnell aus der Hüfte abgefeuert wird.

Nachdem ich ein paar Runden damit gespielt und das nötige Upgrade-Material investiert habe, bekommt er sein einzigartiges Feature: Nach einem Abschuss visiere ich den nächsten Gegner an, das Spiel schaltet in Zeitlupe.

Nun muss ich, wie ein echter Desperado, auf einen Glockenschlag warten und genau in dem Moment einen Kopfschuss landen. Das verstärkt die Waffe für eine gewisse Zeit, sodass sie extrem schnell nachlädt, mehr Schaden anrichtet und später sogar Gegner in Brand steckt.

Angelus ist ein Sturmgewehr, das beim Zielen einen brüchigen Schild aus Flügeln ausfährt. Fängt der einen Treffer ab, schießt die Waffe langsamer, aber mit durchschlagendem Schaden. Quelle: The Astronauts Angelus ist ein Sturmgewehr, das beim Zielen einen brüchigen Schild aus Flügeln ausfährt. Fängt der einen Treffer ab, schießt die Waffe langsamer, aber mit durchschlagendem Schaden. Jede reguläre Knarre hat spielstildefinierende Funktionen, genau wie ein gutes exotisches Item bei Destiny. Dadurch bleiben sie im Gedächtnis. Ganz zu schweigen von den Synergien, die sich mit den vielen restlichen Equipment-Slots ergeben. Da gibt es etwa ein Item, das nach einer bestimmten Menge gelandeter Treffer einen sich ausbreitenden Blitz im Gegner einschlagen lässt.

Das harmoniert natürlich perfekt mit einem Automatikgewehr, und wenn ich das schon mitnehme, kann ich auch gleich meine restlichen Slots auf mögliche Synergien abklopfen.

Will ich dagegen alles Mögliche in Brand stecken, kombiniere ich den Duelist-Revolver mit einem Ring, der meine Waffen kurz nach einem Ausweich-Dash mit Feuerschaden pimpt - und während einer Runde lassen sich dann noch Upgrades finden, die etwa genau solche Elementareffekte mit zusätzlichen Funktionen ausstatten.

Alle brennenden Gegner können zufällig doppelten Schaden erleiden? Jedem erzeugten Blitz wird ein weiterer hinzugefügt? Gefrorene Feinde setzen beim Tod eine Wolke frei, die direkt das nächste Monster zur Eisstatue macht? Ja, bitte!

Zusammen mit den mächtigen Zaubersprüchen, die mein Hexenjäger beherrscht, erzeugt die Equipmentvielfalt nicht nur Spieltiefe, sondern auch ein herrliches Machtgefühl. Wenn die richtigen Faktoren zusammenkommen, zersprazzeln Horden von Standardfeinden am Ende meines Revolverlaufs, und das zaubert mir als Destiny-Liebhaber ein breites Grinsen ins Gesicht. Auf der nächsten Seite sehen wir uns an, warum mein Puls bei Witchfire trotz der mächtigen Spielfigur konstant in die Höhe schnellt.

  1. Seite 1 Neue Heimat für Destiny-Fans
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