Warframe im Test: Schwerer Einstieg, Charaktere, Crafting, Teamplay, Grind, Fazit und Wertung
Test
Über 38 Millionen Spieler. Jede Menge Loot und jede Menge Spaß. Free2Play. Wieso sich die Loot-Shooter-Konkurrenz um Destiny, Anthem und Co. warm anziehen muss, erklären wir im Test zu Warframe (besser spät als nie).
Warframe im Test: Zäher Einstieg
Leider begeistert nicht alles an Warframe. Besonders Neueinsteiger werden sich, ob der Komplexizität der einzelnen Bereiche des Spiels, oft das eine oder andere Mal ratlos den Kopf fassen. Komplexe Systeme in Videospielen können toll sein - vorausgesetzt sie werden richtig erklärt. Genau das ist hier jedoch nicht der Fall. Statt Spieler an die Hand zu nehmen und Stück für Stück einzelne Bestandteile der Welt rund um Warframe zu erklären, bekommen wir haufenweise fremde Begriffe wie Meisterschaftsränge, Mods, Relikte oder Syndikate nur so um die Ohren gehauen. Kein Wunder also, dass einige Spieler bereits nach kurzer Zeit abspringen. Immerhin hat Digital Extremes das Problem erkannt; so sollen die Tutorialmissionen im Laufe des Jahres überarbeitet werden.
In diesem Artikel
Quelle: PC Games
Die schiere Masse an verschiedensten Spielelementen wirkt vor allem zu Beginn des Spiels recht unübersichtlich. Über dieses Menü modifizieren wir etwa die Fähigkeiten unseres Warframes.
Warframe im Test: Die Charaktere
Es sind diese Überbleibsel, die daran erinnern was Warframe einst war. Vom 08/15-Third-Person-Shooter zum Dauergast in den Top Ten der Steamcharts. Nicht zu vergessen: die Warframes selbst. Aus deren acht zu Release wurden in den sechs Jahren Entwicklungszeit mittlerweile 38, Tendenz steigend. Zum Vergleich: die Konkurrenz um Destiny, The Division und Anthem bietet uns die Wahl zwischen drei bis vier verschiedenen Charakterklassen. Stellt sich die Frage, ob die Warframes sich in ihrer Fähigkeiten auch wirklich voneinander unterscheiden?
Ja, das tun sie. Die spielerische Bandbreite, die hier abgedeckt wird, ist enorm. Sei es Volt, der Feinde unter Strom setzten kann, Nekros mit der Fähigkeit gefallene Gegner wiederzubeleben oder Limbo, der Freund wie Feind in eine Paralleldimension verfrachten kann; für so ziemlich jeden Spielertypen ist auch der passende Warframe dabei. Sehr gut: Die Charaktere können wir zwischen den Missionen jederzeit wechseln, sind also nicht wie etwa bei Destiny für den gesamten Spielverlauf an eine einzige Figur gebunden.
Quelle: PC Games
Man kann Warframe so manches vorwerfen - eine zu kleine Charakterauswahl gehört allerdings definitiv nicht dazu.
Für einzelne Missionen kann die Wahl eines passenden Warframes mitunter schon das Zünglein auf der Waage zwischen Missionserfolg und Scheitern darstellen. Wie etwa in Rainbow Six: Siege ist die Charakterauswahl vor Missionen daher nicht unerheblich. So erweisen sich besonders "tankige" Warframes wie Rhino gerade bei Wellenverteidigung nützlich, aber auch bloße Healer wie Oberon oder Trinity sind in jedem Team gern gesehen. Wollen wir hingegen möglichst heimlich vorgehen, bietet sich ein Charakter mit Tarnfähigkeit an. Doch wie so ziemlich alles in Warframe müssen wir den erstmal bauen.
Warframe im Test: Das Crafting-System
Dafür brauchen wir bestimmte Ressourcen. Haben wir dann alle Bestandteile beisammen, können wir unseren Gegenstand craften, etwa Waffen aller Art, einen Roboter-Companion oder eben einen bestimmten Warframe-Part. Warframes selbst bestehen immer aus drei Teilen, erst wenn die hergestellt wurden, können wir unseren Frame bauen. Das Craften an sich läuft in Echtzeit ab, heißt also wir dürfen je nach Gegenstand zwölf Stunden (für ein Warframe-Bestandteil), 24 Stunden (für bestimmte Waffen) oder im Extremfall gar 72 Stunden (für den finalen Warframe) warten.
Quelle: PC Games
Wie für Loot-Shooter typisch ist auch Warframe mitunter sehr grindlastig.
Die Wartezeit entspricht jedoch nicht der Ingame-Spielzeit. Falls wir heute Abend also den Craftingprozess für eine Waffe starten, kann diese morgen abgeholt werden, wir müssen also nicht 24 Stunden im Spiel verbringen. Diese für Free2Play-Spiele nicht unübliche Mechanik klingt zugegebenermaßen anfangs seltsam, ist allerdings auch recht clever gemacht. Denn so hat der Spieler immer einen Grund zurückzukehren - Item XY könnte ja fertig sein. Allerdings sind die meisten Gegenstände, beziehungsweise Crafting-Zutaten für Einsteiger nicht direkt erhältlich, da sie sich nur an bestimmten mitunter erst spät zugänglichen Orten im Warframe-Universum befinden. Bis wir etwa besagte Archwings erhalten, geht viel Zeit ins Land. Doch keine Sorge, auch Neulinge kann geholfen werden - der tollen Community sei Dank.
Warframe im Test: We all lift together
Haben wir einen erfahrenen Kollegen zur Hand, so kann der uns einfach auf Missionen mitnehmen, die uns ansonsten noch gar nicht zugänglich wären. Natürlich können sich diese dann mitunter als sehr fordernd gestalten, sind jedoch dank der Mithilfe unserer Team-Kameraden in der Regel trotzdem zu schaffen. Ist ein Mitstreiter am Boden, wird ihm aufgeholfen, seltene Items werden gepingt, Belohnungen gemeinsam eingesackt. Alle ziehen an einem Strang. Wo uns in anderen Multiplayer-Titeln die Mitspieler eher mit Missgunst und Zwietracht begegnen, bietet Warframe so ein Zusammengehörigkeitsgefühl. Mitgrund dafür ist nicht zuletzt der Fokus auf PvE. Zwar bietet das Spiel auch einen PvP-Modus, der ist allerdings wenig besucht und eher als Nebenbeschäftigung gedacht. Allerdings kommt man auch mit den besten Teamkameraden nicht um Warframes mitunter größtes Manko: den langen Grind.
Warframe im Test: Der Grind
Manche Ressourcen sind nur auf bestimmten Planeten vorhanden. Dies ist jedoch keine Garantie, dass wir unseren Wunschgegenstand dort erhalten werden. Bei seltenen Crafting-Materialien kann es etwa sein, dass wir beim ersten Durchlauf einer Mission gar nicht fündig werden, beim nächsten Mal dafür jedoch gleich dreimal. Diese Inkonsistenz der Belohnung ist bei normalen Materialien zwar auch ganz reizvoll, bei einzelnen Warframen-Teilen hingegen gestaltet sich das Gefarme mitunter recht nervig.
Quelle: PC Games
Die Einblendung links unten verrät's: Hier sind wir auf der Suche nach einem seltenen Material fündig geworden.
Ein Beispiel: Um etwa den "Hydroid"-Warframe bauen zu können, müssen wir Vay Hek auf der Erde besiegen. Geht der über den Jordan, erhalten wir eines von drei zufälligen Bauteilen. Heißt also, dass die Mission mindestens dreimal wiederholt werden muss, um in den Besitz aller drei Teile zu gelangen, zumindest theoretisch. In der Praxis kann dies jedoch viel öfter der Fall sein. Woher wir übrigens wissen, dass diese und Bestandteile hier und dort bekommt sind, sagt uns das Spiel nicht. Stattdessen half - wie so oft - auch hier ein Blick ins Warframe-Wiki. Immerhin standen dort dann auch die Wahrscheinlichkeiten geschrieben, mit der wir welches Bauteil erhalten. Doch so nervig sich dieser Grind-Aspekt mitunter gestaltet, so sehr wird er gleichzeitig auch durch das grandiose Gameplay entschärft. Dank der schnellen wie abwechslungsreich inszenierten Action und den (bis auf wenige Ausnahmen) komplett zufallsgenerierten Levels die euch Warframe hier bietet, kommt so wenig Langeweile auf. Es gibt immer was zu tun, egal ob wir nun mit unseren Jetpack-ähnlichen Archwings auf Neptun nach Tellurium suchen, zum drölfzigsten Mal Tyl Regor in die ewigen Jagdgründe befördern oder in einer der Open-World-Regionen fischen gehen.
Warframe im Test: Wohin genau?
Welchen Missionen wir nun genau nachgehen, ist uns übrigens komplett freigestellt. Zwar müssten wir theoretisch einen Planeten nach dem anderen freischalten, können aber genauso gut mit einem erfahrenen Kollegen im Team jeden anderen Winkel des Sonnensystems erkunden. Warframe lässt dem Spieler bei seiner Entdeckungsreise enorme Freiheiten, lediglich Hauptmissionen müssen in einer vorgegebenen Reihenfolge absolviert werden. Es lohnt sich übrigens bei der Story am Ball zu bleiben, den die nimmt besonders gegen Ende richtig an Fahrt auf. Was genau damit gemeint ist, wollen wir euch aus Spoiler-Gründen an dieser Stelle allerdings lieber nicht verraten. Das gelungene Design späterer Hauptmissionen ist auch ein Merkmal so mancher Nebenquests im Warframe. Um etwa die Blaupause des Octavia-Warframes freizuschalten, müssen wir unter anderem im Cyberspace ein Musikrätsel lösen. Abgefahren!
Quelle: PC Games
Was hier passiert, verraten wir natürlich nicht.
Nur soviel: es lohnt sich die Story von Warframe zu verfolgen.
Im Punkto Sound muss sich der Free2Play-Titel den Konkurrenten um Anthem und Destiny jedoch geschlagen geben. Zwar sind manche Musikstücke sehr stimmig, an die Orchesterbegleitung, die Bungie und Bioware dagegen auffahren, kommt sie jedoch nicht ran. Alle drei Titel kränkeln jedoch auch am selben Problem: den sich wiederholenden Dialogzeilen. Gerade bei Warframe ist das äußerst verwunderlich, stammen doch alle Sprecher des Spiels aus dem Entwicklerstudio selbst. Wäre es da so viel verlangt, bei einem kommenden Update ein paar Sätze nachzuliefern?
Eine dicke Scheibe abschneiden kann sich die Konkurrenz dagegen in puncto Performance. Warframes Lead-Plattform ist der PC- und das merkt man auch. Niedrige Hardwareanforderungen, gelungenes Matchmaking, unglaubliche kurze Ladezeiten (im Schnitt etwa 5-10 Sekunden) und all das trotz Prachtgrafik. Was Digital Extremes hier abliefert, ist technisch gesehen schlichtweg erste Sahne.
Warframe im Test: Under construction
Ähnliches Lob können wir auch für die stete Weiterentwicklung des Spiels aussprechen. Nur wenige Spiele in der Branche haben sich seit Release so sehr gewandelt wie Digital Extremes' Loot-Shooter. Was 2013 als einfacher Third-Person-Ballerei begann, hat sich durch pausenlose Updates und konsequente Verbesserungen zu einem waschechten Phänomen entwickelt. Neue Quests, neue Warframes, neue Levels, neue Open-World-Areale, Hoverboards, Raumschlachten und vieles mehr. Die Entwickler liefern hier Inhalte ohne Ende - und das alles für lau!
Natürlich hat auch Warframe als Free2Play-Spiel Mikrotransaktionen: eine Ingame-Währung (Platinum), die wir durch Tausch mit anderen Spielern oder durch Echtgeldeinsatz erhalten. Die käuflichen Inhalte lassen sich (bis auf manch kosmetische Gegenstände) jedoch auch im Spiel freischalten. Durch das Öffnen von Relikten erhalten wir seltene Items, die wir auf dem In-Game-Markt gegen Platinum an andere Spieler verkaufen. Blöd nur: Diese Möglichkeit teilt uns das Spiel allenfalls am Rande mit. Da das Belohnungs-Prinzip beim Relikte-Öffnen komplett dem Zufall unterliegt, ist es schwierig zu sagen, wie viel Grind erforderlich ist, sofern wir kein Geld ausgeben möchten. Dabei sei angemerkt, dass besagte Relikte nur erspielt, aber nicht erkauft werden können.
Quelle: PC Games
Trotz der irritierenden Preisschilder können alle Waffen und Charaktere durch bloßes Spielen freigeschaltet werden.
Unterm Strich ist Warframe ein Musterbeispiel für gelungenes Free2Play. Die Hingabe mit der Digital Extremes hier seit sechs Jahren unentwegt kostenlose Inhalte erstellt, hat sich bezahlt gemacht. Die enorme Fanbase, ein riesiger Umfang und gar eine eigene Messe (Tennocon) sprechen da eine deutliche Sprache. Schön zu sehen, dass es auch in im Shooter-Genre jene Underdogs gibt, die im Rennen mit den ganz Großen mithalten können - vor allem wenn diese Underdogs kostenlos sind.
