Nach knapp sieben Jahren ist Bandai Namcos beliebte Fighting-Game-Reihe Tekken mit Tekken 8 endlich wieder zurück - und besser denn je.
Der Ausgangs-Move befindet sich auf Position 58, also mitten in der Liste ohne irgendein Anzeichen, wieso er sich dort befindet. Direkt darunter befinden sich aber nicht die Angriffe, die wir aus "Back Three" ausführen können. Für die müssen wir wesentlich weiter nach unten scrollen. Vielleicht sind aus der Pose doch noch andere Moves möglich, die haben wir aber schlichtweg nicht gefunden. Ob man eine solche Recherchearbeit neuen Spielern wirklich zumuten möchte, ist im besten Fall fraglich.
Anders als andere Fighting Games hat Tekken nämlich eine ganze Menge Moves, was per se ja sogar ziemlich cool ist. Jeder Knopf hat etliche Variationen mit den verschiedenen Richtungstasten, anderen Buttons und natürlich als Teil von Kombos. Das alles muss man als Spieler aber erst selbst herausfinden.
Warum so umständlich?
Natürlich gibt es im Zeitalter des Internets genug Ressourcen, um sich das ganze Wissen außerhalb des Spiels anzueignen. Bandai Namco selbst veröffentlichte lustigerweise ein paar Starter-Guides, im Spiel bleiben die meisten Konzepte aber unerforscht. Immerhin: Das Heat-System wird ganz gut erklärt, dabei handelt es sich aber auch um ein zentrales neues Feature.
Damit soll das ganze Spiel nämlich ein wenig aggressiver werden. In den Heat-Mode gelangt man entweder manuell über einen bestimmten Button oder indem man seinen Gegner mit spezifischen Moves trifft. Letzteres versetzt den Charakter 15 Sekunden lang in den Heat-Modus, über den dedizierten Button sind es lediglich 10 Sekunden.
Im Heat-Modus haben wir etwa Zugriff auf den Heat-Smash, einen besonders starken Angriff, der die restliche Dauer des Heat-Modus konsumiert. Auch kann der Charakter nach spezifischen Moves einen Dash zum Gegner vollführen, was Kombo-Möglichkeiten erweitert.
Ein richtiger "Neutral Skip", wie man etwa den Drive Rush aus Street Fighter 6 bezeichnen könnte, ist das Heat-System aber nicht. Wer das eher defensive Gameplay aus Tekken 7 präferierte, muss also keine Angst haben, dass Tekken plötzlich ein ganz anderes Spiel ist.
Quelle: Bandai Namco
Das Heat-System sorgt ohnehin schon für die spannendsten Momente in jedem Match und die Entwickler hätten es durchaus sogar noch ein bisschen stärker machen können. Schließlich fungiert es sogar als eine Art Comeback-Mechanik, für die vorher lediglich das Rage-System zum Einsatz kam.
Rage und die damit verbundene Cutscene, die wir uns in fast jedem Match ansehen müssen, hätten wir in Tekken 8 jedoch definitiv nicht vermisst, wenn die Entwickler das durchaus spaßige Heat-System einfach erweitert und Rage dafür entfernt hätten.
In der Hitze des Kampfes
Heat ist zwar nicht allzu kompliziert, sorgt jedoch trotzdem vor allem für Nutzer, die mit einem ganz normalen Controller spielen, für ein gewisses Problem. In Tekken 7 befanden sich auf den Schultertasten Shortcuts für bestimmte Knopf-kombinationen, mit denen wir Moves ausführen konnten, bei denen mehrere Knöpfe gleichzeitig gedrückt werden müssen.
Mittlerweile ist hier standardmäßig jedoch die Heat-Aktivierung drauf. Moves, für die man auf dem Xbox-Controller etwa "X" und "B" gleichzeitig drückt, müssen nun also manuell ausgeführt werden. Ohne Klauengriff nur begrenzt möglich und in diesen möchte man ja nicht einfach mitten im Match wechseln. Dass das nicht sonderlich optimal ist, müssen wir vermutlich niemandem erklären.
Klar, lässt sich die Tastenbelegung einfach umändern, doch Neulinge müssen erst einmal herausfinden, dass es diese Moves überhaupt gibt, dass sie oft ziemlich gut sind und anschließend, welche Taste sich dafür überhaupt eignet.
Und das alles ist einfach ziemlich schade, denn Tekken 8 ist ein verdammt gutes Spiel ... für alle, die Tekken 5 bis 7 gespielt haben. Tekken-Fans erfreuen sich seit langem daran, dass sie Charaktere vor 20 Jahren lernen konnten und ihre gelernten Techniken auch Jahre später noch einsetzen können. Mittlerweile ist hier jedoch so viel dazugekommen, dass es für komplette Neulinge schlichtweg überfordernd sein kann.
Mash-Befehl
Zumindest versuchen die Entwickler, mit dem Special Style Tekken für neue Spieler und überzeugte Button-Masher interessant zu gestalten. Auf Knopfdruck öffnet sich eine separate Liste, durch die wir mit bloßem Button-Mashing teils imposante Kombos ausführen. Mehr ist das aber auch nicht.
Ob das auf Dauer, also mehr als etwa fünf Stunden, wirklich Spaß macht, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Tekken würde definitiv von einem ähnlichen System wie die Modern Controls aus Street Fighter 6 profitieren. Eine natürliche Chance zur Weiterentwicklung vom Button-Masher zum Tekken-Profi liefert der Special-Style nämlich nicht.
Natürlich wäre die Umsetzung bei Tekken bedeutend schwieriger, schließlich setzt das Fighting Game nicht wirklich auf die Spezialangriffe, doch der Langzeitspaßfaktor eines Fighting Games, also das Lernen des eigenen Charakters und das damit zusammenhängende Besserwerden, bleibt durch ein solches System erhalten.
Mit Tekkens Special Style spielt man das erste Mal genauso gut wie beim 200. Mal, lediglich fundamentale Aspekte von Fighting Games lassen sich damit üben, darunter etwa korrektes Spacing.
Schöner schlagen
Tekken 8 sieht wirklich fantastisch aus, es gibt keine technischen Mängel, das Gameplay macht sogar noch mehr Spaß als früher und die paar neuen Features haben zumindest uns sehr gefallen. Jeder, der bereits Fan von Tekken ist, sollte sich den neuesten Teil der Reihe daher nicht entgehen lassen.
Tekken 8 kaufen
Auch für pure Anfänger kann Tekken 8 durchaus sehr viel Spaß machen, wenn sie sich damit zufriedengeben, den Special Style zu nutzen oder eben die Zeit und Energie aufwenden, um das Spiel über YouTube-Tutorials und Ähnliches zu lernen. Wir wünschten uns einfach, die Reihe würde neue Spieler nicht einfach mitten in der Wildnis auszusetzen, ausgerüstet nur mit einem kaputten Kompass und einem stumpfen Messer. Transparenzhinweis: Die Version des Spiels wurde uns vom Publisher zur Verfügung gestellt.
