Total War: Warhammer 3 im Test: Epische Strategieschlachten für Einsteiger und Profis
Test 53,99 €
Es ist mal wieder Zeit für ein neues Total War! Creative Assembly beendet seine Warhammer-Trilogie und versucht nebenbei, auch Einsteigern eine Chance zu geben. Wir klären im Test zum Strategiespiel, ob das Vorhaben aufgeht.
"Epische" Computerspiele gibt es massenweise, doch die Total-War-Serie ist darüber hinaus ein ganz eigenes Biest. Egal, ob ihr im alten Rom kämpft, als Shogun einen Feldzug durch das feudale Japan führt oder die drei legendären Königreiche Chinas erobert: In jedem Spiel baut ihr Zug für Zug euer Reich aus, kooperiert mit befreundeten Nationen und befehligt in groß angelegten Schlachten ganze Armeen voller Polygonsoldaten, die sich gegenseitig die Köpfe einschlagen. Nahezu jedes Total War nimmt Bezug auf historische Ereignisse und reale Fakten, die wir aus dem Geschichtsunterricht kennen. Zu den wenigen Ausnahmen gehören die beiden Warhammer-Teile von 2016 und 2017, die auf dem gleichnamigen Tabletop-Klassiker von Games Workshop basieren und das 4X-Strategiekonzept mit einer gehörigen Portion Fantasy und Magie vermischen. Genau genommen peilte Entwickler Creative Assembly von Anfang an eine Trilogie an, die nun mit Total War: Warhammer 3 (jetzt kaufen 12,49 € / 53,99 € ) ihren Abschluss findet.
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Bereits bei der Installation stellt ihr fest, dass die Devise der Briten endgültig "Nicht kleckern, sondern klotzen!" lautet: Das Spiel belegt nämlich satte 112 Gigabyte Speicher auf eurer Festplatte! Damit ist der dritte Streich fast doppelt so dick wie sein Vorgänger, was sich wiederum auf die Präsentation auswirkt. Allen voran wirkt die Grafik weniger bunt oder gar künstlich, stattdessen strotzt die Umgebung nur so vor Details und sorgt dank ihrer dezenten Farbgestaltung für eine viel düstere Atmosphäre. Hinzu kommen kurze, jedoch toll inszenierte Zwischensequenzen und ein stimmiger Orchester-Soundtrack.
Leider müsst ihr euch im Gegenzug auf lange Ladezeiten einstellen, die im Falle eines HDD-Speichermediums mehrere Minuten pro Speicherstand oder Schlacht in Anspruch nehmen. Ihr solltet deshalb genügend Platz auf einer SSD-Platte freischaufeln, um die Warterei signifikant zu reduzieren.
Altbekannter Strategiespaß
Der spielerische Kern von Total War: Warhammer 3 ist auf den ersten Blick gleichgeblieben: Ihr baut euer Reich in einem rundenbasierenden Modus auf, zieht eure Armeen in Form von kleinen Spielfiguren über die Weltkarte, stattet bereits eroberte Städte mit neuen Gebäuden aus und pflegt diplomatische Beziehungen mit anderen Fraktionen. Kommt es hingegen zu einem Konflikt zwischen zwei verfeindeten Parteien, dann könnt ihr in der Regel entscheiden: Möchtet ihr den Ausgang vom Computer generieren lassen oder die Schlacht lieber selbst ausfechten?
Quelle: PC Games
Dämon N'Kari gehört zu den Untergebenen von Slaanesh, einem der vier Chaosgötter von Total War: Warhammer 3.
In ersterem Fall erhaltet ihr im Gegensatz zu den vorhergehenden Total-War-Spielen deutlich konkretere Informationen, wie vermutlich das Endresultat aussehen wird. Neben einer groben Erfolgschance blinken nun sämtliche Einheiten rot auf, die mit großer Wahrscheinlichkeit ihr Leben verlieren werden.
Wollt ihr hingegen kämpfen, dann wechselt Total War in den Echtzeit-Modus und gibt euch die Befehlsgewalt über Hunderte von Soldaten. Diese werden in Einheiten zusammengefasst und sind in unterschiedliche Typen eingeteilt, die ihr wie in einem komplexen Schere-Stein-Papier-Prinzip möglichst effizient gegen die gegnerischen Truppen einsetzt. Bogenschützen agieren am besten im Hintergrund und sind ein gutes Mittel gegen Schwertkämpfer, berittene Einheiten sollten Fernkämpfer von der Seite flankieren, mit den Speerträgern hebelt man die Kavallerie aus und die Schwertkämpfer dezimieren im Idealfall eben jene Speerträger aus direkter Nähe.
Dank des Warhammer-Settings kommen noch zahlreiche fliegende Kreaturen und riesige Dämonen hinzu, ganz zu schweigen von den vielschichtigen Magiekünsten der Kommandanten. Letztere sorgen zudem für eine gehörige Portion Rollenspiel-Flair, indem sie mit zunehmender Gefechtserfahrung an Stärke gewinnen, Ausrüstungen tragen dürfen und mit jedem Levelaufstieg eine neue Kampffähigkeit erlernen oder zumindest eine alte verbessern.
Eine der größten Schwachstellen von Total War: Warhammer 3 ist die KI, die innerhalb der Echtzeitschlachten teilweise seltsame Auswüchse annimmt. Während ihr als Spieler tunlichst darauf achtet, eure Einheiten schön getrennt sowie gezielt auf eure Gegner zu verteilen, vertraut der Computer viel zu oft auf eine blinde Rush-and-Attack-Taktik.
Quelle: PC Games
Vor jeder Schlacht dürft ihr eure Einheiten positionieren und solltet sie geschickt in Gruppen einteilen, um sowohl gezielt als auch schnell Befehle erteilen zu können.
Zudem sind uns im Test einige komische Aussetzer aufgefallen, die wir im "normalen" Schwierigkeitsgrad beobachtet haben. Bestes Beispiel: Einmal platzierten wir frech unsere Bogenschützen in die erste Reihe und schossen gemütlich auf eine im Vordergrund stehende Einheit. Der Computer hingegen rührte sich nicht, obwohl massenweise Pfeile auf seine Soldaten regten. Erst als die Hälfte von ihnen tot am Boden lag, handelte er und bewegte seine Truppen.
Quelle: PC Games
Nur keine Hektik! Beim Marschieren über die Weltkarte steht die Zeit still, weshalb ihr in aller Ruhe eure Städte ausbauen könnt.
Ungeachtet dessen gibt es viele Möglichkeiten und Fehlerquellen, die zu einem Scheitern eurer Eroberungspläne führen - egal, ob euch beim Ausbau eurer Städte das Geld ausgeht oder ihr in einer Schlacht von der plötzlich nachrückenden Verstärkung des Gegners überrannt werdet. Deshalb hebt sich die Serie bereits in den unteren Schwierigkeitsgraden massiv von leicht zugänglicheren Konkurrenzprodukten wie Sid Meier's Civilization ab. Zwar ist die Steuerung in Anbetracht der hohen Komplexität gut sortiert, und zahlreiche Ingame-Hilfen erklären gezielt eure Fragen. Allerdings vermissen wir eine klassische Anleitung, die ihr komfortabel von vorne bis hinten durchblättern könnt und wo ihr euch nicht umständlich von einem Stichwort zum nächsten klicken müsst.
Trotzdem hat sich Creative Assembly eigens für Total War: Warhammer 3 etwas einfallen lassen, um Einsteigern unter die Arme zu greifen: eine umfangreiche Prolog-Kampagne, in der ihr die Rolle der Kislev-Rasse spielt und einen Großteil der Spielmechaniken erklärt bekommt. Die Kampagne nimmt mehrere Stunden Zeit in Anspruch und gibt sehr konkrete Ziele vor, die ihr nach und nach erfüllen müsst. Dabei verliert sie sich nicht in Detailfragen und lässt viele Nuancen und Facetten offen. Sie konzentriert sich einfach auf das Wesentliche, nämlich das Erobern von Städten, die Grundlagen der Diplomatie und natürlich die Handhabung eurer Armee innerhalb einer Schlacht. Gut so!
