Warhammer: Chaosbane im Test: Ein Hack & Slay, das niemand braucht

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Warhammer: Chaosbane im Test: Ein Hack & Slay, das niemand braucht
Quelle: PC Games

Mittelmäßig, überteuert und ziemlich überflüssig: Im Test bestätigt Warhammer: Chaosbane unseren Eindruck aus der Beta. Warum das Warhammer-Diablo keine Chance gegen die Konkurrenz hat, lest ihr in unserem Test mit Wertungen für PC, PS4 und Xbox One.

Diablo trifft Warhammer. Klingt nach einem todsicheren Ding? Von wegen! Wenn sich aus Chaosbane eine Lehre ziehen lässt, dann ist es wohl die: starke Lizenz plus großes Vorbild ergibt noch lange kein gutes Spiel. Dabei macht Warhammer: Chaosbane (jetzt kaufen 8,78 € / 26,99 € ) auf den ersten Blick wenig falsch. Genau wie in Blizzards Diablo-­Reihe seid ihr im Sekundentakt damit beschäftigt, Monster totzukloppen, Beute zu sammeln und euren Helden aufzuleveln. Doch schon nach einer knappen Stunde setzen die ersten Ermüdungserscheinen ein - und so bleibt es auch, bis man das Ende erreicht hat und sich fragt: War das schon alles? Auf dem normalen Schwierigkeitsgrad braucht man 10 bis 15 Stunden bis zum Finale und aus dem mickrigen Endgame, das darauf folgt, ist binnen Minuten die Luft raus. Das wäre für einen Indie-Titel noch in Ordnung, doch Publisher Bigben Interactive will satte 50 Euro für Warhammer: Chaosbane sehen - das ist heutzutage einfach zu teuer für ein Spiel, das gegen Path of Exile oder Grim Dawn kein Land sieht.

Schnarchhammer: Chaosbane

Die fade Story wird in langweiligen Dialogen erzählt. Von den wenigen Figuren bleibt keine im Gedächtnis. (Bild aus der Beta)  Quelle: PC Games Die fade Story wird in langweiligen Dialogen erzählt. Von den wenigen Figuren bleibt keine im Gedächtnis. (Bild aus der Beta)  Das Hack & Slay erstreckt sich über vier Kapitel. Wir starten in der imperialen Stadt Nuln, bereisen von dort aus die Kanalisation und stockfinstere Kerker. Danach stehen verschneite Wälder und Dörfer auf dem Reiseplan, dazu weitere Dungeons, gegen Ende sind wir dann noch kurz in einer Dämonendimension unterwegs. Doch egal wo wir uns rumtreiben: Chaosbane wird sehr schnell eintönig. Die Levels sind zwar hübsch, aber auch statisch, allein die Gegner- und Beuteverteilung regelt ein Zufallsgenerator. Die Umgebungen fallen gleichförmig und oft lieblos aus, keiner der Orte bleibt im Gedächtnis. Auf spannende Zufalls­ereignisse, Fallen, Überraschungen oder zumindest sammelbare Lore-­Schnipsel muss man ebenfalls verzichten; die Erkundung beschränkt sich aufs Monstertöten und simpelste Quests. An deren Ende müssen wir stets den Levelausgang erreichen, dann landen wir einfach wieder in einem von drei Hubs.
Auch dort ist wenig los: Hier warten nur ein Händler und ein paar Questgeber auf unseren Besuch, danach flitzen wir sofort in die nächste gleichförmige Kampfzone. Das Gefühl, eine epische Reise durch die Warhammer-Welt zu erleben, will sich da partout nicht einstellen. Es gibt auch keinerlei optionale Dialoge, um das Szenario besser kennenzulernen und etwas tiefer in die seichte Geschichte einzutauchen, die fast nur über langweilig geschriebene Dialoge und austauschbare Charaktere erzählt wird. Alles in allem holen die Entwickler also erstaunlich wenig aus der Warhammer-Lizenz raus.

Bewährter Monsterklopper

Viel besser schneiden dagegen die vier spielbaren Klassen ab - die sind zwar alles andere als originell, zählen aber trotzdem zu den Highlights von Chaosbane. Zwei Nahkämpfer, eine Elfen-Jägerin und eine Magie­rin stehen zur Wahl, jede mit eigenen Zaubern und Kampftalenten sowie einer speziellen Fähigkeit, die mit der Leertaste oder am Gamepad mit dem rechten Analogstick ausgelöst wird. So kann der Magier beispielsweise Zauber von Hand lenken, während der Zwergen-Krieger einen Kettenhaken wirft, mit dem er sich schnell an Gegner heranzieht. Grundsätzlich gilt: Den Nahkampfattacken fehlt es etwas an Wucht, das haben andere Action-RPGs schon knackiger hinbekommen. Trotzdem gehen die Kämpfe völlig in Ordnung, vor allem wenn unser Held hochstufigere Talente gelernt hat, mit denen sich auf einen Schlag ganze Gegnergruppen umholzen lassen. Keine Frage, das macht eine ganze Weile Spaß!
Chaosbane wandelt auf den Spuren von Diablo 3. Das spielt sich zwar solide, aber auch sehr eintönig. Quelle: PC Games Chaosbane wandelt auf den Spuren von Diablo 3. Das spielt sich zwar solide, aber auch sehr eintönig. Die Feinde präsentieren sich aber leider so eintönig wie die Levels selbst: In jedem Akt gibt es ein paar Standardgegner, dazu eine Handvoll dicke Brocken und das war's im Grunde auch schon. Elite-Gegner spawnen nur selten, sie machen das Gekloppe aber zumindest hin und wieder reizvoller. Höhepunkte stellen dafür die vier Bossmonster am Ende der Story-Kapitel dar: Die Riesenviecher verlangen stets nach einer kleinen Taktik, so müssen wir beispielsweise in einem Fall Geschossen ausweichen, ohne dabei die überlebenswichtige Deckung in Mitleidenschaft zu ziehen - die fehlt uns sonst in späteren Kampfphasen. Alles in allem sind die vier Bosse gut gelungen, allerdings hätte das Spiel deutlich mehr von ihnen gebraucht, denn so unterstreichen sie im Grunde nur, wie eintönig und leer sich der Rest von Chaosbane präsentiert.

Solider Heldenbaukasten

Das Talentesystem ist simpel, aber aufgeräumt und durchdacht: Jeder Skill kommt in drei Qualitätsstufen, die besseren verbrauchen mehr Punkte aus einem gemeinsamen Pool.  Quelle: PC Games Das Talentesystem ist simpel, aber aufgeräumt und durchdacht: Jeder Skill kommt in drei Qualitätsstufen, die besseren verbrauchen mehr Punkte aus einem gemeinsamen Pool.  Die Charakterentwicklung der vier Helden geht zwar nicht sonderlich in die Tiefe, läuft aber nach solidem Muster ab: Mit jedem Levelaufstieg schalten wir automatisch aktive und passive Talente frei, jedes davon gibt's in drei Qualitätsstufen. Hochwertigere Varianten kosten mehr Punkte aus einem globalen Pool, aus dem sich alle Talente bedienen - man muss also gut abwägen, welche Skills zum eigenen Spielstil passen. Hinzu kommt ein verzweigter Talentbaum, in dem wir nicht nur zig kleine Statusboni, sondern auch ein paar aktive Talente freischalten dürfen. Das motiviert zwar nicht ewig, geht für die Spielzeit bis zur Maximalstufe 50 aber völlig in Ordnung.

Beute für Anspruchslose

Besonders wichtig für ein Spiel, das offenkundig Diablo zum Vorbild hat: die Beute! Auch in Chaosbane droppen regelmäßig Gegenstände, unterteilt in weiße, blaue, gelbe und rote Qualitätsstufen. Das System ist solide, weil es tut, was es soll: unseren Helden Stück für Stück besser machen. Schnell zeigt sich aber auch, dass die Entwickler beim Loot gespart haben: So verändern Rüstungsteile zwar das Aussehen unserer Helden, jedoch oft nur in Details. Ob unser Kampfzwerg beispielsweise einen langen oder kurzen Bart trägt, ist uns herzlich egal - sein Look bleibt immer gleich. Auch die Waffen sind vorgegeben, der Zwerg kämpft mit zwei Äxten und damit basta - ihn auf Wurfdolche, Kanonen oder Lanzen umzuskillen, ist nicht möglich.

Bildergalerie

Gamepad oder Maus & Tastatur

Immerhin: Items der vierten und besten Kategorie bringen auch spezielle Eigenschaften, die sich auf unsere Spielweise auswirken können - beispielsweise indem sie uns die Kosten für ein bestimmtes Talent erlassen und damit eine andere Skillung möglich machen. Außerdem können wir mit gesammelten Edelsteinen unsere Gegenstände segnen, dadurch verbessern sich ihre Werte und sie bleiben länger relevant - ein solides System, das aber leider nie gut erklärt wird.
Mit gesammelten Edelsteinen können wir Items segnen und so ihre Eigenschaften verbessern. Quelle: PC Games Mit gesammelten Edelsteinen können wir Items segnen und so ihre Eigenschaften verbessern. Das übrige Interface hat sich dafür ein Lob verdient: Mit dem Gamepad lässt sich Chaosbane meistens prima bedienen, die (wenigen) Charakterwerte unserer Helden haben wir so immer im Blick. Auch die Maus-Tastatur-Steuerung ist eigentlich ganz in Ordnung. Allerdings kam es auf dem PC zu einem Bug bei der freien Tastenbelegung, sodass wir zuerst mit der unpraktischen Standardeinstellung vorliebnehmen mussten. Auf einem anderen Rechner ließ sich die Belegung zwar noch erfolgreich ändern, doch trotzdem wäre hier ein Patch angebracht.

Koop: lokal gut, online verbuggt

Dringender wäre die Fehlerkorrektur allerdings im Online-Modus nötig! In unserer PC-Version fing der Ärger bereits mit der Spielersuche an: Viel zu oft kam es hier zu Verbindungsabbrüchen und teilweise gelang es dem Spiel nicht mal, uns ins Hauptmenü zurückzuverfrachten, stattdessen blieben wir in einem schwarzen Bildschirm hängen. Einmal sorgte ein Questbug in einer Mehrspielerpartie sogar dafür, dass wir mit unserer Stufe-10-Jägerin nicht mehr weiterspielen konnten, der Charakter ist seitdem unbrauchbar. Hin und wieder kamen durchaus auch stabile Online-Sessions zustande, immerhin! Allerdings ließ das Matchmaking oft zu wünschen übrig: Manchmal lagen die Spielerlevels weit auseinander, dadurch skalierten die Gegner ohne Sinn und Verstand. Das Ergebnis: Obwohl wir nach Partien auf der Stufe "very hard" gesucht hatten, kämpften wir oft gegen Bosse, die keine vier Treffer aushielten.

Update zu PS4 und Xbox One: Auch auf den Konsolen zeigt sich Chaosbane technisch durchwachsen. Ähnlich wie auf dem PC erlebten wir Probleme bei der Spielersuche, außerdem kam unser Questfortschritt im Test immer wieder durcheinander. Auch nicht schön: Der Voice Chat unserer Mitspieler lässt sich nicht im Spiel abschalten.

Clever: Im lokalen Koop werden die Menüs auf ein Viertel verkleinert. (Bild aus der Beta) Quelle: PC Games Clever: Im lokalen Koop werden die Menüs auf ein Viertel verkleinert. (Bild aus der Beta) Wesentlich besser sieht es dagegen im lokalen Koop aus, Chaosbane lässt sich nämlich mit bis zu vier Spielern an einem PC oder einer Konsole erleben. Das klappt gut, vor allem dank eines cleveren Kniffs: Die Menüs der Spieler werden hier geschickt auf ein Viertel ihrer Größe geschrumpft - so kann ein Spieler in Inventar stöbern, während der Rest der Gruppe weiterspielt. Das darf gerne Schule machen!

Fades Endgame ohne Langzeitspaß

Hat man Chaosbane durchgespielt, sorgen lediglich die vier Klassen und höhere Schwierigkeitsgrade für etwas Wiederspielwert. Denn nun hat man nur noch zwei Optionen: Entweder man startet Bosskämpfe über ein simples Menü - oder man wagt sich auf eine Expedition, was bedeutet, dass ihr einfach noch mal eine der altbekannten Zonen erkundet, Gegner jagt und den Ausgang sucht. Wenigstens gibt es hier kurze Zufalls­ereignisse, etwa in Form besonderer Monster, die wir unter Zeitdruck besiegen müssen - auf Dauer motiviert das aber nicht. Es gibt außerdem noch einen dritten Endgame-Spielmodus namens "Invasion" - doch der war auch zwei Wochen nach Release noch nicht freigeschaltet.

Vollpreis und DLCs zum Release

Schon zum Verkaufsstart waren für Chaosbane mehrere DLCs erhältlich, die uns zusätzliche Erfahrungspunkte, Gold oder Edelsteine bescheren - diese Booster bringen also Vorteile gegen echtes Geld. Ein Season Pass wird ebenfalls in Form einer 70 Euro teuren Sonderedition verkauft, die auch das Hauptspiel plus Booster enthält. Die Entwickler haben außerdem mehrere kostenlose DLCs in Aussicht gestellt, die neue Umgebungen und eine weitere Klasse liefern sollen. Auch ein großes Update, das den Invasions-Modus und eine neue Beutestufe hinzufügt, wird derzeit getestet.

Wertung und Fazit

Meinung

Wertung zu Warhammer: Chaosbane (PC)

Wertung:

6.0 /10

Wertung zu Warhammer: Chaosbane (PS4)

Wertung:

6.0 /10

Wertung zu Warhammer: Chaosbane (XBO)

Wertung:

6.0 /10
Pro & Contra
Hübsche UmgebungenNette Bosskämpfe in jedem AktDurchdachter lokaler KoopOrdentlich designte KlassenSolides TalentesystemGute Gamepad-Steuerung
Sehr eintöniges LeveldesignOberflächliches BeutesystemWenig GegnertypenFade Story, kaum LoreKeine Highlights, Überraschungen oder ZufallsereignisseLizenz weitestgehend verschenktBugs im Online-MultiplayerWenig Umfang, dürftiges EndgameVollpreis plus teure DLC-BoosterGeringer Wiederspielwert
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