Tag 4: Wrestlemania 33

Special Christian Dörre
Tag 4: Wrestlemania 33
Quelle: World Wrestling Entertainment

An unserem vierten Tag ist es endlich so weit: Wrestlemania! Dementsprechend gehen wir auf unsere Erlebnisse rund um das Großereignis ein.

Tag 4: Wrestlemania 33

In Orlando gibt es nur ein Thema: Wrestlemania. Quelle: PC Games In Orlando gibt es nur ein Thema: Wrestlemania. Ich durfte in den letzten Tagen mit verschiedenen Superstars sprechen, am roten Teppich bei der Hall of Fame herumlungern und sah mit NXT Takeover: Orlando einen verdammt starken Wrestling-Event mit einem Kandidaten für das Match des Jahres 2017 - alles ziemlich aufregend -, doch so voller Vorfreude und Nervosität wie heute, war ich den ganzen Trip noch nicht. Es geht schließlich zu Wrestlemania, womit sich ein Kindheitstraum erfüllt. Bevor ich mich mit meiner Reisegruppe (bestehend aus britischen Journalisten) auf den Weg zum Stadion mache, gehen wir erst nochmal in die Innenstadt Orlandos, um eine Kleinigkeit zu essen. Klingt nicht besonders aufregend, macht aber unglaublich viel Spaß, da die Orange Avenue und Church Street komplett in der Hand der Wrestling-Fans sind.

Hunderte Fans bevölkern die Straßen,die Cafés, die Bars und sorgen für gute Laune. Spontan werden wieder Theme-Songs verschiedener WWE-Superstars angestimmt und etliche positiv bekloppte Catch-Freunde haben sich als Wrestler verkleidet. Auf einer Strecke von vielleicht 20 Metern kommen uns Fake-Versionen von Jim Neidhart, Bret Hart, I.R.S., Macho Man Randy Savage, Scott Steiner, Roddy Piper und natürlich Hulk Hogan entgegen. Zwei besonders verrückte Fans haben sich sogar als Tyler Breeze verkleidet und versprühen mit einer pinken, eingeglitterten Wasserpistole Parfüm. Alle sind glücklich, bald Teil dieser Wrestlemania zu sein und verbreiten gute Laune.

Von Schildern und Shirts

Über 75.000 Zuschauer sahen Wrestlemania 33 live im Citrus Bowl. Quelle: PC Games Über 75.000 Zuschauer sahen Wrestlemania 33 live im Citrus Bowl. Nach einem Burger begeben wir uns schließlich Richtung Citrus Bowl, wo an diesem Abend über 75.000 Menschen die 33. Wrestlemania feiern werden. Der Einlass verläuft relativ unkompliziert und wir sind schnell drin im Stadion. Leider sind jedoch auch hier an den Merchandise-Ständen sämtliche Kevin-Owens-Artikel ausverkauft, sodass meine letzte Chance auf ein KOmania 2-Shirt wohl bei RAW am kommenden Abend ist. Bisher ist bei diesem Trip alles so glatt gelaufen (vom KO-Merch mal abgesehen),dass ja jetzt noch etwas schiefgehen muss. Wir finden unsere Plätze nämlich nicht, da derjenige der beim Bau des Stadions für die Aufstellung der Schilder zuständig war entweder ein riesengroßer Troll ist oder irgendein komisches Kraut geraucht hat.

Ein Schild zeigt, wir sollen links eine Treppe runter. Nur leider gibt es dort keine Treppe. Als wir uns umdrehen, sehen wir, dass die Rückseite des Schilds in die entgegengesetzte Richtung zeigt. Also marschieren wir dort entlang. Auch weitere Schilder zeigen den Weg geradeaus, dann jedoch ist nichts mehr ausgeschildert und wir stehen in einer vollkommen falschen Ecke des Stadions. Der genervte Ordner zeigt auf Nachfrage nur nach oben. Gut, ein Stockwerk rauf also. Hier oben gibt es aber selbstverständlich auch verschiedene Eingänge zu unterschiedlichen Sektionen, leider hat man aber nun vollständig auf Schilder verzichtet. Warum auch? das Stadion ist ja schließlich so winzig, dass man sofort seinen Platz findet. Argh!

Nach zwei weiteren Nachfragen bei ein bisschen motivierteren Ordnern,finden wir endlich unseren Block und bekommen beim Aufstieg zu unserer Tribüne gerade noch das Ende des ersten Pre-Show-Matches mit. Meh. Oben angekommen blockiert ein Pärchen einen Teil unserer Plätze. Wie sich herausstellt sind auch sie zuerst den Schildern gefolgt und dann von einem Ordner hierher dirigiert worden. Zu ihrem Glück liegt ihr Block aber direkt nebenan, sodass sie nicht erneut orientierungslos durch den riesigen Citrus Bowl irren müssen.
Bei der Präsentation hat sich WWE mal wieder selbst übertroffen. Leider ist die Qualität unserer Bilder hier etwas durchwachsen, da wir nur unser Smartphone mit in das Stadion nehmen durften. Quelle: PC Games Bei der Präsentation hat sich WWE mal wieder selbst übertroffen. Leider ist die Qualität unserer Bilder hier etwas durchwachsen, da wir nur unser Smartphone mit in das Stadion nehmen durften.

The Grandest Stage of 'em all

Nun kann ich auch endlich den Anblick der an eine Achterbahn erinnernden Bühne genießen und die energiegeladene Atmosphäre aufsaugen.So viel geballte gute Laune gibt es zu diesem Zeitpunkt ganz sicher nirgendwo anders auf der Welt. Wildfremde Menschen sprechen uns auf unsere Shirts an, diskutieren mit uns das Booking von RAW, rätseln mit uns, welches Match wohl die diesjährige Veranstaltung eröffnen wird. Ich liebe es, zu Fußballspielen ins Stadion zu gehen und war schon in einigen Betonschüsseln der Bundesliga zu Gast, doch so eine herzliche, ja beinahe familiäre Atmosphäre wie hier, hab ich dort noch nirgendwo erlebt.

Erfüllter Kindheitstraum: Einmal Wrestlemania live erleben. Die Müdigkeit sieht man Chris dennoch an. Quelle: PC Games Erfüllter Kindheitstraum: Einmal Wrestlemania live erleben. Die Müdigkeit sieht man Chris dennoch an. Die Pre-Show mit der André the Giant Memorial Battle Royal und dem Intercontinental Championship Match dümpelt nun ein wenig vor sich hin. Vor allem der Titelkampf ist langweilig, da wohl weder Ambrose noch Baron Corbin Lust haben, nur im Kickoff-Programm stattzufinden. Die Zeit bis zum Show-Start vergeht jedoch trotzdem wie im Flug und Wrestlemania wird traditionsgemäß mit dem Song America the Beautiful eröffnet, bei dem die pflichtbewussten patriotischen Amerikaner auch uns desinteressierte Zuschauer aus anderen Ländern dazu nötigen, aufzustehen. Eine Gruppe hinter uns im Block, die vorher mit einer Tröte für Stimmung gesorgt haben, ziehen jetzt jedoch den Zorn einiger Fans auf sich, da einer aus der Gruppe beim verstauen des Geräts, die Tröte betätigt und ein kurzes, aber dafür sehr lautes "Möööp!" die Tribüne herunterschallt. Die Amerikaner mit der Hand auf dem Herzen drehen sich verärgert um, doch die in unserem Block zahlenmäßig überlegenen Europäer und Kanadier biegen sich vor Lachen. Das wiederum macht einige Amis noch böser, was uns noch mehr zum Lachen bringt.

Was für ein Spektakel!

Der Groll einiger Patrioten verfliegt jedoch genauso schnell wie er aufgekommen ist, schließlich möchte man doch gemeinsam dieses Wrestling-Fest genießen. Beim Einzug von AJ Styles liegen sich vollkommen fremde Personen auch schon wieder in den Armen, schunkeln gemeinsam zur Musik oder rappen gar selbst mit. Styles ist noch nicht ganz die Rampe herunter, da fängt das komplette Stadion an, seinen Namen zu brüllen. Als jemand,der AJs Karriere seit seiner Independent-Zeit verfolgt, habe ich hier einfach nur Gänsehaut. Wer hätte vor ein paar Jahren noch gedacht, dass dieser Kerl mal bei der WWE landet und dann so abgefeiert wird? Wow!

Vor allem nach Sonnenuntergang war das Set beeindruckend. Quelle: PC Games Vor allem nach Sonnenuntergang war das Set beeindruckend. Das folgende US Title Match hat ein wenig dasselbe Problem wie Nakamura gegen Roode den Tag zuvor: Die Leute mögen sowohl Owens als auch seinen Gegner Jericho, weshalb sie sich nicht so ganz entscheiden können, wem sie zujubeln sollen. Danach ist die Stimmung aber wieder besser und jeder Spot, jede Aktion bei den verschiedenen Kämpfen werden bejubelt und die Superstars werden lautstark angefeuert. Bei einem Match auf der Card verfiel das Publikum sogar in so einen Jubel, dass man uns wahrscheinlich bis Miami hat brüllen hören. Gänsehaut. Genauer gehe ich aber nicht darauf ein, da dies ein zu großer Spoiler wäre. Wer eine richtige Besprechung der Matches wünscht, dem empfehle ich den play4-Wrestling-Podcast, der ab Freitag auf videogameszone,de zu finden sein wird.

Wrestlemania 33 leistet sich über den kompletten Abend hinweg nur wenige Aussetzer. Das MIxed Tag Team Match und das WWE Championship Match sind meiner Meinung nach nerviger Blödsinn, doch der Rest macht einfach nur unfassbar viel Spaß. Selbst Goldberg gegen Lesnar ist nicht die erwartete Vollkatastrophe, sondern bringt das Stadion zum kochen. Vor allem der Verzicht auf Backstage-Segmente wird vom Publikum vor Ort wohlwollend aufgenommen. Als ich nach sechs Stunden Wrestling mit einer verdammt guten Show und atemberaubendem Feuerwerk aus dem Stadion trete, bin ich vollkommen ausgelaugt, aber glücklich. Ich kann nur jedem Wrestling-Fan ans Herz legen, wirklich mal diese Reise zu Wrestlemania anzutreten. Ich hatte das Glück eine gute Show zu sehen, doch selbst wenn eine WM nicht so berauschend sein sollte, wird man es nicht bereuen. Diese freundliche Atmosphäre, diese Energie, diese Party muss man einfach mal selbst erlebt haben.

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