Tennis World Tour: Tennisspiel mit interessanten Ideen, bei dem es noch in der Umsetzung hapert
Special 44,99 €
Tennis World Tour in der Vorschau: Fußball, Basketball, Eishockey - Sportfans auf PC, PS4, Xbox One und sogar der Nintendo Switch können sich nicht beschweren. Nur Tennis wurde bisher sträflich vernachlässigt. Tennis World Tour will hier Abhilfe schaffen. Aber gelingt dem geistigen Top Spin-Nachfolger das? Wir konnten ihn ausprobieren und verraten in unserer Preview unsere Eindrücke.
Wer keine Lust hat, selbst sportlich aktiv zu werden, aber auch nicht nur zuzugucken, der hat auf der PC, PS4 Xbox One und sogar Switch zahlreiche spielbare Alternativen. Sei es Fußball, Basketball, Autorennen oder etwas anderes - so ziemlich jede Sparte wird in der aktuellen Konsolengeneration gut abgedeckt. Mit einer Ausnahme: Tennisfans sehen seit satten sieben Jahren in die Röhre - damals erschienen die letzten Ableger der Top Spin- sowie von Segas Virtua Tennis-Serie. Von Nintendos nicht mit realistischen Simulationen vergleichbarer Mario Tennis-Reihe einmal abgesehen, stellte nur AO Tennis eine Ausnahme von dieser Regel dar - aber das erschien nicht in Europa und war qualitativ zudem leider alles andere als herausragend.
Höchste Zeit also für eine glorreiche Rückkehr der Sportart auf die Videospiele-Bühne - und der Titel, welcher es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Bann zu brechen, hört auf den Namen Tennis World Tour (jetzt kaufen / 44,99 € ). Dahinter steckt das relativ frisch gegründete Studio Breakpoint, welches allerdings mehrere der kreativen Köpfe von 2K Czech beherbergt, den Machern der Top Spin-Spiele. Sogar die Entwickler selbst sprechen bei Tennis World Tour darum von einer Art geistiger Fortsetzung der hochgelobten Sportsimulations-Reihe. Ob zu Recht, davon konnten wir uns anhand einer Vorschauversion des Spiels selbst ein Bild machen.
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Tennis Word Tour in der Vorschau: Schlag auf Schlag
Quelle: Bigben Interactive
Je nach Untergrund fühlen sich die Matches verschieden an – in der Theorie. Beim Anspielen hielten sich die Unterschiede im Spieltempo und -gefühl noch in Grenzen.
Schnell fällt auf, dass Tennis World Tour spielerisch einen anderen Schwerpunkt setzt als Top Spin. Ging es dort um schnelles Reaktionsvermögen und präzise ausgeführte Schläge, so setzt der Genre-Neuling stattdessen auf eine strategische Vorgehensweise. Bedeutet im Klartext: Im richtigen Moment genau an der richtigen Stelle zu stehen und die richtige Taste zu drücken, ist sekundär. Mehr noch, das Spiel bügelt sogar etwaige Ungenauigkeiten, die man sich erlaubt, aus. Stattdessen können wir in einem vergleichsweise langen Zeitrahmen reagieren, schon bevor der Ball auch nur in die Nähe unseres Schlägers gelangt.
Allerdings wird in Tennis World Tour von uns dafür strategischeres Denken verlangt. Fünf über die Tasten verteilte Schlagvarianten sowie einige Spezialmanöver verlangen, dass wir in jeder Situation mit der richtigen Aktion reagieren, um einen erfolgreichen und für den Gegner schwer zu meisternden Schlag auszuführen. Zusätzlich bestimmen wir dadurch, wie lange wir die Taste gedrückt halten und wie stark wir den jeweiligen Schlag ausführen wollen - gehen wir auf Nummer sicher oder riskieren wir nicht nur, den Schlag durch zu langes Warten zu verpassen, sondern auch, ihn durch die größere Schlagkraft ins Aus zu pfeffern? Letzteres passiert nämlich prinzipiell häufiger als in anderen Tennisspielen - schon etwas zu intensive Bewegungen des Analogsticks in eine Richtung können einen Schlag so beeinflussen, dass er außerhalb des Feldes aufschlägt. Auch hier muss also strategisch vorgegangen werden.
Quelle: Bigben Interactive
Die von uns gespielte Fassung war noch unfertig und voller Bugs. Ob das angesichts des schon nahen Releases ein schlechtes Zeichen ist, muss sich zeigen.
So weit, so gut - allerdings gehen mit dem Verlust der direkten Kontrolle in vielen Situationen auch Probleme einher. Erstens hat man häufig das Gefühl, nicht selbst für das Gelingen einer Aktion verantwortlich zu sein. Zweitens reagiert die eigene Figur nicht immer so, wie man das will. Regelmäßig etwa rannte unser Spieler spontan nach vorne in Richtung Netz, wenn der Gegner den Aufschlag hatte und kostete uns somit einen Punkt. Mag sein, dass gerade solche offensichtlichen Fehler bis zum Release noch ausgebessert werden - es wäre gut so, denn das ansonsten durchaus ansprechende Gameplay leidet unter den KI-Aussetzern.
Tennis World Tour in der Vorschau: Vier gewinnt nicht
Quelle: Bigben Interactive
Grafisch reißt Tennis World Tour keine Bäume aus, kann sich aber durchaus sehen lassen. Vor allem die realitätsnahen Animationen der Spieler wurden gut umgesetzt.
Aber auch sonst existieren noch einige Baustellen und nicht bei allen sind wir uns sicher, ob sie noch bis zum Release Ende Mai angegangen werden. Wir reden hier gar nicht von den Bugs und teilweise nicht fertig programmierten Plätzen, Figuren und Animationen, fehlenden Stadion-Geräuschen und ebenso nicht vorhandener Musik - das kommt bei einer Preview-Fassung vor. Allerdings konnten wir im Mehrspielermodus zum Beispiel nicht die Ansicht wechseln. Einer der Teilnehmer spielte immer aus der - deutlich komfortableren - Rückansicht, der andere wurde auf die gegenüberliegende Seite des Netzes verbannt. Genretypisch wechselt die Ansicht normalerweise nach jedem Satz oder lässt uns zumindest in den Optionen die Wahl.
Quelle: Bigben Interactive
Tennis World Tour ist das erste Tennisspiel abseits des nicht in Europa veröffentlichten AO Tennis, welches für PS4 erscheint.
Außerdem - Stichwort Multiplayer - waren in der von uns gespielten Fassung keine Doppel anwählbar. Sehr schade - wir hoffen, dass sich das bis zum Release ändert oder dass zumindest zeitnah danach ein entsprechender Patch nachgereicht wird. Bezüglich der Modi-Auswahl gibt es hingegen nicht viel zu beanstanden. Neben einem Karrieremodus, in dem wir mit einem selbst erstellten Profi loslegen, erwarten uns ein umfangreiches Tutorial, in dem wir alle Finessen der Steuerung einzeln üben können, ein Modus für schnelle Matches und der eben besprochene Mehrspielerpart, sowohl offline als auch online. Nett: In der Karriere können wir bis zu fünf passive Buffs in Form von Karten ausrüsten, die etwa unsere Schlagkraft steigern, uns schneller machen oder uns besonders geschickt auf Bälle reagieren lassen. Bei den Profis hingegen sind die Buff-Karten vorgegeben und entsprechen den jeweiligen Talenten der real existierenden Tennisspieler.
Tennis World Tour in der Vorschau: Profi-Schläger
Quelle: Bigben Interactive
Auf Nachfrage wollte oder konnte man uns nicht sicher sagen, ob zum Release auch Doppel gespielt werden können. Allerdings sieht es eher nicht danach aus.
Knapp 30 Profis warten ab Ende Mai auf uns, weitere sollen folgen - ob per Gratis- oder Bezahl-DLC, ist noch nicht ganz klar. Andre Agassi, der nur Vorbestellern gratis zum Download zur Verfügung steht, zeigt aber schon die Richtung an. Angesichts der von Haus aus stattlichen Spielerzahl wollen wir uns aber nicht zu sehr beschweren. Etwas schade ist es auf jeden Fall, dass im aktuellen Roster gerade mal fünf Frauen anwählbar sind - hier hätten wir uns deutlich mehr Auswahl gewünscht. Dafür befinden sich unter den Profis echte Größen wie die Deutschen Alexander Zverev und Angelique Kerber, Roger Federer oder der Österreicher Dominic Thiem.
Quelle: Bigben Interactive
Unsere Figur reagiert mehr oder minder selbstständig auf ankommende Bälle – für unseren Geschmack zu stark. Da werden eigene Eingaben schon mal quasi ignoriert.
Etwas weniger realen Glanz gibt es bezüglich der Plätze zu vermelden. Zwar warten anständige 18 Stück auf uns, allerdings handelt es sich dabei ausschließlich um Fantasie-Kreationen. Nach eigenen Angaben denken die Entwickler aber darüber nach, hier reale Exemplare nachzuliefern, sobald das Spiel erst einmal erschienen ist. Schön ist auf jeden Fall, dass verschiedene Untergründe, also Gras, Sand oder Hartplatz gewählt werden können - wenngleich die Unterschiede sich spielerisch noch in Grenzen halten. Zumindest konnten wir beim Anspielen keine drastischen Veränderungen bezüglich Tempo, Ballverhalten und Co. ausmachen. Hier muss der Langzeittest zeigen, ob sich die subtilen Unterschiede nicht letzendlich doch spielerisch spürbar auswirken.
Tennis Word Tour in der Vorschau: Noch viel zu tun
Quelle: Bigben Interactive
Reale Plätze schaffen es –zumindest zum Release – nicht ins Spiel. Stattdessen spielen wir in 18 frei erfundenen Stadien um den Sieg.
Wie erwähnt, spielten wir eine Fassung von Tennis World Tour, die noch weit von einer finalen Version entfernt war - alle Kritikpunkte sind also mit einem großen "aber" versehen, denn theoretisch kann sich bis zum Release noch vieles zum Besseren wenden. Jedoch steht dieser Release schon fast vor der Tür, sodass wir uns doch fragen, warum es an so vielen Baustellen derzeit noch hapert. Es wäre schade, würde Tennis World Tour seine Makel nicht in den Griff bekommen, denn erstens ist ein neues Tennisspiel schon lange überfällig und zweitens ist der strategische Ansatz in den Matches interessant und es macht durchaus Spaß, Satz nach Satz zu spielen, wenn man sich erst einmal an die Steuerung gewöhnt hat. Unser finales Urteil gibt's in den kommenden Wochen.
