Werft euch in die Lederkombi und setzt den Helm auf: In Tourist Trophy düst ihr mit 90 verschiedenen Motorrädern über Gran-Turismo-Kurse.
W er unsere Vorschau im OPM 06/2006 gelesen hat, weiß bereits, dass es sich bei "Tourist Trophy" um eine Motorradrennspiel handelt, das inhaltlich und grafisch zu einem Großteil auf "Gran Turismo 4" basiert. Auch der Spielablauf ähnelt dem der Referenz-Autosimulation: Für einen spontanen Ausritt zwischendurch empfehlen wir den Arcade-Modus mit seinen vier Spielvarianten. Dabei fahrt ihr Rennen gegen einen oder drei Gegner, stellt im Alleingang Rundenrekorde auf oder tretet auf dem geteilten Bildschirm gegen einen Kumpel an.
Nix ist Umsonst
Kern des Spiels ist der Tourist-Trophy-Modus. Hier erledigt ihr zunächst Prüfungen wie Brems- und Ausweichtests oder Slalomfahrten. Dabei erwerbt ihr Lizenzen, die ihr für die Teilnahme an den Überhol-Herausforderungen braucht.
Bei diesen Wettbewerben geht es darum, innerhalb einer festen Rundenzahl einen oder zwei vorausfahrende Gegner zu überholen und zehn Sekunden lang an der Spitze zu bleiben. Als Siegprämie erhaltet ihr das Motorrad, mit dem ihr zum Test angetreten seid. Anders als in "Gran Turismo" erwerbt ihr Fahrzeuge nur auf diese Weise - kaufen könnt ihr in "Tourist Trophy" nichts.
Weiterhin stehen 22 Rennveranstaltungen auf dem Plan, bei denen ihr euch gegen drei Konkurrenten durchsetzen müsst. Jeder Cup stellt andere Bedingungen an euer Fahrzeug: So gibt es Veranstaltungen für jede Hubraumklasse, für klassische Motorräder oder für Rennböcke.
Fühlt sich an wie echt
Was "Tourist Trophy" so faszinierend macht, ist das herrlich realistische Fahrverhalten der Bikes. Um Kurven optimal anzufahren, müsst ihr den richtigen Zeitpunkt zum Einlenken finden und gleichzeitig bremsen. Mit abnehmender Geschwindigkeit verringert ihr euren Kurvenradius, bis ihr am Scheitelpunkt die inneren Curbs berührt. Öffnet sich die Kurve wieder, zieht ihr am Gashahn und bringt den Lenker langsam in Geradeausstellung.
Timing und Präzision sind bei Motorrädern fast noch wichtiger als bei Autos, reagieren sie doch träger und kommen bei hektischen Manövern eher ins Schlingern. So solltet ihr es tunlichst vermeiden, beim Bremsen schnell hin und herzulenken. Schneller als ihr kucken könnt, rutscht euch sonst das Hinterrad weg. Natürlich ist es auch ratsam, Abstand zum Gegner einzuhalten. Kleinere Rempler haben zwar kaum Auswirkungen, heftigere Kollisionen jedoch führen schnell zum Abflug.
Beim Fahrverhalten erlaubt sich das Spiel ein paar Schnitzer, die zwar den Spaß nicht trüben, aber die Glaubwürdigkeit beeinträchtigen. Zum Beispiel gleiten die Motorräder ganz seltsam und unrealistisch über den Boden, wenn ihr sehr langsam um Kurven fahrt oder wendet. Und auch Stürze bei hohen Geschwindigkeiten sehen etwas steif und irgendwie undynamisch aus. Na ja, eigentlich sind das nur Peanuts.
Etwas mehr Action, Bitte
Deutlich unangenehmer fällt auf, dass es vielen Wettbewerben an Spannung fehlt. Zum Beispiel finden die meisten Überhol-Herausforderungen auf gerade mal drei oder vier verschiedenen Strecken statt - obwohl das Spiel doch 37 Kurse bietet. Und in den Rennen fehlen spektakuläre Ereignisse. Drei Gegner sind schlicht zu wenig und außerdem verhalten Sie sich sehr unflexibel und nicht gerade intelligent. Deshalb kommen auch so gut wie nie aufregende Duelle zustande.
Unterm Strich bleibt eine optisch anspruchsvolle Simulation mit toller Steuerung und großem Umfang, bei der jedoch der Wettbewerb mit den CPU-Piloten keine große Rolle spielt. cg
