The C64 vs. C64 Mini: Welche Retrokonsole schneidet besser ab?

Special Wolfgang Fischer
The C64 vs. C64 Mini: Welche Retrokonsole schneidet besser ab?
Quelle: Retro Games

Vor knapp eineinhalb Jahren veröffentlichte Hersteller Retro Games mit dem C64 Mini eine Konsole, die es Fans des guten, alten Brotkastens ermöglichte, damit in Erinnerungen an selige 8-Bit-Zeiten zu schwelgen. Leider war das Gerät nicht ohne Designmängel. Kurz vor Ende 2019 schob Retro Games dann The C64 nach, eine in allen Punkte verbesserte Fassung in Originalgröße mit funktionierender Tastatur. Wir haben das gute Stück ausführlich getestet und es mit dem C64 Mini verglichen. In diesem Artikel verraten wir euch zudem, wie viel Spaß 8-Bit-Spiele auf den C64-Neuauflagen heutzutage noch machen.

Meine Leidenschaft für Videospiele begann vor etwa 40 Jahren mit dem Atari 2600. Auch wenn die damaligen Spiele - verglichen mit heute - ein albtraumhafter ­Pixelbrei waren, regten sie die Fantasie unheimlich an. Die Strichmännchen im öden ­Western-Shooter Outlaw wurden so zu furchtlosen Revolvermännern und die kaum als solche erkennbaren AT-AT-Läufer in The Empire Strikes Back versprühten mit ihrem unaufhaltsamen Marsch in Richtung Basis ein beklemmendes Gefühl der Ausweglosigkeit.

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1984 kauften mir meine Eltern einen C64 und entfachten meine bis heute andauernde Liebesbeziehung zu ­Videospielen erst richtig. Denn der klobige C64 machte zwar optisch nicht viel her, er war im Gegensatz zum Atari aber ein "echter" Heimcomputer mit Tastatur, auf dem man sogar programmieren konnte. Leider kam ich nie weit über "Hello World" hinaus, denn es gab ständig was Neues zu zocken. Die ersten Spiele, darunter mein damals heiß geliebtes International Soccer (das Modul besitze ich heute noch!), waren damals zwar grafisch noch sehr simpel, aber dennoch eine Riesenverbesserung zum Pixelbrei des Atari 2600. Schon damals war es unglaublich, was die Programmierer mit zunehmender Erfahrung aus dem technisch recht limitierten C64 herausholen konnten. Der Unterschied in Sachen Grafik, Präsentation und Gameplay zwischen den Epyx-Hits Summer Games (1984) und California Games (1987) etwa war eklatant.

Erwecke deine Kindheitserinnerungen zum Leben!

The C64 vs. C64 Mini: so klein ist der C64 Mini. Quelle: Retro Games The C64 vs. C64 Mini: so klein ist der C64 Mini. Ihr fragt euch bestimmt, warum ich gar so weit aushole und bislang noch kein Wort über den kürzlich erschienenen The C64 verloren habe. Ganz einfach: weil sich der Reiz dieser Retrokonsole (und des knapp eineinhalb Jahre früher erschienenen Vorgängers C64 Mini) grundsätzlich und fast ausschließlich über die Erfahrungen definiert, die man selbst früher mit dem "echten" C64 gemacht hat. So hart das klingt: Wer nicht mit dem Brotkasten aufgewachsen ist, wird damit auch in Form der Retrokonsole wenig anfangen können. Die Faszination vieler alter Titel erschließt sich heutzutage kaum jemandem. Die damaligen Spiele waren schwer und es gab keine ausschweifenden Tutorials oder Erklärungen, wie etwas funktioniert. Man hat sich einfach so lange mit einem Spiel beschäftigt, bis man es beherrscht hat. Es gab auch kein Internet, in dem man schnell mal die Lösung für ein Problem oder einen bestimmten Level nachschlagen konnte. Der Unterschied zu einem NES Classic Mini, das auch viele recht alte Spiele aus etwa derselben Zeitperiode enthält, ist die Zugänglichkeit. Ein Super Mario Bros. oder ein Castlevania sind viel benutzerfreundlicher als ein Großteil der Spiele, die bei The C64 vorinstalliert sind.

Die Qual mit der (Aus-)Wahl

The C64 vs. C64 Mini: Anspieltipps -California Games Quelle: Retro Games The C64 vs. C64 Mini: Anspieltipps -California Games Die Qualität der 64 vorinstallierten Spiele ist insgesamt recht mau. Der The C64 oder C64 Maxi hat eine ganze Reihe witziger Epyx-Sportspiele, guter Ballereien und netter Jump & Runs an Bord, aber eben auch viel Mist, auf den man hätte verzichten können. Die Auswahl hat sich zwar ein wenig gegenüber der Ausstattung des C64 Mini verbessert und 13 Titel wurden ausgetauscht, es kam aber kein echter Blockbuster hinzu. Für jedes mittelmäßige vorinstallierte Spiel fallen mir auf Anhieb ein Dutzend Titel ein, die ich lieber in der Lis­te gesehen hätte. Wo ist Turrican, wo sind die Giana Sisters und wieso fehlen Klassiker wie The Bard's Tale, Last Ninja, Elite oder Zak McKracken? Die Antwort ist einfach: Hierfür fehlen Retro Games Ltd., den Machern des The C64, schlichtweg die nötigen Lizenzen. Ihr könnt diese Spiele dennoch auf der Retrokonsole genießen, indem ihr sie über einen USB-Stick einladet. Voraussetzung dafür ist, dass ihr das entsprechende Spiel legal in einem unterstützten Format (z. B. als d64-Datei) besitzt. Auf dem C64 Mini war es mit der allerersten Firmware noch recht umständlich, Spiele über Stick zu laden. Auf dem C64 Maxi ist das dank einer überarbeiteten Benutzeroberfläche (über die mittlerweile auch der C64 Mini verfügt) deutlich einfacher und komfortabler.

Quantität statt Qualität

Diese Spiele (und die Programmiersprache/Benutzeroberfläche Basic von C64 und VC 20) gehören zur Grundausstattung von The C64.

Enthaltene Spiele-Klassiker bei The C64  
AlleyKat Mission A.D
Anarchy Monty Mole
Attack of the Mutant Camels* Monty on the Run
Avenger Nebulus
Battle Valley Netherworld
Boulder Dash Nodes Of Yesod
Bounder Paradroid
California Games Pitstop II
Chip's Challenge Planet of Death*
Confuzion Psychedelia (VC 20)*
Cosmic Causeway: Trailblazer II Ranarama
Cyberdyne Warrior Robin Of The Wood
Cybernoid II: The Revenge Silicon Warrior*
Dear Bovver* Skate Crazy
Deflektor Speedball II: Brutal Deluxe
Destroyer* Spindizzy
Everyone's A Wally Steel
Firelord Street Sports Baseball*
Galencia Mini* Street Sports Basketball
Gateway to Apshai* Summer Games II
Gribbly's Day Out Super Cycle
Gridrunner* Sword of Fargoal*
Heartland Temple of Apshai Trilogy
Herobotix The Arc Of Yesod
Highway Encounter Thing Bounces Back
Hover Bovver* Thing on a Spring
Impossible Mission Trailblazer
Impossible Mission II Uridium
IO Who Dares Wins II
Iridis Alpha* Winter Games
Jumpman World Games
Mega-Apocalypse Zynaps

Die mit einem Sternchen(*) markierten Spiele sind im Vergleich zum C64 Mini neu hinzugekommen. Dafür mussten folgende Spiele weichen: Armalyte: Competition Edition, Creatures, Cybernoid: The Fighting ­Machine, Hawkeye, Hunter's Moon, Hysteria, Nobby the Aardvark, Rubicon, Skool Daze, Snare, Speedball, Star Paws, Uchi Mata. Die Emulation für den VC 20 ist beim C64 Mini nicht enthalten.

Endlich genug USB-Ports!

Der C64 Mini war zwar keine Fehlkonstruktion, hatte aber einige nervige Macken, die der Hersteller Retro Games bei der Maxi-­Variante komplett ausgemerzt hat. Einer der größten Kritikpunkt am kleinen C64 sind die unzureichenden zwei USB-Ports. Damit ist es nicht möglich, zur gleichen Zeit eine USB-Tastatur, den zum Lieferumfang gehörenden Mikro-Switch-Joystick und einen USB-Stick (für das Laden externer Spiele) zu betreiben. Wer sich fragt, wofür man eine USB-Tastatur braucht: der C64 Mini sieht zwar wie eine Miniaturvariante des guten, alten Brotkastens aus, die Tastatur ist aber nur zur Zierde und funktioniert nicht. Die in der Benutzeroberfläche enthaltene "virtuelle Tastatur", die man mit dem Joystick bedient, ist nervig und umständlich.
The C64 vs. C64 Mini: das Karussellmenü. Quelle: Retro Games The C64 vs. C64 Mini: das Karussellmenü.
Der Maxi verfügt nicht nur über vier USB-Slots, auch die

Pro & Contra

+ Vollwertige Emulation des Commodore C64 und des Commodore VC 20
+ USB-Gamepad als zweiter Controller anschließbar
+ Optionale Texteingabe über virtuelle Tastatur
+ Verschiedene Bildschirmanzeigemodi einstellbar
+ Nicht im Lieferumfang enthaltene Spiele können über USB-Stick geladen werden
+ Enthält 64 vorinstallierte Spiele …
 - …  von denen aber nur ein Bruchteil etwas taugt

Tastatur des Geräts ist funktionstüchtig und fühlt sich wie das Original an. Darüber hinaus gehört neben einem USB-Stromkabel endlich auch ein Netzteil zur Ausstattung. Das bei beiden Geräten mitgelieferte HDMI-Kabel ist nicht unbedingt hochwertig und auch recht kurz. Ebenfalls bei beiden Geräten enthalten ist der zuvor genannte Mikro-Switch-Joystick, der an den klassischen Competition Pro erinnert, aber einige zusätzliche Knöpfe an Bord hat und weitere Funktionen bietet. Da sich in der Packung nur ein Controller befindet, so mancher Mehrspielermodus aber zwei Eingabegeräte erfordert, könnt ihr euch mittlerweile einen zweiten Controller für circa 30 Euro kaufen. In der Theorie könnt ihr auch ein beliebiges anderes Eingabegerät verwenden, wobei nicht hundertprozentig gewährleistet ist, dass dieses auch funktioniert. Viel Spaß beim Ausprobieren, denn eine Liste mit kompatiblen Geräten gibt es auf der Herstellerwebseite nicht.

Verbesserungen des The C64 gegenüber dem C64 Mini:

  • Netzteil jetzt im Lieferumfang enthalten (C64 Mini: verfügt nur über ein USB-Ladekabel)
  • Laden von Spielen über USB-Stick war sehr umständlich, jetzt viel einfacher (nach Firmware-Upgrade einfacher auf allen C64-Geräten)
  • The C64 hat vier USB-Ports (C64 Mini hatte nur zwei und das war zu wenig)
  • The C64 hat wie das Retro-Vorbild eine echte Tastatur (der C64 Mini hatte keine funktionierende Tastatur, kompatible USB-Keyboards waren dünn gesät)

Was bei der Wahl, ob und vor allem welche der beiden Varianten des "neuen" C64 man sich zulegt, natürlich eine große Rolle spielt, ist der Preis. Den C64 Mini, der bei Markteinführung vor eineinhalb Jahren stolze 80 Euro kostete, ist mittlerweile für faire 50 Euro zu haben. Mehr ist das etwas ungenügend ausgestattete Gerät auch nicht wert. Der in jeder Hinsicht verbesserte Maxi in Originalgröße ist mit 120 Euro hingegen fast schon unverschämt teuer. Die Änderungen gegenüber dem Mini sind keinesfalls 70 Euro wert. Wer sich für Mehrspielerspaß einen zusätzlichen originalen The-C64-Controller zulegen will, muss übrigens 25 Euro anlegen.

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