25 Jahre Tibia: Ein Neuling begibt sich in das legendäre MMO - Seite 2
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25 Jahre Tibia - und das MMO wird noch immer begeistert gespielt. Aber warum ist das so? Ein Neuling wagt zum Jubiläum den Tibia-Selbstversuch.
Laut Stephan Vogler war es nicht unbedingt einfach, den Freiheits-Drang mancher Spieler in Zaum zu halten. Gerade zum Zeitpunkt der Kommerzialisierung im Jahr 2001 und darüber hinaus gab es Spieler*innen, welche die Freiheit vermissten, welche manche in Tibia als "Unfairness" beschrieben hätten. Bereut hat man diesen Schritt bis heute trotzdem nicht.
Gezieltes Marketing gab es dabei praktisch nie. Das Spiel wurde eben dort groß, wo es groß wurde. Praktisch die Hälfte der Tibia-Community sitzt heute in Brasilien.
Da ich weiterhin ziellos durch die Welt steife und alle 20 Meter von Nicht-Zombie-Zombies aufgegabelt und mittelfristig getötet werde, muss ich mir einen anderen Plan überlegen: Spiel aus, Browser an, Zeit für etwas Recherche.
Guides sind dabei genauso willkommen wie die zahlreichen Wikis zu Aufgaben, dem Level-System oder anderen Kniffen Tibias. Denn die Frustration ist zu diesem Zeitpunkt hoch, trotz viel investierter Zeit sehe ich mich nach wie vor einem Konzept gegenüber, welches ich nicht wirklich zu verstehen scheine.
In diesem Artikel
Kapitel 3 - Verständnis?
Nachdem wir immer wieder an den Anfang der ersten Stadt, Venport, geschmissen werden, welche aktuell von Nicht-Zombie-Zombies besiedelt wird, platzt mir der Kragen. Ich bin inzwischen sogar so schlecht, dass ich ins Tutorial zurückgeworfen werde. Schließlich verliere ich bei jedem Tod Erfahrungspunkte und teilweise sogar Items. Also: alles auf Anfang.
Bizarr ist, dass mir das Tutorial bisher mit am meisten Spaß gemacht hat. Die Mischung aus Items aufsammeln, Monster erlegen und das kleine Areal erkunden besitzt einen Charme, den man nicht von der Hand weisen kann. Trotzdem: Noch einmal hätte ich das Ding nicht erleben müssen!
Quelle: PC Games
Mein erstes Mal Tibia - Eine MMO-Entjungerfung (6)
Nachdem ich mich wieder nach Venport vorgearbeitet habe und dort mehrmals von Feinden niedergeknüppelt werde, wird es Zeit für einen zweiten Anlauf: Jamble Wamble, von Beruf Magier.
Vielleicht ist es die Wahl eines anderen Servers, welche mir als ein gutes Omen dient, doch der liebe Jamble sieht sich im Gegenteil zu Prost Korus selig nicht ein einziges Mal mit der Nicht-Zombie-Zombie-Horde konfrontiert. Zudem kommt mir der Fernkampf nach den vielen kräftezehrenden Nahkampf-Duellen sehr gelegen.
Das Gefühl von Macht, welches Tibia hier der Spielerschaft präsentiert, ist erstaunlich effektiv. Der Einsatz von Magie fühlt sich schlichtweg "richtig" an und erlaubt es mir, die Welt rund um Venport ein wenig zu erforschen.
Tendenziell ist es überraschend, wie viel "Atmosphäre", wenn man es so nennen möchte, Tibia mit seinem Stil und ohne Sound kreieren kann. Ich begegne recht amüsanten NPCs wie einem alten Magier, der ein wenig Haushaltshilfe benötigt. Für ihn erlege ich ein paar Fledermäuse am Dachboden, wofür er mich sowohl monetär, als auch mit dem ständigen Vergessen meines Namens belohnt. Unhöflich!
Mit echten Spielern hingegen komme ich kaum in Kontakt. Manche rennen blitzschnell an mir vorbei auf dem Weg zur nächsten Quest, andere lagern Objekte im Depot von Venport. Die soziale Interaktion, von welcher MMOs leben, erlebe ich nie.
Vielleicht kann ich ja den Bekanntenkreis überreden, mich auf meiner Reise zu begleiten und eine Gilde zu gründen? Tja, Pech gehabt, das ist ein Premium-Feature. Ebenso sind viele Vorteile beim Leveln hinter einem Premium-Account sowie einzeln erwerbbaren Münzen versteckt.
Wäre es an dieser Stelle zynisch, dieses Modell in Frage zu stellen oder mit den Modellen anderer MMOs zu vergleichen, bei einem Spiel, welches so, so viele Jahre mehr auf dem Buckel hat? Als Außenstehender stellt man sich schließlich die Frage, inwiefern es mir dieses Geld wert ist, und Alter alleine verzeiht dann doch keine fragwürdigen Finanzierungsmethoden.
Die Welt von Tibia ist charmant, die vermittelten Gefühle und Impulse taugen. Und der Flow, welcher von Tibia erzeugt wird bestehend aus Looten, Jagen und Aufzuleveln, dessen formelhafte Faszination ist greifbar.
Und doch bleibt ein gewisses Gefühl der Verwirrung. Wieso ausgerechnet Tibia? Wieso ausgerechnet immer noch Tibia?
Kapitel 4 - Ausblick
Quelle: PC Games
Mein erstes Mal Tibia - Eine MMO-Entjungerfung (5)
Vogler sieht viel Nostalgie in der Spielerschaft. Bekannte Persönlichkeiten wie etwa Pewdiepie sind mit dem Spiel aufgewachsen. Der weltgrößte Einzel-Youtuber hat es einst gar als "bestes Spiel aller Zeiten" betitelt.
Die Grafik, das Interface, die Interaktion mit den NPCs, all dies trägt sicherlich einen nostalgischen Wert in sich. Aber das ist ein Charme, der für jemanden, der mit dem Spiel nicht aufgewachsen ist, wohl nur schwer nachzuvollziehen ist.
Das ist tendenziell ein Problem, denn nur, wenn nicht nur die alten Hasen an Bord bleiben, sondern sich auch neue Fans finden lassen, kann der Erfolg des Spiels gewahrt bleiben. Vogler wünscht sich natürlich eine Zukunft für Tibia. Vielleicht trifft man sich dann ja in 25 Jahren zum 50-jährigen Jubiläum, scherzt er zum Abschluss unseres Gesprächs.
Tibia profitiert zweifelsohne auch davon, dass all die Mythen und Legenden, welche in der Welt dieses MMOs entstanden sind, inzwischen auf YouTube ein populäres Zuhause für die Nachwelt gefunden haben. Das ist vielleicht die beste Art und Weise, um es am Leben und weiter relevant zu halten.
Genau diese Mythen, genau diese Geschichten sind es, die auch mich an Tibia all meiner Probleme damit zum Trotz motiviert und begeistert haben.
Aber keine dieser Mythen erlebe ich spielerisch. Ich kreiere keine Geschichten, bin kein aktiver Teil der Welt. Im Endeffekt ist die Faszination an Tibia für mich eine völlig andere als die Spielerfahrung Tibia. Denn die Spielerfahrung erreicht nicht die Faszination der Mythen, zumindest nicht während meines Abenteuers.
Die Idee, nicht nur mit alten und neuen Freund*innen eine bereits geschaffene Welt zu erkunden, sondern eben genau diese selbst zu schreiben und zu kreieren. Der Vergleich zu D&D ist also unter Umständen mehr als angebracht. Diese Idee bleibt für mich interessant, auch wenn ich sie selbst in Tibia nicht erlebt habe.
Ich erlege also die letzten paar Gegner auf meiner Reise, laufe nochmal durch Venport und schließe somit auch meine kleine Reise ab.
Fraglich bleibt dabei trotzdem, ob ich mich in Zukunft nochmal in die Welt von Tibia begeben werde, oder ob es bei meiner Zeit als Tourist in dieser fremden Welt bleiben wird. Denn genau dieses Gefühl vermittelte mir Tibia: Die eines abgeschlossenen Kosmos, in den ich hineinblicken, aber nicht wirklich Teil davon werden kann.
