The Outer Worlds im Test: Fallout im All - jetzt auch mit Video!

Test Felix Schütz
The Outer Worlds im Test: Fallout im All - jetzt auch mit Video!
Quelle: PC Games

Mit Charme und Witz kann The Outer Worlds punkten, auch wenn das Rollenspiel kaum Neues wagt: Obsidian inszeniert sein Sci-Fi-Abenteuer mit jeder Menge Fallout-DNA, bleibt aber in vielerlei Hinsicht unter seinen Möglichkeiten. Im Test klären wir, ob sich hinter in der New-Vegas-im-Weltall-Formel auch ein gutes Spiel verbirgt.

Immerhin: Waffen und Rüstungen können mit Mods ein wenig aufgepeppt werden, beispielsweise verpassen wir einer einfachen Pistole so einen Plasma-Effekt, der organischen Feinden Verbrennungsschaden zufügt. Außerdem können wir für einen kurzen Moment einen Zeitlupenmodus anwerfen, um etwa die Schwachpunkte von Feinden auszumachen. Das ist ordentlich umgesetzt, spielt aber nur selten eine Rolle, denn die meisten Gefechte arten ohnehin in direkte Schießereien ohne nennenswerten Tiefgang aus. Das liegt auch an der schwachen Gegner-KI, die uns oft erst spät bemerkt oder uns Feinde stur vors Fadenkreuz schickt. Und da viele Gegner auch erstaunlich schnell die Segel streichen, verkommt die Action nach einer Weile beinahe zum Kinderspiel. Darum unser Tipp: Wer Erfahrungen mit Shootern besitzt, sollte den Schwierigkeitsgrad besser gleich auf "Hart" stellen.

Wer es wirklich wissen will, kann auch die vierte Stufe "Albtraum" wählen, auf der nochmal härtere Regeln gelten: Gegner teilen hier deutlich heftiger aus, Begleiter können dauerhaft sterben, ihr müsst Nahrung zu euch nehmen, Körperteile können verkrüppeln und werden nur durch Bettruhe geheilt, außerdem gibt es Einschränkungen bei der Schnellreise und der automatischen Speicherfunktion. Damit ist der Modus sicher nicht für jedermann geeignet, aber zumindest dürfte er all jene ansprechen, die in Spielen vor allem eine Herausforderung suchen.

Und auch das ist löblich: Unsere beiden KI-Begleiter kämpfen artig mit und teilen kräftig aus, ihre Bewaffnung dürfen wir außerdem in eigenen Ausrüstungsbildschirmen festlegen. Jeder Begleiter verfügt außerdem über eine aktive Fähigkeit, die wir per Tastendruck auslösen und die den meisten Gegnern sofort die Lichter ausboxt. Das macht unsere Kumpanen tatsächlich nützlich, ohne dass sie uns jemals im Weg stehen - alles in allem ist das gut gelöst. Dass sie uns auch Vorteile auf bestimmte Charaktereigenschaften verpassen, ist da ein netter Bonus.
The Outer Worlds im Test Quelle: PC Games The Outer Worlds im Test Wer keine Lust aufs Ballern hat, kommt zumindest manchmal auch schleichend ans Ziel, etwa wenn man sich ungesehen durch ein Labor mogelt, anstatt sich durch die Wachen zu kämpfen. Auch hier hat uns die KI leider nur wenig entgegenzusetzen. Und wird man doch mal erwischt, genügt es praktisch immer, ein wenig Bestechungsgeld zu zahlen oder sich mit einer Dialogfertigkeit rauszureden. Das macht das Schleichen leider nie so richtig spannend. Doch immerhin: Weder beim Hacken von Computern noch beim Knacken von Türschlössern müsst ihr nervige Minispiele erledigen, die hat sich Obsidian einfach gespart - eine richtige Entscheidung. Schließlich gab es hier schon genügend negative Gegenbeispiele.

Viel überflüssiges Zeug

The Outer Worlds im Test Quelle: PC Games The Outer Worlds im Test Sammelzeug und jede Menge Beute warten nicht nur bei besiegten Feinden, sondern buchstäblich überall in der Spielwelt, besonders die Innenräume sind regelrecht mit Loot gepflastert. Die muntere Sammelei sorgt anfangs noch für Freude, fühlt sich aber irgendwann nur noch wie ein Pflichtübung an. Denn abgesehen von einigen starken Waffen und Rüstungen sacken wir vor allem Munition und Geld (haben wir beides bis zum Abwinken) oder Verbrauchsgegenstände ein. Letztere dienen allein der Heilung und verpassen uns positive Kurzzeiteffekte, die sich im Gefecht aber ohnehin kaum bemerkbar machen. Mit anderen Worten: Den Großteil von dem sammelbaren Kram kann man sich im Grunde sparen.

Etwas besser sieht es bei Waffen und Klamotten aus: Vieles davon brauchen wir zwar auch nicht, doch zumindest können wir das Zeug ins zwei Handwerksbausteine zerlegen, mit denen wir dann unsere eigene Ausrüstung aufleveln und reparieren können. Der Vorteil: Mit genügend Ressourcen bleiben lieb gewonnene Waffen und Körperpanzer lange nützlich. Ein richtiges Crafting-System, durch das wir uns einzigartige Sets und Waffen basteln könnten, fehlt aber leider, hier wäre also noch deutlich mehr drin gewesen.

Heldenbau ohne Highlights

Auch bei der Charakterentwicklung gibt sich The Outer Worlds eher robust und bodenständig als komplex: Es gibt 18 Fertigkeiten (aufgeteilt auf sieben Gruppen), darunter Waffenbegabung, praktische Talente wie Hacken oder Schleichen oder Dialoghelfer wie Überzeugen oder Einschüchtern. Ingesamt 30 Level könnt ihr aufsteigen, für jede neue Charakterstufe dürft ihr zehn Punkte auf solche Fertigkeiten verteilen. Hier entscheidet zwar der persönliche Geschmack, allerdings raten wir zumindest auf den drei normalen Schwierigkeitsstufen dazu, die meisten Punkte in Dialogfertigkeiten zu stecken - die braucht man schließlich häufiger als Angriff oder Verteidigung. Und wer sich mal verskillt, kann seine Talentpunkte an Bord des Raumschiffs einfach nochmal umverteilen. Schön, dass Obsidian daran gedacht hat!

Alle zwei Levelaufstiege dürft außerdem einen von 42 Vorteilen aussuchen, die im Grunde den Perks aus Fallout entsprechen. Einige davon sind sehr nützlich, etwa gesteigertes Grundleben, höhere Tragekapazität oder schnellere Sprint-Geschwindigkeit. Andere fallen aber auch ziemlich langweilig aus, sie verbessern beispielsweise nur den Zeitlupenmodus oder stärken eure Begleiter. So richtig markante Perks wie beispielsweise in Fallout 3, die eigenständige Spielweisen möglich machten, gibt es leider nicht. Das entwertet auch ein besonderes Feature von The Outer Worlds: Hin und wieder bietet euch das Spiel nämlich an, einen permanenten Nachteil zu kassieren, als Gegenleistung erhaltet ihr dafür einen neuen Vorteilspunkt. In der Theorie ein cooles System, doch da sich die meisten Vorteile ohnehin kaum lohnen, fehlte uns der Anreiz, einen Nachteil dafür in Kauf zu nehmen.

40 Stunden Spielzeit

Schon im Vorfeld hatten die Entwickler offen kommuniziert, dass The Outer Worlds kein Rollenspiel-Monster mit dem Umfang eines Skyrim werden sollte - und genau so stimmt es auch. Wir haben knapp 40 Stunden gebraucht, um alle Haupt- und Nebenquests zu erledigen, wer manche Aufgaben ignoriert (oder verpasst), ist auch schneller durch. Für diese Länge gehen die Spielmechaniken, Locations und Geschichten völlig in Ordnung. Durch die vielen Quest-Entscheidungen und witzigen Dialoptionen bietet das Spiel außerdem einigen Wiederspielwert.
The Outer Worlds im Test Quelle: PC Games The Outer Worlds im Test

Stil geht vor Technik

Solide, grundsympathisch, aber auch ein wenig altbacken - so wie sein Gameplay präsentiert sich auch die Optik von The Outer Worlds. Mithilfe der Unreal Engine zaubert Obsidian mühelos weitläufige Alien-Landschaften, saubere Texturen und hübsche Reflexionseffekte auf den Bildschirm, das wirkt wie aus einem Guss, ist aber technisch nie wirklich beeindruckend. Das gilt auch für die etwas hölzerne Charakterdarstellung, die in Dialogen mit steifer Mimik zu kämpfen hat - da sind andere Rollenspiele schon deutlich weiter. Solche Schnitzer gleicht das Spiel allerdings mit seinem sympathischen, oft detailverliebten Design aus, sei es bei den abwechslungsreichen Kostümen oder den witzigen Anzeigetafeln, die uns allerorts begegnen. Obsidian hat The Outer Worlds sicher nicht entwickelt, um moderne Grafikkarten auszureizen, dafür fallen die Systemanforderungen am PC angenehm bescheiden aus.
The Outer Worlds im Test Quelle: PC Games The Outer Worlds im Test Ein Extra-Lob hat sich außerdem die Musikuntermalung verdient: Vom wunderschönen orchestralen Thema, das schon im Hauptmenü für Vorfreude sorgt, bis hin zu den zurückhaltenden, sphärischen Klängen, die wir beispielsweise an Bord unseres Raumschiffs zu hören bekommen, ist der Soundtrack über weite Strecken prima gelungen und sorgt für Stimmung.

Bugs in The Outer Worlds

In früheren Jahren hatte Obsidan den zweifelhaften Ruf erworben, außerordentlich verbuggte Spiele auf den Markt zu bringen - man denke nur an das oft unterschätzte Alpha Protocol oder Fallout: New Vegas, die bis heute nicht ganz rund laufen. Davon ist in The Outer Worlds zum Glück (fast) nichts zu merken, die PC-Fassung lief im Test bemerkenswert rund und stabil, alle Quests ließen sich problemlos abschließen und auch unsere Begleiter folgten uns jederzeit brav auf Schritt und Tritt. Erst ganz am Ende, buchstäblich zehn Minuten vor Schluss, begegneten wir einem gravierenden Bug, der das Spiel immer wieder an der gleichen Stelle sang- und klaglos crashen ließ. Zum Glück fanden wir aber eine einfache Lösung für das Problem: Es genügte, auf einen NPC das Feuer zu eröffnen, dadurch wurde der eigentlich geplante Dialog, der hier anscheinend für den Absturz sorgte, einfach außer Kraft gesetzt - und so konnten wir das Rollenspiel doch noch erleichtert abschließen und das (etwas unbefriedigende) Finale erleben, wenn auch mit einem faden Beigeschmack. Ob in unserer Testversion allerdings auch schon der umfangreiche Releasepatch enthalten war, konnten wir nicht feststellen - es bleibt also fraglich, ob der Bug nach Release überhaupt noch auftreten kann und ob wir im Test einfach ausgesprochenes Pech hatten.

Bildergalerie

The Outer Worlds auf Konsole

Auch mit dem Gamepad ist The Outer Worlds sehr gut spielbar, einzig das Inventar fällt ein wenig umständlicher aus als mit Maus und Tastatur. Technisch macht das Spiel auf PS4 eine etwas bessere Figur als auf Xbox One: Die Texturen sind zwar nicht so scharf wie auf dem PC, doch dafür läuft der Titel meist sehr flüssig und sauber. Auch optisch hat die PS4-Fassung im Vergleich zur normalen Xbox One die Nase vorn, auf der Microsoft-Konsole muss man beispielsweise mit verringerter Vegetation und etwas matschigeren Texturen Vorlieb nehmen. Auf PS4 Pro und Xbox One X bietet The Outer Worlds dank hochauflösender Texturen, feinerer Schatten und 4K-Support ein etwas schöneres Bild als auf den normalen Geräten. Dafür teilen sich alle Konsolen einen Nachteil, nämlich die Ladezeiten bei Gebietswechseln oder der Schnellreise, die auf mit rund 30 Sekunden deutlich länger ausfallen als auf dem PC.

Wir haben zunächst eine PC-Testversion von The Outer Worlds erhalten. Mittlerweile haben wir auch die Konsolenfassungen spielen können. The Outer Worlds erscheint auch für Nintendo Switch, diese Version hat allerdings noch kein Releasedatum.

The Outer Worlds ist ab dem 25. Oktober 2019 für PC, PS4 und Xbox One erhältlich. Der Preis liegt bei 60 Euro. Die PC-Version wird zeitexklusiv im Epic Store und Microsoft Store angeboten, auf anderen Plattformen wie Steam oder GOG erscheint das Rollenspiel erst im nächsten Jahr.

Wertung und Fazit

Meinung

Wertung zu The Outer Worlds (PC)

Wertung:

8.0 /10

Wertung zu The Outer Worlds (PS4)

Wertung:

8.0 /10

Wertung zu The Outer Worlds (XBO)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
Sympathisches Sci-Fi-SettingToll geschriebene DialogeGelungene Charaktere und liebenswerte BegleiterTreffsicherer HumorExzellente englische SprecherÜberwiegend gute QuestsAngenehmes Fallout-Déjà-vuNettes DesignGute MusikuntermalungKurze Ladezeiten (nur PC)40 Stunden SpielzeitGute Übersetzung (aber keine deutsche Sprachausgabe)Vier Schwierigkeitsgrade inklusive "Albtraum" für ProfisHoher Wiederspielwert durch Dialogentscheidungen
Hauptstory bietet kaum SpannungsmomenteEinige Questentscheidungen ohne spürbare AuswirkungenLeblose SpielweltSolide, wenn auch etwas altbackene ActionViel überflüssige SammelgegenständeCharakterentwicklung teilweise langweilig (z.B. überwiegend öde Vorteile)Figurendarstellung grafisch veraltetSchwache Gegner-KIRufsystem ohne spürbare AuswirkungenEinfallsloses CraftingSchwaches Finale
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