Street Fighter 2: Wir blicken zurück auf eines der einflussreichstem Beat'em'Ups aller Zeiten
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Im Rahmen der Street Fighter 30th Anniversary Collection kehrte der Titel auf aktuelle Konsolen zurück, musste sich sein Rampenlicht aber mit mehreren anderen Spielen teilen. DIesmal jedoch steht ausschließlich Street Fighter 2 im Mittelpunkt! Wir zollen dem wichtigsten Beat 'em Up aller Zeiten unseren Tribut und erklären euch in unserer Retro-Reportage, wie es Street Fighter 2 geschafft hat, zu einer echten Legende zu werden.
Wir schreiben das Jahr 1993. Es ist Januar. Die Weihnachtsferien sind gerade erst vorübergegangen und der Schulalltag hat wieder seinen Lauf genommen.
In diesem Artikel
Doch irgendetwas hat sich über die freien Tage geändert. Auf dem verschneiten Schulhof wird getuschelt und diskutiert. Es fallen Sätze wie "Ken hat den besseren Feuerball!" oder "Sagat ist total unfair!". Einige der zumeist männlichen Schüler springen in die Luft und reißen dabei ihre Faust gen Himmel. Was war nur passiert? Eine Frage, die sich Lehrkräfte und Eltern gleichermaßen stellen. Besitzer eines Super Nintendo Entertainment Systems kennen die Antwort. Denn kurz vor Weihnachten, genauer gesagt am 17. Dezember 1992, kommt mit Street Fighter 2 aus dem Hause Capcom ein Spiel auf den Markt, welches bald Videospielgeschichte schreiben wird.
Quelle: PC Games
In den Folgeversionen kamen neue Charaktere samt Stages hinzu, wie hier zum Beispiel Dee Jay und T. Hawk – spielerische Veränderungen inklusive.
Das Vorwort hierzu wurde jedoch schon Jahre zuvor in den japanischen Spielhallen geschrieben. Bereits im Februar 1991 löste Street Fighter 2 in seinem Heimatland einen regelrechten Fighting-Game-Boom aus, der nebenbei auch noch für ein Revival der Arcade-Szene sorgte. Das goldene Zeitalter der Prügelspiele war angebrochen - und Capcom stand fern jeder Konkurrenz an der Spitze der Hierarchie. Doch woher kam nur diese weltweite Euphorie, dieser globale Wettstreit um das Privileg, sich im eigenen Freundeskreis Street Fighter-Champion nennen zu dürfen? Um diese Frage zu klären, reicht es nicht, die Antwort vor dem heimischen Fernsehapparat zu suchen. Die ersten Anhaltspunkte lassen sich stattdessen am Ausgangspunkt von Street Fighter 2 finden - der Spielhalle.
Ein Platz in der Arcade
Quelle: PC Games
Was, nur acht magere Charaktere? Ja, doch im Jahr 1990 war ein so großer und vielseitiger Cast eine sensationelle Innovation.
Bevor wir uns aber tiefgreifend mit der Faszination hinter Street Fighter 2 beschäftigen, sollte der Vollständigkeit halber zunächst geklärt werden, worum es bei dem Spiel eigentlich genau geht. In Street Fighter 2 entscheidet ihr euch zunächst für einen von insgesamt acht verschiedenen Kampfsportlern und müsst im Anschluss die restlichen sieben Kontrahenten im Zweikampf besiegen. Ist dieses Ziel erreicht, warten daraufhin noch vier gefährliche Großmeister darauf, von euch auf die Matte geschickt zu werden. Geht ihr auch aus diesen Duellen siegreich hervor, bekommt ihr einen kurzen Abspann zu sehen, dürft euer aus drei Buchstaben bestehendes Kürzel in die Highscore-Liste eintragen und werdet abschließend mit einem orangefarbigen Game Over aus dem Spiel entlassen.
Quelle: PC Games
Eine Szene, die Geschichte schrieb: Ryu verpasst seinem Freund und Rivalen Ken einen mächtigen Shoryuken.
Klingt jetzt nicht gerade sonderlich umfangreich oder motivierend, nicht wahr? Um das Phänomen von Street Fighter 2 verstehen zu können, muss der Zeitgeist und das Umfeld des Spiels berücksichtigt werden. Die Spielhallen der 80er und frühen 90er waren geprägt von einem schnellen Zock, für den man sich fix in die nächste Arcade begeben musste. Anstelle von Fighting Games fanden sich dort aber vornehmlich Sidescroll-Shooter, Rennspiele und Geschicklichkeitsspiele. Street Fighter 2 allerdings brachte 1991 eine völlig neue Gameplay-Facette mit ein: der kompetitive Wettstreit. Der Kampf gegen die CPU-Gegner verkam schnell zur Nebensache, viel wichtiger hingegen waren die Versus-Duelle gegen andere menschliche Spieler, welche sich ebenfalls in der Spielhalle versammelten.
Quelle: PC Games
Viele Stages warten mit jeder Menge Details auf, die sich in mehreren Sprites auch bewegen. In China etwa fahren öfters mal mehrere Fahrradfahrer vorbei.
Plötzlich war es nicht mehr wichtig, einfach zum Ende des aktuellen Levels zu kommen. Es galt, innerhalb von maximal drei Runden zwei für sich zu entscheiden, damit man nicht gezwungen war, für ein weiteres Spielchen neues Geld in den Automaten zu schmeißen. Doch auch wenn man nicht selbst Hand an den Arcadestick legte, ließ die Faszination am Spiel nicht nach. Wer nämlich genau aufpasste, konnte sich von geübten Spielern so manchen Trick abschauen, den man zuvor noch nicht kannte.
Innovation Galore!
Zu lernen und zu beachten gab es bei Street Fighter 2 eine ganze Menge, denn jeder der insgesamt acht Charaktere spielte sich grundlegend anders und hatte ganz eigene Spezialattacken im Repertoire. Die zierliche Chun-Li etwa besiegte ihre Gegner dank ihrer hohen Geschwindigkeit und Agilität, der langsame Yoga-Meister Dhalsim verließ sich hauptsächlich auf die weit reichenden Angriffe seiner dehnbaren Arme und Beine, während der hünenhafte Russe Zangief es wie kein Zweiter verstand, seine Kontrahenten mit brutalen Wrestling-Griffen zu zermürben.
Quelle: PC Games
So war das in den 90ern: In den Bonusrunden musste man auch mal innerhalb von 40 Sekunden ein Auto kaputtkloppen.
Dank der großen Charaktervielfalt konnte Street Fighter 2 ein hohes Maß an Dauermotivation mitbringen, welche durch das innovative Combo-System noch weiter erhöht wurde. Mit dem richtigen Timing war es nämlich möglich, mehrere Attacken miteinander zu verketten, ohne dass der Gegner dazwischen in der Lage war, die folgenden Hiebe zu blocken. Für Combos dieser Art brauchte es jedoch schon weitaus mehr Übung als für die normalen Spezialattacken, welche sich mit Viertel- oder Halbkreis-Bewegungen samt Knopfdruck ausführen ließen. Von allen Street Fighter-Titeln (siehe Kasten auf Seite 72) setzt der zweite Teil bis heute die genaueste Eingabe voraus.
Extra: Besiege den Göttlichen Drachen!
Weit mehr als nur ein Tippfehler.
Quelle: Capcom
Street Fighter 2: Wir blicken zurück auf eines der einflussreichstem Beat'em'Ups aller Zeiten
"You must defeat Sheng Long to stand a chance!" - Ein Satz, der bis zum heutigen Tag fest mit Street Fighter 2 verbunden ist. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit recht groß, dass viele Spieler ihn gar nicht zu Gesicht bekommen oder das Mysterium nicht mitverfolgt haben. Im Grunde handelt es sich nämlich um nichts anderes als eine Fehlübersetzung der englischen Automatenversion, in der Ryu als Siegeszitat genau diesen Satz über seinen geschlagenen Kontrahenten ausspricht. In Wahrheit bezieht sich der Begriff Sheng Long aber auf seine berühmte Spezialattacke namens Shoryuken. In der Konsolenumsetzung wurde der Satz zwar ins richtige "You must defeat my Dragon Punch to stand a chance" geändert, doch das Gerücht über einen versteckten Charakter namens Sheng Long, den Meister von Ryu und Ken, hielt sich hartnäckig.
Das amerikanische Spielemagazin EGM machte sich sogar einen Spaß daraus, für die April-Ausgabe gefakte Bilder und Infos zu veröffentlichen, wie man Sheng Long in Street Fighter 2 finden und herausfordern kann. Erst mit Street Fighter 4 veröffentlichte Capcom einen spielbaren Charakter, auf den diese Beschreibung passte - allerdings unter dem korrekten Namen Gouken.
