Die EU nimmt sich digitale Riesen vor: Auch große Gaming-Plattformen betroffen?

Special Antonia Dreßler
Die EU nimmt sich digitale Riesen vor: Auch große Gaming-Plattformen betroffen?
Quelle: PC Games

Desinformation und Marktmacht: Die EU stemmt sich gegen die Online-Riesen. Wie sieht's mit Auswirkungen auf die Gaming-Landschaft aus?

Manchmal fragt man sich, was die EU-Politiker eigentlich den lieben langen Tag so machen. Vielleicht deswegen lud man uns zusammen mit 16 anderen deutschen Journalisten nach Brüssel ein, um über die Digitalpolitik der EU zu reden - da ist nämlich gerade viel im Gange. Während die Verhandlungen zum AI-Act, der Chatkontrolle und dem Recht auf Reparatur noch laufen, sind zwei Verordnungen zum Digitalmarkt dieses Jahr schon beschlossen worden. Der Digital Service Act und der Digital Markets Act (DSA und DMA), die als Gesamtpaket den Plattform-Giganten unserer Zeit die Stirn bieten sollen.

Illegales soll illegal bleiben

Vor allem der DSA ist im Gegensatz zu den meisten bisherigen EU-Auswüchsen zu größerer Prominenz gelangt, nachdem der Binnenmarkt-Kommissar Thierry Breton über X einige Briefe an die Tech-Giganten, Elon Musk (X), Marc Zuckerberg (Meta) und Shou Zi Chew (Tiktok) absetzte. In diesen fordert der französische Abgeordnete die Offenlegung der Plattformdaten über Strategien zur Eindämmung von Falschinformationen und illegalen Inhalten wie Hassreden oder Gewalttaten.

Im Grunde soll der DSA einfach nur illegal machen, was bis dato auch im nicht digitalen Raum illegal war, wie uns sämtliche EU-Abgeordnete versichern, die an der Ausarbeitung beteiligt sind.

Dabei ginge es auch nicht um Zensur, oder dass man einzelne Posts durchkämme - stattdessen gehe es um systematische Probleme. Im Fall von X nannte man als Beispiel für Desinformationen, Aufnahmen aus Videospielen, die als Bilder von Hamas-Angriffen gekennzeichnet waren.

Da ist es keine Frage mehr, ob wir von vermeintlichen oder gefühlten Fakten reden. Das sind schlichtweg falsche - bestenfalls fehlerhafte - Angaben. Die EU bezieht sich dabei auch auf ganze Desinformations-Kampagnen, wie sie schon bei Präsidentschaftswahlen vorkamen.

Alle Schafe sind schwarz

Die Frage nach Zensur darf und muss aber trotzdem gestellt werden, immerhin hat die EU-Kommission selbst die Entscheidungs-Hoheit darüber, was als systematische Desinformation gilt und was nicht - sie sind Ankläger, Richter und Henker in einem also. Im laufenden Geschehen findet der Prozess voraussichtlich hinter geschlossenen Türen statt.

Zur Beweismittelaufnahme stellt jeder EU-Staat Teams bereit, genauso wie die Kommission selbst und auch auf externe Quellen wie Europol greift man zu, die massenhaft Daten sammeln und die entsprechenden sozialen Netzwerke überwachen.

Prinzipiell sind erst einmal alle Netzwerke in Haft genommen, einen Transparenzbericht abzusetzen, Beschwerdemechanismen einzuführen oder Werbesysteme für Nutzer transparent zu halten.

Die Verantwortung, die ein Plattform-Inhaber trägt, wächst mit der Größe. Ganz oben stehen die Very Large Online Plattforms (VLOPs), die mit mehr als 45 Millionen europäischen Nutzern quasi unter ständiger Beobachtung der EU stehen. Zu diesem elitären Club gehören die genannten drei Netzwerke X, Meta und Tiktok, bei denen bereits Untersuchungsverfahren eingeleitet wurden, weil sie sich nicht an die neuen Vorgaben halten. Youtube zählt ebenfalls dazu, hat dem ersten Blick der EU aber standgehalten.

Auch Gaming-Seiten betroffen?

Und auch Gaming-Plattformen könnten in Zukunft unter diese Plattformen fallen - zum aktuellen Zeitpunkt basieren die Nutzerzahlen der Plattformen noch auf Eigenangaben - ob die so alle stimmen, untersucht die EU-Kommission in den folgenden Monaten selbst.

So behauptet Discord, dass sie sich weit unterhalb der magischen Marke von 45 Millionen Nutzern befänden, während der Tagesspiegel Background diese Zahlen aber anzweifelt - denn alleine in Deutschland und Frankreich habe der Dienst 33 Millionen Nutzer. Auch Twitch berichtet von Zahlen knapp über 30 Millionen Nutzer innerhalb Europas und will somit ebenfalls nicht zu den größten aller Plattformen zählen, die die Politik momentan auf dem Kicker hat.

Besonders interessant wird auch das Thema Steam, dass mit seinen gesammelten offenen und geschlossenen Gruppen sehr genau auf seine User schauen müsste - immerhin ist die Plattform auch schon durch rechte Gruppierungen aufgefallen und dürfte demnach per se auf dem Schirm der Kontroll-Instanzen sein. Laut Steam selbst hat die Plattform durchschnittlich 26,3 Millionen monatliche aktive Nutzer aus der Europäischen Union.

Ob Steam trotzdem zum VLOP wird, ist nicht auszuschließen, denn die EU bezieht sich mit den geforderten Zahlen nicht auf einen monatlichen Zeitraum. Einen aktiven Nutzer definiert die EU stattdessen als jemanden, der den Dienst in den letzten sechs Monaten tatsächlich in Anspruch genommen hat. Wobei man nicht zwingend registriert sein muss, sondern es auch reicht, die Website oder Plattform besucht zu haben.

Durch den DSA könnte die EU Plattformhalter zwingen, mehr Algorithmen einzuführen, respektive Uploadfilter, die sämtliche Inhalte scannen. Oder auch mehr Menschen einstellen, die sich mit Beschwerden von User-Seite auseinandersetzen und systematischen Fehlinformationen somit händisch Herr werden.

Als letzter Punkt des DSA können Nutzer durch die Verordnung Empfehlungs-Algorithmen ausschalten, wie es bereits auf manchen Plattformen möglich ist.

Also, statt auf Empfehlungen in der Timeline zu setzen, kann man dann tatsächlich alle abonnierten Inhalte in chronologischer Reihenfolge sehen. Die Auswirkungen des Digital Service Act sind damit vor allem im Hintergrund und für den Durchschnitts-Nutzer eventuell gar nicht wahrnehmbar. Sehr viel konkretere Auswirkungen könnte hingegen der Digital Markets Act haben, der den Wettbewerb in große Plattformen bringen soll.

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