Little Hope in der Vorschau: Hexenjagd in der Dark Pictures Anthology
Special 26,99 €
In Man of Medan verschlug es auf uns auf ein Geisterschiff, diesmal bleiben wir an Land; vor allerlei Horrorszenarien sind wir aber auch dort nicht gefeit. Der zweite Teil der Dark Pictures Anthology namens Little Hope schickt und nach Neuengland und lässt uns nicht nur an der schrecklichen Geschichte der Hexenverbrennungen teilhaben, sondern strotzt nur so vor Grusel-Hommagen. Wir konnten den Titel bereits ausführlich sehen!
Wer wenig Hoffnung hatte, dass in Zeiten der Corona-Krise Spiele erscheinen, den belehrt Little Hope eines Besseren! Nachdem nun das unvermeidliche Wortspiel aus dem Weg ist, kommen wir zum Thema. Wir sahen im Rahmen eines Streams der Entwickler den Anfang sowie eine spätere Szene aus dem zweiten Teil der Dark Pictures Anthology und plauderten im Videointerview mit ihnen darüber, was uns erzählerisch diesmal erwartet und welche Verbesserungen die Macher im Vergleich zum ersten Teil vorgenommen haben.
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Ursprünglich war das Enthüllungsevent mit Anreise und Anspielmöglichkeit geplant, durch die aktuelle Realität sind solche Zusammentreffen allerdings nicht möglich, weshalb wir uns bei unseren Erörterungen auf gesehenes, aber nicht gespieltes Material beziehen müssen.
Der erste Teil der Anthology, Man of Medan, schickt eine Gruppe junger Menschen aus der Gegenwart auf ein verfluchtes Schiff. Dort lernen wir das grundsätzliche Gameplay kennen, welches seinerseits stark an den geistigen Vorgänger Until Dawn erinnert - beides entwickelt von Supermassive Games. Wir rennen durch lineare Gebiete und untersuchen Objekte, absolvieren Quick-Time-Events, treffen unter Zeitdruck Entscheidungen und gelangen auf diese Weise auf verzweigten, teils sehr unterschiedlichen Pfaden zu einer Vielzahl an möglichen Enden. Sicher ist dabei keiner der Protagonisten, zwischen denen dynamisch an vorgegebenen Punkten gewechselt wird: Jeder von ihnen kann überleben, es kann aber auch sein, dass ausnahmslos alle über den virtuellen Jordan gehen.
Früher war alles besser
Quelle: Bandai Namco
Mittels des Dialogrades am unteren Bildschirmrand treffen wir unsere Antworten in Gesprächen. Wer will, kann aber auch einfach mit Schweigen reagieren.
In Little Hope (jetzt kaufen 29,99 € / 26,99 € ) bleiben wir zwar auf dem Trockenen, wer aber lebt und wer stirbt, steht nicht fest - in dieser Hinsicht bleibt das Spielerlebnis also gleich. Diesmal wird im namensgebenden Städtchen Little Hope ums Überleben gekämpft, in einer für sich stehenden Geschichte. Verbindendes Element zwischen den verschiedenen Teilen der Anthologie ist lediglich der Kurator, ein mysteriöser, anscheinend allwissender Mann mittleren Alters. Aus seinem Arbeitszimmer heraus führt er uns durch die Geschichten, gibt in Erzählungspausen Tipps zu bevorstehenden Ereignissen und kommentiert unsere Entscheidungen.
Und harte Entscheidungen müssen gleich zu Beginn getroffen werden: Angesiedelt in den 1970ern, verfolgen wir einen scheinbar normalen Abend im Haus einer Familie in Neuengland mit. Der Vater Säufer, die Mutter voller Hass auf den Vater, aber auch nicht gewillt, ihn zu verlassen, die Tochter entfremdet von ihren Verwandten. der ältere Sohn aggressiv und zynisch. Sohn Anthony, gespielt von dem bekanntesten Star des diesmaligen Ensembles echter Darsteller, Will Poulter, ist vor allem auf Harmonie bedacht. Und dann ist da ja noch die jüngste Tochter Megan, die sich eine Scheibe von allen Gruselkindern aus Film, Fernsehen und Videospielen abgeschnitten hat und fortwährend mit einer offensichtlich bösartigen Entität zu plaudern scheint. Dies ist nur eine von gefühlt unzähligen Anspielungen auf Themen von allerlei Horror-Klassikern.
Zurück in der Zukunft
Quelle: Bandai Namco
Die Hexenprozesse samt anschließender Verbrennungen sind der treibende Motor der Erzählung in der zweiten Auskopplung der Dark Pictures Anthology.
Wir wollen an dieser Stelle nicht spoilern, aber der Abend stellt sich schon bald als alles andere als normal heraus und der Tod kehrt im zerrütteten Heim ein. Einen Zeitsprung später finden wir uns in der Gegenwart wieder, in Gestalt verschiedener Mitglieder einer Collegeklasse auf einem Busausflug nach Massachusetts. Wegen eines Unfalls verzögert sich die Fahrt und die Studenten, inklusive einer Seniorstudentin, finden sich in Little Hope wieder. Aufgrund eines mysteriösen Nebels ist die Gruppe unfähig, den Ort zu verlassen. Silent Hill lässt grüßen! Und es wird noch mysteriöser: Andrew, einer der Reisenden, ist Anthony aus den 1970ern wie aus dem Gesicht geschnitten. Diese Zeitsprung-Geschichte wird sogar noch verworrener, als sich die Studenten auf einmal kurzzeitig im 17. Jahrhundert wiederfinden und mit der Realität der Hexenverbrennungen auseinandersetzen müssen.
Noch ist unklar, worauf die Handlung schlussendlich hinauslaufen wird und wie intensiv zwischen den Zeitebenen gesprungen wird. Zumindest die Prämisse samt Fokus auf die Hexenprozesse ist spannend, ebenso die Vermengung der Zeitebenen. Fraglich bleibt, wie komplex die Handlung schlussendlich ausfällt, denn mit etwa drei bis fünf Stunden Spielzeit, ähnlich wie bei Man of Medan, können die Entwickler natürlich nicht ewig weit ausholen.
Entscheidungsprobleme
Schon anhand des ersten gezeigten Materials wird klar, dass bezüglich des Spielprinzips keine Experimente gewagt werden. Rätsel existieren nicht, abseits der Quick-Time-Events auch keine Action-Passagen. Schnell reagiert werden muss dennoch, denn alle Antworten und viele unserer Aktionen werden von einem Zeitfenster begrenzt; wählen wir nicht selbst, so nimmt das Spiel uns die Entscheidung ab und somit, wie eine Szene sich weiterentwickelt. Zwar existieren diverse Fixpunkte, aber große Teile des Spiels können sehr unterschiedlich ablaufen oder ganz wegfallen, je nachdem, was im Vorfeld passiert und wer noch am Leben ist. Ausgehend von unseren Erfahrungen mit Man of Medan ist die Verästelung der Abfolgen zwar weit von der Komplexität etwa eines Detroit: Become Human entfernt, trotzdem motiviert dieser Aufbau zum mehrmaligen Durchspielen.
Dazu trägt auch der sogenannte Curator's Cut bei, den wir nach Abschluss der Handlung freischalten. In diesem sehen wir die Geschehnisse aus der Sicht der Figuren, die wir im normalen Modus in den jeweiligen Szenen nicht gespielt haben. Noch wesentlich interessanter und wie schon bei Man of Medan wohl eines der wichtigsten Verkaufsargumente für das Spiel: Der Koop-Multiplayermodus.
Gemeinsam gruseln
Quelle: Bandai Namco
Anspielungen an Größen des Horrorgenres, egal welchen Mediums, gibt es allenthalben. Der Unfall, der uns nach Little Hope führt und der mysteriöse Nebel, der die Stadt heimsucht etwa, rufen Erinnerungen an Silent Hill hervor.
Den gibt's in zwei Varianten: Beim lokalen Koop für bis zu fünf Gruselfans sitzt man gemeinsam auf der Couch und erlebt den normalen Singleplayer, jedoch fordert einen das Spiel nach bestimmten Sequenzen auf, den Controller an den nächsten Spieler weiterzugeben. Das ist nett für gemeinsame Abende, aber auch sehr rudimentär. Deutlich spannender ist die Online-Variante für zwei Teilnehmer. Dann erleben wir die Geschichte gleichzeitig aus zwei Blickwinkeln, wobei die Figuren manchmal am selben Ort unterwegs sind, oft aber getrennt voneinander völlig unterschiedliche Dinge erleben. Die Entscheidungen unseres Mitstreiters haben Auswirkungen auf das, was wir erleben, ob uns die Konsequenzen gefallen oder nicht. Interessant ist es auch, wenn ein Spieler über Informationen verfügt, die der andere noch nicht erhalten hat und dadurch in manchen Situationen eventuell überraschend handelt.
Ein Story-intensives, modernes Adventure ist nicht das erste Spiel, welches einem einfällt, wenn man an Koop denkt, aber bereits Man of Medan hat bewiesen, dass dieser Ansatz überraschend gut funktioniert; das Spiel macht zu zweit einen ganzen Zacken mehr Spaß, anders als bei anderen Multiplayertiteln übrigens vor allem dann, wenn man sich möglichst wenig oder gar nicht via Audiochat austauscht. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob der Koop-Spaß in Little genauso stark ausgeprägt sein wird wie in Man of Medan. Im Vorgänger war es so, dass jeder Spieler oftmals völlig unterschiedliche Geistererscheinungen wahrnahm, sogar dann, wenn man eine Szene gemeinsam erlebte. So konnte es sein, dass ein Spieler ein Monster sah, das ihn angriff, während es sich dabei in Wahrheit um seinen Mitstreiter handelte. Beim neuen Teil verzichtet man auf dieses sehr intensive Gimmick, sodass zu hoffen bleibt, dass der Unterhaltungsfaktor durch den Wegfall nicht leidet.
Small Improvements in Little Hope
Quelle: Bandai Namco
Auf eines sollte man sich in Little Hope, wie auch schon in Man of Medan, einstellen: Jump Scares! Das ist nicht subtil, reißt einen aber ab und an schön vom Sofa.
Was man sich von Little Hope wohl erneut nicht erwarten darf, ist eine beeindruckende spielerische Erfahrung, denn es bleibt dem treu, was sich die Macher mit der Anthology vorgenommen haben. Wohl aber versprechen sie diverse Verbesserungen im Vergleich zu Man of Medan. So nervte dort etwa die geringe Laufgeschwindigkeit der Figuren, auch dann, wenn man den euphemistisch als Renn-Button bezeichneten Knopf gedrückt hielt. Zudem war es nicht immer leicht zu erkennen, mit welchen Objekten in der Umgebung interagiert werden konnte und die sehr störrische Kamera verwehrte oftmals den Überblick. All diese Aspekte sollen verbessert werden, zudem werden bevorstehende Quick-Time-Events besser signalisiert, die Animationen optimiert und insgesamt soll der Erzählrhythmus natürlicher wirken.
Neben diesen von den Entwicklern bestätigten oder zumindest versprochenen Anpassungen haben wir aber auch noch ein paar Wünsche, die wir umgesetzt sehen wollen. So wurden wir in Man of Medan oft durch Bugs wie nicht geladene Figurenmodelle aus der Atmosphäre gerissen, gerade im Online-Koop. Zudem liefen die Tode der Figuren zu oft auf einzelne gescheiterte Quick-Time-Events hinaus. Dass ein Ableben durch eine lange Reihe von Entscheidungen und Entwicklungen hervorgerufen wurde, gab es zwar auch, jedoch deutlich seltener, wodurch sich diese brutalen Momente beliebig und billig anfühlten. Die sehr störrische Steuerung, gerade dann, wenn man durch enge Türen gehen wollte, möge zudem bitte der Vergangenheit angehören.
Horror-Hoffnung
Schlussendlich steht und fällt die Qualität von Little Hope aber natürlich mit der Qualität der Handlung und der Atmosphäre. Wie gut diese beiden Aspekte ausfallen werden, lässt sich nach unserem kurzen Einblick in den Titel noch nicht abschließend sagen. Die Prämisse ist auf jeden Fall spannend und die Verbesserungen, welche die Macher vorgenommen haben, versprechen ein angenehmeres Spielerlebnis. Ob's für einen Horror-Hit reicht, erfahren wir im Juni, wenn das Spiel für PC, PS4 und Xbox One erscheint.
