Stonefly im Test: 3D-Platformer lässt Däumelinchen mit Kampf-Robotern spielen
Test
Wer chillige Electro-Beats und Naturoptik als gelungene Kombination empfindet, dem könnte Stonefly gefallen. Jedenfalls ist das die Prämisse, die sich die Entwickler von Flight School Studio für ihr Spiel überlegt haben: Ein 3D-Platformer zum Entspannen. Wie relaxed das Gameplay wirklich ist haben wir uns für euch in unserem Test angesehen.
Stellt euch vor, ihr seid winzig klein. So klein, dass sogar Käfer größer sind als ihr. Wer von euch bekommt bei diesem Gedanken schon eine Gänsehaut? Das ist jedenfalls, was euch im neuen Indie-Platformer Stonefly aus dem Hause Flight School Studio erwartet. Aber anders als gedacht, soll das Spiel eher entspannt sein, mit Electro-Beats und schöner Naturoptik. Wie entspannend Horden von riesigen Käfern sein können, haben wir in unserem Test unter die Lupe genommen.
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Nicht von dieser Welt
Stonefly (jetzt kaufen 25,88 € ) ist ein größtenteils lineares 3D-Platformer-Abenteuer mit leichten Open-World-Elementen. Ihr begleitet Annika Stonefly, eine Pilotin und geniale Erfinderin, auf ihrer Reise durch eine riesige Welt. Allerdings ist die Welt nicht wirklich riesig, sondern Annika und alle anderen Lebewesen winzig klein. Die Umgebung wirkt irdisch und vertraut, dennoch werdet ihr schnell merken, dass das Spielgeschehen nicht auf der uns bekannten Erde stattfindet.
Abgesehen von Annika, wirken viele der Charaktere wie Aliens und auch die krabbelnden Gegner unterscheiden sich oftmals von unseren heimischen Arten.Obwohl die Charaktere keine Menschen sind, wird eine durch und durch menschliche Geschichte erzählt: Das zentrale Erzählmotiv von Stonefly ist das Erwachsenwerden und das Finden eines eigenen Platzes in der Welt. Wie eingangs erwähnt, ist Annika eine junge und geniale Erfinderin.
Sie arbeitet in der Werkstatt ihres Vaters, in welcher sie gemeinsam mit ihm mechanische Käfer-Roboter repariert, sogenannte Mechs. So schlau Annika auch ist, durch ein unglückliches Missgeschick lässt sie zu, dass der wertvolle Mech ihres Vaters gestohlen wird. Das Mädchen beschließt, die wertvolle Ingenieurskunst im Alleingang zurückzuholen und begibt sich auf eine gefährliche Reise, in der sie all ihr Bücherwissen in der Realität umsetzen muss.
Electro-Beats und Impressionismus
Eure einzige Möglichkeit der Fortbewegung im Spiel ist der schrottreife mechanische Käfer, den Annika zu Beginn ihrer Reise findet und arbeitstüchtig macht. An Bord dieses Mechs erkundet sie die Welt des Spiels und fliegt über massives Geäst und gigantische Blätter. Die Baumwipfel-Welt ist in verschiedene, frei erkundbare Zonen eingeteilt. Bei der Erkundung verbringt ihr einen Großteil in der Luft, denn das Terrain ist uneben und ermöglicht nur ein Gleiten von Punkt zu Punkt. Lasst euch einfach von den Luftströmen tragen und genießt die Umgebung, denn der Stil von Stonefly ist ein interaktives Gemälde. Die Entwickler haben sich von den minimalistischen und abstrakten Werken des Künstlers Charley Harper inspirieren lassen. In der Praxis erinnert der Artstyle im Spiel an einen Pixar-Film mit gedämpften Farben und Schraffur-Filter.
Quelle: Flight School Studio / MWM Interactive
Um die nervigen Krabbler loszuwerden, müsst ihr sie betäuben und von der Kante pusten.
Jede Zone hat außerdem eine ganz eigene Musik, die die Waldumgebung entspannt mit einem Electro-Soundtrack untermalen soll. Das gelingt von Gebiet zu Gebiet mehr oder weniger gut. Die Synth-Elemente im Soundtrack erinnern oft an krabbelnde Käfer, genauso nervig klingt es auch ab und zu. Pro Areal ändert sich die Musik auch nicht und je nachdem wie lange man in einem Gebiet verbleibt, muss man den gleichen Song durchgehend ertragen. Das kann auf Dauer etwas nervig werden. So nervig wie wuselnde Käfer eben. Trotzdem ist im meist gechillten Electro-Soundtrack des deutsch-chilenischen Musikers Natureboy Flako, auch die eine oder andere Musik-Perle zu entdecken. Wenn der Song passt, dann wird das Gleiten von Ast zu Ast zu einer wirklich entspannten Angelegenheit.
Mineralien are a girls best friend
Quelle: Flight School Studio / MWM Interactive
Im Camp kann Annika ihren Mech nicht nur abstellen. Hier kann sie auch Upgrades installieren, die ihr bei ihren Vorhaben helfen.
Im Laufe der Geschichte trefft ihr auf weitere Mech-Piloten, die Annika bei ihrer Suche nach dem Mech ihres Vaters unterstützen. In deren Basis könnt ihr Upgrades für euren Mech installieren, zusätzliche Bauteile kaufen oder auch nur mit euren Freunden plaudern. Für die Upgrades benötigt ihr Mineralien, die ihr während euren freien Patrouillen-Einsätzen oder der linearen Story-Mission sammelt. Um sich in der Umgebung nicht zu verlieren, kann ein Glühwürmchen-Schwarm herbeigerufen werden, ähnlich des Leitsystems welches Spieler aus den neuen Monster-Hunter-Teilen schon kennen könnten. Die kleinen Glühwürmchen können jederzeit per Knopfdruck gerufen werden und fliegen automatisch in Richtung des Ziels, in die der Spieler als nächstes gehen soll.
Dankbarer Weise, gibt es zusätzlich auf dem Weg einige Spawn-Punkte, die ihr freischalten könnt, während ihr die Welt erkundet. Sie erlauben euch, bei Bedarf von dort zu starten, um auf Mineraliensuche zu gehen. Um die Story rund um die Suche nach dem verlorenen Mech von Annikas Vater voranzutreiben, und alle Gebiete zu entdecken, braucht ihr notgedrungen einige Upgrades für euer eigenes Gefährt. Die Aufbesserung eures Mechs ist unumgänglich, denn das Terrain in Stonefly ist divers und birgt viele Herausforderungen. So braucht Annikas Mech für ein Gebiet beispielsweise mehr Sprungkraft, damit sie an schwer erreichbare Stellen kommt. Oder ihr Mech benötigt eine Kältebeschichtung, um die eisigen Temperaturen in den hohen Wipfeln zu überstehen. All diese Upgrades müssen natürlich erst mal gebaut werden und da ihr dafür Mineralien braucht, wird die Suche nach ihnen zu eurer Hauptaufgabe im Spiel. Nach dem Motto: "Eat. Sleep. Grind. Repeat.", dürft ihr euch immer wieder auf Entdeckungsreise begeben, um bestimmte Ressourcen zu sammeln. Die verschiedenen Mineralien gibt es auch nicht alle in einem Gebiet, so könnt ihr anfangs zum Beispiel nur Loranit und Dailium sammeln, zwei von sechs Hauptmineralien. Diese verwendet ihr im Verlauf des Spiels entweder für euren eigenen Mech oder gebt sie in Story-bedingten Quests an eure neu gewonnenen Freunde ab.
Wo ist das Insektenspray?!
Aber ganz so einfach wird es euch natürlich nicht gemacht. Die Mineralien sind auch von den einheimischen Käfern heiß begehrt und diese scheuen keine Mühen, um euch das Leben so schwer wie möglich zu machen. Während ihr also die Ressourcen mit Hilfe eines Bergbau-Lasers zerstört und einsammelt, müsst ihr euch gleichzeitig um die gierigen Käfer kümmern. Die hartnäckigen Biester erscheinen aus dem Buschwerk sobald ihr euch einer großen Mineralienquelle nähert und treten in den verschiedensten Formen und Farben auf. Von klitzekleinen Käfern, zu gigantischen Blattläusen, auf deren Rücken ihr wertvolle Ressourcen finden könnt, ist alles dabei.
Je weiter ihr im Spielgeschehen voranschreitet, desto mehr Arten von Käfern werden euch begegnen. Unglücklicher Weise nimmt damit auch die Anzahl der Arten zu, die euch pro Kampf angreifen werden. Es wird immer schwieriger größere Mineralvorkommen zu ernten, da von allen Seiten Gegner auf Annikas Mech einprügeln, um sie von der Plattformkante zu stoßen. Diese Begegnungen finden meist in "King of he Hill"-artigen Arenen statt, aus welchen die Spieler erst entkommen, wenn sie alle Gegner besiegt haben.
Quelle: Flight School Studio / MWM Interactive
Eine besonders hilfreiche Fähigkeit ist der Wirbelsturmschild. Mit ihm können Mineralien abgeschirmt werden, damit die hungrigen Krabbler nicht mehr dran kommen.
Ganz wehrlos seid ihr bei euren Erkundungsflügen aber nicht. Eure Kernaufgabe in den Kämpfen ist, die Krabbelviecher von den Ressourcen fern zu halten und von der Plattform zu schubsen. Dafür besitzt Annikas Mech eine Vielzahl an Fähigkeiten, die euch dabei helfen sollen. Nettes Detail: Annika sammelt die Upgrades nicht einfach ein, sondern wird von ihrer Umgebung und den Gegnern zu neuen Kreationen inspiriert, die sie dann in Baupläne umwandelt. Diese können in der Basis mit den entsprechenden Materialien erstellt werden. Je mehr ihr also unterwegs seid, desto öfter fallen Annika neue Möglichkeiten ein, ihren Mech zu verbessern. So bekommt ihr zum Beispiel Betäubungsgeschosse mit denen ihr Käfer auf den Rücken werfen könnt, um sie daraufhin mit dem eingebauten Gebläse von der Kante zu fegen. Für große Gegner, wie den Hirschkäfer, könnt ihr auch eine andere Taktik anwenden und ihn mit einem Greifhaken packen und über die Kante ziehen. Sehr hilfreich ist auch der Wirbelsturm-Schild. Mit ihm könnt ihr wertvolle Mineraldepots vor hungrigen Käfern abschirmen. Die verschiedenen Gadgets habt ihr, nachdem ihr sie gebaut habt, immer parat, müsst euch also nicht, wie in vielen anderen Spielen, zwischen ihnen entscheiden. Dabei haben manche der Fähigkeiten zwat eine kurze Abklingzeit, was spielerisch aber nicht wirklich ins Gewicht fällt.
Ein Spiel voller Bugs
Die Kämpfe können trotz all der Fähigkeiten und dank der schieren Masse an verschiedenem Getier, schnell unübersichtlich und frustrierend werden. Wenn man beim Spielen ständig betäubt, vergiftet oder von der Kante geschubst wird, ohne die Möglichkeit zu kontern, bleibt der Spaß leider auf der Strecke. Am Ende bleibt nichts Anderes übrig, als die Standartattacke zu spammen und die Kriechtiere einzeln vom Feld zu pusten, denn für viel Taktik bleibt keine Zeit.
Vielleicht haben die Entwickler ihre Prämisse, ein Spiel voller Käfer, also Bugs, zu gestalten, ein bisschen zu ernst genommen. Von den kleinen Krabblern mal abgesehen, finden sich im Spiel auch eine Handvoll Bugs. Diese erschweren es, ein durchgehend befriedigendes Spielerlebnis zu bekommen. Während des Tests sind uns nämlich ab und zu unsichtbare Gegner begegnet, die plötzlich aus dem Nichts angegriffen haben. Bevor man sich versah, wurde Annikas Mech auch schon von der Plattform gestoßen, ohne, dass der Übeltäter in Sichtweite war.
Quelle: Flight School Studio / MWM Interactive
Für den Mech gibt es unzählige Fähigkeiten. Die Natur inspieriert Annika zu immer neuen Erfindungen.
Das Leitsystem mit den goldenen Glühwürmchen funktioniert größtenteils ganz gut, doch manchmal führten sie uns im Test an Orte, aus denen wir nicht mehr so leicht herausgekommen sind. Das liegt aber teilweise auch daran, dass durch den speziellen und illustrativen Stil der Umgebung und damit fehlenden Outlines, Schwierigkeiten entstehen, Abstände richtig abzuschätzen. Zudem fehlen Kontraste in den Farben und verstärken diesen Effekt noch weiter. Am gravierendsten fiel dieses Problem in der Handheld-Version des Spiels auf der Nintendo Switch auf. Der Mech wird in der Umgebung so klein dargestellt, dass es die Navigation noch zusätzlich beeinträchtigt. Wir empfehlen deshalb, das Spiel immer auf einem größeren Monitor zu spielen.
Zusätzlich entstehen durch die fixierte Kamera auch visuelle Einschränkungen. Da kann es schon mal vorkommen, dass beim Gleiten durchs Geäst, der Mech von riesigen Ästen oder Blättern im Vordergrund verdeckt wird und man als Spieler nicht sieht wo der nächste Landepunkt ist. Viel zu oft sind wir deshalb in den Abgrund gestürzt. Ein tröstlicher Ausgleich kann hierbei sein, dass ihr im Spiel nicht wirklich sterben könnt. Fallt ihr zu oft vom Baum oder werdet von zu vielen Käfern gebissen, wacht Annika einfach in ihrem Bett in der Basis auf. Bis dahin gesammelte Materialien behaltet ihr auch.
Abgesehen von diesen doch sehr offensichtlichen Fehlern, haben die Entwickler von Stonefly einiges richtiggemacht. Der Spielemarkt ist schon langsam übersättigt von Indie-Platformer-Games, die alle versuchen einzigartig zu sein. Stonefly ist hier keine Ausnahme, doch schafft das Spiel eine tatsächliche Abwechslung in den schnöden Platformer-Alltag zu bringen. Die 3D-Umgebung ist dabei eine große Hilfe, denn wir bekommen hier ein dreidimensionales Abenteuer, anstatt plumpes von links nach rechts Springen. Das Gleiten durch die Natur macht zeitweise viel Spaß, dennoch wirkt die Welt sehr leer und leblos, da Käfer und andere Charaktere nur an festen Punkten anzutreffen sind. Flight School Studio hätten hier gerne noch einen Schritt weitergehen können, denn die Coming-of-Age-Story, die Charaktere und das Setting haben viel Potenzial und hätten weiter ausgeschöpft werden können. In jedem Fall ist es ein interessantes Konzept, das frischen Wind bringt.
Wer keine Angst vor Käfern hat, kann sich Stonefly für PC, PlayStation 4 & 5, Xbox One, Xbox Series X & S oder Nintendo Switch holen.
Habt ihr Stonefly schon selbst ausprobiert? Was haltet ihr von diesem doch etwas anderen Action-Adventure?
