Die Zukunft von Warcraft 4 liegt laut Blizzard in den Händen von Spielern. Und die haben sich längst entschieden, glaubt PC Games-Redakteur Max Falkenstern. Die Verkaufszahlen der StarCraft 2-Trilogie zeigen, dass es abseits von MOBAs einen Markt für klassische Echtzeit-Strategiespiele gibt. Wo bleibt also die Ankündigung?
Warcraft 4 kommt, oder etwa doch nicht? "Was die Zukunft bringt, hängt wirklich davon, was die Spieler sagen", ließ Tim Morten jüngst in einem Interview durchblicken, der als Lead Producer StarCraft 2: Legacy of the Void verantwortete. Die Aussage hätte er sich sparen können, denn natürlich weiß Morten, wie sehr sich Strategiefans eine Fortsetzung der RTS-Reihe wünschen. Dazu bedarf es nur einer kurzen Google-Recherche und schon landet man in entsprechenden Diskussionsforen, in Kommentaren, bei Wunschlisten und ähnlichem, wo Fans euphorisch darüber debattieren, welche Features Warcraft 4 bieten muss, um ihrer Idealvorstellung zu entsprechen.
Quelle: buffed
Strategie trifft auf Rollenspiel: Warcraft 3 verbindet Elemente beider Genres und wird vielerorts aufgrund des Fokus auf Heldencharaktere als Wegbereiter für MOBAs gesehen.
Jene warten immerhin schon stolze 13 Jahre auf einen richtigen Nachfolger. Zur Erinnerung: 2002, als Warcraft 3 in den Händlerregalen landete, zahlten wir erstmals mit Euro-Scheinen an der Kasse. Warcraft 3 schlug seinerzeit ein wie eine Bombe, Fachpresse wie Spieler gleichermaßen sangen Loblieder auf Blizzards Meisterwerk. "Echtzeit-Strategie in Perfektion", lautete das Fazit unseres Tests mit Vergabe einer Spielspaßwertung von 92 Prozent damals. Ein knappes Jahr später folgte mit The Frozen Throne eine nicht minder grandiose Erweiterung.
Alles, was in den darauffolgenden Jahren zum Warcraft-Universum geschah, fand dann fast ausschließlich im Zusammenhang mit dem MMOG-Platzhirsch WoW statt. Nach der Ankündigung von StarCraft 2: Wings of Liberty und den zwei Erweiterungen lag das Thema Warcraft 4 ohnehin auf Eis. Doch mit dem Abschluss der Starcraft 2-Trilogie scheint schließlich jener Zeitpunkt gekommen, von dem Blizzard im August 2015 sagte, man könne nun die Köpfe zusammenstecken und über das nächste Projekt nachdenken. Nichts sei ausgeschlossen, egal ob ein neues Spiel im Warcraft-, StarCraft- oder einem anderen Universum.
Quelle: Blizzard
Nachfrage nach Echtzeit-Strategie vorhanden: Die Verkaufszahlen der StarCraft 2-Trilogie fallen positiv aus. Die Voraussetzungen für ein Warcraft 4 könnten schlechter sein.
Dass sich aus den Gedankenspielen Warcraft 4 entwickelt, erscheint angesichts der aktuellen Verkaufszahlen von StarCraft 2: Legacy of the Void logisch. Binnen 48 Stunden gingen eine Million Kopien der Standalone-Erweiterung über die Ladentheke. Das sind zwar 100.000 weniger als noch bei Heart of the Swarm und sogar 400.000 Exemplare unter Wings of Liberty, angesichts des aktuelles Marktumfelds mit Highlights wie Call of Duty: Black Ops 3 und Fallout 4 überaus respektabel. Schließlich ist hier die Rede von einem reinen PC-Titel, der dazu auch noch im Vorfeld vergleichsweise wenig beworben wurde.
Auch dass die Nachfrage ungeachtet der wachsenden Popularität von MOBAs relativ stabil geblieben ist, spricht nicht nur aus meiner Sicht dafür, dass es für klassische Echtzeit-Strategie noch einen Markt gibt. Blizzards Tim Morten glaubt ebenfalls, dass beide Genres nebeneinander koexistieren können. "Wir sprechen eine Menge darüber und aus meiner Sicht gibt es die Hoffnung, dass das Publikum, das Heroes of the Storm und MOBAs im Allgemeinen spielt, an noch komplexeren Gameplay interessiert ist. In einer Weise ist es ein Eintrittstor zu dem, was Echtzeit-Strategie ausmacht und natürlich in erster Linie daraus entwachsen ist", äußerte sich Morten in einem 2014 veröffentlichten Interview.
Quelle: Blizzard
Braucht es in Zeiten von MOBAs ein Warcraft 4 mit Helden? Ja, denn Heroes of the Storm und Co. haben keine vollwertige Kampagne.
Die vielerorts diskutierte Frage, ob es nun eines weiteren Strategiespiels mit Helden-Fokus bedarf - und davon ist bei Warcraft 4 wohl auszugehen - stellt sich für mich indes gar nicht. Denn für mich stellt die Kampagne der Hauptgrund für den Kauf dar. Und das ist nun mal etwas, was MOBAs fehlt. Zumal Blizzard in puncto Story und Inszenierung der überschaubaren Konkurrenz meilenweit voraus ist, wie die Kalifornier jüngst erneut mit StarCraft 2: Legacy of the Void unter Beweis gestellt haben. Ob die Handlung von Warcraft 4 nun die Ereignisse der sechs WoW-Erweiterungen berücksichtigt oder nicht, ist mir als Lore-Unkundiger weitgehend egal. Auch beim Veröffentlichungsrhythmus bin ich offen, wenn die Wartezeit erträglich ausfällt und am Ende die Qualität stimmt. Erscheinen die Kampagnen von Orks, Menschen, Untoten und Nachtelfen nach StarCraft 2-Vorbild getrennt, hat Blizzard hiermit offiziell meinen Segen.
"Wir möchten hören, was unsere Spieler aufregend finden", sagte Tim Morten vor wenigen Wochen in einem Gespräch mit Gamespot. Ich denke, er kennt die Antwort auf seine Frage bereits.
