Die Verfilmung von Tetris ist ein einziger, großer Fail

Kolumne Maci Naeem Cheema
Die Verfilmung von Tetris ist ein einziger, großer Fail
Quelle: Apple

Mit dem Tetris-Film will Apple an die Erfolge von The Last of Us und Super Mario Bros. anknüpfen, scheitert dabei aber an einem besonders wichtigen Punkt.

Die Tetris-Liebe wird geblockt, schade

Zeit also für mein gravierendes Problem, das mich extrem unbefriedigt hinterlassen hat: Es gibt viel zu wenig Tetris, und das gilt nicht nur für die Story, sondern auch die gesamte Präsentation des Streifens. Die Entwicklung des Spiels wird in ein paar Minuten abgehandelt, wenn überhaupt, auch der Tetris-Effect spielt keine wirkliche Rolle und wird nur nebenbei erwähnt, damit man ihn von der imaginären Checkkiste abhaken kann. Allgemein ist auffällig, wie wenig Fanservice und Tetris-Referenzen Jon S. Baird und sein Team eingebaut haben.

Auf visueller Ebene reicht es gerade mal für drei interessante Gaming-Aspekte: Erstens ist da die phasenweise stark überzeichnete Buntheit, die automatisch eine Brücke zur Vorlage schlägt. Die wird aber revidiert durch das kalte, graue und trostlose Sowjet-Setting und den starken Thriller-Ansatz, wodurch jegliche "Knalligkeit" und Dynamik vollkommen flöten geht. Zweitens gibt es diverse 8-Bit-Einblendungen bei größeren Szenenwechseln, also sobald wir etwa den Schauort wechseln. Das passiert ständig und soll darüber hinaus natürlich der wirren Struktur helfen, wirkt aber zu unoriginell und wieder wie ein Element, das mehr wie Pflicht denn Kür erscheint. Das geht bei der mehrfach angesprochenen Verfolgungsjagd zum Moskauer Flughafen, so weit, dass man das gesamte Bild ins 8-Bit-Format hüllt - ganz nett, aber auch hier ist die Idee viel zu belanglos umgesetzt.

Drittens wurden einige Geräusche durch Old-School-Soundeffekte ergänzt, ebenso darf die 80s-Hymne "The Final Countdown" nicht fehlen, aber auch hier mangelt es an der kreativen Umsetzung und einem wirklichen Konzept.

Eines der wenigen Highlights des Apple-Films: Henk Rogers (Taron Egerton) zu Besuch bei Nintendo und seinem Präsidenten Hiroshi Yamauchi (Togo Igawa) Quelle: Apple Eines der wenigen Highlights des Apple-Films: Henk Rogers (Taron Egerton) zu Besuch bei Nintendo und seinem Präsidenten Hiroshi Yamauchi (Togo Igawa) Tetris möchte viel, scheitert jedoch daran, seine vielen Bausteine sinnvoll zusammenzufügen. Stattdessen kommt es zu etlichen Lücken beim großen Gesamtbild, die beim Schauen auffällig stark herausreißen und stören - mehr als enttäuschend, wenn ihr mich fragt.

Eines ist sicher: Der Tetris-Hype bleibt aus

Abschließend noch ein Beispiel, um zu verdeutlichen, warum Tetris auch als Enttäuschung für Apple selbst bezeichnet werden kann: Erinnert ihr euch noch an die super erfolgreiche Netflix-Show The Queen's Gambit, die Ende 2020 mit Anya Taylor-Joy in der Hauptrolle veröffentlicht wurde und die Faszination des Schachsports in den Mittelpunkt gerückt hat?

Die Streaming-Serie schaffte es nicht nur, von über 62 Millionen Mal Haushalten gestreamt zu werden, ihr gelang es auch, einen riesigen Schach-Hype auszulösen - auf chess.com gab es einen Anstieg von über 400 Prozent und auch die Websuche war so hoch, wie seit über einem Jahrzehnt nicht mehr.

Gleiches gilt für die HBO-Show The Last of Us, die alle dazugehörigen Naughty-Dog-Spiele zurück in die Charts gebracht hat. Der zweite Teil der Playstation-Reihe konnte sich sogar Platz 1 in den USA, in Kanada und Europa sichern - über zwei Jahre nach dem eigentlichen Release, krass.

Und hier hört die Liste übrigens längst nicht auf, wenn es um Adaptionen geht, die verspätet zu einem erneuten Hype geführt haben. Allein Netflix gelang solch ein Unterfangen gleich mehrfach, etwa mit Arcane, The Witcher, der Formel-1-Doku Drive to Survive und Cyberpunk: Edgerunners.

Und das ist längst kein Phänomen unserer modernen Welt, der beliebte Disney-Klassiker 101 Dalmatiner löste mit dem Original 1961, aber auch mit der Realverfilmung 1996 einen großen Dalmatiner-Hype aus. Ich lehne mich mal aus dem Fenster und behaupte: Bei Tetris bleibt solch ein Hype ziemlich sicher aus. Bei einem der größten und wichtigsten Videospiele aller Zeiten geht definitiv mehr.


Jetzt seid ihr gefragt: Habt ihr euch den Tetris-Film auf Apple Plus angeschaut? Wenn ja, was hat euch gut gefallen am Cold-War-Thriller und was hat euch gefehlt? Könnt ihr meine Meinung nachvollziehen, bietet Tetris zu wenige Anspielungen und zu wenig Liebe für die eigene Vorlage? Schreibt uns eure Gedanken und Meinungen in die Kommentare!

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