Valheim im Early-Access-Check: Der neue Nordstern am Survival-Himmel - mit Video!

Special David Benke
Valheim im Early-Access-Check: Der neue Nordstern am Survival-Himmel - mit Video!
Quelle: Coffee Stain Publishing

Das Wikinger-Survival-Abenteuer Valheim schlug in der Gaming-Szene ein wie eine Bombe. Bereits eine Woche nach seinem Early-Access-Release auf Steam verkaufte sich der Titel über eine Million Mal. In den User-Rezensionen wird er mit Lob geradezu überschüttet. Wir schauen uns den Indie-Hit in der Vorschau mal näher an und erklären, was ihn so besonders macht.

Survival-Games sind gerade das heiße Eisen der Gaming-Szene. Über die Weihnachtstage bekam etwa das sieben Jahre alte Rust einen ordentlichen Popularitätsboost. Die durchschnittliche Spielerzahl steigerte sich um mehr als das Doppelte, von ungefähr 60.000 im Dezember auf 140.000 im Januar. In den Steam-Charts steht der Titel nun schon über mehrere Wochen hinweg in den Top 10 der meistverkauften Titel. Und auf Twitch schalten tagtäglich mehrere Tausend Zuschauer ein, wenn sich bekannte Streamer am gnadenlosen Überlebenskampf versuchen.

Bei so viel Hype ist es mehr als verständlich, dass auch andere Entwickler einen Teil vom Kuchen abhaben wollen und ihrerseits eigene Genrevertreter ins Rennen schicken. Einer dieser Kandidaten ist dabei das am 2. Februar in den Early Access gestartete Valheim. Auch hier erwartet euch zunächst die typische Survival-Kost: Kämpfen, Craften, der widrigen Natur irgendwie ein Schnippchen schlagen. Die Entwickler von Iron Gate ergänzen das Standardkonzept allerdings mit ein paar neuen Ideen und verlagern das alles in ein Setting, das nicht erst seit Assassin's Creed Valhalla en vogue ist: den mythischen Norden. Mit Wikingern ist schließlich gleich alles doppelt so gut. Wie gut Valheim tatsächlich funktioniert und wie es sich von anderen Survival-Games abhebt, haben wir uns einmal etwas näher angeschaut.

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Der Traum vom Paradies

Mit seinen pixeligen Charakteren erinnert Valheim teilweise ein wenig an World of Warcraft ... 2004.   Quelle: PC Games Mit seinen pixeligen Charakteren erinnert Valheim teilweise ein wenig an World of Warcraft ... 2004.   Erster und vielleicht auch wichtigster Unterschied: Valheim (jetzt kaufen ) versucht tatsächlich eine Art Geschichte zu erzählen: Da Göttervater Odin die Welt von finsteren Mächten bedroht sieht, schickt er seine Walküren aus, um die Schlachtfelder Midgards nach den mächtigsten und tapfersten Kriegern zu durchkämmen. Ihr Seelen werden nach Valheim gebracht, die lang vergessene zehnte Welt des Weltenbaums Yggdrasil, wo sie sich als würdig erweisen müssen, indem sie fünf Wächter besiegen und ihre Köpfe dem allmächtigen Göttervater präsentieren. Nur dann wird ihnen Einlass nach Valhalla gewährt.

Zu Beginn dieses epischen Wikinger-Abenteuers steht aber natürlich erst einmal die Erstellung eurer Spielfigur mittels Charaktereditor. Umfangreiche Anpassungsoptionen wie in Fallout oder Cyberpunk 2077 dürft ihr dabei jedoch nicht erwarten. Valheim zeigt sich deutlich minimalistischer: Geschlecht, Hautfarbe, Haar- und Bart-Style dürft ihr festlegen, euch dann für einen Namen entscheiden und schließlich ins Spiel starten - halbnackt und ohne jede Ausrüstung.

Aus Gameplay-Sicht erwartet zunächst also der Genre-Standard: Ihr schlagt euch durch die Wildnis und versucht, erst einmal die Grundbedürfnisse eures Charakters zu befriedigen. Denn auch wenn ihr ein knallharter Krieger seid, bekommt ihr nach einer gewissen Zeit Hunger, werdet im Regen kalt und nass oder müde, wenn ihr zu lange wach bleibt. Die ersten Schritte bestehen daher daraus, Essen zu suchen, Werkzeuge herstellen und euch eine provisorische Behausung zu errichten.
Nach eurer Ankunft in Valheim habt ihr alle Kenntnisse aus eurem alten Leben verloren. Rezepte und Baupläne müssen also erst wieder erlernt werden. Quelle: PC Games Nach eurer Ankunft in Valheim habt ihr alle Kenntnisse aus eurem alten Leben verloren. Rezepte und Baupläne müssen also erst wieder erlernt werden.

Nix da Genre-Standard

Beim Kochen wie beim Crafting setzt Valheim dabei auf ein interessantes Prinzip: Euer Wikinger muss keine Rezepte oder Baupläne lernen, stattdessen werden mit jedem erstmals in der Natur gefundenen Rohstoff die damit herstellbaren Items in eurem Kompendium freigeschaltet. Ihr hebt einen Feuerstein vom Boden auf? Zack, schon könnt ihr damit ein Messer herstellen! Das sorgt für eine intuitive Lernkurve, die zum Erkunden und Experimentieren einlädt. So wie die frühen Menschen müsst auch ihr auf die harte Tour lernen, welche Pflanze essbar ist oder was passiert, wenn ihr mit zwei Steinen aufeinander schlagt. Damit einher geht ein steter sichtbarer Fortschritt, der auch auf längere Sicht motiviert hält. Haust ihr zu Beginn noch in einer wackeligen Holzhütte, ernährt euch von Beeren und prügelt auf wilde Tiere mit einem primitiven Knüppel ein, könnt ihr euch später am gemauerten Kamin eures Langhauses leckeres, selbst geschossenes Wildbret gönnen.

An Werkbänken repariert und verbessert bereits vorhandene Gegenstände oder stellt komplett neue her. Quelle: PC Games An Werkbänken repariert und verbessert bereits vorhandene Gegenstände oder stellt komplett neue her. Zusammengebastelt werden alle fortgeschrittenen Items an einer Werkbank. Dort lassen sich Gegenstände auch reparieren oder upgraden. Dann geht eure Axt beispielsweise nicht mehr so schnell kaputt oder euer Schild wehrt mehr Schaden ab. Beim Hochziehen von Gebäuden und anderen Strukturen kommt indes ein modulares Bausystem zum Einsatz, mit dem sich meist recht fix Ergebnisse erzielen lassen. Nur vereinzelt ist die Steuerung mal etwas fummelig, weil die Positionierung der Objekte nicht richtig funktioniert. Gerade Deckenteile rasten gerne mal nicht an der vorgesehenen Stelle ein und müssen dann nochmal abgerissen werden. Dabei bekommt ihr allerdings alle verwendeten Materialien zurück, das ist für ein Survival-Game schon echt fair.

Vorsicht, Gefälle!

Seid ihr dann schließlich ordentlich ausgerüstet, dann könnt ihr auf Entdeckungstour gehen. Die Welt von Valheim hat nämlich einiges zu bieten. Die zufällig generierte Karte im Low-Poly-Look umfasst mehrere verschiedene Biome von Graslandschaften über dichte Wälder bis hin zu verschneiten Berggipfeln. Die stecken voller kleiner Lore-Schnipsel, etwa alte Runen-Tafeln mit Informationen über die Welt und ihre mythischen Bewohner, und können frei bereist werden. Zu Beginn seid ihr dabei allerdings zumeist zu Fuß unterwegs, was auf Dauer etwas müßig werden kann. Erst im späteren Spielverlauf lassen sich Wagen, Boote und Portale freischalten, mit denen ihr dann auch den letzten Winkel der Erde erkunden könnt. Aber Achtung: Wagt euch besser nicht zu nah an den Rand oder ihr riskiert, herunterzufallen. Beim Design haben sich die Entwickler nämlich sehr nah an das scheibenförmige Weltbild der nordischen Mythologie gehalten.

Neben Todesstürzen lauern in Valheim natürlich noch andere Gefahren: Wilde Tiere, Dungeons voller Skelettkrieger, Trolle und andere Fabelwesen. Mit knapp zehn Gegnertypen ist das Repertoire aber recht überschaubar. Wesentlich spannender sind die eingangs erwähnten Wächter, riesige Bossgegner, die euch echt einiges abverlangen. Gerade in Auseinandersetzungen mit härteren Brocken fällt nämlich auf, dass Entwickler Iron Gate ein bisschen mehr Tiefe in seinem Kampfsystem haben wollte. Hier von Soulslike-Elementen zu sprechen wäre wohl haushoch übertrieben, eine gewisse taktische Komponente lässt sich aber nicht abstreiten. In Valheim erwartet euch schließlich eine Lebens- und eine Ausdauerleiste, die sich durch Aktionen wie Schlagen, Blocken oder Ausweichen verringert. Auch negative Statuseffekte wie Feuer oder Gift gilt es zu beachten oder ihr beißt gnadenlos ins Gras und verliert dabei euer komplettes Inventar.
Schiff ahoi! Im späteren Spielverlauf könnt ihr Flöße und Boote bauen und damit die Ozeane erobern. Quelle: PC Games Schiff ahoi! Im späteren Spielverlauf könnt ihr Flöße und Boote bauen und damit die Ozeane erobern.

Learning by doing

Die Bosskämpfe in Valheim sind mit fetzigem Metal-Soundtrack unterlegt. Quelle: PC Games Die Bosskämpfe in Valheim sind mit fetzigem Metal-Soundtrack unterlegt. Seid ihr siegreich, winkt euch dagegen eine fette Belohnung: eine Art Spezialfähigkeit, die sich gelegentlich aktivieren lässt. Wenn ihr etwa den ersten Endgegner "Eikthyr" gelegt habt, könnt ihr danach für fünf Minuten eure Ausdauerkosten für Sprints und Sprünge um 60 Prozent reduzieren. Auch sonst könnt ihr so ziemlich jede Fähigkeit verbessern, über die eurer Charakter verfügt: Faustkampf, Rennen, Schleichen - was immer ihr wollt. Valheim funktioniert dabei nach der Devise "Learning by doing". Das heißt, eure Statuswerte verbessern sich dadurch, dass ihr entsprechende Tätigkeiten vollführt: Wer zum Beispiel häufiger mal ein paar Bäume fällt, wird dadurch automatisch besser im Holz hacken.

Wie genau sich die gesteigerten Werte auf euren Charakter auswirken, ist allerdings nicht so einfach nachvollziehbar. Und auch sonst erklärt Valheim leider recht wenig. In den ersten Spielstunden bekommt ihr zwar immer wieder kleinere Tipps von Hugin, einem sprechenden Raben Odins, und auch der erste Wächter wird für euch auf der Karte markiert. Danach lässt man euch aber ziemlich alleine. Gerade über Endgame-Content wie Landwirtschaft, Metallverarbeitung oder Tierzähmung verliert das Spiel quasi kein Wort. Und die wenigen Erklärtexte, die Valheim tatsächlich liefert, weisen dann auch noch diverse Übersetzungsfehler auf. Hier bleibt zu hoffen, dass die Macher nochmal etwas nachpatchen.

Qualität schon im Early Access

Wenn ihr alleine an eurem Lagerfeuer sitzt, kommt richtige Wikinger-Romantik auf. Mit Freunden macht das Spiel aber natürlich mehr Spaß. Quelle: PC Games Wenn ihr alleine an eurem Lagerfeuer sitzt, kommt richtige Wikinger-Romantik auf. Mit Freunden macht das Spiel aber natürlich mehr Spaß. Bis dahin seid ihr gerade als Neueinsteiger gut beraten, euch in den einschlägigen Online-Foren schlau zu machen. Vielleicht findet ihr dort ja auch ein paar nette Leute, mit denen ihr das Wikinger-Abenteuer zusammen erleben möchtet. Denn natürlich ist Valheim nicht primär darauf ausgelegt, komplett alleine gespielt zu werden (obwohl das durchaus funktioniert), sondern macht zusammen mit bis zu neun Koop-Partnern am meisten Spaß. Die Kommunikation ist dabei via Emotes oder einen Textchat möglich. Wer nebenbei Teamspeak oder Discord nutzt, kommt aber wohl deutlich besser zurecht. Besonders Wagemutige können auch mal auf öffentlichen Servern vorbeischauen, müssen sich dort aber auf eventuell unschöne Überraschungen gefasst machen: Neben PvE- haben Iron Gate auch PvP-Elemente ins Spiel eingebaut. Es kann also passieren, dass andere Spieler Jagd auf euch machen und euch eure Items klauen. Einen Unterschied zwischen eurem privaten und eurem Online-Charakter gibt es nämlich nicht. Jegliche Werte und Items, die ihr besitzt, bringt ihr auch in öffentliche Sitzungen mit. Ebenso werden Fortschritte, die ihr dort sammelt, auch für eure Solo-Session gespeichert. Ihr solltet also zweimal überlegen, ob ihr eine liebgewonnene Spielfigur riskieren wollt oder nicht.

Mit Valheim selbst geht ihr hingegen so gut wie gar kein Risiko ein. Für den Preis von gerade einmal 17 Euro bekommt ihr hier ein spielerisch rundum gelungenes, technisch sauberes Wikinger-Survival-Abenteuer geboten - und das trotz Early-Access-Stadium! Der Titel ist für Genreliebhaber bereits jetzt absolut empfehlenswert und wird in Zukunft wohl nur noch besser werden. Die Macher von Iron Gate haben schließlich schon eine Roadmap für die kommenden Monate veröffentlicht, laut der 2021 noch diverse Updates mit zusätzlichen Biomen und Seefahrt-Optionen sowie jede Menge weitere Inhalte geplant sind. Wir freuen uns drauf!

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