Tennis World Tour: Aufschlag meterweit im Aus - keine Gefahr für Genre-König Top Spin 4
Test 44,99 €
Tennis-Fans sind vollkommen ausgehungert. Nach dem grandiosen Top Spin 4 wurde die Serie unverständlicherweise eingestellt, sodass die Erwartungen an Tennis World Tour extrem hoch sind - zumal der ehemalige Produzent von Top Spin 4 auch entscheidend an Tennis World Tour mitgewirkt hat. Ist Tennis World Tour also der inoffizielle Nachfolger von Top Spin 4 oder doch nur ein gescheiterter Versuch? Unser Test liefert die Antwort!
Tennis World Tour (jetzt kaufen / 44,99 € ) hat es wirklich schwer. Nicht einmal die mächtigen Größe-50-Schlappen von Tennisriese John Isner könnten die Fußstapfen ausfüllen, die das grandiose Top Spin 4 im Jahre 2011 hinterlassen hat. Die Filzball-Simulation von Entwickler 2K Czech war seinerzeit das mit Abstand beste Tennisspiel - und ist es auch heute noch. Natürlich durfte man vom kleinen Tennis World Tour-Entwicklerstudio Breakpoint nicht erwarten, Top Spin 4 von Ranglistenplatz 1 zu fegen. Doch da der ehemalige Top Spin 4-Produzent Pierre André auch für Tennis World Tour verantwortlich ist, hatten wir durchaus gesteigerte Erwartungen. Dass diese nicht einmal ansatzweise erfüllt werden konnten, mussten wir jedoch bereits nach wenigen Matches leidvoll feststellen.
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Tödliches Timing
Offenbar war den Tennis World Tour-Entwicklern wichtiger, ihr neues Spiel pünktlich zu den French Open in den Handel zu bringen, als ein rundes Produkt abzuliefern. Immer wieder haben wir beim Test ein imaginäres "Work in Progress"-Schild vor Augen, etwa wenn in manchen Spielsituationen schlichtweg die entsprechenden Animationen fehlen. Saust zum Beispiel ein Ball sehr nah am Körper vorbei, verweigert der Akteur einfach die Arbeit, anstatt wenigstens reflexartig zu versuchen, noch irgendwie an den Ball zu kommen. Auch fliegt die Kugel bei einem Passierball schon mal durch einen Akteur hindurch, natürlich ohne ein Loch zu hinterlassen - it's a bug, not a feature!
Auch atmosphärisch liegt vieles im Argen. Der Applaus der Zuschauer ist willkürlich und nicht auf die jeweilige Situation bezogen, dazu nerven die sich ständig wiederholenden Sprüche des englischen Kommentators schon nach wenigen Minuten. Zudem sind Balljungen, Schiedsrichter oder TV-Kameras nur Kulisse und Linienrichter bewegen sich gerne mal absolut synchron.
Die Spielermodelle der 31 lizenzierten ATP- und WTA-Akteure um Roger Federer, Alexander Zverev, Caroline Wozniacki und Angelique Kerber sehen ihren Vorbildern nur entfernt ähnlich. Oder wäre euch bekannt, dass Schlacks Alexander Zverev einen muskelbepackten Oberkörper hätte? Zudem haben sich die Entwickler nicht die Mühe gemacht, typische Schlagbewegungen der echten Spieler nachzustellen.
Allgemein agieren KI-Akteure oft nicht nachvollziehbar: Wenn unser Gegner den Ball hinter der Grundlinie gerade noch vom Boden kratzt, es jedoch schafft, einen harten und präzisen Crossball-Winner zu spielen, fangen wir unweigerlich an den Namen unseres Gegenübers in der Superhelden-Riege von Marvel oder DC zu vermuten. Wir verwerfen diesen Gedanken jedoch, sobald unser Kontrahent mal wieder einen Punkt perfekt aufbaut, um uns dann im entscheidenden Moment die Filzkugel stümperhaft vor den Schläger zu servieren. Überdies verbringen Gegner mit Vorliebe Zeit an der T-Linie, was man bekanntermaßen eher vermeiden sollte - sofern man gewillt ist, den Punkt zu gewinnen.
Zwar kommt es in Tennis World Tour wie in Top Spin 4 in gewissem Maße auch auf das Timing an, dennoch sind Winner kaum möglich, ohne einen Schuss durch Gedrückthalten des Buttons "aufzuladen", was nicht wirklich realistisch ist. Da hat uns das Schlagsystem von Top Spin 4 deutlich besser gefallen.
Karge Karriere
Der Karrieremodus ist das Herzstück von Tennis World Tour. Weiterhin dürft ihr noch in Trainingsmodus und Exhibition-Matches Bälle dreschen. Am Umfang der Karriere ist wenig auszusetzen. Ihr startet mit einem selbst erstellten Spieler als Nummer 99 der Weltrangliste, absolviert Exhibitions, Turniere und Trainingssessions, verhandelt mit Sponsoren und engagiert Trainer sowie Manager. Außerdem dürft ihr eure Ausrüstung wechseln, wobei ihr aus Stücken von Nike, Adidas, Lacoste oder Head wählen könnt.
Allerdings wird die Karriere ausgesprochen langweilig präsentiert, sodass die Motivation, die aufgrund der genannten Mängel ohnehin nicht allzu groß ist, schnell nachlässt - und das, obwohl das Fähigkeitskarten-System durchaus gelungen ist.
Auf Doppel-Partien müsst ihr noch verzichten, sie sollen aber nachgereicht werden. Zudem waren Online-Matches noch Tage nach Release nicht verfügbar, weshalb wir sie bislang nicht bewerten können. Während Tennis World Tour auf PS4 und Xbox One bereits erhältlich ist, ist der Release der PC-Version aktuell für den 12. Juni 2018 geplant, während die Portierung für die Nintendo Switch noch bis zum 15. Juni auf sich warten lassen wird.
