Ich habe Twitter gelöscht - und ihr solltet das lieber auch tun
Kolumne
Unser Redakteur hat Twitter aus seinem Leben verbannt und die App vom Smartphone gelöscht. In seiner Kolumne erklärt er, warum ihr das besser auch machen solltet.
Als ich mich bei Twitter angemeldet habe, war ich gerade einmal 16 Jahre alt. Das war im Jahr 2007, das erste iPhone war zwar gerade schon auf den Markt gekommen, spielte in meiner Welt und in meinem Umfeld aber noch keine Rolle. Die meisten hatten normale Handys oder bestenfalls ein "Touchscreen-Handy", aber ohne Apps. Social Media war für mich und meinen Freundeskreis damals schon jahrelang wichtig, wir hatten eine gute Zeit mit SchülerVZ, selbst eingerichteten Online-Foren für die Jahrgangsstufe der Schule und dergleichen, bei mySpace war ich auch, aber das empfand ich damals als recht langweilig. Facebook und Instagram folgten erst später, doch Twitter begeisterte mich schon damals, vor rund 16 Jahren. Nun habe ich die App vor Kurzem von meinem Smartphone gelöscht und Twitter aus meinem Leben verbannt - und mir geht es nach nur wenigen Wochen so viel besser, dass es erschreckend ist.
Tschüss, Twitter
Völlig habe ich der Social-Media-Plattform, die mittlerweile dem reichsten Menschen der Welt gehört, zwar nicht den Rücken gekehrt, da ich bei uns in der Redaktion für Social Media zuständig bin und daher nicht um die berufliche Befassung mit Twitter umhinkomme. Privat aber spielt die Plattform keine Rolle mehr in meinem Leben und die Twitter-App kommt mir ganz sicher nicht mehr auf mein Smartphone.
Twitter ist toxisch
Warum? Nun, sicherlich ist die Twitter -Erfahrung für jeden anders, da die Plattform natürlich wie auch andere Social Medias individuelle Inhalte und Trends anzeigt, um die Interaktion und Verweildauer zu erhöhen und damit letztlich über Werbung mehr Geld zu verdienen. Generell jedoch hat sich Twitter im Laufe meines Lebens immer wieder stark gewandelt und zuletzt nur noch in eine einzige Richtung, und zwar ins Negative.
Kalter Twitter-Entzug
So kam ich schlussendlich zu der Erkenntnis, dass mich Twitter nicht nur viel Freizeit, sondern noch viel mehr Nerven, gute Laune und letztlich auch einen Teil meiner psychischen Gesundheit gekostet hat. Also habe ich der Erkenntnis Taten folgen lassen und die Twitter-App vor rund einem Monat von meinem Smartphone gelöscht und seitdem die Plattform privat komplett vermieden, nur noch zu beruflichen Zwecken genutzt. Jetzt nach einigen Wochen Entzug merke ich auf erschreckende Art und Weise immer mehr, dass diese Entscheidung nicht nur gut, sondern lange überfällig war.
Ohne Twitter geht's mir besser
Neben der gesparten Zeit geht es mir vor allem in mehrerlei Hinsicht besser. Ohne teils im Minutentakt von einer schlimmen Schreckensmeldung nach der anderen an den grausigen Zustand der Welt erinnert zu werden, bin ich viel ruhiger und entspannter geworden, weniger getrieben, dafür gelassener. Ohne täglich in Twitter -Diskussionen mit rechten und rechtsextremen Menschenfeinden zu geraten, sind meine Gedanken generell wieder positiver geworden, mein Blick auf die Welt nicht weniger ernüchtert, aber doch deutlich entspannter.
Löscht Twitter noch heute!
Ich kann daher nur jedem fleißigen Twitter-Nutzer raten, zumindest mal eine Pause zu machen. Manche machen einen Dry January oder üben sich zum Jahresanfang im Fasten, ich plädiere für Social-Media-Detox, speziell Twitter. Und das sage ich, obwohl ich (zumindest teilweise) mit Social Media mein Geld verdiene. Es gibt nichts zu verlieren, aber viel zu gewinnen - ich spreche aus eigener Erfahrung.
