Verfilmung von Tetris: Darum ist Apples Videospiel-Blockbuster ein ziemlicher Fail

Kolumne Maci Naeem Cheema
Verfilmung von Tetris: Darum ist Apples Videospiel-Blockbuster ein ziemlicher Fail
Quelle: Apple

Mit dem Tetris-Film will Apple an die Erfolge von The Last of Us und Super Mario Bros. anknüpfen, scheitert dabei aber an einem besonders wichtigen Punkt.

Als der Tetris-Film 2014 angekündigt wurde, da dachte vermutlich nicht nur ich, es kommt eine herzerwärmende und unterhaltsame Kino-Comedy für die ganze Familie, in der Adam Sandler, oder ein anderes, universell anwendbares Hollywood-Gesicht, panisch mit Frau und Kind vor riesigen Tetris-Steinen flüchtet. Nun, stattdessen kam am 31. März ein ernsthaftes Thriller-Biopic als Streaming-Film, das sich Apple 2020 kurz nach Ende der Dreharbeiten unter den Nagel gerissen hat. SOmit steht Tetris jetzt, drei Jahre später, deutlich andersartig auf der weltweiten Filmbühne, als zu Beginn vermutet.

Das Team rund um Regisseur BAFTA-Gewinner Jon S. Baird (Stan & Ollie) setzt zwar zum Teil auf die wahre und verrückte Geschichte, bei der speziell der große Lizenzstreit um den weltweiten Vertrieb in den 1980er-Jahren im Zentrum steht, fügt jedoch zusätzlich eine üppige Portion Fantasie sowie etliche überzogene Blockbuster-Elemente hinzu. Der 118-minütige Film zeigt Autos, die durch die Weltstadt Moskau jagen, plumpen Spionagekram, der so auch in Spy Kids oder xXx - Triple X mit Vin Diesel stecken könnte, viel Action-Wirrwarr und etliche sterile Büroräume.

Zumindest sind die überall verteilt, heißt, mal sind wir in Russland, mal in Amerika und mal in Japan. Auch noch wichtig zu erwähnen: Es handelt sich bei Tetris zwar nicht um eine richtige Videospieladaption. Dennoch nährt sich solch eine Story natürlich stark von ihrem Vorlagenphänomen, das in diesem Fall 1984 vom Tetris-Erschaffer Alexei Leonidowitsch Paschitnow losgetreten wurde.So richtig ausfindig machen kann man Tetris aber leider nicht in der vom Kanadier Noah Pink (bekannt für die TV-Serie Genius von National Geographics) geschriebenen Handlung.

Darüber hinaus spürt man regelrecht, wie das Filmkonzept durch etliche überzogene Spannungselemente an der Last der vielen Bausteine zerbricht. So stark, bis das Interesse rund um Henk und seine Freunde über den oberen Bildschirmrand hinauswächst - und spätestens mit den Credits in einem Game Over endet.

Vom Block-Puzzle zum Blockbusterfilm

Mit dem Traumduo, bestehend aus Produzent Matthew Vaughn (primär bekannt als Regisseur von Kick-Ass, X-Men: First Class und den Kingsman -Filmen) und Hauptdarsteller Taron Egerton, die beide schon beim Elton John-Biopic Rocketman und der bereits erwähnten Kingsman-Reihe zusammengearbeitet haben, gibt es eine gute Grundlage für Erfolg beim Mainstream-Publikum.

Gleiches gilt für die eigentlich spannende Vorlage, zumindest, wenn man auf den passenden Rahmen und die richtigen Schwerpunkte setzen würde.

Ein Entwickler sitzt vor seinem PC und entwickelt Tetris. Quelle: Apple Viel Wirrwarr, wenig Tetris: Zwar bekommt man ein paar kleine Einblicke in die Entwicklung des Puzzle-Phänomens, alles in allem fällt das Videospiel aber leider viel zu klein aus im großen Blockbusterformat. Denn die Handlung beginnt nicht etwa mit der Entstehung von Tetris oder der Geschichte seines sowjetischen Schöpfers, sondern mit einem Amerikaner voller Träume: Henk Rogers (Taron Egerton) stößt nach einigen erfolglosen Eigenentwicklungen im Spielebereich auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas auf das Mega-Phänomen Tetris.

Damals noch ohne Farben und ohne Sound, dennoch mit einer einzigartig einnehmenden Wirkung. Die war sogar so berühmt und verbreitet, dass man einige Jahre später vom berühmten Tetris-Effekt spricht.

Also, wenn Menschen so viel Zeit und Aufmerksamkeit in eine Aktivität stecken, dass Gedanken und Träume von Bildern oder Formen dominiert werden - etwas, worum sich der visuell öde Tetris-Film keine Sorgen machen muss, dazu später mehr.

Henk Rogers (Taron Egerton) und Alexei Paschitnow (Nikita Efremov), die lachend in rotem Licht Arm in Arm gezeigt werden. Quelle: Apple Freunde fürs Leben: Henk und Alexei haben nach dem großen Lizenzstreit gemeinsam die Tetris Company gegründet, die sie heute noch leiten. Wie auch immer, im weiteren Verlauf versucht der junge Familienvater, am Tisch der großen Player um die weltweiten Vertriebsrechte mitzupokern. Mit am großen Tisch: Atari, die britische Firma Mirrorsoft, Henks Arbeitgeber Bullet-Proof und die kommunistische Sowjetunion, aber auch der japanische Spielegigant Nintendo.

Nintendo wurde, wie viele sicher wissen, im weiteren Verlauf mit dem Game Boy (Tetris lag jeder Handheld-Konsole bei) überaus relevant, konnte aber auch schon zuvor mit dem NES und SNES weltweite Erfolge erzielen.

Dabei setzt Henk nicht nur sein Haus aufs Spiel, sondern auch die Sicherheit seiner Familie sowie seine eigene. Selbst die klassische "Papa verpasst die Schulaufführung der Kinder"-Szene darf dabei nicht fehlen, um den hohen Einsatz und Henks Verbissenheit zu unterstreichen.

Das alles hat sich natürlich gelohnt, wie man heute weiß, und mündet im Blockbusterfilm in einem Happy End. Tetris hat sich schließlich über 500 Millionen Mal verkauft, wurde über 600 Millionen Mal heruntergeladen und zählt deutlich zu den erfolgreichsten Spielen aller Zeiten. Henk Rogers und Alexei Paschitnow (Nikita Efremov) pflegen seitdem eine enge Freundschaft und sind gemeinsam im Besitz der Tetris Company.

Dabei brüstet sich Tetris mit seiner wahren Geschichte, die tatsächlich zum Großteil sehr akkurat wiedergeben wurde, wären da nicht die vielen Hollywood-Krankheiten, die so typisch sind für Filme mit dem beliebten "Based on a true story"-Stempel.

Ob es die irrsinnige Jagd des KGBs ist, die Henk bis zum Flughafen durch Moskau verfolgen, die KGB-Agentin Sasha (Sofya Lebedeva), die Henk verführt und überwacht oder gleich mehrere Bösewichte, die eher an Star Wars' Palpatine erinnern als an mächtige Geschäftsleute: Tetris will unbedingt ein spannender Cold-War-Thriller sein und präsentiert sich oftmals im Stil von "Wolf of Wall Street", "The Big Short" & Co. Gleichzeitig möchte man mit einem prächtigen und fröhlichen Look überzeugen, der farbenfroh auftritt und universell unterhalten soll. Das beißt sich schon stark, oder nicht?

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