Wenig Sprungaufgaben, Kostüme, Technik, Fazit
Test
Super Mario Galaxy 1+2 gelten als zwei der besten 3D-Jump&Runs aller Zeiten - große Fußstapfen, in die Mario Odyssey tritt. Gelingt es, diese zu füllen?
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Nicht allzu sprunghaft
Noch einmal: Das klingt jetzt alles sehr negativ, ändert aber nichts an der Tatsache, dass Odyssey unheimlich viel Spaß macht, sogar während der "schlechten" Aufgaben. Die Gestaltung der Levels ist einfach famos gelungen, sodass man sie auch in diesen Momenten gerne besucht und die variantenreiche Steuerung macht es bereits zur Freude, einfach nur durch die Gegend zu rennen und zu hüpfen. Allerdings ist Quantität eben nicht alles und im Versuch, den Fans mehr als jemals zuvor zu bieten, haben die Entwickler sich einen Bärendienst erwiesen.
Noch zwei Kritikpunkte, dann wird's wieder positiver: Uns fiel auch auf, dass Odyssey gefühlt einen ganzen Zacken leichter ist als die 3D-Vorgänger. Zwar segnet einen regelmäßig das Zeitliche, aber meist nur aus Unachtsamkeit und nicht wegen großen Herausforderungen. Sogar das finale Herausforderungslevel hatten wir nach einer Handvoll Versuche gemeistert. Wer sich im Gegensatz dazu an "Welt Krone" aus Super Mario 3D World oder die "Großes-Finale-Galaxie" aus Super Mario Galaxy 2 erinnert, weiß, was für sadistische Aufgaben diese letzten Welten in der Mario-Reihe normalerweise zu bieten haben! Außerdem - und das hängt wohl direkt mit dem Schwierigkeitsgrad zusammen - fällt auf, dass die Missionen für ein Jump & Run relativ selten Hüpf-Geschick verlangen. Stattdessen stehen meist die Caper-Fähigkeiten und der Forscherdrang im Mittelpunkt. Das ist nicht per se ein Kritikpunkt, fällt aber auf.
Mützen für Münzen
Quelle: Nintendo
Ein Sinnbild für die schwächsten Sammelaufgaben im Spiel: Manche Monde lassen sich ganz einfach im Shop kaufen.
Wer einmal genug von der Monde-Sammelei hat, kann sich auch anderweitig die Zeit vertreiben - und zwar stattdessen mit dem Sammeln von Münzen. Wie erwähnt, lassen sich in den sogenannten Crazy Cap Shops in den Levels Sterne kaufen. Das ist aber nicht alles: Erstmals in der Mario-Geschichte werden die seit Anbeginn der Reihe bestehenden goldenen Münzen sinnvoll genutzt, kann man mit ihnen doch eine große Anzahl nach und nach freigeschalteter alternativer Kostüme und Hüte für Mario kaufen. Jawohl, erstmals in einem Hauptteil der Mario-Serie darf der pummelige Held aus seiner Latzhose raus! Spielerische Auswirkungen haben die Kostüme abseits einiger NPCs, die uns nur im richtigen Gewand Türen passieren lassen, nicht. Sie sehen aber durch die Bank toll aus! Neben einigen Neukreationen (Mario in Boxershorts!) erwarten uns hier zahlreiche Klamotten und Mützen aus der langen Karriere des sympathischen Italieners.
Im Grunde gilt: Wenn einem ein alternatives Kostüm einfällt, das Mario irgendwann einmal getragen hat, ist es mit großer Wahrscheinlichkeit im Spiel, und auch die Roben anderer Nintendo-Helden wie Luigi oder Wario lassen sich erstehen. Die Mario Paint-Schürze, das Mario Maker-Outfit und viele andere Gewänder erhalten hier endlich ihren großen zweiten Auftritt! Überhaupt ist das Spiel übersät mit Anspielungen, Secrets und Easter Eggs an frühere Mario-Spiele. Wer die Reihe seit jeher begleitet, wird zum Beispiel im Kino in New Donk City oder einem ganz speziellen Raum in einem Level im Endgame nicht mehr aus dem Grinsen herauskommen. Wie viel jüngere Spieler oder Neueinsteiger in die wunderbare Pilzkönigreich-Welt mit diesen Referenzen anfangen können, sei aber dahingestellt. Zusätzlich zu den normalen Münzen lassen sich in den meisten Levels übrigens noch jeweils 50 bis 100 besondere lila Münzen finden, die nur einmal gesammelt und in einem separaten Shop ausgegeben werden können. Neben weiteren Kostümen erhalten wir hier Sticker und Souvenirs, mit denen wir unser Flugschiff nach und nach verschönern können. Allerdings geschieht das automatisch - individuelle Anpassungsmöglichkeiten existieren nicht.
Quelle: Nintendo
Die von Super Mario Bros. inspirierten 2D-Abschnitte machen viel Laune.
Jump up, Superstar!
Wer mag, schaltet viele Kostüme übrigens auch per Amiibo frei. Nach dem Metroid: Samus Returns-Debakel, wo richtig coole Inhalte hinter der Plastikfiguren-Schranke versteckt waren, geht Nintendo hier aber zum Glück einen alternativen Weg. Alle Klamotten und Mützen lassen sich auch mit Ingame-Münzen kaufen, die Amiibo-Freischaltung spart lediglich Zeit. Ebenso kann man durch die Kunststoff-Männlein Hinweise auf der Suche nach Monden erstehen und muss dann keine Münzen bei Tod löhnen. Simpel, unaufdringlich, hilfreich - so und nicht anders muss eine Amiibo-Einbindung funktionieren! Ebenfalls simpel und unaufdringlich ist die technische Seite des Spiels. Der Mario-Stil ist wieder einmal extrem charmant gelungen und funktioniert sehr gut im Zusammenspiel mit den neuen Level-Stilen.Eine Grafik-Bombe darf man sich aber nicht erwarten. Teilweise matschige Oberflächen, sehr simple Hintergrundtexturen und seltene, leichte Ruckler ändern nichts daran, dass Odyssey zwar ein sehr hübsches Spiel ist. Ein grafisch beeindruckendes Abenteuer ist es aber auch nicht. Dafür sind die Ladezeiten sehr kurz, sogar beim Wechsel zwischen zwei Welten vergehen nur einige wenige Sekunden. Grundsätzlich gelungen ist die Musikuntermalung des Spiels. Ikonische Melodien, teilweise in verschiedenen Versionen, treffen auf gute neue Klänge, denen es aber teilweise am Ohrwurm-Charakter fehlt. Ausnahmen stellen aber auf jeden Fall die Musik im Hutland sowie das unverschämt eingängige Hauptthema "Jump up, Superstar!" dar. Sehr fein: Im Menü kann man alle Songs, die man freigeschaltet hat, abspielen und in jedem beliebigen Level laufen lassen.
Quelle: Nintendo
Besonders viel Spaß hatten wir in den Herausforderungsräumen, welche sich abseits der Hauptlevels finden lassen und stets einen bestimmten spielerischen Aspekt in den Mittelpunkt stellen.
Kein zweites Super Mario 64
Erfüllt Super Mario Odyssey (jetzt kaufen ) also die exorbitant hohen Erwartungen, die an ein neues Mario-Spiel normalerweise gestellt werden? Nein, definitiv nicht. Dazu ist es zu überladen und kleinere potenzielle Kritikpunkte wie der leichte Schwierigkeitsgrad und (zu) wenige Hüpf-Herausforderungen nagen an der Qualität. Lässt man jede Erwartungshaltung aber mal beiseite, dann bekommt man nichtsdestoweniger eines der besten 3D-Jump&Runs spendiert, welches der Markt derzeit zu bieten hat. Der in zahlreichen Aufgaben sehr, sehr hohe Abwechslungsreichtum, die extrem charmante Präsentation, die fast perfekte Steuerung und das gelungene Caper-Feature sorgen dafür, dass Odyssey auch in seinen schwächeren Momenten noch jede Menge Spaß macht. In 20 Jahren werden wir vielleicht nicht so nostalgisch auf das Switch-Abenteuer zurückschauen, wie wir es aktuell mit Super Mario 64 t un. Als einen würdigen Vertreter einer der ruhmreichsten Spiele-Serien aller Zeiten werden wir es aber wohl trotzdem in Erinnerung behalten. (Super Mario Odyssey in der Wikipedia.)
