War Hospital im Test: Eine spielgewordene Belastungsprobe

Test Stefan Wilhelm
Eine Sanitäterin verarztet einen am Boden liegenden Soldaten. Im Hintergrund tobt der Erste Weltkrieg.
Quelle: Brave Lamb Studio

Bei War Hospital verwalten wir ein Krankenhaus im Ersten Weltkrieg. Gut gelaunt sitzt man hier sicher nicht vor dem Bildschirm. Aber lohnt es sich trotzdem?

Weil es nur eine Handvoll Prozesse gibt, die wir kontrollieren können, bleibt die Lage aber auch für Management-Neulinge übersichtlich. Neben Ärzten, Krankenschwestern, Sanis und Ingenieuren überwachen wir im Hintergrund noch die Missionen eines Kundschafter-Teams. Die interessanten Geschichten in diesen Missionen werden in schmucklosen Textfenstern präsentiert, in denen wir immer wieder Entscheidungen treffen müssen. Die resultieren in Belohnungen oder Strafen und sind meist unmissverständlich formuliert. Schwer fällt uns die Auswahl also nicht.

Kaum Qual bei der Wahl

Gleiches gilt für Sonderaufträge unseres Hauptquartiers. Uns werden regelmäßig VIP-Patienten angeliefert, die unsere Vorgesetzten vor allen anderen behandelt haben wollen. Scheitern wir bei diesen Aufträgen, bekommen wir saftige Strafen aufgedrückt, die die Lage noch weiter verschlimmern. Ohne einen stetigen Zuwachs an neuem Personal ist das Spiel kaum zu schaffen, und die Bewilligungen fürs Einstellen dieses Personals streicht uns das Hauptquartier gerne mal, wenn wir dessen Wünsche nicht erfüllen.

Die Ansicht einer Aufklärungsmission am Kartentisch. Quelle: Brave Lamb Studio Ob unser unterbesetztes Ärzteteam gerade schon voll ausgelastet ist, kümmert sie dabei auch nicht. In der Operationsliste reihen wir die Patienten nacheinander zur Behandlung ein, und eine zwölf Stunden lange Sonder-OP nach vorne zu verlegen, führt zum Tod vieler anderer Patienten, die deswegen zu lange warten müssen.

Das Spieltempo ist zwar insgesamt langsam, trotzdem stehen wir bei War Hospital oft unter Strom - obwohl, oder gerade weil es uns transparent vermittelt, welche Auswirkungen unsere Planung haben wird. Das ist zeitweise fesselnd, auch wenn der Verwaltungsaspekt nicht allzu viel Tiefe besitzt.

Seine größten Katastrophen kündigt War Hospital aber nicht an. Schon im ersten Kapitel, in dem wir unsere Aufgaben ohnehin kaum erfüllt bekommen, lässt es unser Management buchstäblich entgleisen. Der Zug, der uns alle paar Ingame-Stunden mit Baumaterial, bestelltem Personal und Essen versorgt, wird direkt vor dem Bahnhof von deutscher Artillerie zerstört.

In einem Akt der Verzweiflung ziehen wir Ingenieure von der Medizinproduktion ab, um die Gleise schneller freizubekommen, aber trotzdem sitzen wir eine gefühlte Ewigkeit lang auf dem Trockenen. Den Ärzten geht die Medizin aus, die Operationen kommen zum Erliegen, unsere Leute überarbeiten sich und fallen tagelang aus.

Ein abgestürzter Zeppelin liegt inmitten vieler Schützengräben. Quelle: Brave Lamb Studio Können wir solche Ereignisse nicht abfedern, landen wir schnell im Game-Over-Bildschirm. Dann haben wir hoffentlich viele manuelle Spielstände angelegt, sonst dürfen wir das stundenlange Kapitel komplett von vorne beginnen. War Hospital hat auch noch andere Gemeinheiten in petto: In dem Moment, in dem wir zwei unserer drei Ärzteteams gut ausgebaut haben, fängt das Spiel ohne ersichtlichen Grund damit an, nur noch Patienten zu schicken, die genau diese Teams nicht behandeln können.

Während des Tests am PC hat uns außerdem mehrmals ein spielzerstörender Bug erwischt, der dafür sorgt, dass unsere Ärzte einfach mittendrin aufhören, neue Patienten zu operieren. Zwar konnten wir das Problem durch viel Speichern und Neuladen bisher immer umschiffen, aber wer das vergisst, kann viele Stunden Spielzeit verlieren. Wegen dieses Bugs ziehen wir dem Spiel einen Wertungspunkt ab.

Gefühlskalt

War Hospital ist über weite Teile ein spaßbefreites und kaltes Spiel, bei dem das monotone Gameplay nur aufgelockert wird, wenn es uns mal wieder Sand ins Getriebe schüttet. Nichts anderes ist dieses Krankenhaus nämlich: Eine Maschine, die Soldaten produziert und in der der menschliche Aspekt keine Rolle spielt. Wir können uns an keinen einzigen Patienten erinnern, unser Personal hat weder markante Persönlichkeiten noch eine Geschichte und auf die Schicksale der Beteiligten wird nicht weiter eingegangen.

Letztendlich sind die Patienten nur eine Währung, und wer die Zahl am höchsten treibt, wird zwangsweise bevorzugt, wenn wir nicht untergehen wollen. Zwar können wir auf Wunsch in die einzelnen Gebäude zoomen oder die Lage in den Schützengräben checken, mehr als mies animierte, gesichtslose Figuren bekommen wir da aber auch nicht zu sehen.

Ingenieure stehen auf einem zerbombten Haus. Quelle: Brave Lamb Studio Uns war schon vorher bewusst, dass wir hier vor allem Katastrophenmanagement betreiben würden und dass es kein Spiel voller Heldentaten sein sollte. Nach dem Test sind wir uns allerdings nicht sicher, was uns War Hospital damit eigentlich sagen will.

Wenn die Botschaft ist, dass die Leitung eines solchen Krankenhauses eine emotionslose, unerfüllende Aufgabe ist, dann erreicht War Hospital sein Ziel. Wir sitzen ausdruckslos vor einer grauen Dorfruine und öden Menüs, in denen wir Menschen nach ihrem statistischen Wert sortieren und unsere Leute einfach noch eine Schicht schieben lassen, wenn sie noch nicht umgekippt sind.

Die einzige Erfüllung, die wir aus dem Spiel ziehen, ist das kurze Gefühl der Erleichterung, wenn wir eine seiner Herausforderungen überstanden haben. Die Systeme funktionieren ordentlich, phasenweise ist es sehr stressig und dann auch motivierend.

Wertung zu War Hospital (PC)

Wertung:

5.0 /10
Fazit

Ein spannendes Konzept, mittelprächtig verwandelt: War Hospital lässt euch den Stresspegel seiner Figuren angemessen nachempfinden, spielerische Abwechslung oder eine menschliche Ebene sucht ihr allerdings vergeblich.

Auf der emotionalen und moralischen Ebene hat uns War Hospital aber überhaupt nicht erreicht, weil das die spartanische Inszenierung und das distanzierte Gameplay gar nicht zulassen. Wenn es wirklich Gewissensbisse bei uns auslösen wollte, dann hätte uns War Hospital die Moral nicht schon an der Eingangstür abnehmen sollen.

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 06/2026 play5 06/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk