Dawn of War 4: Zurück in den Krieg - und dann kam die Ankündigung

Kolumne Tanja Barth
Dawn of War 4: Zurück in den Krieg - und dann kam die Ankündigung
Quelle: Deep Silver

Die Ankündigung von Dawn of War 4 machte mich neugierig, aber die Macher verschenkten bereits beim ersten Trailer viel Potenzial.

Und dann kam Dawn of War 4

Als es plötzlich hieß: "Zurück in den Krieg! Die lang erwartete Rückkehr zum klassischen Dawn of War ...", war ich sofort hellwach. Mehr noch: Ich war aus dem Häuschen. Nach all den Jahren sollte diese Reihe wirklich zurückkehren? Ich war fest davon überzeugt, dass mich die erste richtige Ankündigung aus den Latschen hauen würde. Schließlich hatte ich gefühlt eine halbe Ewigkeit darauf gewartet. Die Erwartungen waren groß. Die Enttäuschung leider auch.

Dabei hätten die Macher von Dawn of War 4 inzwischen eigentlich eine Lore-Vorlage, von der andere Spiel-Universen nur träumen können. Cadia ist gefallen, der Große Riss spaltet buchstäblich die Galaxis und ganze Planetensysteme liegen in Schutt und Asche. Abaddons 13. Schwarzer Kreuzzug hat das Imperium erschüttert, loyale wie verräterische Primarchen kehren zurück und mit den Primaris-Space-Marines hat längst eine neue Ära begonnen.

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Aber da gibt's ja noch mehr spannende Storys! Die Aeldari spielen mit der Erweckung ihres Totengottes Ynnead, der Stille König der Necrons ist zurück und die Tyraniden entwickeln sich immer weiter, während sie sich immer weiter durch die Galaxis fressen. Und die Orks? Tja ... die machen einfach weiterhin Ork-Sachen mit noch MEHR DAKKA!

Seit der großen 40k-Neuausrichtung im Jahr 2017 rund um den Großen Riss und die Indomitus Crusade ist das Setting apokalyptischer denn je. Mehr Zündstoff kann man einem Strategiespiel eigentlich kaum auf den Tisch legen.

Dazu kommt: Mit King Art Games übernimmt ein deutsches Studio die Fackel von Relic. Und ja, ich gebe zu, ein bisschen stolz bin ich schon. Ein deutsches Studio darf an eine meiner liebsten Spielereihen ran? Nach mehreren Jahren Entwicklungszeit? Mit dieser Lore im Rücken? Das musste doch krachen.

Ich ließ mich zunächst auch nicht von den ersten Screenshots abschrecken. Ja, die Grafik wirkte stellenweise etwas altbacken. Ja, manche Bilder versprühten einen Hauch Browsergame-Atmosphäre. Aber hey, Grafik ist nicht alles. Dawn of War lebte schon immer von Atmosphäre, Sound, Inszenierung und diesem besonderen Warhammer-Wahnsinn.

Also dachte ich: Wartet nur auf den richtigen Announcement-Trailer. Der wird liefern. Tja, hat er für mich nicht.

Das war der perfekte Warhammer-40k-Moment. Quelle: SEGA Das war der perfekte Warhammer-40k-Moment.

Verschenktes Potenzial

Der erste Trailer gehört für mich bis heute zu den schwächsten Ankündigungen, die ich in über 25 Jahren Gaming erlebt habe, und das meine ich wirklich ernst. Allein schon die Entscheidung, offenbar direkt im Trailer den Tod eines beliebten DoW-Helden zu spoilern, war ziemlich fragwürdig. Aber damit nicht genug. Auch die späteren Vorschau-Videos schafften es kaum, die Fraktionen wirklich cool oder interessant zu präsentieren. Und das ausgerechnet bei den Armeen, mit denen man alte Dawn-of-War-Fans eigentlich hätte zurückholen müssen.

Für mich wirkte es damals so, als hätte man bei der Ankündigung vor allem Adeptus Mechanicus und die Necrons stärker ins Rampenlicht rücken wollen. Das ist grundsätzlich auch keine schlechte Entscheidung, denn beide Fraktionen haben in der 40k-Lore in den vergangenen Jahren ordentlich an Bedeutung gewonnen.

Das Mechanicus ist längst nicht mehr nur "die mit den roten Roben und den komischen Toaster-Gags", und die Necrons haben sich von seelenlosen Terminator-Mumien zu einer der spannendsten Fraktionen von Warhammer 40.000 entwickelt.

Aber genau hier liegt das Problem: Beide Fraktionen sind verdammt schwer emotional zu inszenieren.

Roboter-Gesichter transportieren nun mal kaum Emotionen und Necrons wirken nicht automatisch bedrohlich, nur weil ihre Augen grün leuchten. Techpriester sind nicht automatisch faszinierend, nur weil sie eine Kapuze tragen und aussehen, als würden sie gleich mit deinem WLAN-Router beten. Wenn man solche Fraktionen in den Mittelpunkt stellt, muss die Inszenierung sitzen. Sie muss Atmosphäre schaffen, die einem einen eiskalten Schauer über den Rücken jagt.

Genau das fehlt mir bei den bisherigen Dawn-of-War-4-Videos.

Wenn selbst ein Primarch nicht richtig zündet

Die Necrons fallen in Videos stellenweise um wie Spielzeugfiguren. Die Bilder wirken zu sauber, zu glatt, zu harmlos. Dabei wissen wir spätestens seit Trailern wie dem zu Warhammer 40.000: Mechanicus 2, wie stark man mit der finsteren Atmosphäre einer Necron-Gruftwelt spielen kann. Manchmal reicht dafür schon ein fremdartiges Tor, ein unheimliches Echo, mechanisches Klicken und ein Soundtrack, der klingt, als käme er direkt aus einer fremden Welt.

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Fremde Wesen spannend zu inszenieren, ist eine Königsdisziplin. Relic konnte das in Dawn of War. Bulwark Studios hat es mit Mechanicus gezeigt. King Art muss hier, zumindest nach meinem ersten Eindruck, noch einiges nachholen.

Besonders schade ist das, weil gerade der erste Trailer doch der Moment sein sollte, der uns packt. Der uns sagt: "Endlich, Dawn of War ist in seiner Bestform zurück! Ja, ihr dürft euch wieder in diesen Wahnsinn werfen! Ja, holt eure Bolter und Kettenschwerter raus, es wird ernst!"

Stattdessen sitze ich da und denke: "Hm, ja ... der Trailer ist ganz nett." Und "nett" ist im 41. Jahrtausend ungefähr das Schlimmste, was man sagen kann. Auf der nächsten Seite lest ihr meine Eindrücke zum visuellen Style, dem Name-Dropping und wieso der Ankündigung noch die gewisse Magie fehlt.

  1. Seite 1 Dawn of War 4: Zurück in den Krieg - aber wo bleibt der Gänsehaut-Moment?
  2. Seite 2 Die Ankündigung von Dawn of War 4
  3. Seite 3 Unpassender Cartoon-Look, viele Namen, aber die Magie bleibt aus
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