The Last of Us: Part 2 im Test - Gefechte, Gewalt und Technik
Test
Im zweiten Teil unseres großen Tests zum PS4-exklusiven Action-Adventure gehen wir ausführlich auf die intensiven Gefechte, die extreme Gewaltdarstellung und die Technik des Titels ein.
Die Wege der Kriegerin
Viel häufiger als mit den Infizierten bekommt es Ellie mit menschlichen Feinden zu tun und in diesen Konfrontationen schlägt Naughty Dog einen Weg ein, der die Definition des Begriffs "Spielspaß" zur Diskussion stellt. Genau wie im Vorgänger ist es ratsamer, schleichend vorzugehen und Gegner nacheinander heimlich auszuschalten, da die Feinde schwer bewaffnet sowie stets in der Überzahl sind und man selbst nicht allzu viele Treffer einstecken kann, bis man das Zeitliche segnet. Man agiert also aus dem Verborgenen und beobachtet mit Hilfe des Lauschmodus die Gegnerbewegung.
The Last of Us 2 im Test
Wer lieber die direkte Konfrontation sucht, sollte hingegen oft die Position wechseln und keine Kugeln verschwenden. Der direkte Kampf ist durchaus eine Option, aber eben klar der schwierigere Weg zum Ziel. Im direkten Vergleich zum ersten Teil sind die Kampfgebiete aber nun ebenfalls viel weitläufiger. Sie erstrecken sich teilweise über mehrere Etagen eines großen Gebäudes inklusive Hof oder über eine gesamte Nachbarschaft mit mehreren Häusern und Gärten.
Quelle: Sony
Im ersten Teil war Liebe das zentrale Thema, diesmal geht es um Hass.
Um diese Spielwiese richtig zu nutzen, darf man nun über und auf Objekte klettern, um Gegner aus erhöhter Position anzugreifen. Zudem kann man nun nicht nur geduckt laufen, sondern darf auch kriechen. So versteckt man sich im Gras oder robbt gar unter Fahrzeugen her, um sich den Feinden unentdeckt zu nähern. Das sind relativ einfache Neuerungen, welche die Kämpfe aber enorm aufwerten. Wird man entdeckt, hat man genug Platz, um Verfolger abzuschütteln und sich zu verstecken.
Gleichzeitig kann man auch in direkten Konfrontationen die Umgebung zum eigenen Vorteil nutzen, wenn man beispielsweise eine gute Schützenposition findet. Man schleicht, man kämpft, man wird von einem Gegner überrascht, man zieht sich zurück und nutzt immer wieder die Guerilla-Taktik oder man umschleicht sogar sämtliche Feinde und schafft es ohne einzigen Kill zum Ziel - es gibt einfach viel mehr Möglichkeiten und die Kämpfe unterscheiden sich immer wieder deutlich.
Es gibt wohl kaum ein Spiel, bei dem uns die Schlachten, die wir geschlagen haben, so genau in Erinnerung geblieben sind. Wir freuen uns jetzt schon darauf, nach Release Kriegsgeschichten mit anderen Zockern auszutauschen, da diese wahrscheinlich einen anderen Kampfablauf hatten. Durch die erweiterten Möglichkeiten, die zahlreichen Gegner und die neuen Bewegungsmöglichkeiten schreibt man hier quasi seine eigenen kleinen Geschichten.
Man sollte allerdings nicht glauben, dass man die Gegner einfach übertölpeln kann. Ja, es gab Szenen, wo die KI nicht ganz so clever agierte und wir nacheinander mehrere Gegner in die gleiche Falle locken konnten, doch allgemein sind Scars und Wolves eine echte Gefahr. Sie durchsuchen Verstecke, nutzen Hunde, um Ellie aufzuspüren, und sind äußerst treffsicher. Während die Washington Liberation Front mit militärischer Präzision vorgeht und oftmals versucht, einem in die Flanke zu fallen, schmeißen die Seraphiten gerne Molotow-Cocktails, um Ellie aus dem Versteck zu locken.
Die Fraktionen nutzen sogar unterschiedliche Einschüchterungstaktiken. Die Wolves rufen einem Beschimpfungen zu und stellen klar, dass man keine Chance habe. Die Scars hingegen lassen durch Mark und Bein dringende Pfiffe ertönen, die mürbe machen. Wir zuckten jedenfalls einige Male ganz schön zusammen, als uns die Seraphiten aus dem Unterholz aufscheuchen wollten. Auch hier saugt einen das Spiel förmlich in sich auf, allerdings müssen wir auch einen kleinen Makel benennen, der einen bereits im Vorgänger gerne mal aus der Immersion riss. Schleicht man unentdeckt um die Gegner herum und wird dabei von einem Verbündeten begleitet, stellt sich dieser manchmal etwas doof an, wird aber trotzdem nicht von Feinden entdeckt, solange man selbst nicht aufgefallen ist.
Quelle: Sony
Die Gefechte mit den menschlichen Gegnern sind unglaublich intensiv. Vor allem die Gewaltdarstellung geht einem teilweise ganz schön an die Nieren.
Im Angesicht des Todes
Wir übertreiben wirklich nicht, wenn wir behaupten, dass The Last of Us: Part 2 mit die intensivsten Kämpfe der Videospielgeschichte bietet. Die Atmosphäre des Spiels ist eh schon so dicht, dass man sie schneiden könnte und die Spannung entlädt sich voll in den Gefechten. Wurde man mal entdeckt, machen die Gegner erbarmungslos Jagd auf Ellie und schrecken vor nichts zurück. Schusswaffen sind richtig wuchtig und schleudern Ellie bei einem Treffer zu Boden. Sollte das passieren, kann man jedoch aus der Rückenlage direkt auf den herankommenden Feind schießen, sodass dieser zurück in Deckung muss und man sich selbst wieder aufraffen und neu positionieren kann.
Einige Gegner stürmen auch mit Beil, Hammer oder Machete auf uns zu, um uns im Nahkampf zu töten. In diesen Situationen muss man geschickt mit L1 ausweichen und die Lücke zum Gegenangriff suchen, während man hofft, dabei nicht von anderen Gegnern unter Beschuss genommen zu werden oder dass man nicht auch noch von einem Hund angefallen wird. Man muss schnell reagieren, Angriffe abwägen, auf Ausrüstung und Munition achten, um zu bestehen.
Das ist ohnehin schon extrem packend, doch die extreme Gewaltdarstellung macht die Kämpfe noch intensiver. Köpfe und Körper explodieren, Gliedmaßen fliegen herum, das Blut spritzt. Die Gewalt ist dabei aber kein übertriebener Splatter, der den Situationen die Ernsthaftigkeit nehmen könnte. Die Brutalität ist realistisch gehalten und den Aktionen angemessen. Das macht sie eben noch unangenehmer und durchdringender.
Quelle: Sony
Wie schon im Vorgänger hat man es viel leichter, wenn man schleichend vorgeht.
Hinzu kommt noch ein gleichermaßen großartiges wie grausames Sounddesign. Gegner schreien verzweifelt die Namen gefallener Kameraden, Hunde jaulen herzzerreißend, wenn sie verbrennen, man hört sogar wie das Blut aus Halswunden gluckert. Gegner röcheln und zucken, wenn sie stark verwundet wurden. Statt typisch Videospiel nach einem Torso-Treffer mit der Pumpgun einfach umzukippen, brüllen NPCs die Schmerzen des Bauchschusses noch eine Zeit heraus, bis der Tod sie endlich von ihrem Elend erlöst.
Das ist ein bewusstes Stilmittel, welches natürlich zur bedrückenden Stimmung des Spiels beiträgt, doch auch wenn man das weiß, gehen einem die Gefechte teils ganz schön an die Nieren. Man empfindet eher Erleichterung als Freude, wenn man einen Kampf überstanden hat. Genau das möchte Naughty Dog auch und die Umsetzung ist - so hart es sich anhört - wirklich herausragend, doch man muss auch klar sagen, dass die drastische Gewaltdarstellung für einige Zocker vielleicht zu viel sein könnte. The Last of Us: Part 2 mutet einem allgemein ganz schön was zu.
Technische Höchstleistung
Es hat wohl jeder erwartet, dass Naughty Dog mit Part 2 ein top inszeniertes und extrem gut aussehendes Spiel abliefert, doch die Uncharted-Macher übertreffen diese Erwartungen sogar. Das zweite The Last of Us bietet einen hervorragenden Spielfluss, der genau richtig zwischen Erzählung und den verschiedenen Spielelementen wechselt. Mal lässt einen das Spiel die Ruhe und Schönheit der Spielwelt genießen, dann wirft es einen wieder in einen Kampf, anschließend folgt eine aufreibende Story-Sequenz, bevor es einem Momente zur Verarbeitung des gerade Gesehenen oder Durchgestandenen gewährt.
Die erneut geniale Musikuntermalung macht dabei jede Situation im Spiel noch mal packender, emotionaler und einfach besser. Bei einem Spiel, in dem es so sehr auf die Charaktere ankommt, ist es aber natürlich auch wichtig, dass die Sprecher die sehr guten Dialoge ordentlich rüberbringen. Die englische Sprachausgabe ist da über jeden Zweifel erhaben, doch die deutschen Sprecher lassen manchmal etwas zu wünschen übrig. Manche Stimmen passen nicht so ganz zur dargestellten Figur und einige Betonungen wirken teils auch ein bisschen seltsam. Schlecht ist die deutsche Sprachausgabe deshalb nicht, doch wir empfehlen klar die englische Vertonung, zur Not mit deutschen Untertiteln. Diese sollte man eh aktivieren, denn die deutsche Tonspur ist teilweise nicht richtig abgemischt, sodass manche Dialoge viel zu leise sind.
Quelle: Sony
Relativ zu Beginn des Spiels gibt es sogar einen kleinen (sehr begrenzten) Open-World-Abschnitt.
An der Optik des Spiels gibt es dafür nichts zu meckern. The Last of Us: Part 2 ist wahrscheinlich sogar das hübscheste Spiel der PS4-Ära. Ob nun die Charaktermodelle, Umgebungsdetails oder Wettereffekte - trotz der bedrückenden Grundstimmung und des leichten Grieselfilters staunt man immer wieder über diese Grafikpracht. Alles ist super detailliert, grandios gestaltet und wirkt wie aus einem Guss. Bis auf eine längere Ladezeit zum Start des Spiels, gibt es keine weiteren nervigen Ladebalken.
Zudem läuft der Titel selbst bei erhöhtem Gegneraufkommen und explosiver Action jederzeit flüssig. Dafür röchelt selbst die PS4 Pro teilweise so lautstark, dass man denken könnte, sie probe einen Raketenstart im Wohnzimmer. Das ist wohl der Preis für solche Schönheit.
Wer bis hier gelesen hat, kann sich wohl vorstellen, dass unser Fazit zu The Last of Us: Part 2 recht positiv ausfällt. Der Titel mutet den Spielern einiges zu, ist aber auch unglaublich packend. Man muss TLoU 2 selbst erleben, um es richtig zu verstehen und einordnen zu können. Das Spiel wird hohe Wellen schlagen und noch in etlichen Jahren wird man auf das Action-Adventure und seine Wichtigkeit für das Medium verweisen.
Hinweis: Zum Embargofall durften wir nur offizielle Bilder von Sony für diesen Artikel verwenden. Zu Release des Spiels werden wir den Test mit unseren selbst angefertigten Screenshots aktualisieren.
