Die Tales-Reihe begleitet Freunde japanischer Rollenspielkost schon seit vielen Jahren von Konsole zu Konsole und PC zu PC. Kann der aktuelle Teil mit Schwergewichten wie Final Fantasy 15 mithalten oder verlässt sich das Spiel zu sehr auf eingebürgerte Genre-Klischees?
Velvet Crowe trägt nicht nur einen Stripper-Namen, sie kleidet sich auch dementsprechend in zerfetzten Hot Pants, Overknee-Strümpfen und einem roten Haltertop mit waghalsigem Underboob-Dekolleté. Aber bevor nun wieder die Schreie nach sexistischen Japano-Spielen laut werden: Ihr könnt der Dame und Heldin von Tales of Berseria auch einen weitaus harmloseren Fummel anziehen. Oder einen noch Freizügigeren. Ganz wie es beliebt!
Hinweis: Der Test der PC-Version ist derzeit noch in Arbeit. Ein Update mit Wertung zur PC-Fassung folgt in Kürze!
Black Velvet
Quelle: Bandai Namco
Die Umgebungen sind zwar oft recht farbenfroh, aber auch gleichförmig und ziemlich leer - von Monstern einmal abgesehen.
Einst war Velvet eine ganz normale fröhliche junge Frau. Ein wortwörtlich einschneidendes Erlebnis jedoch verwandelte sie in einen vergeltungssüchtigen Schatten ihrer selbst, und verflucht wurde die Gute auch noch - keine schöne Situation, aber die Ausgangslage von Tales of Berseria. Velvets Rachefeldzug schließen sich im Verlauf des etwa 50-stündigen Abenteuers diverse Mitstreiter an. Sie alle sind vielleicht keine einzigartigen Charaktere, dafür tragen sie zu viel Anime-Klischee-Ballast mit sich herum, sie wirken aber dennoch sympathisch und handeln einigermaßen nachvollziehbar. Dass der Protagonist des sechzehnten Teils der Tales-Reihe dieses Mal nicht ein unerträglich aufrichtiger Bessermensch ist, trägt eine Menge zum Vergnügen bei.
Präsentiert wird die Handlung einerseits durch nicht gerade überragend animierte Anime-Szenen. Dann gibt es noch die Zwischensequenzen, in denen die (recht hübschen) Spielmodelle der Figuren zu sehen sind. Gespräche in der Gruppe finden in Form von eingeblendeten Charakter-Artworks statt. Es gibt auf jeden Fall viel zu lesen und viel zu lauschen, die englische Sprachausgabe ist dabei einigermaßen in Ordnung, aber bei Weitem nicht so gelungen wie die japanische. Der Soundtrack ist unaufdringlich und somit schnell wieder aus dem Gedächtnis verschwunden.
Quelle: Bandai Namco
Die Knopf- und Tastenbelegung der Angriffe bestimmt ihr selbst. Wer die Seelenleiste im Auge behält, reiht theoretisch unendlich viele Kombos aneinander.
Fight like a girl
Ähnlich wie in den letzten Vorgängern werden Gefechte in Echtzeit ausgetragen, nachdem ihr ein herumlaufendes Gegnermodell berührt habt - Zufallsbegegnungen gibt es üblicherweise nicht. Ihr könnt alle Charaktere in eurer Party steuern und anpassen, der Clou ist das Aneinanderreihen von diversen Kombos. Blocken und Ausweichen könnt ihr auch, und wer sich geschickt anstellt, die Schwächen der Feinde ausnutzt und regelmäßig seine Spezialattacken entfesselt, der wird mit kaum einem Feind oder Boss im Spiel Probleme haben. Wer möchte, taucht sehr tief in das Kampf- und Ausrüstungssystem ein und hat zig Optionen zur Optimierung der Charaktere. Ein Muss ist das aber nicht.
Große, öde Welt
Quelle: Bandai Namco
Zwischen den einzelnen Charakteren in der Party kann man wechseln. Magier und Nahkämpfer unterscheiden sich im Kampfstil. Logisch!
Die Umgebung in Tales of Berseria ist nicht sonderlich ansprechend. In den zum großen Teil engen Level-Schläuchen gibt es außer flachen Texturen und ein paar glitzernden Sammelobjekten wenig zu sehen. Die Dungeons sind simpel aufgebaut und manchmal mit frustrierenden Schaltermechaniken versehen, die dafür sorgen, dass man viel in der Gegend herumlaufen muss. Ebenfalls Standardware sind eine Vielzahl der Nebenquests und die Welt, in der Tales of Berseria spielt. Die Monster werden euch auch nicht vom Hocker reißen. Dafür fühlt man sich als Japano-Veteran auf jeden Fall sehr wohl inmitten dieser ganzen etablierten Klischees. Die fünfzehn Vorgänger muss man indes nicht kennen, um in Tales of Berseria einzusteigen - wäre ja auch noch schöner! Die Story in Berseria ist zwar tatsächlich ein Prequel zu Tales of Zestiria aus dem Jahr 2015, aber die Verbindungen sind zum großen Teil vage. Immerhin spielt Berseria ganze tausend Jahre vor Zestiria. Beinahe tausendjährig fühlt sich übrigens der behäbige Einstieg des Abenteuers an, mit immer wieder aufploppenden Tutorial-Anweisungen und Erläuterungen, aber auch das wird Genre- und Serienfans bekannt vorkommen. Ein Lob geht in Richtung Kamera, anders als im Vorgänger gibt es kaum noch Momente, in denen die Übersicht von einer störrischen Linse zunichte gemacht wird. Durch viele bunte Effekte und herumwuselnde Feinde sowie Mitstreiter ist es ab und zu trotzdem schwierig, den Überblick in den Gefechten zu behalten, durch den moderaten Schwierigkeitsgrad sorgt das aber so gut wie nie für Frust.
