Sind Smartphones am Ende? Ich hab die Schnauze voll - und euch sollte es auch so gehen

Kolumne Johannes Gehrling
Sind Smartphones am Ende? Ich hab die Schnauze voll - und euch sollte es auch so gehen
Quelle: PC Games

Unser Autor hat keinen Bock mehr auf Smartphones und eine drastische Entscheidung gefällt. Welche und warum, erklärt er hier.

Hand aufs Herz: Wann hat euch ein neues Smartphone zum letzten Mal so richtig begeistert? Ich kann mich noch sehr gut erinnern, wann das zuletzt bei mir der Fall war, und das ist erschreckend lange her. Früher war jedes Apple-, Google- oder Samsung-Event eine Offenbarung, heutzutage gibt's jedes Jahr nur mehr vom selben. Ich bin es nur noch leid und habe eine drastische Entscheidung gefällt: Ich mache da nicht mehr mit. Und das solltet ihr auch nicht mehr.

Früher bedeuteten neue Smartphones Quantensprünge

Welches Smartphone war euer Erstes? Bei mir war es Anfang 2011 das allererste HTC Desire. Mein damaliger Vodafone-Mobilfunkvertrag bot zwar nur mickrige 300 MB Datenvolumen im Monat, aber diese Zeit mit meinem ersten Smartphone war absolut magisch. Ein kompakter PC in meiner Hosentasche, überall mit dabei und mit mobilem Internet, das war damals die absolute Offenbarung für mich als Technik-Fan. Aber es wurde noch besser.

Nur zehn Monate später beschenkte ich mich zu Weihnachten 2011 als frisch gebackener Student selbst mit einem nagelneuen Samsung Galaxy Nexus. Dafür habe ich damals stolze 535 Euro bezahlt, inflationsbereinigt sind das heute immerhin etwas mehr als 700 Euro. Also als Student nicht gerade ein Schnäppchen. Doch dieses Smartphone war wirklich jeden Cent wert und jahrelang mein treuer Begleiter.

Kartons verschiedener Smartphones und Tablets auf einem Ikea-Regal Quelle: PC Games So sah es vor weit über zehn Jahren im studentischen WG-Zimmer unseres Autos aus: stolze Präsentation der Technik in Form von Verpackungskartons auf einem Ikea-Regal. Der Sprung vom HTC Desire mit 3,5 Zoll LCD-Display, einer nach heutigen Maßstäben ziemlich miesen Kamera und einem viel zu kleinen internen Speicher zum Galaxy Nexus war gefühlt riesig. Mit 4,65 Zoll war der Bildschirm für damalige Verhältnisse geradezu gigantisch, dank 16 GB internem Speicherplatz konnte ich endlich bequem nach Herzenslaune Apps installieren und die deutlich bessere Kamera sowie OLED- statt LCD-Technik beim Display ließen mein Herz höher hüpfen. Noch heute erinnere ich mich mit herzchenförmigen Augen an mein geliebtes Galaxy Nexus zurück.

Es folgte mit dem Nexus 5 ein weiterer technischer Quantensprung, gefolgt von einem weiteren gefühlt gigantischen Schritt 2015, als ich mir das ultimative Nexus-Phone gekauft habe: das Nexus 6P. Seitdem folgten mit Pixel 2XL, Pixel 5 und zuletzt Pixel 7 Pro weitere (meistens kostspielige) Smartphone-Käufe, mit denen ich immer äußerst zufrieden war. Aber: Die Magie ist mittlerweile komplett raus. Was ist passiert?

Smartphones am Ende? Ich hab die Schnauze voll und mache da nicht mehr mit

Damals konnte man sein Smartphone mindestens zweijährlich, oft jährlich upgraden und sich trotzdem jedes Mal über gigantische technische Sprünge nach vorn freuen. Mein Galaxy Nexus war um Welten besser als das HTC Desire und als ich das Nexus 6P zum ersten Mal in der Hand hielt, kam mir das Nexus 5 auf einmal vor wie mindestens aus dem letzten Jahrzehnt. Doch heutzutage ist das leider nicht mehr so.

Smartphones in ihrer jetzigen Form sind im Grunde "zu Ende" entwickelt, da passiert nichts Weltbewegendes mehr. Foldables sind zwar ganz spannend, ändern aber auch rein gar nichts am grundlegenden Problem: Es lohnt sich einfach nicht mehr, alle zwei Jahre oder sogar jährlich ein neues Smartphone zu kaufen. Von den mittlerweile teils absurden Smartphone-Preisen mal ganz zu schweigen.

Mehr noch, selbst alle drei Jahre lohnt sich ein neues Smartphone kaum noch, die Fortschritte sind viel zu gering. Deswegen habe ich, so ziemlich der größte Technik- und Smartphone-Nerd, den ich kenne, eine drastische Entscheidung gefällt: Ich mache da einfach nicht mehr mit. Mein aktuelles Smartphone (Pixel 7 Pro) wird diesen Oktober zwei Jahre alt und ich werde es munter weiter benutzen. Mindestens noch ein weiteres Jahr. Das hat viele Vorteile.

Deswegen solltet ihr es genauso machen wie ich

Am offensichtlichsten: Ich spare einen Haufen Geld. Bei Preisen jenseits der 1.000 Euro-Grenze für ein aktuelles Top-Smartphone stecke ich die ganze Kohle lieber in sinnvollere Investitionen, von denen ich mehr habe als 5 Prozent mehr Leistung, die mir bei der Nutzung gar nicht mal auffallen. Außerdem schont es natürlich auch die Umwelt, wenn ich weniger konsumiere. Und dazu kommt auch noch: Ich erhöhte den Druck auf die großen Smartphone-Unternehmen, endlich mal wieder echte Innovationen zu entwickeln. Mir fallen da direkt ein paar Ideen ein.

Wie wäre es zum Beispiel endlich mal mit einer neuen Akku-Technologie? Wenn mein neues Smartphone auf einmal doppelt so lange mit einer Ladung auskommt, klingt das doch gleich wieder sehr viel spannender. Aber aktuell sieht es leider nicht danach aus, dass das bald passiert. Und solange das so ist, halte ich mich beim Smartphone-Kauf lieber zurück und empfehle euch, das auch zu tun. Es gibt einfach keine guten Gründe mehr, so oft so viel Geld für ein neues Smartphone auszugeben. Das war früher ganz anders. Ich erinnere mich mit viel Nostalgie und Freude an diese spannenden Kindertage der Smartphones zurück.

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