The Ascent im Test: Cyberpunk-Action mit Hammergrafik und ärgerlichen Schwächen
Test 26,99 €
Mit edler Cyberpunk-Kulisse und feinster Raytracing-Grafik macht The Ascent auf den ersten Blick mächtig was her. Im Test zeigt der ambitionierte Mix aus Twin-Stick-Shooter und Action-Rollenspiel aber auch ärgerliche Schnitzer, die auf die Wertung drücken. (Update #2: Die Game-Pass-Fassung machte anfangs Probleme, wurde mittlerweile gepatcht.)
Bei seiner Ankündigung hat The Ascent für Aufsehen gesorgt: Deftiges Geballer, grandioses Cyberpunk-Setting, Rollenspiel-Elemente, Koop und dazu eine Bombengrafik - das machte Lust auf mehr! Ein gutes Jahr ist seit der Enthüllung vergangen und wir schauen uns im Test an, ob sich die Twin-Stick-Action ebenso edel spielt wie sie aussieht. In diesem Artikel findet ihr außerdem ein umfangreiches Testvideo, das alle wichtigen Infos enthält.
In diesem Artikel
Brutaler Machtkampf
The Ascent (jetzt kaufen 38,74 € / 26,99 € ) ist in erster Linie ein waschechter Twin-Stick-Shooter, eingebettet in einen grandiosen Cyberpunk-Schauplatz. Ihr seid in einer sogenannten Arkologie unterwegs, einem gigantischen, futuristischen Megakomplex, in dem unzählige Menschen und Aliens Zuflucht gefunden haben, als Gegenleistung aber enorme Schulden abarbeiten müssen. In dem gewaltigen Konstrukt, das bis in den Himmel hineinragt, herrscht eine strenge Rangordnung: Die Reichen und Mächtigen genießen das Leben an der Spitze, die Armen, Abgehängten, Schuldarbeiter und Gauner müssen dagegen in den unteren Ebenen rumlungern. In dieser Arkologie hatte stets die Ascent Group das Sagen - zumindest bis der Vorstand plötzlich unter mysteriösen Umständen verschwindet. Nun droht die ganze Metropole ins Chaos zu stürzen und so dauert es nicht lange, bis ein erbitterter Machtkampf zwischen rivalisierenden Banden und gierigen Konzernen entbrennt - und ihr steckt natürlich mittendrin.
Die Arkologie ist wie ein gigantischer Turm aufgebaut, ihr erkundet insgesamt vier Stockwerke, von denen besonders zwei angenehm weitläufig ausfallen. Das Leveldesign hat zig vertikale Elemente, ihr werdet also häufig Treppen und Aufzüge benutzen, um andere Ebenen zu erreichen, dürft dabei immer wieder in die Tiefe blicken und die fantastische Aussicht genießen. Die Kamera darf man nicht selbst lenken, die Entwickler legen den Bildausschnitt fest. Das sorgt für ein cineastisches Feeling, schließt einen Levelgenerator aber grundsätzlich aus: Alles ist von Hand gemacht, Zufallslevels wie in Diablo gibt es nicht.
Bis auf die oberste Etage ist das Setting eher düster und schmutzig gehalten, doch The Ascent hat zum Glück mehr zu bieten als nur graue Slums, Rost und Müllberge. Ihr seid beispielsweise oft in bunt beleuchteten Markt- und Wohngegenden, Lokalen, Badehäusern, Casinos und vielem mehr unterwegs - für die 15 bis 20 Spielstunden ist das Abwechslung genug. Wer wirklich alles machen und jede Kiste öffnen will, ist sogar bis zu 30 Stunden beschäftigt.
Quelle: PC Games
Die vordefinierte Kamera fängt die Spielwelt in fantastischen Panoramen ein.
Gute Ansätze, verschenkte Chancen
Quelle: PC Games
Die englischen Sprecher geben Gas, das Skript kann da leider nicht ganz mithalten.
Zu Beginn bastelt ihr euch flink eure Spielfigur zusammen, dabei müsst ihr euch nur um die Optik kümmern: Ein Klassensystem wie in Borderlands oder Diablo gibt es nicht, alle Helden spielen sich grundsätzlich gleich und bleiben in Dialogen stumm. Eure Figur ist ein Nobody, ein Schuldarbeiter aus den niederen Rängen, der unfreiwillig in die Machtkämpfe verstrickt wird. Der Plot fängt vielversprechend an, wird gegen Ende hin aber immer belangloser und mündet in ein halbgares Finale, das vielleicht schon auf einen Nachfolger hinarbeiten soll - uns hat es aber eher kalt gelassen.
Für ein richtiges Rollenspiel wäre das zu wenig. Doch gerade im direkten Vergleich zu anderen Twin-Stick-Shootern wird man immer noch ordentlich unterhalten, was auch den sehr guten englischen Sprechern und netten Charakteren zu verdanken ist. Außerdem gibt's einen ganzen Schwung an Nebenquests, da müssen wir beispielsweise Videokameras für einen VR-Junkie installieren, Mini-Bosse ausknipsen und jede Menge Botengänge absolvieren.
Quelle: PC Games
Mechanische Gegner beackern wir am besten mit Energiewaffen.
Die Aufgaben sind unterm Strich solide und werfen vor allem massig Erfahrungspunkte ab, allein dafür lohnt es sich, die Nebenquests mitzunehmen. Allerdings hätte es für unseren Geschmack weniger Backtracking sein dürfen: Die Laufwege fallen trotz komfortablem Schnellreise-Taxi ganz schön lang aus, da man nicht schnell zwischen den Etagen wechseln darf. Das streckt unnötig die Spielzeit.
Grafik zum Staunen
Schnitzer wie diese finden sich reichlich in The Ascent, da wirkt nicht jedes Detail wirklich zu Ende gedacht. Und trotzdem entfaltet das Spiel binnen Minuten eine enorme Wirkung, die es vor allem seiner fantastischen Grafik zu verdanken hat. Es ist kaum vorstellbar, dass The Ascent von einem Kernteam entwickelt wurde, das gerade mal zwölf Köpfe zählt. Wohin man auch blickt, glänzt das Spiel mit detailverliebter Umgebungen, scharfen Texturen, stimmungsvoller Beleuchtung, tollen Partikeleffekten, hoher Weitsicht und flüssigen Animationen. Viele Areale sind regelrecht mit NPCs gepflastert, die für Leben auf den Straßen sorgen und viel zur Atmosphäre beitragen. Und in Kämpfen geht gelegentlich sogar Mauerwerk zu Bruch und bröckelt dann detailreich von den Wänden.
Quelle: PC Games
NPCs ergreifen panisch die Flucht, sobald jemand das Feuer eröffnet.
Am schönsten sind immer die Momente, in denen die automatische Kamera selbstverliebt zur Seite kippt, dann bekommt ihr fantastische Panoramen zu sehen, die das irre Ausmaß des Mega-Komplexes erahnen lassen. Eine stimmungsvolle Soundkulisse und eine gelungene Musikuntermalung runden die Atmosphäre hervorragend ab. The Ascent ist damit der schönste und stimmungsvollste Top-Down-Shooter, der uns bislang untergekommen ist. Einziger Wermutstropfen: Die prächtigen Levels sind in erster Linie Kulisse, Interaktionsmöglichkeiten sind selten. Aber das lässt sich einem Twin-Stick-Shooter wohl kaum vorwerfen, ein Rollenspiel sollte man schließlich nicht erwarten.
Action satt
Als Actionspiel bewegt sich The Ascent auf vertrautem Terrain. Die Twin-Stick-Schießereien spielen sich flott, machen Spaß und steuern sich gut, egal ob mit dem Gamepad oder mit Maus und Tastatur. Es gibt deftiges Trefferfeedback, satte Explosionen und schöne Effekte - so wie es sein soll. Das Waffenarsenal ist mit jeder Menge Pistolen, Maschinengewehren und Shotguns weitestgehend klassisch, später kommen aber auch ein paar coolere Knarren hinzu, beispielsweise eine Raketenwerfer-Minigun oder ein Sägeblattwerfer. Nahkampfwaffen gibt es kurioserweise nicht - die bleiben allein den Gegnern vorbehalten.
Quelle: PC Games
Die Kamera bewegt sich auf festen Bahnen, wir dürfen den Blickwinkel nicht selbst ändern.
Nette Idee: Auf Knopfdruck kann man in die Hocke gehen, um hinter vielen Levelobjekten Deckung zu suchen. Ein Druck auf die linke Schultertaste lässt eure Spielfigur außerdem hoch zielen, so könnt ihr über eure Deckung hinwegschießen. Die menschlichen Feinde versuchen das Gleiche, sie ziehen die Köpfe ein, versuchen uns zu umrunden und setzen uns schon früh ordentlich unter Druck. Das ist zwar prima, allerdings neigen die Gegner auch oft dazu, aus heiterem Himmel zu spawnen: Da hat man eben gerade einen Bereich leergefegt, schon ploppen nach kürzester Zeit wieder neue Feinde auf, gerne auch mal hinter uns. Das wirkt unelegant, zumal man auf der Minimap gut erkennen kann, wie die Gegner aus dem Nichts erscheinen.
Ungewohnt sind auch die vielen NPCs, die sich auf den Straßen tummeln. Die ergreifen zwar beim ersten Schuss panisch die Flucht, geraten aber trotzdem oft genug ins Kreuzfeuer und geben dann sofort den Löffel ab. Eine Bestrafung in Form eines Fahndungslevels oder einer Geldstrafe gibt es dafür nicht, man wird nur später von einer Auftraggeberin angemault, dass man sich doch bitteschön nicht wie die Axt im Walde aufführen soll.
Beute macht noch kein Diablo
Obwohl The Ascent im Vorfeld oft als eine Art Sci-Fi-Diablo bezeichnet wurde, hat es damit kaum etwas gemein. Das liegt vor allem an der Beute, die ist in The Ascent nämlich vollkommen statisch. Ihr dürft euch im Spielverlauf mit einer beträchtlichen Menge an Knarren, Helmen, Rüstungen und Beinpanzern eindecken. Zufallswerte, Set-Boni oder besondere Eigenschaften, wie man sie von typischer Diablo-Beute kennt und erwartet, gibt es hier allerdings nicht.
Quelle: PC Games
Gegen Spielende schaut unsere Spielfigur aus wie die reinste Killermaschine.
Auch ein Crafting-System, mit dem sich Waffen modifizieren ließen, sucht man umsonst. Zwar darf man unterwegs Upgrade-Komponenten sammeln und damit zum Handwerker gehen, doch der sorgt dann nur dafür, dass die Waffe einen Rang aufsteigt - dadurch verbessern sich ihre Grundwerte und das war's. Ein Nebeneffekt: Neue Waffen starten immer auf dem niedrigsten Rang und fallen im Vergleich zu hochgestuften Knarren oft jämmerlich aus. Ob eine Waffe wirklich gut oder schlecht ist, weiß man da oft erst, wenn man die kostbaren Upgrade-Komponenten investiert hat.
Mächtige Skills
Waffen und Rüstungen sind aber nicht alles, ihr könnt eure Figur auch noch mit drei aktiven Talenten ausstatten, die zum Teil sehr mächtig und befriedigend ausfallen. Anfangs habt ihr nur ein paar einfache Betäubungsgranaten zur Auswahl, doch das Arsenal füllt sich schnell. Da gibt's dann beispielsweise mächtige Rucksack-Raketenwerfer, Energieschilde, Schock-Drohnen oder einen überdimensionierten Lasertrahl, der selbst dickere Feinde blitzschnell von der Bildfläche brutzelt.
