Valheim und die nordische Mythologie: Anspielungen und was sie bedeuten

Special Christian Schmid Maria Beyer-Fistrich
Valheim und die nordische Mythologie: Anspielungen und was sie bedeuten
Quelle: PC Games 

Valheim bietet Mythologie-Fans eine Menge nordischer Sagen - und die Entwickler haben darauf geachtet, dass die Geschichten und Kreaturen gut umgesetzt wurden. Wir verraten euch, um welche Anspielungen es sich handelt und warum Valheim in Sachen Mythologie (fast) alles richtigmacht.

Der Survial-Hit Valheim konnte inzwischen nicht nur mehr als fünf Millionen Exemplare verkaufen, er legte auch einen geradezu vorbildlich stabilen Early-Access Launch hin. Mit am meisten Lob erhält das Spiel jedoch für seine düstere und sehr exakte Darstellung der nordischen Mythologie. Die Entwickler von Iron Gate Studios bringen als Schweden ihre heimische Sagenwelt so lebendig auf den Bildschirm, dass viele Spieler bereits über den Hintergrund der zehnten Welt, Odins Mission und die Bedeutung von Hugin und Munin rätseln. Durch seinen Early-Access-Status besitzt Valheim jedoch längst nicht die feinfühlig platzierten Lore-Schnipsel von Dark Souls. Wer sich nicht in Werken wie der poetischen Edda auskennt oder bereits eine Menge popkulturelles Wissens über die nordische Götter- und Sagenwelt anhäufen konnte, wird viele Anspielungen schlicht und ergreifend nicht verstehen.

Doch keine Sorge, Wikinger! Wir verraten euch die wichtigsten Referenzen und Fakten über die zehnte Welt, inklusive umfassender Hintergrunderklärungen. Wir behandeln dabei nicht nur Valheim (jetzt kaufen ) selbst, sondern auch die Kreaturen, Götter und Begebenheiten, die eine Verbindung mit der alten nordischen Mythologie besitzen. Also setzt euch euren Spangenhelm auf, schultert eure Dänenaxt und ruft Hávi um Beistand an - denn wir begeben uns auf eine Reise in die altnordische Sagenwelt.

Valheim selbst

Die Welt Valheim selbst ist eine geschickte Ergänzung zur eigentlichen nordischen Mythologie. Um zu Beginn eines klarzustellen: In den echten Sagen gibt es Valheim nicht; Iron Gate Studios entschied sich dazu, dem Hintergrund ihre eigenen Ideen hinzuzufügen. Im Kern gibt es in der nordischen Mythologie neun Welten, die alle über den Weltenbaum Yggdrasil miteinander verbunden sind:

  • Asgard ist die Festungswelt der Asen-Götter, zu denen auch Odin gehört. Hier finden sich der Palast Wahlhall und das Feld Folkwang, zwei der größten Methallen, in denen die ehrenvollen Toten singend und kämpfend auf das Weltenende warten.
  • Vanaheim ist die Welt der Wanen-Götter, zu denen unter anderem Odins Frau, Freya gehört. Im Gegensatz zu den Kriegern der Asen, sind die Wanen mehr an Weisheit, Visionen und Fruchtbarkeit interessiert - die idealen Opfer für die Kampfeslust der Asen. Dementsprechend stellt die Heirat zwischen Freya und Odin eher einen "Geiselaustausch", um einen alten Krieg zu beenden, als eine glückliche Ehe dar.
  • Alfheim, die Welt der "Lichtelfen", die in der poetischen Edda als "Schöner als die Sonne selbst" beschrieben werden.
  • Midgard, die Welt der Menschen. Euer Wikinger lebte bis zu seinem Tod in Midgard - das einzige Reich, das Menschen mit bloßem Auge sehen können. Übrigens: Ein anderer, altenglischer Name für Midgard lautet auch "Mittelerde".
  • Jötunheim, die Welt der Riesen. Neben den Wanen, den Zwergen, einander und eigentlich allem anderen, stritten sich die nordischen Götter am liebsten mit den Riesen. "Die Reise nach Utgard", eine der berühmtesten nordischen Geschichten, spielt in Jötunheim.
  • Muspelheim ist die Welt des Feuers und des Chaos, in welcher der Feuerriese Surtr lebt. Die Einwohner von Muspelheim sind es auch, die am Weltenende Ragnarök als erste die Tore von Asgard aufstoßen und die Regenbogenbrücke vernichten.
  • Svaltalfheim oder Nidvaellir ist die Welt der Zwerge. Da "Svatálfr" im wahrsten Sinne des Wortes "Schwarzer Elf" bedeutet, sind Dunkelelfen und Zwerge praktisch gleichbedeutend - mehr dazu später.
  • Niflheim ist die Welt des Eises, der Nebel und des Stillstandes, die direkt neben der Feuerwelt Muspelheim liegt. Die Quelle Hvergelmir, aus der alle Flüsse entspringen, liegt hier.
  • Helheim ist die düstere Welt der Toten, die von Lokis Tochter Hel beherrscht wird. Hel ist eine der wenigen Sagengestalten, die freien Zugriff auf alle neun Welten besitzt, denn sie muss "für jeden ein Bett bereitstellen", der an Alter oder Krankheit stirbt. Helheim wird zwar als 'dunkel und langweilig' beschrieben, doch im Kern leben die Toten hier schlicht und ergreifend so, wie sie es auch zu Lebzeiten taten.

Wer in den nächtlichen Waldhimmel starrt, entdeckt Teile des Weltenbaumes. Schlechte Nachrichten: Die zehnte Welt besteht aus einem einzigen Ast und treibt ziellos durch das Nichts. Yggdrasil selbst liegt in weiter Ferne. Quelle: PC Games Wer in den nächtlichen Waldhimmel starrt, entdeckt Teile des Weltenbaumes. Schlechte Nachrichten: Die zehnte Welt besteht aus einem einzigen Ast und treibt ziellos durch das Nichts. Yggdrasil selbst liegt in weiter Ferne.

So weit, so gut, doch wo steht Valheim in dieser Kosmologie? Die sogenannte "zehnte Welt" muss sich schließlich in den Weltenbaum einfügen, oder? Nicht ganz! Als Odin vor Urzeiten seine Feinde besiegte und die neun Welten einte, warf er all die Monster und Gegenspieler in die zehnte Welt und schlug mit seinem Schwert auf die Äste von Yggdrasil ein. Die zehnte Welt trennte sich vom Weltenbaum und driftete ziellos durch Ginnungagap, dem "Nichts zwischen den Welten". Als sich Odins Feinde nach ewiger Zeit erholten und sogar gediehen, schickte er seine Walküren aus, um geeignete Krieger zu suchen. Sie sollten in Valheim einfallen und dort seine Gegenspieler ein weiteres Mal besiegen.

Dementsprechend setzt sich auch der Name von Valheim zusammen: "Heim" bedeutet so viel wie "Ort eines Dinges" - Niflheim bedeutet Ort der Nebel und Alfheim bedeutet Ort der Elfen. "Val" oder "Valr" bedeutet auf Altdänisch so viel wie "Gefallen". Setzen wir also das Puzzle zusammen und kombinieren ein wenig, bedeutet Valheim "Ort der Gefallenen": Ein Reich, das nicht nur Tote beherbergt, sondern auch die Menschen, die weder nach Valhalla noch nach Helheim gelangen. An dieser Stelle erfolgt euer Auftritt: Ihr seid nicht nur die Geheimwaffe des Göttervaters, sondern auch völlig von ihm abhängig. Valheim hängt nicht mehr mit den anderen neun Welten zusammen, also wird euch Hel nicht finden. Entweder ihr erfüllt Odins Wunsch oder ihr bleibt für immer in Valheim. Eine andere Wahl gibt es nicht.

Die Walküren

Nachdem wir etabliert haben, wo ihr euch überhaupt aufhaltet, behandeln wir den Weg, auf dem ihr dort hin gefunden habt. Zu Beginn euer Reise nach Valheim beobachtet ihr, wie ein gigantischer Rabe euren Wikinger in seinen Klauen hält. Über die Identität dieses Raben herrschen wilde Diskussionen:
Auch wenn sie nicht so aussieht: Der Rabe am Anfang des Spiels ist in der Tat eine Walküre. Ihr Äußeres orientiert sich an an Geschichten von gestaltwandelnden „Schwertfrauen“. <br> <br> &nbsp; Quelle: PC Games Auch wenn sie nicht so aussieht: Der Rabe am Anfang des Spiels ist in der Tat eine Walküre. Ihr Äußeres orientiert sich an an Geschichten von gestaltwandelnden „Schwertfrauen“.

 
Er ist Munin: falsch. Hugins Rabenbruder wäre in dem Fall unnatürlich groß und würde obendrein den Körperbau einer Frau besitzen. Auch das Äußere des Rabens ist für Munin unpassend. Mehr zu den beiden Raben Hugin und Munin findet ihr später im Text.

Er ist ein "Valravn": Falsch. Im Netz geistert vermehrt das Gerücht umher, dass eure mysteriöse Transportgelegenheit ein sogenannter "Valravn" ist; eine ältere, dänische Version der Walküren. Das Ganze ist frei erfunden, denn Valravn gibt es in der Mythologie wirklich - sie haben nur nichts mit Totentransporten zu tun. Ein Valravn entsteht, wenn ein Rabe das Fleisch mächtiger, gefallener Krieger verspeist und daraufhin menschliche Intelligenz und magische Fähigkeiten entwickelt. Deshalb auch sein Name: Valravn bedeutet, wie aufmerksame Leser inzwischen ableiten können, "Rabe der Gefallenen". Weitere Sagen ranken sich um Tiere, die zur Hälfte ein Rabe und zur anderen Hälfte ein Wolf sind, sowie Kinderblut trinkende Raben, die sich in Ritter verwandeln. Ritter? Richtig gelesen: Die Geschichte des Valravn stammt aus dem 1800 Jahrhundert und scheidet damit aus.

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Sie ist eine Walküre: richtig. Die Kreatur, die euch zu Spielbeginn nach Valheim bringt, ist eine Walküre. Auch "Valkyre" geschrieben, und aus den Wörters "Valr" und "Kjósa" zusammengesetzt, bedeutet der Begriff "Wähler der Gefallenen" und bezieht sich auf die "Schwertfrauen Odins". Immer wenn eine Schlacht tobt, entscheiden die Walküren, wer gewinnt und wer verliert - die Verlierer erwartet die höchste Ehre, als einer der Einherjar am Ende Ragnaröks zu kämpfen. Die weibliche Form des Raben, der Goldschmuck und vor allem die blutverschmierten Flügel und Klauen deuten allesamt auf eine Walküre hin.

Wenn ihr euch fragt, warum wir von einem gruseligen Hybriden aus Mensch und Rabe nach Valheim geschleppt werden und wo zum Abgrund die versprochenen hübschen Schwertfrauen bleiben: Walküren werden der Sage nach nicht nur oft in Begleitung von Raben gesehen, sondern sind auch dafür bekannt sich in Raben, Schwäne oder Pferde zu verwandeln. In Valheim wurde die Rabenvariante gewählt, denn alles deutet darauf hin, dass ihr es mit einem ganz besonders unangenehmen Aspekt von Odin zu tun bekommt: dem "Rabenfütterer."

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