Mit bissigen Sprüchen kämpfen Sie sich durch eine witzige Rollenspiel-Parodie.
In Rollenspielen mimen Sie ja normalerweise einen strahlenden Helden, der die Welt selbstlos vor bösen Mächten rettet. Das ist im Action-Rollenspiel The Bard's Tale ganz anders: Hier verkörpern Sie einen Barden, der sich hauptsächlich für Wein, Weib, Gesang und Geld interessiert. Entsprechend macht er auch keinen Hehl daraus, dass ihm Heldentum und andere typische Rollenspielklischees heftig auf den Zeiger gehen. Und natürlich nimmt er jede Gelegenheit wahr, seiner Abneigung in Wort und Tat Ausdruck zu verleihen: Da streitet er sich mit dem Erzähler der Hintergrundgeschichte, beleidigt quasi jeden Gesprächspartner und verwüstet ganze Städte, statt sie zu retten.
Magische Melodien
In The Bard's Tale führen Sie keine Gruppe im klassischen Sinne. Vielmehr ruft sich der Barde mit magischen Melodien diverse Mitstreiter herbei -- je nach Situation und Spielweise. Zu den Gefährten zählen unter anderem die Schrulle, die Heilzauber wirkt, ein Elementar, das Gegner mit Feuerbällen bewirft sowie ein Ritter für den Nahkampf. Insgesamt finden Sie im Laufe des Abenteuers 16 unterschiedliche Helfer, von denen anfangs nur einer, später maximal vier gleichzeitig aktiv sein dürfen.
Auch die Hauptfigur entwickelt sich mit der Zeit weiter. Für erledigte Aufträge und ausgeschaltete Gegner erhalten Sie ganz klassisch Erfahrungspunkte, die in regelmäßigen Abständen zu Stufenaufstiegen führen. Dann verteilen Sie Punkte auf Attribute wie Stärke und Charisma. Außerdem wählen Sie alle zwei Stufen eines der zahlreichen Talente. Die erlauben etwa das Benutzen von Zweihandwaffen, schalten neue Kampftechniken frei oder erhöhen die Chance, kritische Treffer zu landen.
Bissig oder nett?
Sie steuern Ihre Gruppe aus einer zoom- und drehbaren Vogelperspektive. Das ist anfangs ungewöhnlich, stört aber nach wenigen Minuten kaum noch. Zwischensequenzen und Dialoge zeigt das Spiel aber aus filmartigen Kameraeinstellungen. In Gesprächen mit NPCs wählen Sie übrigens keine im Wortlaut vorgegebene Antwort, sondern entscheiden sich jeweils nur, ob Sie einen bissigen oder netten Spruch loslassen.
Welche Variante das gewünschte Ergebnis bringt, ist nicht immer vorhersehbar. Wenn Sie beispielsweise versuchen, als netter Gentleman bei der vollbusigen Bardame Mary zu landen, verbringen Sie die Nacht alleine. Insgesamt sind die bissigen Sprüche eine Spur witziger, auch wenn es natürlich ein gewisses Schmunzelpotenzial hat, wenn der Barde sich übertrieben freundlich anbiedert.
¬ Originaltest in Heft 07/2005
Georg Valtin
