Das Kapitel The Day Before ist beendet. Das Spiel ist eien Farce und der Entwickler FNTASTIC geschlossen. Doch der vermeintliche Scam wird Folgen haben.
Genaue Zahlen gibt es natürlich nicht, aber zumindest Schätzungen und einen Leak. Es ist ein angeblicher Screenshot aus einem internen Reporting aufgetaucht von einem der Chefs des Studios. Da waren von über 200.000 Verkäufen die Rede. Davon sind etwa 90.000 Stück bisher wieder zurückgegeben worden. Der Einfachheit halber rechnen wir mal mit 100.000 Stück. Mal den Verkaufspreis von 40€. Haben wir schon mal 4 Millionen Euro. Für einen schon im Vorfeld eigentlich sehr klar erkennbaren Scam.
Bevor ihr jetzt in die Tasten haut. Ich weiß, dass das eine Milchmädchenrechnung ist! Ich lege hier aber auch nicht den Anspruch an, korrekt zu sein. Ich will nur veranschaulichen, in welchem Bereich wir uns bewegen. Die 4 Millionen kommen am Ende sowieso nicht an. Steam behält beispielsweise nochmal 30% Gebühren ein. Dann muss man noch unterschiedliche Währungskurse einrechnen. Im Leak steht auch noch was von einer Million an Serverkosten, man hat einen Werbespot am Times Square in New York geschaltet und und und.
Ob am Ende wirklich was bei herumkommen würde? Schwer zu sagen. Wir wissen auch nicht, zu welchem Zeitpunkt dieses Reporting entstanden ist. Möglich, dass mittlerweile noch viel mehr Leute das Spiel zurückgegeben haben, aber auch gut möglich, dass es danach sogar noch mehr verkauft hat bis zum Verkaufsstopp. Manche Analyseseiten schätzen sogar 300.000 - 500.000 Einheiten.
Doch egal, ob und wie viel am Ende bei herumgekommen ist, von der Kohle haben die Entwickler noch nichts gesehen. Hier greift zum Glück ein von Steam eingerichtetes Sicherheitssystem. Wer bei Steam ein Spiel verkauft, bekommt sein Geld nicht sofort, sondern erst am Ende des Folgemonats. Für The Day Before würde das also bedeuten, dass erst Ende Januar 2024 eine Auszahlung erfolgen würde. Damit hält sich Steam einen Notfallplan für genau solche Fälle offen. Und diesmal ziehen sie sogar den Joker, dass man das Spiel auch zurückgeben darf, wenn man mehr als zwei Stunden gespielt hat.
Quelle: FNTASTIC
Das finde ich dann wiederum komisch, denn das ist ein grober Fehler auf der Scam-Checkliste. FNTASTIC hat schon mit Steam zusammengearbeitet, sie sollten wissen, wie die Abrechnungen funktionieren. Trotzdem machen die Entwickler das Studio dicht, obwohl noch keine Kohle geflossen ist. Warum man das Studio nicht noch 1-2 Monate provisorisch offenhält, vielleicht noch 1-2 halbherzige Patches nachschiebt und dann nach der Ausschüttung die Biege macht, erschließt sich mir offen gesagt nicht.
Waren das also vielleicht doch ehrliche Leute, die mit dem Projekt überfordert waren? Oder war man vielleicht gezwungen, jetzt schon unterzutauchen?
Quelle: FNTASTIC
Der Geschäftsführer Eduard Gotovtsev hat beispielsweise jetzt auch alle seine Internetprofile gelöscht oder zumindest geleert. Entweder weil er keinen Bock auf den Shitstorm hatte oder weil im Hintergrund Geld geflossen ist. Es gab zwar einen Publisher, aber mit so einem Hype hat man vermutlich auch andere Investoren anlocken können, die potenziell Geld in die Sache gepumpt haben. Geld, das jetzt weg ist. Oder auf Schweizer Nummernkonten.
Im Zweifel werden wir nie die ganze Wahrheit hinter dieser Geschichte hören, aber selbst mit allen Zahlungsstopps, Rückgaberechten und Insolvenzen: Mich würde es nicht wundern, wenn am Ende doch irgendwer, irgendwie einen ordentlichen Batzen Geld aus The Day Before herausgezogen hat. Allein das ist schon fatal.
Noch schlimmer ist es allerdings, dass jetzt im Nachhinein über dieser ganzen Geschichte ein großes leuchtendes Schild für alle Scammer da draußen hängt, mit der Aufschrift: "Es hat fast reibungslos funktioniert. Ihr könnt das auch in diesem Stil, nur besser!" Am The Day After hoffe ich also sehr, dass alle geprellten Käufer ihr Lehrgeld damit gezahlt haben. Dieser Artikel entstand unabhängig.
