Wasteland 2 Director's Cut: Endzeit mit Gamepad - jetzt mit Switch-Wertung
Test
Wasteland 2 ist ab sofort auch für die Switch verfügbar. Wir haben den Text mit der Switch-Wertung aktualisiert. Explodierende Kuhfladen. Das klingt nach einem Feature, das jedes Spiel haben sollte. Der Test von Wasteland 2 belegt: ein Irrglaube! In der Endzeit-Vision von Entwickler-Urgestein Brian Fargo (Fallout) ist wirklich alles mit Fallen gesichert. Kisten, Türen und ja, sogar Kuhfladen. Einfach nur, um den Spieler zu ärgern.
Jetzt auch für die Nintendo Switch verfügbar - wie schlägt sich Wasteland 2?
Update vom 14.09.2018: "Rundenbasiertes Retro-Spiel und die Switch? Passt doch wie die Faust aufs Auge!" Diese Worte hatten wir im Kopf, als wir das erste Mal von der Portierung des Endzeit-Rollenspiels gehört hatten. Immerhin stellt Wasteland 2 sowieso keine Augenweide dar, die bedingt durch die Leistung der Nintendo-Konsole geschmälert werden muss. Und dank des den rundenbasierten Kampfs sind auch keine butterweichen und blitzschnellen Aktionen nötig. Leider hat die Portierung dennoch enttäuscht.
Zwar bricht die Bildrate immer wieder bei Erkundungszügen oder auch Kampfeinsätzen ein, aber dieses Problem ist eher beiläufig - wie oben beschrieben stellt das für ein CRPG kein Problem dar. Was jedoch für ein CRPG wirklich zum Problem wird, sind unleserliche Texte und klobige Menüs. Wasteland 2 besteht etwas zu 80% aus Text, den der Spieler studieren, verstehen und anwenden sollte. Das gestaltet sich jedoch in manchen Bereichen des Spiels als unmöglich: Im Handheld-Betrieb oder im Dock - manche Skills sind im Kampf so klein, dass sie auch mit gutem Auge nicht zu entziffern sind. Googlen offenbart dann die mysteriösen Hieroglyphen auf dem Bildschirm der Switch - aber das darf nicht die Lösung sein.
Von den Features der Switch profitiert Wasteland 2 nicht, obwohl vor allem der Touchscreen beispielsweise für die Auswahl von Teammitgliedern Gold wert gewesen wäre. So ist jeder Gang ins Inventar, jede Umverteilung von Loot, jedes Schlösserknacken eine hakelige Angelegenheit, die einfach nicht organisch wird. Warum ein Spieler dann noch die reduzierte Grafik in Kauf nehmen soll, die auch auf dem PC keine Monsterhardware verlangt, ist schwierig zu beantworten. Denn selbst für Gamer, die keine andere Plattform haben, stellt sich hier die Frage, ob sie für 26€ nicht zu einem anderen Spiel für die Switch greifen können - wir haben schon wesentlich bessere Portierungen gesehen.
Auf dieser Seite
Original vom 13.10.2015:
Nachdem das Hardcore-Rollenspiel 2014 am PC ein paar ewig Gestrige glücklich gemacht hat, gibt's jetzt den Director's Cut auch für die Konsolen. Dafür hat Entwickler Inxile Entertainment die Grafik marginal aufgepeppt und die Steuerung gut an Xbox-One- und PS4-Controller angepasst. Lediglich die teils zu kleinen Bildschirmtexte und das Fehlen einer Minimap (was wegen der eingeschränkten, auf die Heldengruppe fokussierten Kameraperspektive doppelt nervt) stören das Gesamtbild. Mehr zum Hauptspiel erfahrt ihr in unserem Wasteland 2-Test (jetzt kaufen 49,99 € ) von vor einem Jahr.
Auf dem PC gratis
Parallel zur Wasteland 2-Veröffentlichung auf den Konsolen aktualisiert Inxile Entertainment sein zähes Oldschool-Rollenspiel am PC kostenlos auf den Stand des Director's Cut. Neben ein paar grafischen Anpassungen am wichtigsten: Die deutsche Übersetzung ist zwar immer noch kein literarisches Meisterstück, aber die Quest-Bugs und bösen Lokalisierungsfehler aus dem Original sind verschwunden. Puh! Info: Nach Installation des Updates könnt ihr zwischen normalem Spiel und Director's Cut wählen. Die Original-Speicherstände funktionieren in der Neuauflage nicht, ihr müsst ein neues Spiel starten.
Hohe Einstiegshürde
Der frustige Spielstart dürfte zusammen mit der minimalistischen Präsentation viele Interessierte abschrecken. Zu Beginn gilt es eine vierköpfige Gruppe von Desert Rangers zu kreieren, die viele Jahre nach dem dritten Weltkrieg für Recht und Ordnung im Ödland der USA sorgen soll. Für Zahlenfanatiker ist das natürlich der Himmel auf Erden. Die perfekte Party zu gestalten, macht eine Menge Spaß und nimmt viel Zeit in Anspruch; die wenigen verfügbaren Talentpunkte zu verteilen, kommt einer Folter gleich. Ohne Vorkenntnisse ist es jedoch sehr schwer, sich für die richtige Kombination aus Attributen und Talenten zu entscheiden. Zumal die Möglichkeit fehlt, vergebene Skillpunkte im Nachhinein neu zu verteilen (Respec). Ein späterer Neustart ist da fast schon zwingend notwendig, wenn man in eine Sackgasse rennt. Eure Vierertruppe ergänzt ihr im Spielverlauf um bis zu drei zumeist herrlich exzentrische Begleiter. Die Interaktion mit diesen Gefährten beschränkt sich aber auf ein paar knappe, amüsante Kommentare. Wer wie in Dragon Age spezielle Aufträge und emotionale Bindungen zum Rest der Truppe erwartet, wird enttäuscht. In Wasteland 2 sind die Charaktere lediglich Rädchen in der perfekt geölten Kampfmaschine, zu der ihre eure Gruppe formt.
Viel zu lesen
Quelle: PC Games
Es gibt viele interessante Orte zu entdecken und Aufträge zu erledigen.
Zahllose NPCs labern euch an, die Dialoge führt ihr zumeist in Textform. Allerdings gibt's im Director's Cut bereits deutlich mehr Sprachausgabe als im PC-Original. Jedoch nur auf Englisch - die Texte sind dagegen übersetzt und zwar besser als noch vor einem Jahr. Auch Quest-Bugs, die nur in der deutschen Version vorkamen, hat Inxile beseitigt. Die Dialoge sind auf den Punkt gebracht und oftmals sehr humorvoll formuliert. Der Fokus auf das geschriebene Wort tut der dichten Atmosphäre keinen Abbruch; die schmutzige Endzeit-Welt profitiert von den detailverliebten Beschreibungen der Umgebungen, Gesprächspartner und Gegenstände. Auch wenn man auf einem großen Fernseher ab und zu ganz schön die Augen zusammenkneifen muss, um alles zu erkennen. In Wasteland 2 gibt es eine Menge zu erkunden und zu finden: Auf einer großen Übersichtskarte reist ihr mindestens 50 Stunden lang in den zwei Regionen Arizona und Los Angeles von einem Ort zum anderen und stoßt unterwegs auf geheime Item-Lager. Ihr findet mysteriöse Schreine, ulkigerweise meist in der Form alter Videospielkonsolen, berührt Katzenstatuen, die euren Helden Bonus-Skillpunkte verleihen, und sammelt jede Menge verrückten Schrott. Seltsam ist nur, dass Entwickler Inxile die eigentliche Haupthandlung vernachlässigt; die Story wirkt vorhersehbar und plätschert lange Zeit vor sich hin. Dramatik? Fehlanzeige!
Mit Liebe gemacht
Als Desert Ranger löst ihr natürlich auch Quests und helft den Bewohnern des Ödlands aus. Ihr tragt zur Reform einer Gruppe religiöser Fanatiker bei, sammelt Exkremente für einen Sprengstoffspezialisten oder stiftet Frieden zwischen zwei verfeindeten Stämmen. Zuweilen lässt sich dabei mit dem entsprechen Gesprächstalent ein Kampf vermeiden. Das Quest-Design glänzt nämlich mit vielen Entscheidungsmöglichkeiten und variablen Verhaltensweisen. Der Wiederspielfaktor ist somit hoch, zumal euch das Spiel die Konsequenzen eurer Entscheidungen mit brutaler Ehrlichkeit aufzeigt.
Quelle: PC Games
Dachs im Visier: Mit L2 und R2 ruft ihr Fähigkeiten- und Angriffsmenüs auf. So ordert ihr etwa unkompliziert einen gezielten Angriff auf Körperteile.
Gekämpft wird in Wasteland 2 häufig und immer rundenweise. Der Initiativewert bestimmt die Reihenfolge von eigenen und gegnerischen Zügen, Aktionspunkte begrenzen die Anzahl an gelaufenen Metern und abgegebenen Schüssen. Die statischen Gefechte werden durch ein Deckungssystem und die Möglichkeit, gezielt Körperregionen zu beschießen, vor der Eintönigkeit bewahrt. Allerdings fehlt es an interessanten Schlachtfeld-Layouts. Ist die gegnerische Übermacht zu groß, dürft ihr den vierstufigen Schwierigkeitsgrad jederzeit anpassen. Der hat aber keine Auswirkungen auf das größte Manko der Schusswechsel: die wenig intelligente Gegner-KI.
Neue Perks
Ganz neu im Director's Cut: Bei jedem vierten Levelaufstieg könnt ihr jetzt auch aus verschiedenen Vorteilen (Perks) für eure Charatere wählen, ähnlich wie in Fallout 3. Dabei handelt es sich meist um kleine Attributs- oder Skillboni, aber auch Extras wie eine größere Resistenz gegen Sprengstoffschaden. Dazu gibt es noch sogenannte Eigenarten, von denen ihr bei der Charaktererstellung zu Beginn eine auswählt, etwa "Pechvogel" (im Kampf wird ein zufälliger Held oder Feind vom Blitz getroffen) oder "Zappelphilipp" (schneller im Kampf aber schlechter beim Zielen als normal). Diese 20 Besonderheiten sind optional und lassen sich, einmal ausgewählt, nicht mehr verändern. Von den 90 Perks könnt ihr im Lauf des Abenteuers dagegen mehrere wählen, wobei einige erst ab einem bestimmten Skill-Level verfügbar werden. Das Charaktersystem gewinnt durch die Neuzugänge in jedem Fall eine neue Note hinzu und macht ein erneutes Durchspielen attraktiver.
Knacke Schloss: Bitte warten
Quelle: PC Games
Die Beleuchtung und Texturen sind im Vergleich zum ein Jahr alten Original eine Spur hübscher geworden.
Nervig: Skills wie das Schlösserknacken müssen jedes Mal ausgewählt und auf das entsprechende Objekt angewandt werden, etwa eine verschlossene Tür. Das Spiel erkennt dabei nicht etwa automatisch, welcher Charakter eurer Gruppe den besten Fähigkeitswert besitzt. Nein, ihr müsst die entsprechende Figur jedes Mal selbstständig auswählen. Immerhin ist das über L2 aufrufbare Kreismenü komfortabler als das ursprüngliche PC-Interface. Die unnötige, rund fünf Sekunden lange Wartezeit beim Ausführen der Aktion erfordert aber auch auf der PS4 Geduld. Im Spielverlauf werdet ihr Hunderte Kisten öffnen und Minen entschärfen, Alarme deaktivieren und Terminals hacken. Der damit einhergehende Aufwand und die aufgesetzte Wartezeit bei jeder einzelnen solchen Aktion haben uns im Test viele Nerven gekostet. Dazu kommt, dass die Skill-Benutzung auch noch fehlschlagen kann; eine Truhe lässt sich dann etwa nur noch mit Gewalt aufbrechen. Wen das frustriert, der gehört wohl einfach nicht zur Zielgruppe von Wasteland 2.
