The Day Before: Die Folgen eines vermeintlichen Mega-Scams

Kolumne Carlo Siebenhüner
Titelbild The Day Before Kolumne
Quelle: Fntastic

Das Kapitel The Day Before ist beendet. Das Spiel ist eien Farce und der Entwickler FNTASTIC geschlossen. Doch der vermeintliche Scam wird Folgen haben.

Natürlich stecken auch massenhaft Bugs drin, alles ist clunky und ergibt keinen Sinn. Schlussendlich haben die Spieler dann auch schnell gemerkt, dass es sich bei Autos, Laternen, Straßenzügen und mehr um vorgefertigte Assets aus dem Unreal Store handelt. Das ist zwar nicht verboten, dafür gibt's ja den Store in der Engine, aber es unterstreicht den Eindruck, dass die Entwickler einfach minimalen Aufwand betrieben haben, um das Ding über die Ziellinie zu schieben. Ein Wochenende später kommt dann auch schon der tränenreiche Abschied. Das Studio macht dicht.

Charaktererstellung in The Day Before Quelle: FNTASTIC Steam refunded zum Glück alle Spiele, auch wenn sie die Rückgabevoraussetzung überschritten haben. Wer will, bekommt also sein Geld zurück. Also alles gut? Wir können einmal laut lachen und gehen nach Hause? Nun, nicht ganz. Einerseits kann ich mir vorstellen, dass doch Geld abgeräumt wurde und andererseits wurden so offensichtliche Fehler gemacht, dass sich andere Spitzbuben das vermutlich genau angeschaut und Notizen gemacht haben.

Ja, es gibt sicherlich die Chance, dass es die Entwickler ernst gemeint haben, doch schaut man sich diese Farce an, liegt ein sogenannter Asset-Flip-Scam näher. Zuerst hyped man so viele Leute wie möglich mit hübschen, aber gefaketen Trailern, dann bastelt man einen aus vorgefertigten Assets zusammengestöpselten Rohbau zusammen, der wenigstens die zwei Stunden Zeitmarke für die Rückgabe bei Steam durchhält. Dann streicht man die Kohle ein und taucht unter.

Das ist an sich nichts Ungewöhnliches. Asset-Flips fürs schnelle Geld gibt's leider massenhaft auf Steam und FNTASTIC hat von dieser Checkliste eben eine ganze Menge abgehakt. Nur haben sie es geschafft, das so überzeugend zu machen, dass es eine Größe erreicht hat, die vorher keiner von diesen Scams erreichen konnte.

Wichtiger Steigbügelhalter ist da Nvidia. Zur CES 2022 hat das Studio es nämlich tatsächlich geschafft, Nvidia als Partner zu gewinnen, der The Day Before als Raytracing-Titel gefeatured hat. Ein riesiger Fail meiner Meinung nach, den man Nividia auch hart ankreiden sollte, denn das hat The Day Before einen gewaltigen Glaubwürdigkeitsschub verliehen. Plötzlich war man unsicher, ob da nicht doch ein richtiges Spiel dahintersteht. Wenn Nvidia das featured, dann muss doch Substanz dahinterstehen. Oder?

Heute wissen wir, dass Nvidia einfach nicht richtig nachgeprüft, sondern dankend neues Futter für die Raytracing-Werbung angenommen hat. Das hat aber eben dazu geführt, dass The Day Before in viele Wunschlisten aufgenommen wurde. Teilweise war das Spiel auf Platz 1 der meisterwarteten Steamspiele, bevor es den zeitweiligen Bann gab. Dann kam der Release, war die erwartete Katastrophe, aber es hat sich trotzdem verkauft. Offenbar auch nicht zu knapp.

Natürlich waren da allerhand Katastrophentouristen dabei, doch es werden auch genügend nichts ahnende Leute gekauft haben. Leute, die den Trailer gesehen haben und das spannend fanden. Mit einem Klick war es auf der Wunschliste und dann hat man es wieder vergessen. Bis dann die Nachricht kam, dass es jetzt raus ist. Zack - gekauft. Ich lese da im Netz jetzt auch viel Häme, dass man ja selber Schuld ist, aber das finde ich auch nicht ganz gerechtfertigt. Man muss sich eben klarmachen, dass bei Weitem nicht jeder so gut informiert ist, wie ihr, die ihr jeden Tag PC Games lest und im Thema steckt.

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