The Forgotten City im Test: Zeitschleifen-Mystery im alten Rom

Test Dina Manevich Philipp Sattler
Titelbild von The Forgotten City.
Quelle: Modern Storyteller

Rollenspieler sind es gewohnt auch mal mit bösen Taten an ihre Ziele zu kommen. Was ist aber, wenn jegliche Sünde den Untergang eurer Welt bedeutet? In unserem Test könnt ihr nachlesen, was die Neuauflage einer preisgekrönten Skyrim-Mod zu bieten hat.

Eine römische Stadt liegt verborgen vor Licht und neugierigen Blicken im Inneren eines großen Berges. Nur 23 Menschen leben friedlich in diesem Geheimbund, doch der Schein kann auch trügen. Sie können die Stadt nicht verlassen, noch können sie sündigen, denn selbst die kleinste Notlüge bringt einen schrecklichen Fluch über alle Bewohner. Ein zorniger Gott herrscht über diese Stadt und jegliches Fehlverhalten löst "Die Goldene Regel" aus und verwandelt alle Bewohner in reines Gold. Die Vergehen früherer Generationen sind überall in der Stadt zu sehen — grimmige Mahnungen, nicht zu sündigen und goldene Statuen verängstigter Sünder. Diese Menschen brauchen eure Hilfe und irgendwie schaffen sie es, euch aus der Zukunft herbeizurufen.

Durch ein Portal gelangt ihr als Protagonist des Spiels in die besagte Stadt - 2.000 Jahre in die Vergangenheit und nur mit einer Taschenlampe bewaffnet. Als Neuankömmling versucht ihr nun herauszufinden, warum ihr dort seid und wie ihr wieder in eure Zeit zurückkehren könnt. Dafür müsst ihr euer detektivisches Können beweisen und die Mysterien von The Forgotten City (jetzt kaufen ) aufklären. Wieso gibt es "Die Goldene Regel"? Wer ist diese Entität, die über alles herrscht? Und warum kann niemand fliehen? Es erwarten euch viele Geheimnisse und Erkundungen, sowie bedeutsame Entscheidungen, die euch das Gefühl geben die Handlung wirklich selbst zu gestalten.

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Alte Bekannte

Euch kommt das ganze Setting irgendwie bekannt vor, ihr wisst aber nicht genau woher? The Forgotten City ist eine komplette Neuauflage einer sehr beliebten gleichnamigen Skyrim-Mod, die über 3 Millionen Mal heruntergeladen wurde und den National Writers' Guild Award für ein herausragendes Script gewann. Diesen Erfolg hat der Australier Nick Pearce, Macher der preisgekrönten Mod, genutzt und ein Entwicklerstudio gegründet, Modern Storyteller. Das nun dreiköpfige Entwicklerteam hat es sich zur Aufgabe gemacht mit ihren Spielen Kopf und Herz gleichermaßen zu begeistern und das Potenzial von Videospielen als ultimatives Erzählmedium auszuschöpfen. Bei einem so hochgesteckten Ziel ist Authentizität gefragt und diese liefern die Macher auf jeden Fall.
Sobald ihr durch das Portal in die Vergangenheit gereist seid, erwartet euch ein wunderschöner Anblick. Quelle: PC Games Sobald ihr durch das Portal in die Vergangenheit gereist seid, erwartet euch ein wunderschöner Anblick.

Geschichtsstunde mal anders

Dafür arbeiteten die Entwickler mit Experten für römische Geschichte und Archäologie zusammen, um die antike Stadt so authentisch wie möglich darzustellen. Und das kann sich sehen lassen! Wer sich schon immer gefragt hat, wie es wohl wäre, mit Römern im ersten Jahrhundert n. Chr. zusammenzuleben, wird hier auf seine Kosten kommen. Im Guten, sowie im schlechten Sinne. Denn das Leben zur Zeit der alten Römer war nicht besonders ideal, auch wenn sie von sich selbst im Spiel behaupten, sie seien zivilisiert. Überzeugt hat uns vor allem die perfekt nachgebildete Architektur einer antiken Stadt. Geschichtsstunde mal anders: Die Entwickler von The Forgotten City haben sich viel Mühe gegeben, das antike Leben der Römer so detailliert wie möglich darzustellen. So unappetitlich es auch war.  Quelle: PC Games Geschichtsstunde mal anders: Die Entwickler von The Forgotten City haben sich viel Mühe gegeben, das antike Leben der Römer so detailliert wie möglich darzustellen. So unappetitlich es auch war.  Unzählige Gebäude, von schäbigen Barracken bis zu pompösen Palästen und Tempeln, werden euch beim Durchstreifen der Stadt begegnen. Die Inneneinrichtung der Gebäude ist dementsprechend genauso detailverliebt gestaltet. Dabei finden sich unzählige originalgetreue Fresken, Büsten, Statuen und Wandmalereien, die so auch in einem Museum zu finden sein könnten. Und wem das noch nicht genug ist, der bekommt von Modern Storyteller zusätzliche Geschichtsstunden verpasst, sodass ihr nach dem Spielen mit echtem Wissen glänzen könnt. Während ihr spielt, könnt ihr einige Gegenstände aufheben und inspizieren, dabei bekommt ihr einen kurzen Text angezeigt, wofür der ausgewählte Gegenstand in der Antike gebraucht wurde. So könnt ihr bei der nächstbesten Gelegenheit langweilige Gespräche mit spannenden Fakten aufwerten und erzählen, warum Öfen damals keinen Abzug hatten oder Möhren in der Antike lila waren.

Antike Detektivarbeit

Geschichtlich korrekt wird es auch bei der Art der Bewohner der geheimnisvollen Stadt. In ihr leben nämlich nicht nur Römer, sondern auch Griechen, Ägypter und eine für die Zeit neumodische Gruppierung, die nur an einen Gott glaubt. Zu Beginn des Spiels besteht eure Aufgabe darin, herauszufinden, wer die einzelnen Charaktere sind und wo genau ihr euch befindet. Dies geschieht durch ausführliche Gespräche mit den Bewohnern. Die Dialoge sind spannend geschrieben und geben euch Hinweise über eure Situation und ein besseres Verständnis über die Gesprächspartner und deren Beweggründe und Pläne. Galerius ist einer der Bewohner der antiken Stadt. Er weiht euch zu Anfang des Spiels in die Regeln der Stadt ein.  Quelle: PC Games Galerius ist einer der Bewohner der antiken Stadt. Er weiht euch zu Anfang des Spiels in die Regeln der Stadt ein.  Viele Gespräche lösen Quests aus, die euch in der Story weiterbringen, wobei einige davon lediglich optionaler Natur sind. Damit eure Spielerfahrung nicht nur aus Dialogen und einem Laufsimulator besteht, beinhalten die Aufgaben eine Mischung aus Kampf und Erkundung. Die Kampf- und Sprungmechanik ist aber ein wenig holprig, was uns direkt an Skyrim erinnert hat. Dennoch machen diese Abschnitte Spaß, denn sie bieten vor allem eine nette Abwechslung zu den Gesprächen, wodurch das Erlebnis nicht zu repetitiv wird. Da ihr mit eurer neuzeitlichen Taschenlampe gegen die Gegner im Spiel nicht viel ausrichten könnt, wird euch ganz zeitgemäß ein Bogen für den Kampf zur Verfügung gestellt. Die Mechanik des Bogens ist dabei nichts Außergewöhnliches, Sehne spannen, zielen und Pfeil abfeuern lautet hier die Devise. Spannend wird es dann schon eher bei der Herkunft des Bogens. Er stammt nämlich aus dem Schrein der Göttin Diana und, so viel sei gesagt, er wird euch jeden Moment vergolden.
Die Stadt ist voller prachtvoller Paläste und Tempel. Man könnte sich wirklich wohlfühlen, wäre die Stadt nicht voller goldener Statuen mit verängstigten Gesichtern. Quelle: PC Games Die Stadt ist voller prachtvoller Paläste und Tempel. Man könnte sich wirklich wohlfühlen, wäre die Stadt nicht voller goldener Statuen mit verängstigten Gesichtern.

Und täglich grüßt der Römer

Da ihr selbst nun ein Bewohner der Stadt seid, gilt die Goldene Regel auch für euch. Während eurer Erkundungen und Gespräche, müsst ihr deshalb darauf achten, was ihr macht oder sagt. Sobald ihr eine Sünde begeht, bedeutet das den Untergang der Stadt. Und hier wird es interessant, denn genau das könnt ihr zu eurem Vorteil nutzen. Sobald die Welt um euch herum untergeht, habt ihr nämlich die Möglichkeit, zum Portal zurückzurennen und die Zeit zurückzudrehen. Vorausgesetzt ihr werdet vorher nicht selbst zu Gold verwandelt. Damit beginnt der Tag zwar von neuem, ihr selbst behaltet aber alle Gegenstände und Informationen, die ihr vorher gesammelt habt. Ihr verschafft euch somit einen großen Vorteil und könnt die Geschichte zu euren Gunsten beeinflussen. Eine mysteriöse Stimme flüstert euch zu das Portal zu betreten. Was kann schon schiefgehen? Quelle: PC Games Eine mysteriöse Stimme flüstert euch zu das Portal zu betreten. Was kann schon schiefgehen? Eine Lüge könnte euch beispielsweise eine Antwort verschaffen oder ihr könntet einen Trank stehlen, mit dem ihr jemanden heilen könnt. Da ihr durch die Zeitreisen, ähnlich wie im Film "Und täglich grüßt das Murmeltier", komplette Tagesabläufe immer und immer wieder durchspielen müsstet, hat sich Modern Storyteller zum Glück ein paar Lösungen einfallen lassen. Nach jedem Reset werden einige Ereignisse mit Hilfe eines Boten oder anderen Zusätzen beschleunigt, damit ihr euch voll und ganz auf eure Mission konzentrieren könnt. Je nachdem, wie ihr eure Möglichkeiten ausspielt, könnt ihr vier verschiedene Spielenden erreichen. Hierbei kommt es auch darauf an wie viel Detektivarbeit ihr leisten wollt. Um wirklich alle Mysterien der Stadt und deren Bewohner aufzudecken bedarf es Geduld, Köpfchen und ein bisschen Überredungskunst. Dementsprechend bekommt ihr einige Enden schnell, für das wahre Ende mit der Aufklärung aller Mysterien braucht ihr aber etwa 10 bis 15 Stunden.
Der höchste Punkt der Stadt bietet einen guten Ausblick.  Quelle: PC Games Der höchste Punkt der Stadt bietet einen guten Ausblick. 

Unvergessliche Stadt

Der einzige Wermutstropfen ist, dass einige der wichtigeren Momente in der Visualisierung zu kurz kommen. Wenn die Charaktere etwas anderes machen, als mit euch zu sprechen, bewegen sie sich oft auf seltsame Weise und auch die Umgebungsereignisse wie herabfallende Trümmer sind unschön animiert. Was die Mimik der Charaktere angeht, sind diese leider sehr ausdruckslos, was aber glücklicherweise durch die gelungene Sprachausgabe und Dialoge gerettet wird. Die Atmosphäre im Spiel ist mysteriös und etwas schaurig zugleich.  Quelle: PC Games Die Atmosphäre im Spiel ist mysteriös und etwas schaurig zugleich. 

Ungeachtet der visuellen Unzulänglichkeiten ist The Forgotten City ein einzigartiges Spiel, das uns mit seiner Welt und Story in seinen Bann zieht. Die Zeitreisen als Detektivwerkzeug sind geschickt eingesetzt und das Plaudern mit den verschiedenen Charakteren ist stets unterhaltsam. Dabei haben eure Entscheidungen im Spiel immer einen Einfluss auf zukünftige Ereignisse und mit den verschiedenen Enden lädt The Forgotten City zum mehrmaligen Durchspielen ein. Zudem bietet die Auseinandersetzung mit echter Geschichte und der philosophischen Moralfrage oft einen Grund zum Nachdenken, was uns als Spieler aber trotzdem nie überfordert. Die Entwickler von Modern Storyteller beweisen mit diesem Spiel viel Einfallsreichtum und erzählerisches Können, was The Forgotten City zu einem unvergesslichen Erlebnis macht.

Das Spiel ist für den PC, PS4 & PS5, Nintendo Switch, Xbox One und Xbox Series X/S erhältlich.

Habt ihr die originale Skyrim-Mod gespielt? Erkennt ihr die Mod in der Neuauflage wieder? Schreibt uns eure Meinung in die Kommentare!

Meinung

Wertung zu The Forgotten City (PC)

Wertung:

9.0 /10
Pro & Contra
Fesselnde GeschichteInteressante CharaktereAusgefeilte DialogeSpielerentscheidungen nehmen Einfluss auf die GeschichteWiederspielwertDetaillierte historische WeltMystische Atmosphäre
Animationen sind visuell schwachVereinzelt können Quest-Bugs auftretenEtwas schwerfällige Steuerung im Kampf
Fazit

Modern Storyteller beweisen viel Können beim Aufbau einer spannenden Atmosphäre und überzeugenden Charakteren.

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