Watch Dogs Test - Nebenmissionen, Grafik, Fazit und finale Wertung
Test
Watch Dogs getestet: Das "Spiel des Jahres" vom größten Studio der Welt ist endlich fertig. Und was sollen wir sagen: Wir haben uns etwas mehr von dem Open-World-Abenteuer versprochen. Das Großstadt-Flair ist spitzenklasse, doch Story und Grafik bleiben etwas hinter den Erwartungen zurück. Den ausführlichen Testbericht zu Watch Dogs - wir haben die PS4-Fassung gespielt - lest ihr mit einem Klick.
Um euch was zu tun zu geben (und die Spielzeit nach oben zu treiben) gibt es in Watch Dogs massig Nebenmissionen. Zum Nachdenken regen zum Beispiel die 13 im Stadtgebiet verteilten ctOS-Türme an, denn nur mit Knobelarbeit und Ausprobieren gelangt ihr jeweils aufs Dach. Dabei kann euch ein manipulierter Gabelstapler genauso behilflich sein wie ein geschickt geparktes Auto, über dessen Dach ihr an eine Leiter gelangen könnt. Ihr könnt euch auch als Hobby-Detektiv verdingen und mit Hilfe von im Stadtgebiet verteilten QR-codes, Aktenkoffer oder Waffenkisten mehrere Verbrechen aufklären.
Gewöhnlicher geht's zur Sache, wenn ihr Ganganführer inmitten eines Konvois oder in ihrem Hauptquartier ausschalten wollt. Aber auch hier führen mehrere Wege zum Ziel. Zu den Nebennmissionen gesellen sich nette Freizeitbeschäftigungen wie AR-Spiele, Pokern, Schachspielen oder Wetttrinken. Am abgedrehtesten sind die Digitalen Trips, bei denen ihr mal im Cockpit einer Roboter-Riesenspinne Chaos anrichtet, in einem Höllengefährt Untote über den Haufen fahrt oder von einem Blüten-Trampolin zum nächsten springt. Häh? O.k., kann man schlecht beschreiben - schaut euch unbedingt unser Testvideo an!
Die Nebenmissionen sorgen zwar für Abwechslung, sind aber allesamt keine Spaßbomben. Zudem fehlt es etwas an Motivation, denn mit den Hauptmissionen kriegt ihr bereits genügend Geld und Skillpunkte, um problemlos durchs Spiel zu kommen. Es bleibt natürlich das Ziel "100 Prozent" aber für wen das keinen Anreiz darstellt, der wird dies und das mal ausprobieren, vieles im Spiel aber links liegen lassen und sich auf die Kampagne konzentrieren.
Quelle: Ubisoft
Die Grafik in Watch Dogs ist sehr gut, allerdings fehlt es an wirklichen Eyecatchern.
Im Vorfeld wurde viel über die Grafik von Watch Dogs diskutiert, nachdem das Spiel auf neueren Videos schlechter aussah als bei der Ankündigung des Spiels. Bei der getesteten PS4-Version hat sich daran nichts geändert, sie reicht nicht an das (PC-)Video von der E3 2012 heran. Trotzdem ist der optische Eindruck sehr gut, eine detailreichere und schönere virtuelle Großstadt hat noch niemand zuvor auf den Bildschirm gezaubert. Die Spielwelt strotzt vor Objekten, die Texturen sind meist detailliert und die Personen sehen klasse aus. Die Fahrzeuge hätten wir uns noch etwas schicker gewünscht aber das ist jammern auf hohem Niveau. Etwas schade finden wir, dass die virtuelle Sonne nur selten mal so kräftig scheint, dass die Lichteffekte und Spiegelungen so schick aussehen wie in GTA 5.
So fehlen insgesamt die Eyecatcher, zudem gibt es leider optische Makel, die schon in der letzten Konsolen-Generation nicht mehr zeitgemäß waren. So hat Aiden Pearce partout kein Spiegelbild - sowohl der Bad-Spiegel als auch die vielen Schaufenster sind als unschöne graue Fläche dargestellt. Auf dem Wasser wird die Spielwelt zudem durch die ungeliebten unsichtbaren Wände eingegrenzt. Und wechselt man bei Regen in die Cockpit-Perspektive des Fahrzeugs, dann sieht man weder einen Scheibenwischer noch Regentropfen auf der Windschutzscheibe. Das sind alles nur Kleinigkeiten, aber natürlich sind wir bei Next-Gen-Spielen im Allgemeinen und bei Watch Dogs im Speziellen besonders anspruchsvoll. Immerhin läuft das Spiel (bis auf seltene Streaming-Ruckler) jederzeit mit 30 Bildern pro Sekunde und damit flüssiger als GTA 5. Die Weitsicht ist klasse, das Hereinploppen von Grafikdetails fällt nur bei genauerem Hinsehen auf.
Auch wenn Watch Dogs es schafft, eine lebendig wirkende Großstadt zu simulieren, ziehen wir in Sachen Atmosphäre die überzeichnete Satire eines GTA 5 deutlich vor. Der Humor des Rockstar-Werks ist einfach tiefgründiger, erwachsener. Viele Gags in Watch Dogs wirken ziemlich pubertär. Zünden wir beispielsweise den Sprengsatz eines Wachmannes fern, ruft der im Angesicht des nahenden Todes seinem Kollegen zu: "Sag meiner Frau, dass ich mit ihrer Schwester gef....t habe." Das wirkt aufgesetzt frech angesichts des ernsten Grundtons im Spiel und wie eine schlechte Kopie des Rockstar-Werks. Auch akustisch zieht Watch Dogs im Vergleich den Kürzeren. Es gibt nicht mehrere Radiosender, sondern nur einen, bei dem unterschiedliche Stile gemixt werden und gelegentlich Nachrichten eingespielt werden, die sich auf Geschehnisse innerhalb der Kampagne bezieht.
