Düster, spannend und richtig gut: Wer Adventures und finstere Pulp-Thriller liebt, kommt an The Drifter nicht vorbei.
Ein Adventure für Erwachsene
Hin und wieder traut sich The Drifter aber auch etwas, was in den meisten anderen Adventures undenkbar wäre: Es baut richtig Spannung auf! Und das gelingt nicht nur durch seine Geschichte, die bis zum Schluss mit unerwarteten Wendungen überrascht.
Das Spiel schubst mich auch häufig in unerwartete Sequenzen, in denen Carter unter Zeitdruck tödliche Gefahren meistern muss. Da stehen dann plötzlich Polizisten vor der Tür, werfen Rauchgranaten durchs Fenster und machen sich bereit, das Feuer zu eröffnen. Oder eine groteske Kreatur stapft plötzlich auf Carter zu und droht ihn in Stücke zu reißen. An anderer Stelle muss er Schüssen ausweichen, unter Wasser hastig Fesseln durchschneiden oder einen tödlichen Sturz abfedern - und für alles bleiben euch oft nur wenige Sekunden, um die richtige Lösung zu finden. Zum Nägelkauen!
Solche Sequenzen sind in Actionspielen an der Tagesordnung, doch in Point-and-Click-Adventures? Da wirken sie meistens deplatziert und nervig. Doch in The Drifter funktionieren sie trotzdem, aus einem einfachen Grund: Das Spiel nutzt in diesen Momenten eine simple Zeitsprung-Mechanik, die euch ein paar Sekunden zurückwirft, sobald Carter wieder mal (brutal) den Löffel abgibt. Klingt einfallslos? Dachte ich anfangs auch! Tatsächlich fügen sich diese kleinen Zeitsprünge aber clever in die Geschichte und das Puzzle-Design mit ein. Und mehr wird dazu nicht verraten!
Quelle: PC Games
Wer keine pixeligen Schriftarten mag, kann sich alle Texte auch gestochen scharf einblenden lassen.
Einziger Nachteil: Bis ihr in diesen spannenden Szenen auf die richtige Lösung kommt, werdet ihr vielleicht einige Anläufe brauchen und Carter tüchtig beim Sterben zusehen, bis ihr endlich wisst, was zu tun ist. Das führt zwangsläufig zu Wiederholungen - und das muss dann auch nicht immer Spaß machen. Zum Glück tröstet die Geschichte aber gekonnt über solche kleinen Dämpfer hinweg, schon allein, weil man einfach wissen will, wie es endlich weiter geht. Selbst im actionreichen Finale wartet das Spiel noch mit der einen oder anderen Überraschung auf!
Dialoge, die nicht nerven
Ein weiterer, kleiner Kritikpunkt betrifft die Inszenierung: Die Pixelgrafik im Retro-Look punktet zwar mit schicken Animationen und vielen Details, allerdings ziehen es die Entwickler häufig vor, bestimmte Übergänge und Ereignisse einfach in Schwarzblenden zu verstecken. In diesen Momenten beschreibt Carter dann zwar das Geschehen, was wenigstens gut zum Erzählstil passt - aber es täuscht eben nicht darüber hinweg, dass ich all diese Momente lieber in Aktion gesehen hätte. So entsteht nämlich eher der Eindruck, die Grafiker wollten sich ein paar der aufwendigeren Animationen kurzerhand sparen.
Dass die Geschichte und die Atmosphäre trotzdem voll zur Geltung kommen, hat The Drifter auch seinen starken Dialogen zu verdanken. Die englischen Sprecher gehen motiviert ans Werk und die Texte sind durchweg klasse geschrieben. Dass sich die Autoren dabei angenehm kurz fassen und die Gespräche nicht unnötig auswalzen, verdient ein Extra-Lob: Viele Adventures strapazieren mit ausschweifenden Texten und langatmiger Sprachausgabe meine Geduld und laden zum Weiterklicken ein. In The Drifter geht es dagegen zügig zur Sache. Da stimmt das Tempo!
Auch der Umfang geht für den Kaufpreis von knapp 20 Euro noch in Ordnung: Acht bis zehn Stunden sollte man einplanen, wer hier und da mal einen Dialog wegklickt, ist vielleicht auch etwas schneller durch. Das ist nicht übertrieben lang, fällt im Vergleich zu anderen Adventures aber auch sicher nicht kurz aus.
Meinung
Hinweis: Wir haben unser Wertungssystem angepasst, das wirkt sich auch auf diesen Test aus. Alle Details dazu findet ihr hier.
Schon gewusst? The Drifter wurde in jahrelanger Arbeit von Powerhoof entwickelt, einem kleinen australischen Indie-Team, das sich zuvor mit dem innovativen Dungeon-Klopper Crawl einen Namen gemacht ha. Davor hat das Team schon mit einem kleinen Adventure namens Peridium für Aufsehen gesorgt. Auf der offiziellen Website könnt ihr euch das stimmungsvolle Frühwerk kostenlos schnappen.
The Drifter ist für knapp 20 Euro auf Steam oder GOG erhältlich. Zum Launch ist der Preis nochmal um ein paar Euro reduziert. Konsolenfassungen sind bislang noch nicht angekündigt, dürften aber nicht lange auf sich warten lassen. The Drifter bietet leider keine deutsche Sprachausgabe, dafür aber deutsche Untertitel und Texte, die sehr gut übersetzt wurden. Auch auf dem Steam Deck lässt sich das Spiel anstandslos genießen, die Gamepad-Steuerung ist den Entwicklern überraschend gut gelungen. Noch mehr Infos findet ihr auf der Steam-Seite zu The Drifter.
