Stronghold: Die charmante Burgenbau-Simulation im Retro-Special - mit Video!
Special 22,49 €
Mit ihrem 2001 erschienenen Erstlingswerk Stronghold legten die britischen Firefly Studios die Basis für eine der erfolgreichsten Echtzeitstratgieserien aller Zeiten. Insgesamt acht Nachfolger brachten die Macher in den folgenden Jahren auf den Markt. Das Original blieb dabei jedoch stets unerreicht. Warum? Das verraten wir im Retro-Special.
Kommt das Gespräch auf das Thema klassische Echtzeitstrategie, werden oftmals dieselben Namen in den Konversationsmixer geschmissen: Age of Empires, Command & Conquer, War- beziehungsweise Starcraft. Denke ich an das Genre, dann kommt mir meistens allerdings nur eines in den Sinn: "Wir haben nicht genügend Holz, Mylord!" Das ist der ikonische Sound von Stronghold (jetzt kaufen 16,90 € / 22,49 € )- dem Erstlingswerk der britischen Firefly Studios. Das erschien ursprünglich 2001 für den PC und bescherte Hobbystrategen sowie Burgenbauern dutzende Stunden Spielspaß.
Herzstück des Spiels ist die mehrere Stunden füllende Militärkampagne. Die erzählt eine, zugegebenermaßen wenig aufregende, Geschichte rund um einen jungen aufstrebenden Feldherren. Mit dem müsst ihr, nachdem der König von Barbaren gefangen genommen wurde und sein Land folglich im Bürgerkrieg versank, wieder für Recht und Ordnung sorgen. Dafür stellt ihr euch vier Lords, die das Königreich unter sich aufgeteilt haben, und erobert die Grafschaften Schritt für Schritt zurück.
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Krieg und Frieden
Verpackt ist diese Handlung in insgesamt 21 unterschiedliche Missionen, in denen es Eindringlinge abzuwehren und Feinde zu zerstören gilt. Klingt erst einmal wenig aufregend, Stronghold zeigt sich bei der Umsetzung der zunächst recht simpel anmutenden Aufgabe aber schön abwechslungsreich. In einer Mission geht es etwa darum, eine Bierproduktion aufzubauen, die Fässer an einen Verbündeten zu liefern und mit den im Gegenzug erhaltenen Unterstützungseinheiten die feindlichen Eroberungsversuche abzuwehren.
Quelle: PC Games
In der deutschen Version von Stronghold erobert ihr eine Karte der BRD Stück für Stück zurück. Das ist zwar historisch inkorrekt, aber dennoch unterhaltsam.
Darüber hinaus überzeugt die Kampagne mit einer stetig steigenden Lernkurve. Seid ihr zu Beginn nur mit recht wenig Ressourcen, Einheiten und Gebäuden versorgt, steht euch am Ende die volle Bandbreite zur Verfügung - was durchaus von Vorteil ist, da auch die Gegner immer fordernder werden. Mit der Ratte, der Schlange, dem Schwein und dem Wolf stehen euch vier jeweils sehr unterschiedliche Widersacher gegenüber. Die verfügen nicht nur über eine eigene Persönlichkeit, die sie in kurzen Nachrichten immer wieder zum Besten geben, jeder Charakter spielt auch nach einer individuellen Philosophie. Während die Ratte etwa auf leichte Einheiten und teils verwirrend verwinkelte Burganlagen setzt, baut der Wolf massive Festungen, die er mit schwer gepanzerten Truppen besetzt. So sind stets andere Taktiken gefragt, um am Ende zu triumphieren.
Glücklicherweise dürft ihr in Stronghold aus einer breiten Palette von Einheiten wählen. Egal ob Nah- oder Fernkämpfer, Baumeister mit Belagerungsgeräten, Leiterträger oder Tunnelgräber - das Spiel hält alles bereit, was das Mittelalter so zu bieten hatte. Ein komplexes Schere-Stein-Papier-Prinzip wie in anderen Genrevertretern gibt es allerdings nicht. Auf Konter à la Age of Empires, wo ihr mit Speerkämpfern berittene Einheiten ausstecht, müsst ihr also verzichten. Ausschlaggebend sind viel mehr die Stärke und Gesundheit eurer Kämpfer - wodurch die Kriegsführung aber leider schon mal etwas anspruchslos wird. Manchmal reicht es, einfach ein möglichst großes Heer aufzubauen und den Gegner damit zu überrennen. Zumindest in der Kampagne wird dem aber dadurch entgegengewirkt, dass die Rekrutierung von Truppen Gold und Waffen kostet. Und die müsst ihr natürlich auch erstmal irgendwo herbekommen.
Quelle: PC Games
Die Hintergrundgeschichte von Herzog Truffe, genannt "das Schwein", ist es auf jeden Fall wert, einmal durchgelesen zu werden.
Die Goldvorräte sind zu knapp, Sire!
Entsprechend fußt eine erfolgreiche Kriegsführung in Stronghold natürlich auf einer funktionsfähigen Wirtschaft. Ihr müsst also mit Ressourcen haushalten, Steuern eintreiben und Güter herstellen. Auch dabei sind ein paar Unterschiede zur Konkurrenz auszumachen. So spielt der RTS-Oldie etwa nur im Mittelalter - unterschiedliche Völker, Epochenaufstiege, Upgrades und Technikbäume sucht ihr also vergebens.
Quelle: PC Games
Wirtschaften in Stronghold ist vergleichsweise unkompliziert - vorausgesetzt eure Widersacher zerstören nicht eure Produktionsgebäude.
Auch sonst zeigt sich Stronghold vergleichsweise unkompliziert: Bauzeiten für Gebäude gibt es keine, ebenso wenig wie komplexe Produktionsketten. Im Grunde werden nur zwei Grundrohstoffe benötigt: Bereits mit Stein und Holz kommt ihr wirklich gut herum, könnt nicht nur Gebäude bauen, sondern auch Waffen wie Lanzen oder Bögen herstellen, die einem zu Beginn gute Dienste leisten. Wer es etwas ausgefallener haben möchte, der kann auch noch Eisen oder Pech abbauen. Das war's dann aber auch schon. Lediglich bei der Nahrungsgewinnung wird es etwas vielschichtiger. Neben Käsereien und Obstplantagen gibt es etwa auch noch Kornfelder, deren Ernte ihr in Mühlen und Bäckereien weiterverarbeiten müsst. Um aus Hopfen Bier herzustellen, braucht es natürlich eine Brauerei.
Das mutet alles in allem immer noch wenig herausfordernd an - gerade im Kontrast zu den Produktionsketten eines Anno. Trotz der einfachen Basics kann Stronghold aber doch recht anspruchsvoll werden, gerade wenn es mit steigender Spielzeit und Bevölkerung gilt, eine konstante Versorgung am Laufen zu halten. Bäume sind irgendwann abgeholzt. Wild-Jagdbestände irgendwann vollends ausgedünnt. Da ist es wichtig, langfristig zu planen, mehrgleisig zu fahren und eure Bürger bei Laune zu halten. Die sind schließlich für den wichtigsten Faktor des Spiels verantwortlich: Die Beliebtheit eures Herrschers. Stehen zu wenig Nahrung sowie zu wenig Unterkünfte zur Verfügung, oder ist das Volk von Krankheiten und Wuchersteuern geplagt, dann bringt das euren Burgherrn in Verruf. Euer Ansehen fällt in den Keller und die Leute verlassen irgendwann die Siedlung, wodurch teils ganze Betriebsketten zum Erliegen kommen. Erst wenn ihr das Burgleben mit Bierausschank, doppelten Rationen oder Gärten wieder attraktiver macht, lockt das die Leute zurück.
Quelle: PC Games
Rutsch eure Beliebtheit in den Keller, legen eure Untertanen in großem Umfang die Arbeit nieder.
Ein audiovisuelles Erlebnis - dank HD-Version
Aber im Grunde will man ja eigentlich auch, dass es seinem Volk gut geht, macht dieses doch den besonderen Charme von Stronghold aus. In eurer Siedlung herrscht gefühlt Dorfklima: Ihr seid mit euren Untertanen auf Du und Du, man kennt und man schätzt sich. Jeder Dorfbewohner hat einen eigenen Namen, grüßt anständig, wenn man auf ihn klickt, und geht ansonsten - mal mehr mal weniger fleißig - seinem Tagwerk nach. Dazu kommen ein paar nette Details wie gackernde Hühner vor dem Kornspeicher oder ein Hofnarr, der im Bergfried seine Späße treibt. Das vermittelt eine schön harmonische Mittelalter-Atmosphäre. Ganz zu schweigen vom stimmungsvollen Soundtrack aus der Feder von Robert Euvino, dessen Castle Jam ich etwa stundenlang zuhören könnte.
Quelle: PC Games
Gerade bei der Eroberung feindlicher Festungen ist einiges an Taktik gefragt. Wer stumpf auf den Gegner zuläuft, rennt damit meist direkt in den Tod.
Dabei ist Stronghold, dank seines zeitlosen 2D-Stils, auch heute noch grafisch nett anzuschauen. Ja, die Inszenierung mit animierten Dialogen statt Zwischensequenzen ist eher minimalistisch. Dafür herrscht auf dem Schlachtfeld aber ordentlich Action. Wenn Türme bröckelnd in sich zusammenfallen, Triböcke mit Kuhkadavern werfen und dutzende Gegner dank Pechgruben in Flammen aufgehen, ist das ein eindrucksvolles Erlebnis für Augen und Ohren. Besonders, wenn ihr die 2012 erschienene HD-Version spielt, die nochmal mit hochauflösenden Texturen versehen wurde.
Das Original bleibt unerreicht
Abgerundet wird das ganze durch einen ordentlichen Umfang. Neben der eingangs erwähnten Kampagne erwarten euch auch noch zusätzliche Spielmodi, die sich wahlweise mehr auf Militär oder Wirtschaft konzentrieren. In den Belagerungen verteidigt ihr etwa ikonische Burgen wie König Artus' legendäres Schloss Camelot oder die thüringische Wartburg. Im Freien Bauen konzentriert ihr euch dagegen voll auf die Errichtung einer produktiven Grafschaft, ohne euch um feindliche Übergriffe Gedanken machen zu müssen. Und natürlich wäre da dann noch der Karten-Editor, mit dem sich eine Vielzahl neuer Szenarien erstellen oder einfach nur herausfinden lässt, wer denn nun eigentlich stärker ist: 1000 Bogenschützen oder 100 gepanzerte Schwertkämpfer?
Zählt man dann noch den Mehrspieler-Part dazu, in dem ihr euren Freunden ritterliche Beleidigungen an den Kopf werfen könnt ("Klappe, Knappe!"), entpuppt sich Stronghold als wahrer Echtzeitstrategiehit, der bei vielen völlig zu Unrecht unter dem Radar fliegt. Ja, die Nachfolger konnten aufgrund von fehlender Gameplay-Innovationen, verkorkster 3D-Grafik oder Fantasy-Elementen nicht mehr ganz so überzeugen. Das gute alte Original hole ich aber immer wieder gerne mal aus der Mottenkiste, um in mittelalterlicher Burgromantik zu schwelgen.
Quelle: PC Games
Steuern zu hoch? Feind im Anmarsch? Rationen zu niedrig? Eure Bürger haben zu fast jeder Situation einen passenden Spruch parat.
