Rainbow Six Siege: Wie die Community eSport formt und die Zukunft von Siege

Special Tobias Meyer
Rainbow Six Siege: Wie die Community eSport formt und die Zukunft von Siege
Quelle: PC Games

Rainbow Six Siege wurde nur durch die Community zum echten eSports.

Wo genau die Grenze zwischen eSport und kompetitivem Spiel liegt, muss jeder Spieler wohl bis zu einem gewissen Level für sich selbst entscheiden - eben wie im klassischen Sport. Nicht jeder Spieler träumt von einer Karriere als Superstar und möchte eines Tages den Hammer beim Invitational in die Höhe hieven.

Dann wird sich lieber das Trikot vom Lieblingsteam geschnappt, Voice-Chat gestartet und eben täglich mit Freunden getroffen, bevor es einmal im Jahr in die heiligen Hallen geht.

Team Furia präsentiert sich ihren Fans. Quelle: PC Games Am Finalwochenende treten die Besten der Besten aufeinander.

Das Mekka der Rainbow-Community

Im Football gibt's den Super Bowl, im Fußball das Champions-League-Finale und im Tennis die ATP Finals. Im Grunde sind alle gleich aufgebaut: Die Besten der Besten treffen aufeinander und versuchen an einem Tag all ihr Können zu bündeln.

Beim Six Invitational ist das etwas anders. Hier wird ein komplettes Fan-Fest gefeiert. Auch hier profitiert das Spiel wieder von der Community und dem Grundgedanken des eSport. Während in der Halle zwei Teams aufeinandertreffen, werden ringsherum Spielstationen aufgebaut, in denen Fans gegeneinander spielen können.

Zwischen den Sessions werden dann noch Shows veranstaltet - von Musik über Show-Matches bis zur heiligen Messe der Entwickler. Was früher Journalisten vorbehalten war, ist mittlerweile Standard: Publisher zeigen ihre neuesten Spielepräsentationen und Trailer in Livestreams auf YouTube, Twitch und Co. - hier sogar vor Publikum.

Cosplayer im Austausch miteinander. Quelle: PC Games Cosplayer tragen besonders abseits der Arena zur Stimmung bei. Der große Vorteil für Fans und Entwickler ist, dass das Feedback ungeschönt weitergegeben wird. Fans rasten aus, wenn Features zurückkommen oder Fehler behoben werden. Sie buhen aber auch, wenn ihnen etwas nicht gefällt. Hier nimmt man kein Blatt vor den Mund. Für Außenstehende mag das absurd sein, es zeigt aber ganz klar, wie stark Online-Communities sind.

Dieser Aufgabe ist man sich bei Ubisoft wohl auch bewusst. Entsprechend wurde ein komplettes Bühnendesign für das Event geschaffen - inklusive Monitor-Ring, der über der Bühne schwebt, und einem Blumenbeet rund um die Spieler. Dazu ein Orchester, das das Invitational und das Finale öffnet, und eine Live-Band als Voract.

Brot und Spiele für das Volk

Was hinter den Kulissen passiert, kann den Fans wohl eher egal sein. Es geht ihnen schließlich um das Spiel, die Community und den Wettbewerb. Schaut man jedoch auf das große Ganze, hat das Invitational ein schlechtes Timing.

Auf der einen Seite werden bei Ubisoft Projekte gestrichen, Mitarbeiter gefeuert und Studios geschlossen. Auf der anderen Seite reißt man in der Heimatstadt ein großes Fest für Gamer ab, bei dem alles vergessen scheint oder man zumindest versucht, die Geschehnisse auszublenden. eSport Director Maxime Vial stellt vor allem Fans und Entwickler in den Vordergrund:

Maxime Vial - eSport Director bei Ubisoft Quelle: Ubisoft Maxime Vial - eSport Director bei Ubisoft "Bei einem Event wie diesem dabei zu sein, ist für alle im Unternehmen unglaublich motivierend - für jeden, der an diesem Spiel arbeitet. Über 100 Entwickler aus unserem Team sind hier beim SI vor Ort. Und für sie ist es ein riesiger Motivationsschub, die Crowd zu sehen, die Community, die Pro-Spieler und ihre eigene Arbeit auf der großen Leinwand. Genau darum geht es für uns. Das ist unser Fokus. Und genau das feiern wir bei einem Event wie dem SI."

Ubisoft und Siege gehen Hand in Hand

Fakt ist: Nach aktuellen Plänen bei Ubisoft wird es auch in den nächsten Jahren mit Rainbow Six Siege weitergehen. Das ist ja auch nur logisch, immerhin handelt es sich um ein Live-Service-Spiel, das pausenlos Geld in die Kassen spült.

Wie es sonst um die Tom-Clancy's-Reihe steht, ist weiter fraglich. Das Splinter-Cell-Remake lebt - doch ob es künstlich am Leben gehalten wird oder wir in absehbarer Zeit Ergebnisse sehen können, ist fraglich.

Die aktuellen Pläne für Siege zeigen, dass an ein Ende nicht zu denken ist. Neuerungen wie Crossover mit Metal Gear Solid oder auch die Zusammenarbeit mit dem eSports World Cup zeigen, dass man wächst, statt sich zu verstecken.

Fans machen Fotos. Quelle: PC Games Abseits der Show werden genug Fotospots geboten - auch ein Maskottchen. Ubisoft setzt auf Rainbow Six Siege als eine seiner tragenden Marken. Die Zahlen geben dem Unternehmen recht. Doch ein Live-Service-Spiel lässt sich nicht allein durch Strategien und Finanzberichte sichern. Es lebt von aktiven Spielern. Ein Live-Service-Spiel dieser Größe funktioniert nur, solange Spieler bleiben und investieren. Das ist die Stärke des Modells, aber auch seine größte Abhängigkeit.

Solange Spieler Zeit und Geld investieren, können Entwickler, Events und Investoren profitieren. Bricht dieses Vertrauen, gerät auch das stabilste System ins Wanken.

Ob dieses Zusammenspiel dauerhaft gelingt, wird die Zukunft zeigen. Das Vertrauen in Ubisoft mag angekratzt sein. Das Vertrauen in Siege scheint aber ungebrochen. Und genau das ist es, was der Publisher derzeit braucht: eine Konstante in unsicheren Zeiten.
Transparenzhinweis: Ubisoft zahlte die Anreise für das Event.

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