Levels, Aufgaben und (zu) viel des Guten
Test
Super Mario Galaxy 1+2 gelten als zwei der besten 3D-Jump&Runs aller Zeiten - große Fußstapfen, in die Mario Odyssey tritt. Gelingt es, diese zu füllen?
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Landflucht
Aber wo führt die Reise hin, während der wir in Odyssey die Kontrolle über Mario übernehmen? Wie wohl nicht anders zu erwarten in zahlreiche Levels, welche nach dem relativ linearen Aufbau der Welten in den zwei Galaxy-Teilen wieder wie in Super Mario 64 und Super Mario Sunshine sehr offen aufgebaut sind. In diesen steht, anders als in Super Mario 3D World, nicht mehr das Erreichen einer Zielflagge, sondern die Suche nach versteckten Gegenständen im Mittelpunkt. Waren's in der Vergangenheit Sterne und Sonnen, sind diesmal konsequenterweise Monde dran. Schade: Eine Oberwelt, von der aus wir in die verschiedenen Levels gelangen, existiert diesmal nicht. Stattdessen wählen wir das Ziel unserer Reise, die als "Länder" titulierten Levels, auf einem hübsch gestalteten Globus aus, den wir mit unserem hutförmigen Flugschiff, der titelgebenden Odyssey, bereisen.Die meisten Levels sind dafür aber einen ganzen Zacken größer als in früheren Serien-Ablegern und es gibt ihrer auch mehr. Einmal in den Ländern angekommen, fällt auf, dass die Entwickler sich thematisch etwas mehr trauen als gewohnt. Die Klassiker wie Schnee-Welt, Lava-Level und Strand-Abschnitt gibt es zwar nach wie vor, sie wurden aber - ohne hier zu viel zu verraten - entweder neu interpretiert oder durch unerwartete zusätzliche Level-Ideen ergänzt. Beispielhaft dafür ist das bereits zur Enthüllung des Spiels gezeigte Land New Donk City, in dem Mario nicht nur durch eine Donkey Kong-Variante der US-Metropole New York City hüpft, sondern auch auf etwa doppelte so große wie er, realistisch gestaltete Menschen trifft. Seltsam, aber nach einer kurzen Gewöhnungsphase auch seltsam passend! New Donk City ist vielleicht das krasseste, aber nicht das einzige Beispiel dieses neuen Ansatzes. Den - übrigens sehr lebensecht gestalteten - T-Rex haben wir ja schon erwähnt. Besonders gut gefällt uns aber das Tutorial-Level des Spiels namens Hutland mit seiner Tim Burton-esken grafischen Gestaltung und der ebensolchen Musikuntermalung.
Quelle: Nintendo
Hutgeist Cappy macht es sich auf Marios Haupt gemütlich. Das sieht nicht nur lustig aus, sondern wird auch spielerisch vielfältig genutzt.
Mond und Mond gesellt sich gern
Das Gameplay selbst ist dann weniger gewagt und orientiert sich stark an dem, was Super Mario 64 anno 1996 etabliert hat. Wie schon gesagt - am Monde hängt, zum Monde drängt doch alles. Wo uns in den bisherigen Hüpfer allerdings klassischerweise 120 beziehungsweise durch das New Game Plus in den Galaxy-Spielen maximal 242 Sterne erwarteten, die es zu sammeln galt, haben die Entwickler diesmal anscheinend vergessen, den Collectibles-Hahn nach dem Öffnen wieder zuzudrehen: Da wir diese Zeilen schreiben, nennen wir insgesamt stolze 996 Monde unser Eigen und es gibt immer noch einige, die es zu entdecken gibt! Jedes Land ist geradezu gespickt mit den leuchtenden Goodies, die notwendig sind, um ein Level abzuschließen.Neben einer Handvoll Story-relevanter Monde gilt es stets, eine bestimmte Anzahl zu finden, um zur jeweils nächsten Welt zu gelangen. Auch als nicht allzu sammelwütiger Spieler sollte man die gefragte Menge stets mühelos in kurzer Zeit zusammenbekommen. Der Rest der Monde ist für diejenigen gedacht, die auch abseits der primären Route weiterforschen und nach dem Abspann zusätzliche Herausforderungen und alle Länder freischalten wollen. Übrigens wird man diesmal nicht mehr nach dem Erhalt eines Collectibles aus dem Level gekickt, was angesichts der riesigen Anzahl an Monden auch extrem nervig wäre, sondern kann einfach direkt weitersammeln. Mehr Monde heißt mehr Spielzeit heißt mehr Spielspaß - alles supi also, oder? Nun, so einfach ist die Sache dann leider doch nicht. Ein großer Teil der Aufgaben ist wirklich sehr, sehr gut und abwechslungsreich gestaltet und erfordert einerseits, dass wir die Welt genau beobachten und richtig lesen und andererseits mit allen Möglichkeiten, die sich uns bieten, umzugehen lernen.
Quelle: Nintendo
Einmal gekauft, kann man in der Odyssey zwichen einer Vielzahl an Kostümen und Hüten für den Helden wählen. Viele davon stellen Hommagen an frühere Mario-Spiele dar.
Zwar sind die Missionen in ihrer Machart nicht revolutionär - eine sie auszeichnende Idee wie das Gravitations-Feature aus den Galaxy-Teilen gibt es nicht -, das ändert aber nichts an ihrer Qualität. Momente wie eine Moped-Flucht vor einem T-Rex, das Erklimmen eines gewaltigen Hochhauses und vor allem die zahlreichen Herausforderungsräume á la Super Mario Sunshine, in denen meist ein bestimmter Move oder eine bestimmte gecaperte Figur im Mittelpunkt stehen, werden uns noch lange in Erinnerung bleiben. Auch die von den Ur-Mario-Spielen inspirierten 2D-Retro-Abschnitte sind eines aufs andere Mal toll gelungen.
Maue Monde in Masse
Hierbei sprechen wir allerdings "nur" von einigen hundert Monden. Der Rest entpuppt sich leider als sehr uninspiriertes Füllwerk. Da gilt es dann, einfach mit einem bestimmten NPC zu reden, an leuchtenden Stellen am Boden Stampfattacken auszuführen, lustlos und kaum versteckte Monde am Wegesrand einfach aufzuklauben oder gar einfach mit gesammelten Münzen Sterne im Shop zu kaufen (dazu gleich mehr). Diese und ähnlich monotone Aufgaben gibt es allenthalben und gerade gegen Ende des Spiels beziehungsweise im Endgame stellen sie das Gros der Beschäftigung dar. Sehr schade! Wir hätten deutlich weniger, dafür konsistent bessere Herausforderungen vorgezogen. Hinzu kommt, dass sich viele auch der besseren Aufgaben oft wiederholen. Wir möchten gar nicht wissen, wie oft wir insgesamt gegen Bowsers neue Schergen, eine Gruppe fieser Hasen, in Bosskämpfen angetreten sind.
Quelle: Nintendo
Die Bosse sind zu einfach und wiederholen sich oft, sind aber kreativ und spaßig gestaltet.
Apropos Bosse: Ganz die Klasse der Fieslinge aus den 3D-Vorgängern erlangen sie nicht, sie sind teilweise aber wieder einmal sehr kreativ gestaltet. Hinzu kommt, dass nicht alle Aufgaben in den Levels von Anfang an freigeschaltet sind und es teilweise schwer nachvollziehbar ist, wann neue Monde in bereits besuchten Ländern gefunden werden können. Außerdem sind manche Monde dermaßen obskur versteckt - vor allem jene, die man per Stampfattacken emporholt -, dass man oftmals verleitet ist, die zwei Hilfefunktionen im Spiel zu nutzen: Einen Toad, der einen den Fundort der Monde gegen Bezahlung verrät und einen Papagei, der den Namen der Aufgaben offenbart.
