Total War Warhammer 2 im Test - Fazit, Meinung und Wertung

Test Benjamin Danneberg Matti Sandqvist 53,99 €
Total War Warhammer 2 im Test - Fazit, Meinung und Wertung
Quelle: PC Games

Knapp anderthalb Jahre nach der Veröffentlichung des ersten Total War im Warhammer-Setting erscheint bereits jetzt der Nachfolger. Ist die Fortsetzung nur ein Aufguß der alten Welt oder tatsächlich ein würdiger zweiter Teil? Wir haben genau hingeschaut und verraten es euch in unserer Review.

Total War Warhammer 2 im Test: Kommandanten als Risiko

Das ist besonders dann bitter, wenn wir unseren Kommandanten bereits sehr hoch gelevelt und mit Ausrüstung versorgt haben. Die umfangreichen Skillbäume und die vielen magischen Gegenstände, die wir nach erfolgreichen Kriegen erbeuten können, sind auch im zweiten Teil wieder vorhanden. Darüber hinaus bekommen unsere Anführer neuerdings passive Eigenschaften verliehen, wenn sie bestimmte Dinge tun: Etwa Boni auf öffentliche Ordnung, wenn sie sich längere Zeit in eher Rebellionsgefährdeten Provinzen aufhalten oder Boni gegen Rassen, gegen die sie oft erfolgreich kämpfen. In Verbindung mit den umfangreichen Technologiebäumen jeder Fraktion, bringen das eine erstaunlich tiefe strategische Komponente mit. Erhebliche militärische Verbesserungen und wirtschaftliche Boni bedürfen einer guten Planung: Zu wenig Gold lässt uns schnell finanziell die Puste ausgehen, Boni für Truppen, die wir nicht nutzen, helfen uns nicht und schwächen uns dadurch erheblich. Machen wir aber alles richtig, planen Technologien und Kommandanten clever durch und verlieren dann einen Anführer, weil der aus Langeweile rotsieht - ist das gelinde gesagt ärgerlich.
Das pervertierte Rattenvolk der Skaven sieht sich ähnlichen Problemen gegenüber. Die gammligen Pelztieranführer sind auch nur so lange loyal, wie sie ihrer Aggression freien Lauf lassen dürfen. Darüber hinaus müssen wir dem ganzen Volk immer genug zu fressen geben und das Nahrungs-Barometer schön gefüllt halten - sonst haben wir mit starken Mali zu kämpfen. Was liegt da näher, als nach einem zünftigen Kampf Leichen zu schmausen? Die Skaven sind wirklich überzeugend umgesetzt worden: Die Mischung aus bestialischer Ekligkeit und völlig irren Steampunk-Apparaturen (im Falle der Höllengrubenbrut kulminiert das in einer abartigen Mischung aus Fleischberg und Gerätschaften) trifft den Charakter der Warhammer-Rasse perfekt. Selten machte es so einen Spaß, sich vorzüglich vor den eigenen Einheiten durch eine Kampagne zu gruseln. Bei der Aufstellung versuchen wir die Stärken unserer Armee mit der Umgebung in Einklang zu bringen, beispielsweise Bogenschützen erhöht zu positionieren.<br>
  Quelle: PC Games Bei der Aufstellung versuchen wir die Stärken unserer Armee mit der Umgebung in Einklang zu bringen, beispielsweise Bogenschützen erhöht zu positionieren.
 

Wo bleibt die Mega-Weltkarte?
Mit dem DLC „Mortal Empires“ wird die Alte Welt aus Total War: Warhammer mit der neuen Welt von Total War: Warhammer 2 zu einer Megamap zusammengeführt. Wer beide Teile besitzt, bekommt den DLC gratis. Alle bisher veröffentlichten Völker (außer Norsca, die sich noch etwas verzögern) werden spielbar sein, darunter auch die DLC-Rassen (wenn wir sie erworben haben). Allerdings wird die Mahlstrom-Kampagne für den Megamap-Modus nicht verfügbar sein.

Darüber hinaus haben die Skaven aber noch eine Eigenart, die der Kampagnenkarte erhebliche Dynamik verleiht: Ihre Festungen sind unterirdisch und damit für andere Rassen nicht sichtbar. Erkunden andere Fraktionen eine Ruine, können sie Schätze finden - oder eine waffen- und einheitenstarrende Rattenfestung. Übrigens wird damit auch gleich mit einer Unsitte aus dem ersten Teil aufgeräumt: Wir können absolut jede Ruine, Siedlung oder Festung besiedeln. Das bringt zwar bei bestimmten klimatischen Umständen weiterhin heftige Mali mit sich, aber wir dürfen uns endlich strategisch sinnvoll (oder schlicht expansionistisch) auf der Karte breitmachen - im Fall der Skaven wie ein pelzbesetztes Geschwür.

Total War Warhammer 2 im Test: Mit kalter Urgewalt

Weniger hyperaktiv-pervertiert, mehr eiskalt und gnadenlos geht es bei den Echsenmenschen zu. Auch hier hat Creative Assembly eine Rasse mit Charakter geschaffen. Als gnadenlose Stoiker unterwerfen sie alles, was ihnen nicht passt. Sehr cool: Das geomantische Netz, eine magische Energieverbindung zwischen den Städten der Kaltblüter sorgt für bessere Boni aus Provinzerlassen. Erlasse darf jeder Provinzbesitzer herausgeben: Von geringen Baukosten und mehr Wachstum bis hin zu höheren Steuern und Rekruktierungs-Boni gibt es diverse Optionen, die Gegend zu stärken und auch mal zeitnah auf Probleme wie Unruhen zu reagieren.

Unruhen begegnet die zweibeinige Echse immer mit zäher, monströser Gewalt. Wenn Kroxigore und Stegadons auf eine Spitzohr-Truppe zu donnern, helfen auch Gebete an die Immerkönigin nicht mehr (es sei denn, die legendäre Phönixgarde ist zu Stelle). Wir hatten manchmal den Eindruck, die Echsen seien zu stark, gerade wenn sie mit vielen großen Einheiten antraten. Im Gesamtbild unsere 50-stündigen Testlaufs müssen wir das aber relativieren: Gerade diese unterschiedlichen Zusammensetzungen von Armeen, diese mal schwächeren, mal stärkeren Ungleichgewichte, zwingen den Spieler zu viel mehr strategischem Vorgehen. Einfach mal alle angreifen, einfach wilde Sau spielen? Das wird eher schwierig, wenn wir nicht gerade auf dem leichtesten Schwierigkeitsgrad (es gibt derer vier) abhängen. Und wir erinnern uns an einige epische Schlachten, die wohl nicht so abgelaufen wären, wenn es nur perfekt gespiegelte Truppen gäbe.

Total War Warhammer 2 im Test: Gute Gesamtbalance trifft auf ordentliche KI

Das Balancing erschien uns überhaupt auf das große Ganze ausgelegt zu sein: Während die Ratten oft gegen eine perfekt aufgestellte Elfenarmee in die Röhre gucken würden, sieht das anders aus, wenn sie die gleiche Armee aus dem Hinterhalt angreifen - worauf sie als Rasse bei Attacken standardmäßig eine hohe Chance haben. Allerdings hilft kein Balancing der Welt, wenn wir unsere Gebäude und Technologien nicht auf unsere Bedürfnisse angepasst, oder gar ganz an unseren Truppen vorbei entwickelt haben. Und natürlich ist auch unser Geschick in der Kriegführung entscheidend.
In der Regel bleibt aber der Kampf auf der Mauer nicht aus: Mit Leitern oder belagerungstürmen geht’s auf die Zinnen...<br>
  Quelle: PC Games In der Regel bleibt aber der Kampf auf der Mauer nicht aus: Mit Leitern oder belagerungstürmen geht’s auf die Zinnen...
 
Die Kampfgebiete orientieren sich in der Regel an der ausnehmend hübsch gestalteten Kampagnenkarte. Neben blutigen Schlachten an sonnendurchfluteten Küsten greifen wir auch unterirdische Festungen in gigantischen Höhlen an. Die KI macht in diesen Kämpfen überwiegend eine ordentliche Figur: Schnelle Einheiten, manchmal auch Infanterie, versuchen uns zu flankieren und in den Rücken zu fallen. Monster reißen Lücken in unsere Kampflinien, die wir sorgfältig den Gegebenheiten nach aufgestellt haben: Bogenschützen möglichst erhöht, Nahkampfeinheiten vorn, wenn möglich versteckte Truppen im Wald, die dem Feind im richtigen Moment in den Rücken fallen. Die Kampfsteuerung inklusive der Geschwindigkeitsanpassungen bis hin zur Zeitlupe ist wie gewohnt perfekt umgesetzt worden, auch wenn wir weiterhin keine Formationen zur Verfügung haben.

Total War Warhammer 2 im Test: Freud und Leid auf dem Kampagnentisch

Es ist ein Fest dabei zuzuschauen, wie die berittenen Drachenprinzen mit voller Wucht in eine Abteilung Bogenschützen rauschen und die armen Teufel durch die Luft geschleudert werden wie Papiersoldaten. Wenn ein Sternendrache sich in der Luft aufbaut um seinen Magieatem auf den Feind zu spucken oder mit seinen Tatzen am Boden in einer Horde Infanteristen wütet, ist das durchaus erhebend. Und wenn Kommandanten und Helden mit mächtigen Zaubern und todbringenden Waffen unter den Gegnern reiche Ernte halten, kommt die Hochelfen-Arroganz auch bei uns zum Vorschein - meist durch ein befriedigtes, leicht diabolisches Grinsen. Also alles super im Warhammer-Universum? Nicht ganz. Manchmal werden einzelne Helden auf der Flucht so zwischen großen Gegnertruppen eingekeilt, dass sie keinen Schaden mehr nehmen. Ein paarmal mussten wir unsere Leute erst wieder von den dicken Brocken zurückziehen, bevor der Lebensbalken wieder abgeknabbert werden konnte. Das Prinzip eines sinnvollen Ausfalls ist der KI darüber hinaus weiterhin nicht bekannt: Bei Belagerungsschlachten durften wir immer wieder ganze Truppen aus dem toten Winkel von den Mauern schießen - ohne jede Gegenwehr oder gar taktischen Rückzug. Und dann wären da noch ein paar seltene Abstürze, die uns auf die Nerven gingen.

Total War Warhammer 2 im Test: Feine Technik, ausbaufähiger Umfang

Technisch ist das Spiel - von der Handvoll Crashes abgesehen - auf unserem recht potenten Rechner (i7-4770K, GTX 1080 Ti, 32 GB RAM) und in sattem 4K bestens gelaufen. Die Karte ist toll gestaltet und vermittelt die verschiedenen Klimazonen und Gebiete optisch ganz hervorragend. Der Sound ist eine Wucht, sowohl auf der Kampagnenkarte, als auch in den Kämpfen: Wenn eine Horde Reiter durchs Bild donnert und Artillerie-Geschosse in Truppen einschlagen, jauchzt das audiophile Spielerherz. Dass die grafischen Effekte und die Animationen da locker mithalten können, wissen wir schon seit dem ersten Teil - und die neuen Fraktionseinheiten auf dem Schlachtfeld beweisen das mit Seuchenkatapult, Sternendrache und diversen Zauberattacken der Kommandanten und Helden.
...und dann stehen harte Verteidigungskämpfe an. Quelle: PC Games ...und dann stehen harte Verteidigungskämpfe an. Was fehlt? Das sind natürlich mehr Rassen. Für den zweiten Teil hätte Creative Assembly die Völker des ersten Total War: Warhammer mitbringen können oder zumindest einige davon. Immerhin: Die sollen mit dem Gratis-DLC "Mortal Empires" in Kürze kommen (siehe Kasten "Wo bleibt die Mega-Weltkarte?"), allerdings wohl nicht für die Mahlstrom-Kampagne. Das ist schade. Allerdings: Wenn Creative Assembly in diesem Stil weitermacht und auch den dritten Teil der Trilogie mit sinnvoll verbessertem Gameplay sowie einer ähnlich spannenden Kampagne versieht, wird Total War: Warhammer ganz sicher das Meisterstück der Strategieserie werden.

Metacritic bewertet das Spiel mit 87%.

Meinung

Wertung zu Total War: Warhammer 2 (PC)

Wertung:

9.0 /10
Pro & Contra
Hervorragende, motivierende KampagnePerfekt getroffene Warhammer-AtmosphäreVier sehr unterschiedliche, charakteristische VölkerKomplexe strategische HerausforderungenHeftige RitualkämpfeSolide KIPassive Eigenschaften für KommandantenLoyalität bei Dunkelelfen und SkavenAlle Siedlungen können erobert werdenGroßartiger SoundWunderschön gestaltete KampagnenkarteHübsche ZwischensequenzenAbwechslungsreiche KampfkartenSehr lange SpielzeitBerater erleichtert Einstiegbesondere SzenarienMultiplayergefechte
Nur vier spielbare RassenNur englische Vertonung (auch Einheitenkommentare)Keine Formationen für TruppenKI kann keine Ausfall-Angriffe

Bildergalerie

  1. Seite 1 Total War Warhammer 2 im Test: Dynamik und Spannung
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