Wasteland 3: Brutal gut - Wir haben die Backer-Beta gespielt
Special
Im neuesten Teil der Wasteland-Reihe verschlägt es euch vom heißen, extrem verstrahlten Arizona in den eiskalten Bundesstaat Colorado, wo ihr wieder massig Quests löst und Fieslinge bekämpft. Wir haben die brandneue Beta-Fassung für Backer des Spiels durchgespielt und verraten euch, ob Wasteland 3 die Erwartungen erfüllt und den Vorgänger überflügeln kann.
Als InXile Entertainment 2014 Wasteland 2 veröffentlichte, ging für Fans des kultigen Retro-RPGs Wasteland ein Traum in Erfüllung. Endlich durften sie wieder als Desert Rangers in der verstrahlten postapokalyptischen Einöde für Recht und Ordnung sorgen. Die Wasteland-Rollenspiele versetzen euch nämlich in eine düstere Zukunft, mehr als 100 Jahre nach einem verheerenden Atomkrieg. Die wenigen Überlebenden befinden sich in ständigen Auseinandersetzungen mit marodierenden Banden, Robotern und mutierten Scheußlichkeiten, die diese Welt ebenfalls bevölkern. Wasteland 3 setzt storytechnisch an das Ende des zweiten Teils an, ohne jedoch große Vorkenntnisse zu erfordern. Diesmal verschlägt es die Rangers in das eiskalte Colorado, wo es für die Ödland-Gesetzeshüter um nicht weniger als die blanke Existenz ihrer Organisation geht.
Auf ins eiskalte Colorado
Von der Spielmechanik her ähneln Wasteland 2 und auch 3 den ersten beiden Fallout-Teilen: Ihr reist mit einer Gruppe von Kampfgefährten durch die offene Spielwelt, sprecht mit Überlebenden, löst Quests und kämpft mit Fieslingen.
Quelle: inXile Entertainment
Wasteland 3: Brutal gut - Wir haben die Backer-Beta durchgespielt
Die Gefechte mit Deckungssystem laufen rundenbasiert ab und was ihr alles darin anstellen könnt, hängt von sogenannten Action Points ab. Alle Aktionen (bewegen, in Deckung gehen, nachladen, schlagen, schießen, Medipacks nutzen usw.) kosten Punkte und wollen wohlüberlegt sein. Während Atmosphäre, Spielwelt, Charaktere und Nebenaufgaben in Wasteland 2 schon richtig gut waren, konnte die Story der Hauptquest dieses Niveau nicht über die mehr als 50 Stunden Spieldauer halten. Auch in Sachen Grafik und Präsentation war Wasteland 2 bei seiner ersten Veröffentlichung keineswegs auf dem Stand der Zeit. Und auch was die Spielmechanik und die Benutzeroberfläche anging, gab es noch viel Luft nach oben. Der im Jahr 2015 erschienene Director's Cut sorgte für diverse Verbesserungen, löste aber nicht alle Probleme. Für Wasteland 3 (jetzt kaufen 17,00 € ), das 19. Mai 2020 erscheint, haben sich die Entwickler dementsprechend viel vorgenommen, um ein runderes, komfortableres Spielgefühl zu bieten, ohne dass darunter die grandiose Atmosphäre leidet. Im Rahmen eines Anspiel-Events mit der Beta-Backer-Version, die die ersten paar Spielstunden umfasst, konnten wir uns kürzlich davon überzeugen, dass inXile Entertainments neuestes Rollenspiel diesmal wirklich die darin gesetzten Erwartungen erfüllt.
Retro-Rollenspiel mit vielen guten Macken
Nach der Wahl des Schwierigkeitsgrads und nach dem sehr atmosphärischen Intro des Spiels geht's direkt in die komplett überarbeitete Charaktererstellung. In Wasteland 2 habt ihr eine aus vier Rangern bestehende Kampfgruppe erstellt, die im weiteren Verlauf des Spiels dann durch "Gastkämpfer" erweitert wurde. In Wasteland 3 sucht ihr euch eines von fünf vorgefertigten Charakter-Duos aus oder erstellt einfach zwei neue Starthelden. Dabei dürft ihr neben dem Aussehen, dem Geschlecht und der Startwaffe auch Punkte auf 7 Attribute und 22 Fertigkeiten verteilen. Warum ein Duo? Weil ihr Wasteland 3 auch kooperativ mit einem Freund spielen könnt, der zu einem beliebigen Zeitpunkt ein- und auch wieder aus dem Spiel aussteigen kann. Das Salz in der Suppe, was die Charaktererschaffung angeht, sind aber Macken. Jeder Held darf eine von 17 Macken haben, die euch gewaltige Vorteile im Austausch für ebenso substantielle Nachteile geben. Wer sich für die Macke "Sadomasochist" entscheidet, dessen Charakter nimmt 35% mehr Schaden, teilt aber auch 50 Prozent mehr Schaden aus. "Todeswunsch" hingegen sorgt dafür, dass euer Charakter keinerlei Rüstung tragen kann, dafür erhält er drei zusätzliche Aktionspunkte pro Runde.
Quelle: inXile Entertainment
Wasteland 3: Brutal gut - Wir haben die Backer-Beta durchgespielt
Blutige Rundenkämpfe
Quelle: inXile Entertainment
Wasteland 3: Brutal gut - Wir haben die Backer-Beta durchgespielt
Nach der Charaktererstellung wirft euch das Spiel gleich in den ersten Kampf. Zusammen mit verbündeten Truppen müsst ihr euch eine Vielzahl an Gegnern vom Leib halten. Kämpfe laufen immer noch rundenbasiert ab, jedoch nicht so wie in Wasteland 2, wo es eine Zugreihenfolge für alle Charaktere gab. Stattdessen ziehen die verschiedenen, am Kampf beteiligten Fraktionen jetzt gruppenweise. Die Gefechte fühlen sich insgesamt flüssiger, aber auch spannender an, weil sich die Entwickler im Hinblick auf die Kriegsschauplätze viele Gedanken gemacht haben. An vielen Stellen (nicht nur in Kämpfen) bietet euch das Spiel mehrere Lösungswege. Was in den Kämpfen sofort auffällt, ist der extrem hohe Gewalt- und Splatter-Faktor, der so überzeichnet ist, dass er an vielen Stellen schon fast wieder zum Lachen ist.
Mein Freund der Schneepanzer
Habt ihr die recht kurze, von Tutorials durchzogene Einstiegssequenz durchgespielt, geht Wasteland 3 erst richtig los. Der Patriarch, euer Verbündeter in Colorado schenkt euch einen alten Army-Stützpunkt als Basis für eure Operationen. Hier dürft ihr mit Hilfe des Charaktereditors eure Abenteuergruppe auffüllen. Oder, wenn ihr mit eurer Wahl zu Beginn nicht glücklich seid, komplett neue Helden wählen oder erschaffen. Darüber hinaus dürft ihr eurer Truppe zwei weitere Charaktere hinzufügen, vorausgesetzt, ihr findet auf euren Reisen durch das eisige Ödland Colorados kampfkräftige Überlebende, die sich euch anschließen. Für den nötigen Reisekomfort sorgt ein gepanzertes Fahrzeug, das ihr auch in bestimmten Kämpfen (das erste Mal im Tutorial) einsetzen dürft. Die Waffensysteme eures Kodiak (so heißt der Kampf-Truck) sind verheerend und dienen vor allem dazu, feindliche Panzer und Drohnen zu bekämpfen. Im Laufe des Spiels dürft ihr das schneetaugliche Fahrzeug aufbessern und mit neuen Waffensystemen ausstatten.
Quelle: inXile Entertainment
Wasteland 3: Brutal gut - Wir haben die Backer-Beta durchgespielt
Quests bis zum Abwinken
Auch wenn wir schon ein wenig mehr über die Story von Wasteland 3 wissen, wollen wir euch nicht den Spaß verderben, selber herauszufinden, was faul im Staate Colorado ist. Eure ersten Hauptaufgaben bestehen darin, die aufmüpfigen Kinder des Patriarchen unter Kontrolle zu bringen. Das ist natürlich nicht alles. Direkt neben eurer Basis befindet sich eine der bedeutensten Siedlungen von Wasteland 3, in der es vor Quests und Herausforderungen nur so wimmelt. An jeder Ecke will jemand, dass ihr ihm helft und selten ist so eine Hilfestellung ohne weiteres möglich. Unterhaltungen mit Nichtspielercharakteren sind in Wasteland 3 deutlich hübscher in Szene gesetzt und komfortabler zu nutzen. Bei storyrelevanten Gesprächen ist das virtuelle Gegenüber gar animiert.
Alles in Wasteland 3 wirkt durchdachter und an den richtigen Stellen weitaus komfortabler. Dazu kommt eine verbesserte Grafik mit deutlich aufgebesserter Präsentation. Wir sind auch guter Dinge, dass es den Entwicklern gelingen wird, das extrem hohe Niveau der englischen Bildschirmtexte und Dialoge (werden in der deutschen Fassung nicht übersetzt, aber untertitelt) auch ins Deutsche zu übertragen. Wer kein Backer von Wasteland 3 ist und die Private Beta jetzt spielen kann, der hat noch bis zum 19. Mai 2020 Zeit Teil 2 nachzuholen. Oder ihr könnt euch am kürzlich erschienenen Remaster des Ur-Wastelands versuchen, das aber nach heutigen Standards eine echt harte Nuss darstellt.
