The Inquisitor Preview: Der böse Bruder von I am Jesus Christ
Special
Im Action-Adventure The Inquisitor arbeitet ihr für die mittelalterliche Kirche und einen durchgeknallten Jesus, der von Frieden und Nächstenliebe die Schnauze voll hat. Wir haben uns das spannende Projekt auf der Gamescom angesehen!
Was wäre, wenn Jesus damals bei der Kreuzigung gesagt hätte "Freunde, also wenn ihr Gewalt wollt, dann kriegt ihr auch Gewalt"? Das polnische Action-Adventure The Inquisitor versucht, diese Frage zu beantworten. Das 25-köpfige Studio The Dust entwirft eine düstere Mittelalterwelt, in der ein hasserfüllter Jesus mit eiserner Hand regiert. Wir durften auf der Gamescom einen ersten Blick darauf werfen.
Neben dem fürchterlichen I Am Jesus Christ (wir berichteten) ist The Inquisitor (jetzt kaufen 48,85 € ) also schon das zweite angekündigte Spiel mit dem Sohn Gottes in einer Hauptrolle. Während sich ersteres voll auf eine kitschige Nacherzählung des Neuen Testaments konzentriert, geht The Inquisitor einen ganz anderen Weg: Hier ist Jesus weder der Gute, noch geht es dem Spiel darum, seine Heldentaten nachzustellen. Die waren hier nämlich in dem Moment vorbei, als die Römer sich dazu entschieden, den Mann ans Kreuz zu nageln.
Statt sich für unsere Sünden bestrafen zu lassen, hat Jesus den Spieß umgedreht, sein Kreuz zerbrochen und alle Ungläubigen mit Gewalt unterjocht. The Inquisitor spielt 1500 Jahre später in der fiktiven mittelalterlichen Stadt Königstein, in der eine Kirche herrscht, die es irgendwie hinbekommen hat, noch böser und hasserfüllter zu sein, als ihr reales Pendant zu der Zeit. Bei der Darstellung ist das Spiel alles andere als subtil: Das überall in Königstein drapierte Kruzifix hat verbogene Enden, die frappierend an ein Hakenkreuz erinnern.
Quelle: The Dust
Wir steuern im Spiel allerdings nicht den bösen Jesus, sondern Mordimer, den titelgebenden Inquisitoren, der als eine Art übernatürlicher Detektiv Fälle für die Kirche löst. Übernatürlich vorwiegend deswegen, weil er eine besondere Bindung zum Sohn Gottes zu haben scheint, der in dieser Welt tatsächlich noch am Leben ist und wie ein Diktator regiert. Es weiß allerdings niemand, wo er sich aufhält.
Selbst spielen durften wir The Inquisitor nicht, stattdessen sprangen die Entwickler durch verschiedene Savefiles, um uns Aspekte des Gameplays vorzustellen. Das gestaltet sich als storygetriebenes, lineares Action-Adventure, ganz ohne RPG-Mechaniken, Ausrüstung, Nebenquests oder anderen Schnickschnack. Im Rahmen der Missionen besuchen wir die imposant gestalteten Bezirke der Stadt und setzen eine Detektivsicht ein, um Hinweise aufzuspüren.
Dazwischen muss sich der Inquisitor natürlich mit den beteiligten Personen unterhalten, gelegentlich seine grauen Zellen benutzen und Entscheidungen treffen. Die werden sich wohl meistens darum drehen, wie grausam und akribisch wir das Regime der Kirche durchsetzen wollen.
Der Scope ist also überschaubar und die Frage nach der Spielzeit wurde uns mit 12 bis 15 Stunden beantwortet. Mit seinen Entscheidungen will The Inquisitor Wiederspielwert schaffen: Je nachdem, wie sich Mordimer in Schlüsselmomenten positioniert, mündet die Geschichte in einem von verschiedenen Enden.
Mit dem Schwert gekämpft wird zwischendurch auch, in den gezeigten Szenen etwa gegen einfache Straßenbanditen. Da wird leicht und schwer zugeschlagen, ausgewichen, geblockt und pariert, und zwar mit einer dynamischen Kamera wie bei Assassin's Creed - man kennt's. Nette Idee: Mordimers Heiltränke können sowohl getrunken als auch geworfen werden, um Gegner per Lichtblitz zu betäuben.
Gerade die Kämpfe haben uns an vergleichbare Projekte von Studios wie Cyanide, Spiders oder Piranha Bytes erinnert. Soll heißen: Es steckt, zumindest im aktuellen Entwicklungsstand, eine ordentliche Portion "Eurojank" drin. Animationen und Trefferfeedback wirken ziemlich unsauber. Im Bosskampf gegen den verrückt gewordenen Henker von Königstein demonstriert The Inquisitor dafür Abwechslungsreichtum: Bevor wir ins Duell mit ihm kommen, müssen wir in einem dunklen Gewölbe Fackeln am Brennen halten, damit er uns nicht von hinten erwischt.
Zum Harlekin wurde der Scharfrichter durch eine Maske, ein verfluchtes Artefakt, das vermutlich irgendetwas mit der Unterwelt zu tun hat, die nur Mordimer betreten kann. Das ist eine Art Paralleldimension, in der wir den dunklen Geheimnissen der Figuren begegnen, denen wir im Rahmen der Story die Daumenschrauben anlegen.
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Die Entwickler erzählen uns darüber hinaus noch, dass sich hier ein unbesiegbares Monster herumtreibt, das uns entdeckt, wenn wir in den Sichtkegel böser Geister laufen. In der Unterwelt stehen Mordimer dafür besondere Fähigkeiten zur Verfügung, er kann sich etwa über kurze Strecken und durch Hindernisse teleportieren. In der Präsentation war eins dieser Hindernisse das Schwert eines apokalyptischen Reiters, die uns in der Geschichte auch in die Quere kommen.
Von Jesus selbst haben wir bisher leider nix gesehen, viele Dialoge oder Storymomente auch nicht. Wie The Inquisitor seine Prämisse weiterspinnt, erfahren wir "bald", wenn das Spiel für PC, PS5 und Xbox Series erscheint. Ob das kleine Spiel vom kleinen Studio dann auch mit einem entsprechend kleineren Preis versehen wird, konnten uns die Entwickler noch nicht sagen. Wer sich bis dahin nicht gedulden kann, und des Polnischen mächtig ist, dem sei die Buchreihe I, the Inquisitor von Jacek Piekara empfohlen, auf deren Setting das Spiel basiert.
