Enderal ist eine erstklassige Total Conversion zu Skyrim und fühlt sich wie ein Vollpreisspiel an. In unserem Test fassen wir die wichtigsten Aspekte des gelungenen Rollenspiels zusammen, ohne dabei groß zu spoilern. Warum sich die Mod unseren Award Editors' Choice verdient hat, verrät euch Redakteur Stefan Weiß.
Das Rollenspielsystem
Die Charaktererstellung in Enderal erinnert uns an den Klassiker Morrowind. Nach dem gelungenen, spielbaren Prolog und dem schön inszenierten Intro erwachen wir unter Deck eines Schiffes. Zusammen mit NPC Sirius befinden wir uns auf der Flucht nach Enderal, in dem es keine Sklaverei geben soll. Da wir uns die Überfahrt nicht leisten konnten, reisen wir als blinde Passagiere hinter Kisten versteckt. Im Dialog mit eurem Gefährten Sirius legt ihr euren Charakter fest. Enderal erlaubt euch, eins von vier Völkern zu spielen, wahlweise als Männ- oder Weiblein. Danach legen wir mit zahlreichen Schiebereglern und Einstellungen die optische Erscheinung unserer Figur fest. Die angebotenen Gesichter und Frisuren liegen dabei deutlich über dem Niveau des ursprünglichen Skyrim.
Quelle: PC Games
Enderal: Das Rollenspielsystem funktioniert in der Mod ein wenig anders als im Original-Skyrim und gefällt uns sehr gut.
Das Klassensystem funktioniert in Enderal etwas anders als in Skyrim. Es fußt auf neun verfügbaren Talentbäumen, die in drei Gruppen unterteilt sind. Diese stehen für die Grundklassen Kämpfer, Magier und Schurke. Durch die Stufenaufstiege erhaltet ihr sogenannte Erinnerungspunkte, die ihr in die Talentbäume investiert. Jede dieser Säulen besitzt unten einen Start-Skill, von dem aus sich die nachfolgenden Talente verzweigen, ähnlich dem Sternbildsystem aus Skyrim. Das funktioniert gut und erlaubt euch, verschiedene Skills miteinander zu kombinieren. Einziger Wermutstropfen dabei ist, dass es keine Möglichkeit gibt, einmal ausgegebene Punkte umzuverteilen, um so andere Kombinationen auszuprobieren.
Gepimpte Kloppereien
Die Kämpfe steuern sich zunächst so, wie man es aus Skyrim gewohnt ist. So legen wir für die beiden Hände jeweils fest, mit welcher Waffe oder mit welchem Zauber wir agieren möchten. Beim Spielen fällt dann aber auf, dass es spürbare Verbesserungen gibt, was beispielsweise das Treffer-Feedback betrifft. Das Magiesystem bietet fünf Schulen an: Mentalismus, Lichtmagie, Entropie, Elementarismus und Psionik. Die einzelnen Sprüche lernen wir bekanntermaßen mit Büchern. Anstelle von Drachenschreien gibt's in Enderal Spezialtalente, die sich aus gewählten Skills im Talentbaum ergeben. Die Funktionsweise ist aber ähnlich, sprich ihr löst sie per Hotkey aus, danach vergeht eine Cooldown-Zeit. Hier und da könnten einige Gefechte besser ausbalanciert sein.
Quelle: PC Games
Enderal: Die Kämpfe lassen sich wie in Skyrim auch in der Ego-Perspektive bestreiten.
Handwerkern nach Maß
Enderal bietet euch wie in Skyrim die Möglichkeit, dank des umfangreichen Crafting-Systems zahlreiche Gegenstände herzustellen. So gibt es neben dem Brauen von Tränken und Giften (Alchemie), der Zubereitung leckerer Speisen sowie der Verzauberung von Gegenständen auch wieder die Möglichkeit klassischer Handwerkskunst. Dazu zählen das Schmieden von Waffen und Rüstungen, die Herstellung von Schmuck, aber auch die Kunst der Ledergerberei und das Bauen von Möbeln. Sure AI hat das System für Enderal noch erweitert: So finden sich im Heldenbildschirm die beiden Werte für Handwerkspunkte und Handwerkskunst, welche die Basis fürs Craften bilden. Handwerkspunkte erhaltet ihr bei euren Stufenaufstiegen. Diese Punkte sind nötig, um Lernbücher für Handwerk zu lesen. Mithilfe dieser Schmökerlektüre steigert ihr euren Wert für die Handwerkskunst nach und nach. Um Gegenstände zu fertigen, benötigt ihr neben den Rohstoffen auch den passenden Bauplan. Je nach Bauplan ist ein bestimmter Wert in Handwerkskunst nötig, um den Plan benutzen zu können. Die Pläne lassen sich in der Spielwelt finden oder beim Händler um die Ecke erwerben. Mehr zum Thema Crafting findet ihr hier.
Quelle: PC Games
Enderal: Das aus Skyrim bekannte Crafting-System wurde für die Total Conversion weiter ausgebaut.
Ehrliche Selbstkritik
Trotz des umfangreichen Spielinhalts der kostenlos verfügbaren Total Conversion Enderal zeigt sich das Entwicklerteam Sure AI durchaus auch selbstkritisch. So gab es kurz nach Release der Mod einen offiziellen Foreneintrag namens "Ein Moment der Andacht". Darin sprach Entwickler Nicolas Samuel Lietzau auch ganz offen über Probleme, die sich bei der Entwicklung und Umsetzung des Rollenspielprojekts ergeben haben. So konnten beispielsweise einige fest vorgesehene Inhalte einfach nicht realisiert werden, weil schlicht und einfach die dafür notwendigen Ressourcen fehlten. In unserem Interview-Special geht Nicolas auch darauf ein.
Quelle: PC Games
Enderal: Die Gesichter der NPCs sind den Entwicklern prima gelungen.
Bedingt durch die technischen Grenzen, denen jede Mod unterliegt, sind hier und da einige Altlasten erkennbar. Beispielsweise bleibt die Menübedienung trotz der integrierten BenutzeroberflächenMod Sky-UI gewohnt fummelig. Auch vor Absturzproblemen und einigen Bugs bleibt Enderal bislang nicht gefeit. Denen treibt Sure AI aber mit konsequenter Nachbesserung den Garaus. Schon kurz nach Release haben sie mehrere Patches nachgeschoben, die sich bequem per Launcher installieren lassen - ein toller Service.
Insgesamt ist das Ergebnis der Total Conversion ein echter Gameplay-Hammer geworden, den man gar nicht oft genug loben und für Rollenspieler einfach nur weiterempfehlen kann. Hinweise zur Installation und zum Download findet ihr in unserem entsprechenden Special und direkt bei Entwickler Sure AI. In der aktuellen Podcast-Folge 347 ist übrigens Johannes Scheer, einer der beiden Projektleiter von Enderal, zu Gast. Eine gute Stunde lang gibt er dabei sehr interessante Einblicke in die Realisierung des Projekts.
