Retrospecial zu Metroid Fusion: Darum ist das Sci-Fi-Abenteuer bis heute ein Meisterwerk
Special
Die parasitären Metroids sind für Kopfgeldjägerin Samus Aran ja fast schon ein alter Hut. Im GBA-Klassiker Metroid Fusion machte ihr stattdessen eine gänzlich neue Bedrohung das Leben schwer ... In unserem Retrospecial blicken wir auf das Handheld-Abenteuer zurück und erklären, warum es bis heute nichts von seinen Qualitäten eingebüßt hat. Inklusive Retrovideo!
Denkt man an Metroid, so kommen einem wohl primär zwei Spiele in den Sinn: Super Metroid und Metroid Prime, beide extrem wichtige Abenteuer, welche die Spielelandschaft über den Serienkosmos hinaus nachhaltig geprägt haben. Allerdings, daneben gibt's noch viele weitere geniale Abenteuer rund um Kopfgeldjägerin Samus Aran, manche, die auf ihre Art in vielen Aspekten vielleicht sogar noch ein Stück besser sind als die beiden genannten Serienteile.
In diesem Artikel
Ein Satz mit X
Majestätsbeleidigung? Möglicherweise. Aber gerade mit Blick auf das geniale Metroid Fusion unserer Meinung nach gerechtfertigt. Ende 2002 fast zeitgleich mit dem ersten Ausflug der Serie in die 3D-Welt, Metroid Prime, veröffentlicht, kam und kommt ihm nicht ganz die Aufmerksamkeit zu, die es verdient.
Dabei orientiert sich Fusion stark an der spätestens mit Super Metroid etablierten Struktur, erweitert und verändert sie aber an einigen Stellen - kein Wunder, waren doch dieselben Entwickler für beide Spiele verantwortlich. Noch mehr als zuvor wurde Wert auf eine für Nintendo-Verhältnisse komplexe Geschichte gelegt. Bis heute ist Fusion der Teil der Reihe, der am weitesten hinten in der Timeline angesiedelt ist. Wir schlüpfen in die Haut einer Samus Aran, die schon zahllose Schlachten in ihrem Leben geschlagen hat und somit einerseits eine extrem toughe Kämpferin ist, andererseits aber auch einen ausgeprägten moralischen Kompass hat.
Quelle: PC Games
Die Geschichte wird oft in hübsch gezeichneten Standbildern vorangetrieben. Noch vor Other M kam Samus in Fusion übrigens erstmals selbst in Monologen zu Wort!
Umso tragischer, dass sie zu Beginn des Abenteuers all ihre Kräfte verliert, nachdem sie auf dem Planeten SR388 von der bis dahin unbekannten parasitären Lebensform X angegriffen wird. Dem Tod nahe, gelingt es Forschern der galaktischen Föderation nur knapp, sie zu retten. Vollkommen geschwächt, ist sie nun auf eine enge Zusammenarbeit mit der Föderation angewiesen, welche sie nach einer Explosion an Bord der dubiosen Forschungsstation Biologic Space Laboratories, kurz B.S.L., schickt, die im Orbit von SR388 schwebt. Schnell stellt sich heraus: Die X haben nicht nur Samus beinahe ins Kopfgeldjäger-Nirwana geschickt, sondern noch weit mehr Schaden angerichtet ... Was nach dieser Prämisse folgt, ist ein Lehrstück dafür, wie man mit vergleichsweise beschränkten Möglichkeiten das Maximale herausholen kann. Die Geschichte wird einerseits in textbasierten Dialogen zwischen Samus und der herrischen KI der galaktischen Föderation vorangetrieben, welche jederzeit an ihrer Seite ist, andererseits durch Monologe Samus', die Einblicke in ihre Gedankenwelt geben, ohne in die Kitsch-Kanonade eines Metroid: Other M abzugleiten und weiterhin durch toll gezeichnete Standbilder und sogar kurze Ingame-Zwischensequenzen.
Quelle: PC Games
Wer am Ende des Abenteuers die magische 100-Prozent-Fortschrittsmarke am Ergebnisbildschirm sehen will, der kommt nicht umhin, Gebiete mehrmals zu erforschen.
Diese verschiedenen Methoden fügen sich wunderbar zu einem kohärenten Ganzen zusammen und lassen einen prima in die wendungsreiche Erzählung abtauchen. Doch die beste Geschichte muss von einer starken Atmosphäre getragen werden und Fusion geht dankenswerterweise auch hier in die Vollen. Trotz 2D-Ansicht und 16-Bit-Grafik ist die B.S.L. ein beeindruckend realistischer, bedrohlicher Ort. Zerstörte Strukturen erzählen allenthalben von den schrecklichen Ereignissen, welche die gesamte Besatzung an Bord dahingerafft haben, Funken fliegen, das Licht flackert, generell wird extrem geschickt mit Licht und Dunkelheit gespielt. Hinzu kommen sehr abwechslungsreiche Areale, die uns etwa in eisige Bereiche, lavagefüllte Hallen oder von ekligen Wurzeln überwucherte Gänge führen. Metroid Fusion ist damals wie heute ein technisches wie künstlerisches Meisterwerk! Das gilt auch für die Musik und den Sound. Je nach Situation sind die Stücke entweder treibend und stressinduzierend, episch, leise und zurückgenommen oder, dem Weltall-Setting entsprechend, wunderbar bizarr. Die dröhnenden Schreie der Feinde, Samus' je nach Untergrund unterschiedliche Schritte und die Geräuschkulisse der Station selbst runden diesen visuellen und auditiven Genuss ab.
Linearität mit Sinn und Zweck
Zudem arbeitet das Spiel geschickt mit Elementen, die schon früh gezeigt werden, aber erst später ihre wahre Bedeutung offenbaren, was die teilweise richtiggehend gruselige Stimmung weiter unterstreicht. Der eingefrorene Leichnam Ridleys oder der unheilvolle Schatten Nightmares, der im Hintergrund vorbeizischt, stellen uns auch heute noch nur beim Gedanken daran die Nackenhaare auf. Kurzum: Metroid Fusion ist absolut herausragend, was die Präsentation angeht - und kann die hohe Qualität dankenswerterweise auch auf die spielerische Ebene übertragen. Im Prinzip ist es ein klassisches Metroid durch und durch. Wir landen mit unserem Schiff an einem unbekannten Ort, erforschen nach und nach die große, zusammenhängende Welt und erweitern unser Arsenal, um zu Orten zu gelangen, die beim ersten Besuch noch nicht zugänglich waren.
Sind wir zu Beginn lediglich zu einem kleinen Sprung fähig und verfügen über den schwachen Powerbeam, so steht uns nach einer Weile ein riesiges Arsenal bestehend unter anderem aus Morphball samt Bomben und Superbomben, alles durchdringendem Wavebeam, verheerenden Eisraketen und anderen Argumentationsverstärkern zur Verfügung. Zudem können wir dann mit ein wenig Knöpfchendrück-Geschick unbegrenzt durch die Luft springen und, sobald wir die ikonische Screwattack freigeschaltet haben, mit einem beherzten Wirbelsprung die meisten Standardgegner mit nur einer Attacke in die ewigen Weltraum-Jagdgründe schicken. So weit, so bekannt, so spielerisch befriedigend. Eingebunden sind diese Fähigkeiten aber in ein lineareres Erlebnis als man das gerade von Super Metroid gewohnt ist. Anstatt uns relativ frei die verschiedenen Areale der B.S.L. erforschen zu lassen, führt uns unser KI-Begleiter recht strikt von einem Auftrag zum nächsten, ohne dass wir allzu viele Bereiche schon frühzeitig zu Gesicht bekommen können. Ermöglicht wird diese Linearität durch relativ viele Barrieren, deren Entsperrung nicht nur von den vorhandenen Items, sondern auch schlicht vom Storyfortschritt abhängt, etwa indem wir farblich codierte Türen mittels spezieller Terminals öffnen.
